Deutscher Chardonnay? Ein Blindproben-Selbstversuch.

Deutscher Chardonnay - Wo stehen wir?

(NM) Beim Spätburgunder haben wir Deutschen „so von außen betrachtet“ ja schon einiges erreicht. Auch wenn Sieben Achtel der weltweiten Wein Freaks unseren „Schpahtburgunder“ nur vom hören-sagen oder der Dekanter Trophy kennen, darf man der deutschen Interpretation der Königin der Rotweinsorten einen gewissen Qualitätsruf und Anspruch nicht ausreden. Regelmäßig schicken wir mit Spätburgunder von der Ahr, aus Baden, Rheinhessen oder der Pfalz renommierte Premier und Grand Grus aus dem Burgund in Blindproben nach Hause. Doch um International die ganzen großen Schnitte zu machen, sind die Produktionen der großen Spätburgunder viel zu gering. Und selber saufen wir das Zeug ja auch noch recht gerne. Somit ist der deutsche Pinot Noir „so von außen betrachtet“ fast schon mit dem Yeti zu vergleichen – alle kennen ihn, doch noch keiner hat ihn gesehen.

Doch was macht eigentlich deutscher Chardonnay? Sind wir doch einmal ehrlich. Außer dem ständigen Vergleich mit seinem ideal Vorbild aus dem Burgund antreten zu müssen, hat deutscher Chardonnay stilistisch bzw. typizizätisch (neues Wort – geht auf mich) in etwa so viel Strahlkraft wie eine 4 Watt Stromspar-Funzel von Ikea. Und das ist sehr schade. Sicher, Riesling hat die Pole Position der Weißweinsorten in Deutschland auf ewig gebucht, doch ist auch der deutsche Chardonnay durchaus in der Lage sich seine Lorbeeren zu verdienen – und wir helfen ihm heute dabei. Weiterlesen

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Weinrallye 54: Deutscher Spätburgunder vom Kalkstein. Ein Vergleich.

Der gute alte Kalkstein.

(NM) Der Wein-Reich.Blog läutet zur nächsten Weinrallye. Das Thema der Weinrallye #54 ist so simple wie komplex: Region im Glas. Gemeint sind damit die regionalen Fingerabdrücke einer Rebsorte/des Bodentypus etc. (Zauberwort „Terroir“) bzw. deren geschmacklichen Kennzeichen. Ich habe zur dieser Thematik einen prägnanten Gesteins- bzw. Bodentyp ausgesucht und geschaut, ob dieser im Spätburgunder aus deutschen Landen richtig zur Geltung kommt: der Kalkstein.

Weinrallye #54: Region im Glas

Ganz trocken gesagt ist Kalkstein der Überbegriff verschiedener Sedimentgesteine, welche überwiegend aus dem chemischen Stoff Calciumcarbonat (CaCO3) in Form der Mineralien Calcit und Aragonit bestehen. Da Kalkstein ein äußerst variables Gestein ist, widmet sich die Geologie sogar mit einer eigenen Fachrichtung, der Karbonatsedimentologie, der Entstehung und den Eigenschaften dieser Sedimentgesteingruppe. Kommt ein hoher Prozentsatz von Tonmineralen hinzu, bezeichnet man ihn als Mergel. Im Weinbau spielt der Kalkstein eine große Rolle. Auf ihm gedeihen mit die größten Weine dieser Welt. Zum Beispiel ist ein Großteil der Champagne von diesem Gestein durchzogen. Generell sind Burgundersorten sowie Chardonnay und Riesling optimale Trägerrebsorten um die Besonderheiten dieser Bodenformation geschmacklich in die Flasche zu bekommen. Richtig ausgebaut erkennt nicht nur der geschulte Gaumen je nach Rebsorte zum Beispiel eine leicht an Kreide erinnernde Aromatik. Zudem liefert Kalkstein in der Regel keine fetten und breiten Weine, eher karge, kühle und frische Eindrücke dominieren am Gaumen.

Da Hoam.

In Deutschland findet man das Wort Kalkstein häufig auf den Etiketten Pfälzer oder Rheinhessischer Weine wieder. Und genau von dort kommen auch meine beiden heutigen „Kontrahenten“. Zum einen handelt es sich um den 2009er Spätburgunder „Kalkstein“ von dem Rheinhessischen Aufsteigerweingut (zugegeben – blödes Wort) Winzerhof Thörle! Die beiden Brüder Christoph und Johannes Thörle schockten vor kurzem die gesamte Weinwelt, als ihr 2008er Spätburgunder Hölle bei einer von von Tim Atkin MW organisierten weltweiten Pinot Noir Verkostung den 3. Platz belegte! Tschörmen Spätburgunder beats teure Burgunder Grand Crus. The wine world has changed.

Wein Nummer zwei des heutigen Vergleiches kommt von einem mir und generell Drunkenmonday sehr vertrauten und geschätzten Weingut aus der Pfalz. Wir haben schon oft über die Qualitäten des Wollmesheimer Weingutes Pfirmann berichtet. Der hier verkostete 2009er Pfirmann Spätburgunder Kalkgestein zeigte schon in unserer „Deutsche Spätburgunder bis 10€“ Blindprobe Teil 3 eine gute Performance und schnitt sehr ordentlich ab. Mal sehen wie er sich heute im Kalksteinvergleich schlägt. Weiterlesen

Blindprobe: Deutscher Pinot bis 10€ – Part 2

17 Deutsche Spätburgunder bis 10€(JR) Die drittgrößte Spätburgunder-Anbaufläche weltweit(!) findet man in Deutschland.
Entsprechend groß war auch die Resonanz auf unsere erste Runde zum Thema „Deutscher Pinot bis 10€“. Hier nun die zweite Verkostung zum Thema. Für das Lineup haben wir diesmal neben unseren Favoriten auch den ein oder anderen Leservorschlag berücksichtigt, bei Wein Nr. 17 aber aus Vernunftsgründen für den Abend die Reißleine gezogen. Eine Flasche hatte wiedermal einen muffigen/korkigen Flaschenfehler und wurde deshalb aus der Wertung genommen. Ich plädiere hiermit für eine EU-weite Schraubverschlussregelung für Weine unter 10€ ! Was bei der Glühbirne geht, muss doch auch beim Wein möglich sein.

Verkostet und bewertet wurde nach der gleichen Methode, welche wir auch bei der „Deutscher Pinot bis 10€ – Top oder Flop?“ verwendeten: Um objektiv zu bleiben, wurden alle Weine blind in zufälliger Reihenfolge verkostet. Jeder Teilnehmer erstellte während der Probe sein individuelles Ranking von Platz 1 bis 16. Es herrschte zudem „Redeverbot“ in Bezug auf die Weine, um eine gegenseitige Beeinflussung auszuschließen. Am Ende wurden die Einzelbewertungen aufsummiert und zusammen mit dem Gesamtergebnis besprochen. Die Summen der Einzelplatzierungen sind in Klammern angegeben. neun mal Platz 1 würde also die Traumbewertung (9), neun mal Platz 16 die Rote Laterne (144) ergeben. Additiv dazu wurden auch noch „Parker Punkte“ aus der Runde vergeben. In den Klammern hinter dem Wein finden wir also folgendes Bild: (Schnitt der Punkte / Summe der Platzierungen / Preis)

Los gehts! Die Top Five

Platz 1: Weiterlesen

Weinwelt Riesling Preis 2010 – Entdeckung des Jahres: Winzerhof Thörle – Riesling des Jahres: Bassermann Jordan – Kollektion des Jahres: Rings

Bei der größten jahrgangsbezogenen Riesling-Verkostung, die alljährlich von der Zeitschrift WEINWELT durchgeführt wird, feiert die Pfalz in diesem Jahr einen besonderen Triumph: Gleich zwei pfälzische Weingüter konnten die Gaumen der kritischen Experten-Jury mit ihren Weinen überzeugen und wurden mit dem WEINWELT Riesling-Preis ausgezeichnet.

Insgesamt wurden ca. 1300 Riesling-Weine des Jahrgangs 2009 in einer dreitägigen Marathon-Verkostung degustiert. Die Bewertung erfolgte in einer verdeckten Verkostung durch eine 78-köpfige Experten-Jury. Weiterlesen

Gerade im Glas: 2007 Thörle Saulheimer Hölle Riesling Trocken GK

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(NM) Gerade fröhlich Risotto ala Milanese am zaubern, da dachte ich mir, da brauch man doch nen passenden kräftigen Wein dazu. Der Winzerhof Thörle gilt als einer der Aufsteiger in Rheinhessen und gerade aus dem Grund hat mich dieser Wein schon eine weile aus dem Regal schelmisch angelächelt. Also rein in den Kühlschrank – zack und auf.

Mächtige ströhmt der Duft aus reifer Ananas, Pfirsich und knackiger Mineralität aus dem Glas. Der Geschmack ist cremig und opulent, reif und stoffig, trozdem begleitet von einer feinen Säure und einer vervollständigerenden Mineralität. Im Abgang wird es dann richtig interessant, mit Tönen von Karamell & reifer Ananas. Ein wirklich toller Wein. Ich glaube den Wein für „zu günstig“ (9-10€) bekommen zu haben, aber auch in einem etwas höherem Preissegment ist der Wein eine absolute Empfehlung! 90+ Punkte! Sauber gemacht Winzerhof Thörle!