Wenn der Winzer 2 mal klingelt: Hausbesuch vom Weingut J. Bettenheimer

Rheinhessiche Pinot Entdeckung: 2009 Bettenheimer Spätburgunder Täuscherspfad

(NM) Es kommt nicht oft vor das Winzer persönlich ihre Weine der Drunkenmonday Runde im beschaulichen Gießen vorstellen. Doch einer von Ihnen war der ausgesprochen sympathische Jens Bettenheimer von dem Weingut J. Bettenheimer aus dem unterschätzten Ingelheim in Rheinhessen. Es wurde ein Abend voller spannender, lustiger und interessanter Geschichten aus dem Winzer-Alltag, inklusive der wirklich schönen Weinen des Weingutes. Ich denke der Weg nach Gießen hat sich für beide Seiten gelohnt – wir für unseren Teil nehmen eine Menge Informationen „von der anderen Seite“ des Business mit.

Jens Bettenheimer studierte klassisch im ehrwürdigen Geisenheim die hohe Kunst der Traubenbereitung. Nach seinem Abschluss und 8 Monaten im Bioweingut Fromm Winery in Neuseeland eröffnet er seit nunmehr 5 Jahren neue Qualitätsoffensiven im elterlichen Weingut im Rheinhessischen Ingelheim. Auf 12 Hektar Rebfläche werden neben den klassischen Rebsorten wie Spätburgunder, Frühburgunder, Silvaner, Riesling und Grauburgunder auch ganz ausgezeichneter Chardonnay vinifiziert. Seit 2009 wird im Weingut Bettenheimer die Klassifizierung nach Gutsweine, Ortsweine und Lagenweine umgesetzt. Nur die restüßen Weine bekommen die klassischen Prädikate mit auf das Label. Sehr vorbildlich in meinen Augen! Sowohl im Eichelmann als auch im Gault Millau werde 2 Trauben bzw. 2 Sterne vergeben. Hier ist man sich einig. Jens hatte für die Probe eine relativ große Auswahl an Weine dabei. Ich beziehe mich hier jetzt einmal auf die Highlights des Abends und picke somit die Rosinen aus dem durchweg sehr guten und homogenen Sortiment.

Bezahlbarer Super-Sylvaner: 2010 Bettenheimer Sylvaner Appenheimer EselspfadWir starteten mit einem 2011er Perlwein aus Silvaner und Weißburgunder – verpackt in einer sehr schicken und ansprechenden Flasche. Kategorie ausgewogenes Blubber-Getränk für Feste und Freunde – mit einem Fizzelchen Restsüße läuft das Zeug in großen Mengen die Kehlen hinunter. Unkompliziert und wirklich lecker. Für 6,50€ uneingeschränkt zu empfehlen. Weiter ging es mit dem 2011 Bettenheimer Ingelheimer Grüner Silvaner. Dieser Silvaner-Ortswein zeigte mit frischer Frucht, leichter Cremigkeit, feiner Mineralik und wenig Säure ein sehr ausgewogenes Gesamtbild. Ein ausgesprochen stimmiger und blitz sauberer Silvaner für 8,50€. Auch der 2011er Bettenheimer Ingelheimer Riesling konnte aus der Ortswein-Serie überzeugen. Neben floralen Noten, schöner Gelbfrucht und einer „kalkigen Frische“ (?) fiel der lange Abgang sehr positiv auf. Für einen Riesling recht moderat in der Säure, wird auch hier eine sehr gute Qualität für 8,50€ in die Flasche gepackt. Bei 85-87 Punkten lagen die Bewertungen am Tisch für die letzten beiden Ortsweine.

2011 Bettenheimer Ingelheimer ChardonnaySchon seit Jahren viel gelobt wird der Ingelheimer Chardonnay des Weingutes Bettenheimer. Die von Jens mitgebrachte 2011er Version gefiel auch uns ausgesprochen gut. Schon der Duft war großartig. Ich notierte „Nasenporno“. Dies bedeutet vielfältigste Fruchtaromatiken von Kirsche über Ananas bis Kiwi und Rosenblüten. Am Gaumen weich und geschmeidig, mit viel exotischer Frucht, wunderbar integriertem Holz und einer Spur salziger Mineralität. Eine tolle Interpretation dieser in Deutschland oft überholzten oder ausdruckslosen Rebsorte. Für 10€ gibt es hier sehr viel Wein für das Geld! Ich notierte 88+ Punkte in meinem Buch. Als nächstes im Glas: 2010er Bettenheimer Sylvaner Appenheimer Eselspfad. Dieser klassifizierte Lagenwein konnte auch den letzten Sylvaner-Skeptiker (u.a auch mich) überzeugen. Hier wurde ein wilder, kräutrig und dichter Sylvaner kredenzt, wie ich ihn noch nicht im Glas hatte. Aromen von Liebstöckel, Lakritz und frischer Oregano trafen auf frische Limettenschalen und gelbe Früchte. Am Gaumen super frisch, trotz der wilden und fast schon wurzeligen Art. Geiles Zeug. Ich vergab 89+ Punkte und freute mich einen Super-Sylvaner ohne nervende Seifenaromatik für sehr moderates Geld gefunden zu haben! 11€ sind selten besser in ein Wein dieser Rebsorte und Qualität angelegt!

Auch von hinten schön anzusehen: 2009 Bettenheimer Spätburgunder TäuscherspfadDer letzte Weißwein der Probe war der 2010 Bettenheimer Grauer Burgunder „Aureus“ aus dem Ingelheimer Sonnenhang. Rauchig, dicht, leicht hefig und sehr aromatisch strahlte der Wein aus dem Glas. Fruchtaromen von Melone und Zitrone dominierten diesen kräftigen, aber nicht zu mächtigen Grauburgunder. Die feine Säure addierte Dynamik und Leben. Ein klasse Grauburgunder: 88 Punkte. Den Vogel schoss aber der letzte Wein des Abends ab. Jens öffnete eine von 800 Flaschen seines 2009er Bettenheimer Spätburgunder „Täuscherspfad“. Hier wurde nun auch der letzte Zweifler am Tisch von den Winzerqualitäten des Jens Bettenheimer überzeugt. Der Wein durchlief eine spontane Maischegärung und reifte danach weitere 18 Monate im Barrique. Heraus gekommen ist ein großartiger und vielschichtiger Spätburgunder. Auch in diesem Wein fanden wir dieses einzigartige Rauchigkeit, feine getrocknete Kräuter, wunderschöne Herzkirschen und reife Himbeeren, Schokostreusel und eine animierende Holzwürze. Das Tannin-Gerüst läd für einige Jahre Keller-Reife ein. Der Abgang ist lang und sehr ausbalanciert. Für 18€ lehrt dieser Pinot einigen seiner Kollegen „aus großen Häusern“ Ehrfurcht und Respekt. 91+ Punkte und eine uneingeschränkte Empfehlung an die komplette Leserschaft. Dank Jens für diese tolle Präsentation Eures Könnens!

http://www.weingut-bettenheimer.de

Der Jens ...

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