Deutscher Chardonnay? Ein Blindproben-Selbstversuch.

Deutscher Chardonnay - Wo stehen wir?

(NM) Beim Spätburgunder haben wir Deutschen „so von außen betrachtet“ ja schon einiges erreicht. Auch wenn Sieben Achtel der weltweiten Wein Freaks unseren „Schpahtburgunder“ nur vom hören-sagen oder der Dekanter Trophy kennen, darf man der deutschen Interpretation der Königin der Rotweinsorten einen gewissen Qualitätsruf und Anspruch nicht ausreden. Regelmäßig schicken wir mit Spätburgunder von der Ahr, aus Baden, Rheinhessen oder der Pfalz renommierte Premier und Grand Grus aus dem Burgund in Blindproben nach Hause. Doch um International die ganzen großen Schnitte zu machen, sind die Produktionen der großen Spätburgunder viel zu gering. Und selber saufen wir das Zeug ja auch noch recht gerne. Somit ist der deutsche Pinot Noir „so von außen betrachtet“ fast schon mit dem Yeti zu vergleichen – alle kennen ihn, doch noch keiner hat ihn gesehen.

Doch was macht eigentlich deutscher Chardonnay? Sind wir doch einmal ehrlich. Außer dem ständigen Vergleich mit seinem ideal Vorbild aus dem Burgund antreten zu müssen, hat deutscher Chardonnay stilistisch bzw. typizizätisch (neues Wort – geht auf mich) in etwa so viel Strahlkraft wie eine 4 Watt Stromspar-Funzel von Ikea. Und das ist sehr schade. Sicher, Riesling hat die Pole Position der Weißweinsorten in Deutschland auf ewig gebucht, doch ist auch der deutsche Chardonnay durchaus in der Lage sich seine Lorbeeren zu verdienen – und wir helfen ihm heute dabei. Weiterlesen

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Unvergessliche Sternstunden mit Markus Molitor

…dem inoffiziellen deutschen Meister im Wein-5-Kampf.

Sternstunde mit Markus Molitor

Gutes Timing unsererseits. Seit vorletzter Woche rummelt es gewaltig um das Weingut Markus Molitor aus Bernkastel-Wehlen. Nicht weniger als 3x hat Robert Parker Stephan Reinhardt für den Wine Advocat die magischen 100 Punkte für 3 *** Auslesen aus dem Hause Molitor vergeben. Dazu etliche weitere 98/97/96 Punkte für Weine aus der 2013er Kollektion des umtriebigen Mannes von der Mittelmosel. So etwas gab es im Deutschland weit noch nie.

Leider beinhaltet unsere Probe keine der 3 100 Punkte *** Auslesen aus 2013, dafür aber ein Äquivalent aus 2012. Doch bevor wir im Detail auf die genialen Weine des Hauses eingehen, muss man einfach noch einige Wort über die Person, das Weingut und „the Brain“ Markus Molitor verlieren. Nüchtern und von außen betrachtet ist Markus Molitor schichtweg wahnsinnig. Mit welcher Leidenschaft, Passion und welchem Qualitätsanspruch er jedes Jahr bis zu 65 verschiedene Weine aus 14 Lagen der Mosel und Saar (!) vinifiziert, grenzt schon an vinophilen Wahnsinn und unterstreicht damit die Ausnahmestellung dieses Weingutes. Zu dem kann man die Aussage „inoffizieller deutscher Meister im Wein-5-Kampf“ durchaus für bare Münze nehmen: In allen 5 „Kategorien“ die Markus Molitor bedient (trockener Riesling, feinherber Riesling, fruchtsüßer Riesling, Spätburgunder und Weißburgunder) holte er in verschiedenen deutschen Wein-Wettbewerben den ersten Platz. Auch das sollte ihm niemand so schnell nachmachen.

Markus kann nicht nur Riesling!

Auf den klassischen und unaufgeregten Etiketten des Weingutes findet man an Hand der Anzahl der Sterne (*) eine Steigerung der Qualität bei Steigerung der Anzahl der Sterne wieder. Beim Riesling indiziert zusätzlich noch die Kapselfarbe die Geschmacksrichtung des Weines: Weiß steht für Trocken, Grün-Grau für Feinherb und Gold für Fruchtsüß. Auf halbtrocken wird dankender Weiße gänzlich verzichtet. Unsere Sternstunden bestanden aus den folgenden Weinen: Weiterlesen

1983-2011: Quo Vadis Charta Riesling?

1983 Weil Riesling Charta

(NM) Wie es um den aktuellen, im Handel befindlichen Charta Riesling steht, zeigte der erste Teil unserer kleinen Rheingauer Charta Serie. Unter großartiger Mithilfe von Mark Barth vom Wein und Sektgut Barth und dem Rheingauer VDP ist es uns gelungen, 16 reife Charta Rieslinge aus den Jahren 2011-1983 an einem Abend an einem Tisch zu versammeln. Herausgekommen ist eine wohl einmalige Retrospektive zurück auf 30 Jahre Rheingauer Charta Riesling und eine einzigartige Gelegenheit das Reife und Alterungsvermögen dieses Riesling Typus genauer unter die Lupe zu nehmen. Quo vadis Charta Riesling? Hier die Antwort. Weiterlesen

Rheingauer Kulturgut: Der Charta Riesling

Quo Vadis: Rheingauer Charta Riesling

(NM) Rheingauer Charta Riesling. Für viele außerhalb des Rheingaus ist dieser Wein ein oft belächeltes Gewächs unterhalb der Ersten/Großen Gewächse. Doch war es diese 1984 im Rheingau gegründete CHARTA-Vereinigung, welche den Grundstein für das folgende Erste und Große Gewächs Qualitätssystem legte. Doch wo steht der CHARTA Riesling heute? Und wie präsentiert sich die CHARTA Geschichte nach 30 Jahren lebendiger Vereinigung? Drunkenmonday ging zusammen mit Mark Barth vom VDP Wein und Sektgut Barth und dank der Mithilfe des Rheingauer VDP Verbandes auf Spurensuche rund um das Thema CHARTA Riesling. Quo Vadis CHARTA – heute und damals. Im ersten Teil des Berichtes fokussieren wir uns auf alle aktuelle 2012er CHRATA Rieslinge. Teil 2 wird sich mit dem Reife- und Entwicklungspotential dieser Weine beschäftigen und einen Rückblick bis in das Gründerjahr 1984 liefern. Doch dazu später mehr. Weiterlesen

Nicht das „wie“, sondern das „warum“: MOTIF Fine Art Wine

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(NM) Die Sache mit den MOTIF Weinen lief eigentlich ganz einfach ab: Erstkontakt irgendwo bei Facebook (ich glaube sogar über die letzte WineVibes in Berlin), danach sofort nach dem künstlerisch wertvoll anmutenden Stoff gegoogelt. Keine Woche später standen die Weine auf dem Tisch unsere Drunkenmonday Montags Runde in Gießen. Internet und Kathrin Kohl von 225 Liter – Handverlesene Weine sei Dank! Das Projekt „MOTIF Fine Art Wine“ und entsprechen auch die Weine stammen aus Österreich, genauer gesagt aus der Südsteiermark. Die Namensgebung von Gschniglt, Gschekat, Dign & co kommt aus dem Südsteierischen Dialektraum und beschreibt mit einem Wort den Charakter des jeweiligen Inhaltes.

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Im Grunde genommen dreht es sich bei den Motiv Weinen nicht darum „wie“ die Weine schmecken, sprich nicht ob Melone, Schmierfett oder links gerittener Damensattel dem Wortgewandten Aromen Jongleur in den Sinn kommen, sondern um das „warum und wann“ man die Wein trinkt. Die Zusammenstellung der 6 MOTIF-Weine dient alleine dazu, möglichst viele Situationen abzudecken, wann und wo die Weine getrunken werden können. Betriebsintern wird gerne die Tageszeit und der Ort als Kriterium genutzt, den entsprechenden Wein aufzumachen. In der MOTIF-Wein-Kollektion befinden sich sechs Weine: vier Weiße, ein Rose und ein Roter. Außer den rechtlich vorgeschriebenen Informationen wie Jahrgang und Alkohol ist nichts offiziell angegeben. Keine Rebsorte, kein „zu Käse und Wild“, kein „Aromen von Waldbeeren“ etc. Weiterlesen

Märchenprobe: Magic Meursault aus dem Chardonnay Wonderland

Magic Meursault

(NM) KREISCH! So wird heutzutage großer Chardonnay aus dem Meursault beschrieben. Zumindest in Wein 2.0 Insider-Kreisen in diversen Facebook-Gruppen und in Bezug auf die Weine der Domaine Jean-François Coche Dury. Aus Kostengründen wird in diesem Drunkenmonday Beitrag aber kein Wein der eben beschriebenen Kreisch-Domaine dabei sein. Von Coche Dury ist sowieso immer zu wenig auf dem Markt. Dafür schauen wir uns einmal ein paar andere große Namen der Region Meursault an und entdecken auch einen möglichen neuen Superstar – inklusive detaillierteren Weinbeschreibungen. Versprochen. Weiterlesen

Meursault aus Neuseeland? Kumeu River Chardonnay

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(NM) Das Leben als Wein-Enthusiast ist ein verrücktes. Die globale Weinwelt offeriert ein Überfluss an interessanten Rebsorten und deren Weine. Welche Rebsorte oder Region gerade intensiv probiert wird, entscheidet nicht selten einfach der Zufall. Und genau dieser brachte mich nach einer großartigen Meursault-Probe (Bericht folgt!) zurück zum Chardonnay. Da mein Weingedächtnis anscheinend noch ganz ordentlich funktioniert, erinnerte ich mich an einen gewissen Hendrik Thoma, welcher in einer seiner frühen „Wein am Limit“ Folgen auf das Neuseeländische Weingut Kumeu aufmerksam machte. Und wie es der Teufel so will, sind die Weine des Weingutes Kumeu nun auch in Deutschland über Vinexus verfügbar. Somit war die Mission klar: Kann Neuseeland Chardonnay ähnlich dem aus Meursault sein? Zwei Flaschen wurden besorgt, und los ging der Cross-Kontinentale Chardonnay Vergleich. Weiterlesen

Hausbesuch Teil2: Ein Abend mit Jürgen Krebs und Andreas Rings

Jürgen Krebs zu Besuch bei Drunkenmonday

(NM) Im Teil 2 des Berichtes über den Besuch des Freinsheimer Beachvolleyball Duos Jürgen Krebs und Andreas Rings bei der Gießener Drunkenmonday Runde, dreht sich alles um das vinophile Schaffen des Jürgen Krebs. In dem gleichnamigen Weingut Krebs bekam Jürgen schon relativ früh von seinem Vater die Verantwortung über das Rotwein-Sortiment. Doch welche Folgen dieser Schritt haben sollte, konnte wirklich niemand erahnen. Wie schon in Teil 1 erwähnt, schaffte es in 2010 das bis dato überregional recht unbekannte Freinsheimer Weingut Krebs mit dem Gewinn des deutschen Rotwein Preises – in der Königsklasse Spätburgunder – den Sprung auf die große Bühne der deutschen Weinbaus. Über Nacht war der Gewinner-Wein, der 2007er Spätburgunder Musikantenbuckel (damals noch für 15€ auf der Karte!) restlos ausverkauft. Auch der 2008er erlag dem gleichen Schicksal. Mittlerweile hat sich der Rummel um diesen Wein doch etwas gelegt. Der 2011er Spätburgunder Musikantenbuckel ist glücklicherweise noch ab Weingut zu haben. Weiterlesen

Hausbesuch Teil1: Ein Abend mit Jürgen Krebs und Andreas Rings

Fröhliches Beisammensein...

Teil 1: die Weine von Weingut Rings!

(NM) Hoher Besuch der Giessener Drunkenmonday Runde bahnte sich an. Die Klinken wurden poliert, die Haare gewaschen und die beste Hose aus dem Schrank gekramt. Es schickten sich zwei ausgesprochen talentierte Jungwinzer an, unsere ehrwürdige Weinrunde (bestehend aus Pädagogen, noch mehr Pädagogen, Psychologen, Informatikern, Bankern, Maschinenbauingenieuren, Weinhändlern und Kampfsport-Quereinsteigern) persönlich mit ihrer Anwesenheit zu beglücken. Und somit schossen Andreas Rings vom Weingut Rings und Jürgen Krebs vom Weingut Krebs im Passat „von der Muddi“ aus Pfälzer Freinsheim in das schöne funktionelle Giessen. Im Gepäck eine feine Auswahl des kürzlich vorgestellten 2012er Jahrgangs. Gespannt wie ein Flitzbogen fieberten wir diesem Abend entgegen. Und ganz nebenbei, es sollte nicht nur Wein-technisch ein ganz großer werden… Weiterlesen

Gaillac – Frankreichs bestgehütetes Weingeheimnis?

Voila: Gaillac!

(NM) Hand aufs Herz, wie viele Weine aus dem Gaillac haben Sie schon probiert? Ein, Zwei, Fünf oder sogar gar keinen? Ich muss gestehen, bevor dieser Probe war ich auch einer aus der Null-Gruppe. Nun sind es Dreizehn, aber es werden mit Sicherheit noch viele mehr werden. Der Grund dafür nennt sich Karl Ernst Brunk. Neben seinem Weinimport ist er ein fleißiger Drunkenmonday Leser und sehr kommunikativer Kerl. Somit war er mir von Anfang an schon sympathisch, bevor er mit den Weinen aus dem Gaillac bewaffnet an meiner Haustür klingelte. Herausgekommen ist der faszinierendsten Abende der Drunkenmonday Historie. Ein Abend voller unbekannten Rebsorten, An und Ausbau-Methoden, 18 Jahren alten Schaumweinen und kuriosen Winzergeschichten. Und das alles aus einer Region in Frankreich, die vielleicht das bestgehütetes Weingeheimnis dieser Nation ist. Ihr wollt mehr erfahren? Bitteschön.

Das Gaillac ist die älteste Weinbauregion Frankreichs. Weiterlesen

Wenn Wein die Seele berührt: Domaine Gourt de Mautens

Große Emotionen: Domaine Gourt de Mautens

(JR) Manchmal sind es die Zufälle im Leben, die Prinzipien auf den Kopf und eingefahrene Ansichten in Frage stellen. Thomas Krug, langjähriger Freund und Besitzer der renommierten „Käseglocke“ in Gießen erzählte mir im vergangenen Sommer am Rande einer Weinprobe „off topic“, er habe bei einem Freund einen ganz ungewöhnlichen Wein aus Südfrankreich kennengelernt, den müsse ich einfach bei Gelegenheit mal probieren. Aber wie das so ist, der Abend wurde lang, manches war zu besprechen und diskutieren und der Südfranzose war schnell vergessen. Der Zufall führte im Winter zu einer Drunkenmonday-Probe mit dem Thema „Süd-Rhone“ und der Wein aus Rasteau drängte sich aus dem Unterbewusstsein hervor. Dank des empfehlenswerten aber nicht sehr kommunikativen Frankreich Spezialisten Vinisud stand Anfang des Jahres eine kleine Vertikale der Jahrgänge 07, 08 und 09 auf unserem Probentisch.

Ein ganz außergewöhnlicher Wein

Das waren die Worte, die mir im Ohr lagen, als der undurchsichtig, tiefdunkle 2007er Gourt de Mautens im Glas seine Aromenpracht entfaltete. Weiterlesen

Schweinerei von und mit dem WinePunk

Zanzo aka Marco Zanetti aka WinePunk

(NM) Hoher Besuch bahnte sich an. Marco Zanetti a.k.a. der WineRaver WinePunk schlug für einen Besuch persönlich in Giessen auf, um seine im Veneto, genauer gesagt in der DOC Breganze produzierten Weine der neugierigen und weltoffenen Drunkenmonday Runde vorzustellen. Marco ist das, was man gut und gerne einen „bunten Hund“ der Szene nennen kann. Der ausgebildete Sommelier ist zudem ein vinophiler Tausendsassa. Winzer, Wein-Video-Botschafter und Wein-Importeur, es gibt kaum ein Gebiet in der Weinwelt, wo Marco nicht aktiv ist. Dazu steckt hinter dem robusten und leicht rebellischen Äußeren ein ausgesprochen sympathischer und cleverer Kern. Davon konnten wir uns bei einem sehr geselligen und langlebigen Montagabend selbst überzeugen. Neben den Weinen aus seinem Import-Geschäft (drüber wird separat berichtet), brachte er drei Weine seines Weingutes Zio Porco Wines mit. Einen Rosé und zwei Rotweine. Here we go. Weiterlesen

„Freie Weine“ aus Südtirol

Freier Wein aus Südtirol

Christoph Richter von wein-aus-suedtirol.eu zu Gast bei Drunkenmonday.

(JR) Südtirol ist ein Schmelztiegel der Kulturen und Gegensätze. Alpine und mediterrane Lebensart treffen hier aufeinander und führen gerade in Sachen Wein immer wieder zu interessanten Neuentdeckungen. Christoph Richter, engagierter Importeur aus Hersbruck, war an diesem Abend angetreten, uns die eher unbekannteren Weine der freien Weinbauern Südtirols vorzustellen. Sie bilden den Schwerpunkt seines Programms. Mehr hierzu sowie Bestellmöglichkeiten findet man auf seiner interessanten Webseite wein-aus-suedtirol.eu.

„Wir mußten Künstler sein!“

Zum Einstieg gab es einen spannenden 2012 Weisser Burgunder von Andi Sölva. Weiterlesen

Free Climbing am Calmont: 2011er Rieslinge vom Weingut Franzen / Terrassenmosel

Imposant: Der Bremmer Calmont

(NM) Was Kilian Franzen und Freundin Angelina Lenz samt Lese-Team jedes Jahr in dem Bremmer Calmont an Extrem-Sport leisten, ist auch für Mosel-Steillagen Winzer nicht alltäglich. Die beiden wurden buchstäblich von jetzt auf heute in den Job der Berg-Bezwingers geworfen und haben seit 2010 nach einem schweren Schicksalsschlag das Ruder des Weingutes Franzen in der Hand. Ich konnte die beiden ausgesprochen sympathischen Jungwinzer (das sind für mich alle, die jünger sind wie ich) und ihre Weine auf der WineVibes Vol.5 Anfang März in München das erste Mal kennenlernen. Ob die initiale Euphorie über ihre Weine aus den Lagen Bremmer Calmont und Neefer Frauenberg auch in der Montäglichen Drunkenmonday Runde bestätigt wurde, darf nun im folgenden Artikel nachgelesen werden.

Steil, steiler, Bremmer Calmont

Auf insgesamt 9,3 Hektar Reben bewirtschaftet das Weingut Franzen aus Bremm neben überwiegend Riesling auch etwas Elbling, Weissburgunder und Chardonnay. Die zwei Toplagen des Hauses sind Neefer Frauenberg und der besagte Bremmer Calmont, seines Zeichens mit über 65° Steigung (im Durchschnitt) steilster Weinberg Europas. Weiterlesen

Keine Tradition, etwas Revolution und wenig Manipulation: Deutsche „Orange Wines“

(NM) Mir geht dieses sporadische „Orange Wine“ heruntermachen in Deutschen Weinkreisen ehrlich gesagt ganz schon auf den Zeiger. „Schmeckt wie Dreck“, „Unsaubere Weine“, „Eldorado der Weinfehler“ wird hier fröhlich über ein Kann geschert. Doch dabei gibt es für diese „Orange Wine“ Geschichte überhaupt keine klare Definition, keine gemeinsame Grundlage für „das braucht kein Mensch“. Oft wird das Thema Naturwein und Orange Wine einfach zusammen abgefrühstückt. Doch hinter dem einen steht eine Philosophie (Naturwein: Biodynamie im Weinberg + wenig/kein Schwefel + weglassen sämtlicher Hilfsmittel zur Klärung/Schönung etc.), im anderen Fall eine Weinbereitungsmethode (Orange Wine: Maischegärung bei Weißweinen).

Ich möchte jetzt auch nicht in das Pro und Contra Naturwein, Orange Wine und Konsorten abdriften. Nur so viel: Sicher gibt es Winzer die diese Ansätze/Methoden nicht so gut umsetzen wie andere. Sicher gibt es Naturweine und Orange Wines, die aromatisch dem Ottonormal Weintrinker die Fußnägel zum hochrollen animieren. Das ist unbestritten und steht auch hier nicht zur Debatte. Doch das eigentliche Ziel des maischevergorenen Weißweines (gerne auch Orange Wine) ist es, durch den längeren Kontakt mit den Traubenschalen und Kernen (und den in ihnen vorhanden Tanninen) eine Erweiterung des Aromen- und Geschmacks-Spektrums hervorzurufen. So simpel das auch klingen mag. Dafür sind weder Koalitionen mit den Herrn Steiners Theorien notwendig, noch spielt der heilige Schwefel hier eine übergeordnete Rolle.

Die Herangehensweise um Tannine in den Weißwein zu bekommen, kann relativ unterschiedlich sein. Die Vorstufe der Maischegärung wäre die Maischestandzeit. Hier wird der Most mit Kernen und Schalen für einige Tage „ziehen“ gelassen. Diese Technik ist aber für Weißweine in der heutigen Zeit nicht wirklich ungewöhnlich oder neu. Betriebe wie zum Beispiel Koehler-Ruprecht wenden diese Methode schon seit Jahren erfolgreich an. Es verleiht den Weinen mehr Struktur und Tiefe, ohne aber an den typischen Aromen Entwicklungen der Traube – geprägt durch das „Terroir“ – zu kratzen. Durch entsprechende Kühlung wird verhindert, dass die Maische die alkoholische Gärung beginnt. Um bei einer längeren Maischestandzeit (auch Mazeration genannt) die Oxidation mit Sauerstoff zu verhindern, kann die Maische mit Hilfe eines Gases (welches schwerer als Sauerstoff sein muss) oder z.B. Trockeneis „verschlossen“ werden. Um aber so viel Farbe und Tannin wie möglich aus den Beerenschalen zu lösen, können auch Weißweine eine Maischegärung durchlaufen. Da auch die Schalen von Weißweintrauben nicht wirklich „weiß“ sind, kommt es bei dieser Methode zu den berühmten orangefarbenen Weinen – Orange Wines – ein umstrittener Mythos ist geboren.

In den letzten zwei Jahrzehnten lag das Epizentrum des Orange Wines im italienischen Nordosten, genauer gesagt im Collio, an der Grenze zu Kroatien. Hier vinifizieren Winzer wie Stanko Radikon oder Josko Gravner einzigartige orangene Weißweine. Doch seit kurzem scheuen auch deutsche Winzer nicht, sich an diese Themengebiet heranzuwagen. Ich habe lange gebraucht, diese teilweise versteckten Schätzchen in Deutschland aufzutreiben. Die wenigsten Weine stehen offiziell auf den Weinkarten der Güter. Hier war wirklich der Jäger und Sammler Trieb gefragt. Als Bonus-Gast an diesem Abend hatten wir Jörn Goziewski, seines Zeichens Kellermeister beim Weingut Ankermühle am Tisch. Er brachte gleich 3 außergewöhnliche Rieslinge mit. Nun also „Vorhang auf“, zur ersten deutschen (mehr oder weniger) Orange Wine Probe. Weiterlesen

Wo in der Mosel noch Wasser fließt: Immich-Anker / Enkirch

Daniel Immich - Weingut Immich-Anker

(NM) In manchen Ortschaften an der Mosel kommt es einem vor, als würde Riesling statt Mosel-Wasser sich durch die kurvigen Gesteinsformationen schlängeln. Sei es Bernkastel-Kues, Wehlen, Graach, Brauneberg oder Piesport, überall steht der Riesling als Aushängeschild an erster Stelle. Man sollte es kaum glauben, aber zwischen all diesen Riesling Hochburgen gibt es kleine und feine Ortschaften ohne die Reputation großer Lagen, welche sich (noch) nicht in die Kette der klangvollen Namen einreihen. Eines dieser versteckten Örtchen ist Enkirch. Hier sitzt seit dem Jahr 1497 (!) das Weingut Immich-Anker und produziert seit nun 17 (!) Generationen großartige Rieslinge von 3 Hektar Steil- und Steilstlagen. Seit knapp 1 Jahren ist auch der Sohnemann nach Aus- und Fortbildung als staatlich geprüfter „Wirtschafter für Weinbau und Önologie“ und „Techniker für Weinbau und Önologie“ wieder im elterlichen Hause angekommen: Daniel Immich.

Ich traf Daniel auf einer dieser WineVibes Partys in München. Er stellte dort einige Weine des Weingutes Immich-Anker vor. Viele der Weine brillierten an diesem Abend durch glasklare Aromatiken, feiner Säure und wunderbarer Süß/Frucht/Säure Spiel – die Paradedisziplin des Mosel Rieslings. Doch weil auf solchen Veranstaltungen gerne auch das ein oder andere Glas mehr getrunken wird, wie es der Verkostungskodex erlaubt, schickte uns Daniel für eine Drunkenmonday Probe in großer Runde nachträglich ein paar Flaschen zu. Retrospektiv Immich-Anker aus der Sicht 8 Gießener Wein-Nasen. Hier nun unsere Favoriten. Weiterlesen

Apropos Rheingau Riesling: Sechs Elfer aus dem Hause Kesseler

2011 August Kesseler Berg Schlossberg Riesling EG

(JR) Über August Kesseler aus Assmannshausen viel Worte zu verlieren, hieße Eulen nach Athen tragen. Die von uns und vielen anderen Weinliebhabern rund um den Globus bewunderten Pinots (August Kesseler im Gespräch mit Drunkenmonday) sind das Aushängeschild des VDP Weinguts und haben spätestens mit dem 2009er Jahrgang qualitativ zur Weltspitze aufgeschlossen. Unsere Einschätzung ist mittlerweile salon- und zitierfähig geworden. Oft wird dabei aber übersehen, dass ca. 40% der Weingut Rebfläche (8,4 ha) mit Riesling bestockt ist. Wir haben deshalb in einer Montagsprobe die aktuelle 2011er Kollektion von August Kesseler unter die Lupe genommen. Kann uns der Kesselersche Riesling ebenso überzeugen wie der Pinot?

Wir starten mit 2011 August Kesseler „Junge Reben“ Riesling Kabinett. Weiterlesen

Pfälzer Terra Rossa: 2004-2011 Pfeffingen Riesling Weilberg GG Vertikale

Imposant: 2004 - 2011 Pfeffingen Weilberg Riesling  GG Vertikale
(NM) Wenn in der Weinszene von „roter Erde“ gesprochen wird, richtig sich der Fokus schnell auf den „Roten Hang“ in Nierstein / Rheinhessen. Eisenoxid verleiht hier der Erde seine rötliche Färbung. Neben großen Rieslingen wird dort seit neuestem in den wärmsten Teilen auch Rotwein, genauer gesagt Blaufränkisch angebaut. Das Weingut St. Antony hat sich für diese Strategie auch schon eine Schellte von Jancis Robinson MW eingefangen. Wie kann man in dieser legendären Riesling Bastion die heiligen Reben durch bäuerlichen Blaufränkisch ersetzen – fragte sich Frau Robinson MW. Doch das Zeug schmeckt wohl richtig gut und kassierte gleich einmal 87+ Punkte von wein-plus.de.

Die Lage: Ungsteiner Weilberg

Nun, genug Wein-Gossip. Auch in der Pfalz gibt es „rote Erde“ im Weinberg. Zwar nur in einer Lage, aber diese hat es in sich. Es ist das 1 Hektar großen Herzstückes des Ungsteiner Weilbergs – die Riesling Paradelage des VDP Weingutes Pfeffingen. Dieser spezielle Teil des Weilbergs besteht aus tonigem Lehm, dessen starke Rotfärbung auf durch hohe Gehalte an Hämatit (Fe2O3) verursacht wird. Aus diesem Herzstück werden die Trauben für das Pfeffingen Riesling Weilberg „Große Gewächs“ gewonnen. Unser heutiger Kandidat für eine eindrucksvolle Jahrgangsvertikale. Weiterlesen

Badenwein aus dem Highend Sektor: Selektion Johner (SJ) aus 2009

2009 Johner SJ

(JR) Etwas mehr als ein Vierteljahrhundert ist das Weingut Karl H. Johner aus Bischoffingen im Kaiserstuhl erst alt. Dennoch haben Vater Karl und Sohn Patrick sich schon seit Mitte der 90er Jahre einen festen Platz in der Oberklasse der deutschen Weinszene erobern können. Klug fährt man das Konzept Klasse statt Masse, lässt sich bei den Spitzenweinen Zeit und reduziert zu Gunsten der Qualitäten den Ertrag. Dass Patrick Johner ein Überzeugungstäter ist, sieht man auch an seinen diversen Aktivitäten im Netz. Einige Kritiker meinen, dass er sich dabei manchmal etwas zu weit aus dem Fenster lehnt, aber klappern gehört nun mal zum Handwerk. Gerade für einen jungen Winzer bieten dafür Twitter, Facebook und Co. ein ideales Medium. Wir hatten die Gelegenheit, die Spitzenweine des zum Zeitpunkt der Probe noch nicht vollständig freigegebenen Jahrgangs 2009 verkosten zu können.

Als Amuse-Bouche starteten wir mit zwei einfachen Rivanern der Jahre 2010 und 2011 aus dem Hause Johner. Weiterlesen

Wenn der Winzer 2 mal klingelt: Hausbesuch vom Weingut J. Bettenheimer

Rheinhessiche Pinot Entdeckung: 2009 Bettenheimer Spätburgunder Täuscherspfad

(NM) Es kommt nicht oft vor das Winzer persönlich ihre Weine der Drunkenmonday Runde im beschaulichen Gießen vorstellen. Doch einer von Ihnen war der ausgesprochen sympathische Jens Bettenheimer von dem Weingut J. Bettenheimer aus dem unterschätzten Ingelheim in Rheinhessen. Es wurde ein Abend voller spannender, lustiger und interessanter Geschichten aus dem Winzer-Alltag, inklusive der wirklich schönen Weinen des Weingutes. Ich denke der Weg nach Gießen hat sich für beide Seiten gelohnt – wir für unseren Teil nehmen eine Menge Informationen „von der anderen Seite“ des Business mit.

Jens Bettenheimer studierte klassisch im ehrwürdigen Geisenheim die hohe Kunst der Traubenbereitung. Nach seinem Abschluss und 8 Monaten im Bioweingut Fromm Winery in Neuseeland eröffnet er seit nunmehr 5 Jahren neue Qualitätsoffensiven im elterlichen Weingut im Rheinhessischen Ingelheim. Auf 12 Hektar Rebfläche werden neben den klassischen Rebsorten wie Spätburgunder, Frühburgunder, Silvaner, Riesling und Grauburgunder auch ganz ausgezeichneter Chardonnay vinifiziert. Seit 2009 wird im Weingut Bettenheimer die Klassifizierung nach Gutsweine, Ortsweine und Lagenweine umgesetzt. Nur die restüßen Weine bekommen die klassischen Prädikate mit auf das Label. Sehr vorbildlich in meinen Augen! Sowohl im Eichelmann als auch im Gault Millau werde 2 Trauben bzw. 2 Sterne vergeben. Hier ist man sich einig. Jens hatte für die Probe eine relativ große Auswahl an Weine dabei. Ich beziehe mich hier jetzt einmal auf die Highlights des Abends und picke somit die Rosinen aus dem durchweg sehr guten und homogenen Sortiment. Weiterlesen

Kräftemessen auf hohem Niveau: Bordeaux vs. europäische Klassiker bis 35€

Bordeaux vs. europäische Klassiker bis 35€

(JR) Die Meinungen bezüglich der Weine aus dem Bordeaux sind in unserer Weinrunde geteilt. Neben langjährigen Fans wie Marc Colavincenzo oder meiner Wenigkeit stehen Skeptiker – allen voran Nico Medenbach (NM) – welche die Weine im internationalen Vergleich für schlicht zu teuer halten. Super Thema für eine Montagsprobe der besonderen Art. Preisobergrenze war 35.-€ pro Flasche. Da sollte sich inner- und außerhalb von Bordeaux etwas „Anständiges“ finden lassen, was sich differenziert vergleichen lässt. Zwei Rotweine aus dem etwas schwächeren aber jetzt gut trinkbaren Bordeaux Jahr 2004 stehen sieben Herausforderern im Ring gegenüber.

2004 Chateau Cantemerle (Bordeaux)
2004 Chateau Poujeaux (Bordeaux)
2002 Cantina di Santadi „Terre Brune“ (Sardinien)
2004 Clos de la Belle (Rhone)
2004 Clos Rougeard Saumur-Champigny „Les Poyeux“ (Loire)
2004 Dei Vino Nobile di Montepulciano „Bossona“ Riserva (Toskana)
2007 Parusso Barolo (Piemont)
2005 Roxanich Merlot (Istrien)
2005 Chateau de Pibarnon (Bandol)

Die Spielregeln: Wie üblich wurden alle Weine blind in zufälliger Reihenfolge verkostet. Es herrschte zudem „Redeverbot“ in Bezug auf die Weine, um eine gegenseitige Beeinflussung auszuschließen. Jeder Teilnehmer erstellte während der Probe sein individuelles Ranking von Platz eins bis neun. Am Ende wurden die Einzelbewertungen aufsummiert und zusammen mit dem Gesamtergebnis besprochen. Die Summen der Einzelplatzierungen sind zur besseren Orientierung mit angegeben. Die ganze Verkostung habe ich nach den Regeln des Faustkampfes beschrieben. It´s Showtime! Weiterlesen

Assyrtiko, Mouhtaro, Liatiko, Tinaktorogos – Griechenlands autochthone Bodenschätze

Der Weinbau in Griechenland(NM) Autochthon (altgriechisch αὐτός autós „selbst“ und χθών chthōn „Erde“, also etwa „einheimisch“, „eingeboren“, „alteingesessen“, „bodenständig“ oder „an Ort und Stelle entstanden“) bezeichnet Dinge, Personen oder Phänomene, die an ihrem ursprünglichen Entstehungsort existieren. So steht es bei Wikipedia. Wenn ich dabei an Griechenland denke, kommt mir unweigerlich die omnipräsente Staatspleite in den Sinn. Autochthone Geldprobleme. An sich aber kein singulär für Griechenland gepachtetes Phänomen. Die wahren autochthonen Stärken des Landes liegen augenscheinlich nicht in dem Finanzsystem, sondern wachsen an den Hängen und Bergen der weitverbreiteten Griechischen Weinbaugebiete. Es sind Rebsorten wie Assyrtiko, Mouhtaro, Xinomavro, Liatiko, Tinaktorogos oder Argiorgitico, welche ganz außergewöhnliche und eigenständige Weine hervorbringen können. Insgesamt gibt es in Griechenland an die 300 (!) autochthone Rebsorten.

Vassilios Christodoulatos, Geschäftsführer und Mann für alles bei Ariston Fine Food GmbH, übernahm die Aufgabe die Drunkenmonday Wissenslücke über (zumindest) ein Teil der für uns völlig unbekannten Rebsorten zu stopfen. Keine leichte Aufgabe, da schon alleine die korrekte Aussprache von Liatiko, Tinaktorogos und co. einige Zeit in Anspruch nahm. Vassili ist ein harter Hund wenn es darum geht, seine Vorstellung von Griechischen Weinen auf dem deutschen Markt zu repräsentieren. Auf der Suche nach den autochthonen Bodenschätzen Griechenlands selektiert er strickt und mit System. Keine „internationale Rebsorte“, gewachsen auf Griechischem Boden, kommt in sein Sortiment. „Syrah und Cabernet kann jeder.“ – „Griechenland sollte sich auf das fokussieren, was sie Einzigartig macht“ – so seine klare Aussage. Um diese Eigenständigkeit weiter zu fördern, berät er auch „seine Winzer“ direkt in Griechenland. Ein ausgesprochen gelungenes Beispiel für diese Mühen ist der 2009er Mouses Estate „Mouhtaro“. Diese Rebe wächst nur noch auf einem zusammenhängenden Weinberg in der Region Theben. Kurz vor dem Aussterben ermutigte Vassili den Winzer Nikolaos Zacharias diese Traube weiter auszubauen. Doch dazu später mehr. Weiterlesen

„Lecker Bordeaux“ trifft auf „nicht lecker Flaschenfehler“

Lecker Bordeaux(JR) Marc Colavincenzo aus der Weinrebe Gießen und der Berichterstatter hatten sich zur Aufgabe gemacht, den Bordeaux Skeptikern, allen voran Nico Medenbach(NM), unsere Begeisterung für Bordeaux etwas näher zu bringen. Man findet im größten Weinanbaugebiet der Welt naturgemäß sowohl Licht als auch Schatten, was Qualität und Preise angeht. Aber es gibt eben auch unendlich viel im vernünftigen Preisbereich zu entdecken, trotz der unwirklichen Preisvorstellungen der Premier Crus. Aber mal ehrlich, welcher Autokäufer würde sich über die Preise eines VW „Phaeton“ aufregen, wenn er einen „Polo“ zu kaufen gedenkt? Eben. Die von uns beiden ausgewählten neun Weine der Jahrgänge 2000, 2004, 2005 und 2006 sollten zeigen, dass man in Bordeaux auch für 10, 20 oder 40 Euro Ausgabepreis einen Wein finden kann, der sich zu kaufen lohnt und die Preisabsurditäten der Premier Crus vergessen lässt.

Doch leider haben uns zwei Kork- und ein Flaschenfehler (Böckser) an diesem Abend einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht. Der 2004 Chateau Poujeaux ist ein bezahlbarer Spitzenwein des Jahrgangs, der 2005 Chateau Cambon la Pelouse ein Drunkenmonday-Geheimtipp und der 2006 Lieutenant de Siglas (Sauternes) ein gelungener Zweitwein von Chateau Siglas-Ribaud. Alle drei Flaschen hatten böse, fiese Fehler und waren schlicht ungenießbar! 30% Ausfall sind bitter und mehr als ärgerlich. Ich plädiere erneut für ein EU-weites Korkverbot! Bei der Glühbirne hat es doch auch funktioniert.

Kommen wir nun zu dem angenehmen Teil des Abends, den verbliebenen sechs Bordeaux Weinen nebst den Einschätzungen, Reaktionen und Wertungen der Gießener Weingruppe. Konnte die zwangsweise zusammengeschrumpfte Auswahl dennoch Freunde wie Skeptiker überzeugen? Weiterlesen

Portfolio-Check im Reich der Bubbles: Champagne Legras et Haas

Champagner von Legras et Haas(NM) Wir trinken gerne Champagner. Wenn man sich aber die Marken-Präsenz von Champagnern in den bekannten Medien so anschaut, wird es schnell langweilig. Jedes It-Girl, jeder reiche Schnösel-Sohnemann und jeder seriöse Geschäftsmann (neudeutsch: Unternehmer) incl. aufgespritzter Gattin stößt auf dem Pseudo-Promi-Empfang in den RTL II Szene News immer nur mit den zwei gleichen Marken an: Moët & Chandon oder Veuve Clicquot. Die Inbegriffe des Champagner Mainstreams. Im Millionärsclub auf N-TV gibt es dann evtl. mal einen Dom Pérignon (ebenfalls aus dem Hause Moët & Chandon) zu sehen. Langweilig. Dabei gibt es so viele großartige und weitaus spannendere Champagner zu entdecken. Heute richtig sich unser Blick auf eine kleines, aber durchaus interessantes Champagner Haus: Legras et Haas.

Legras et Haas ist kein Champagner Haus mit großer Historie. Der Familienbetrieb produziert seit 1991 Champagner in Chouilly, der einzigen Grand Cru-Gemeinde, in der ausschließlich Chardonnay angebaut werden darf. Der große Fokus der Familie liegt somit auf dem Blanc de Blanc. Heute sind neben François Legras und Brigitte Haas auch ihre drei Söhne Rémi, Olivier und Jérôme in dem Unternehmen tätig. Jeder der drei männlichen Nachkommen besitzt eigene Weinberge und trägt somit seinen Teil an der Qualität der Weine und letztendlich an dem Erfolg des Hauses Legras et Haas bei. Doch Papa François bildet mit fast 60 Jahren Weinerfahrung überliefert durch 7 Generationen die Winzerseele der Familie. Weiterlesen

Volnay, Gevrey-Chambertin und Chambolle-Musigny – Pinot Herz, was willst du mehr?

Pinot Herz was willst du mehr?

(NM) Pinot Noir war im vergangenen Jahr bei unseren Proben oft Quelle der Freude. Ob gut und günstig aus deutschen Landen, gereift aus Kalifornien oder wild und schräg aus dem Rest der Welt, wir hatten 2011 sehr viel Spaß mit dieser Rebsorte. Konsequenterweise wurde hierbei aber der „heilige Gral“ aus dem Pinot Noir Mutterland verschmäht: Burgund! Das konnte so nicht weiter gehen. Mit Hilfe von www.noblewine.de wurde so klangvolle Namen wie Volnay, Gevrey-Chambertin und Chambolle-Musigny eingeladen. Die Messlatte lag hoch, die Vorschuss-Lorbeeren waren geerntet. Nun musste „Burgund“ zeigen, was in ihm steckt. Um die Kosten unter Kontrolle zu halten wurde auf die großen Häuser fast gänzlich verzichtet. Somit zeigten einige Underdogs und Geheimtipps der Region, was sie aus den wohl klingenden Appellationen des Burgunds zusammengezaubert bekamen. Mit dabei waren:

2008 Domaine Louis Boillot et Fils Gevrey-Chambertin „Les Evocelles“
2008 Domaine Ghislaine Barthod / Barthod-Noëllat Chambolle-Musigny
2008 Domaine Dublère Volnay 1er Cru „Taillepieds“
2009 Domaine Dublère Savigny-lès-Beaune 1er Cru „Les Talmettes“
2009 Domaine Denis Bachelet Côte de Nuits Villages
2009 Faiveley Nuits St. Georges 1er Cru „Les Porêts Saint-Georges“

Mögen die Spiele beginnen! Weiterlesen