Ein Klassiker aus Down-Under: 1997 Moss Wood Cabernet Sauvignon

1997 Moss Wood Cabernet Sauvignon(NM) In Deutschland ist das Weingut Moss Wood so gut wie unbekannt, doch in Australien (und gerade in Margaret River) zählt es zu den renomiertesten seiner Art. Ihr Steckenpferd ist der Cabernet Sauvignon. Langton’s Australian Wine Classification steckt ihren Cabernet sogar in die Kategorie „Exeptional“, neben Penfolds „Grange“, Bin 707 und Henschke „Hill of Grace“ zu den 17 durchgängig besten Weinen Australiens. Zur Historie des Weingutes: Nachdem Bill Pannell 1969 in einem Magazin laß, wie John Gladstone das „Terroir“ von Margarete River mit Bordeaux verglich, suchte Bill in der Region nach den passenden Lagen. Fündig wurde er in Willyabrup und gründete daraufhin Moss Wood Estate. In dem selben Jahr wurden dort etwa 2 ha mit Cabernet Sauvignon bepflanzt. 1973 kam dann der erste Jahrgang von nur 4 Jahre alten Rebstöcken auf den Markt. Heute tummeln sich auf den 8 ha des Estates neben Cabernet Sauvignon auch etwas Chardonnay, Merlot, Semmilon, Petit Verdot, Cabernet Franc und Pinot Noir.

Ganze 24 Jahre Jahrgänge später wurden dann die Trauben für den 1997 Moss Wood Cabernet Sauvignon geerntet, Weiterlesen

Weinrallye #45 im Mai bei Drunkenmonday

Weinrallye #45 "Reifer Wein" bei Drunkenmonday

(NM) Es wurde aber auch Zeit. Nachdem Drunkenmonday nun schon bei einigen Weinrallyes durch Beiträge mitwirkte, ist es nun an der Zeit, auch einmal aktiv diese auszurichten. Die Weinrallye #45 findet am Sonntag den 22. Mai 2011 hier auf Drunkenmonday statt.

Da der „Jungweindrinkwahn“ immer weiter um sich greift, lautet das Thema diesmal: „Reifer Wein“. Die Grenze dafür haben wir bei dem Jahrgang 2000 gezogen. Also alle Weine aus dem Jahrgang 2000 oder älter sind für die Weinrallye #45 zugelassen. Zu Beginn war angedacht, das Thema nur auf reife Weine aus der „Neuen Welt“ einzuschränken. Dies hätte wahrscheinlich die Teilnehmerzahl etwas eingeschränkt, somit sind nun durch die Bank alle Weine aus dem Jahr 2000 oder älter zugelassen. Umso älter, desto besser. Gerne auch aus der „Neuen Welt“.

Auf geht’s in die Weinkeller dieser Welt. Staub ab, den Korken vorsichtig raus und schreibt über den reifen Wein! Wir freuen uns über eure Beiträge!

Ein paar Artikel über reifen Wein haben auch wir schon verfasst. Sortiert nach Jahren aus den Tiefen des Drunkenmonday Archivs: 19321934196419681969197119761978197919841986198919901991199219941995199619981999

Robust, doch elegant & barock: 1993 Poderi Aldo Conterno Barolo „Romirasco“

1993 Poderi Aldo Conterno Barolo Romirasco(NM) Wieder ein Wein der Kategorie „once in a lifetime“. Aber im Vergleich zu dem 2002er Napa Valley Cabernet von Luise Cellars, wird hier einer der ur-traditionellsten Bereiche der Weinwelt betreten: der Barolo. Nebbiolo aus dem Barolo kann in jungen Jahren dem ambitionierten Weintrinker oft so gar kein Spaß machen. Hinter fiesen und undurchdringbaren Gerbstoffwänden schlummert ein Weinriese, der sich leider viel zu selten in seiner ganzen Pracht und Schönheit dem Barolo-Trinker zeigt. Zeit heilt hier bekanntlich so einige Wunden, somit war die Freude groß, einen doch etwas reiferen Barolo aus einem sehr renommierten Haus einmal in das Glas zu bekommen: 1993 Poderi Aldo Conterno Barolo „Romirasco“.

Die Lage Romirasco in der Bussia Soprana (Monforte) ist mit 3.8 ha der größte Rebberg der Familie Aldo Conterno, doch nur eine extrem geringe Menge der Trauben werden selektioniert und gelangen in die gleichnamige Abfüllung. Weiterlesen

Ein Klassiker aus Chile: 1998 Seña

1998 Sena(NM) Wenn zwei großen Namen der Weinbranche sich zusammentun um etwas Großes zu schaffen, muss auch nicht immer etwas Großes dabei raus kommen. So gesagt, doch was was Robert Mondavi (seiner Zeit „Erfinder“ des Napa Valley Hypes) und Eduardo Chadwick (der große Wein-Mann aus Chile) mit ihrem Konzeptwein „Seña“ geschaffen haben, ist äußerst respektabel. Ich persönlich habe zu diesem 1998er Seña eine ganz besondere Bindung: War es doch der Wein, der mir anno 2000 oder 2001 den Weg zum Qualitätswein ebnete. Mein erster „WoW-Wein“ quasi.

Unter der Leitung von Tim Mondavi, den Winemaker-Skills von Edward Flaherty (er repräsentiert Viña Errazuriz) und der Hilfe von Tony Coltrin (Mondavi) entsteht der Seña seit 1995 jedes Jahr. Er steht als Sinnbild der Allianz zweier großer Familien des Weinbaus und soll die Möglichkeiten des Chilenischen Weinbaus im Premium-Segment widerspiegeln. Weiterlesen

Einem Fake auf der Spur? 1934 Schloss Johannisberg Riesling „Cabinet-Wein“

1934 Schloss Johannisberg Cabinet-Wein(NM) Dass das organisierte Verbrechen auch schon die Weinszene erreicht hat, ist ja weitläufig bekannt. Gerade große Weine aus großen Jahrgängen und seltene, ältere Flaschen aus dem 19ten Jahrhundert werden immer häufiger im großen Stile mit viel Mühe und Aufwand gefälscht. Nicht gerade selten tauchen dann diese Weine bei EBay oder anderen Online-Auktionshäusern auf und werde so unter das ahnungslose Volk gemischt. Auf der anderen Seite geben sich Weingüter immer mehr Mühe, ihre Flaschen fälschungssicher mit den verschiedensten Sicherheitsmethoden auf den Markt zu bringen. Ein schönes Beispiel hierfür ist das Weingut Piccolomini d’Aragona. Sie statten all ihre Brunelli mit einem „Identity Code“ auf jedem Label aus, welcher dann Online über die Webseite www.certilogo.com auf ihre Echtheit überprüft werden kann.

Alle diese „neumodischen“ Sicherheitsmaßnahmen wurden 1934 von dem Schloss Johannisberg natürlich nicht eingesetzt, um ihre Weine dauerhaft Fälschungssicher zu machen. Weiterlesen

Ein Kap-Klassiker: 1993 Meerlust Rubicon

1993 Meerlust Rubicon(NM) Rubicon ist einer der klassischen Bordeaux Blends aus Südafrika, welcher für südafrikanische Verhältnisse schon seit vielen Jahren so etwas wie Kultstatus genießt. Ältere Jahrgänge wie dieser zeigen auch im fortgeschrittenen Lebensabschnitt noch eine Menge Rückrat und Potential. Das Meerlust Estate treibt schon seit 1756 in Stellenbosch sein Unwesen und wird heute in achter Generation von Hannes Myburgh, einem studierten Geisenheimer geleitet. 1993 Jahre nach Christie Geburt wurden von Meerlust’s Winemaker aus 70% Cabernet Sauvignon, 20% Merlot und 10% Cabernet Franc dieser Meerlust Rubicon erschaffen. 24 Monate reifte dieser Blend in Barriques aus französischer Nevers Eiche, 80% neue Fässer und 20% in zweiter Belegung. Und genau dieser Wein befindet sich in meinem Glas.

Die Farbe lässt keinen Zweifel über das Alter des Weins zu. Ein helles Rubinrot mit leichten bräunlichen Reflexen. Auf der Flasche steht 12% Alkohol. Heute undenkbar. Die Nase zeigt großartige Komplexität: Reife Amarenakirschen, etwas Pflaume und Himbeere, Tannennadeln, Zedernholz und frisches Leder. „Awesome“ würde Lena Meyer-Landrut jetzt sagen. Am Gaumen wirkt alles sehr harmonisch und zusammen. Eine feine Säure trägt den Wein sehr elegant und erhaben durch das Geschmackszentrum. Kein fetter und alkoholreicher Brummer, sondern eine Grazie und Schliff mit denen sonst nur reife Bordeaux punkten können. Hier hat sich das Warten gelohnt. Jeder Schluck lässt ein würziges Mundgefühl zurück, welches quasi zu dem Folgeschluck auffordert. Fantastischer Stoff. Ich bin entzückt! Wenn ich Parker wäre, würde ich locker 93 Punkte geben.

Indiana Jones Wein: 1990 Delas Condrieu Viognier

1990 Delas Condrieu Viognier(NM) Südlich von Côte Rôtie, im nördlichen Rhone-Tal liegt Condrieu, eine 110 ha große AOC, vornehmlich bekannt durch exzellenten Viognier. Ich muss zugeben, ich habe vor diesem Wein noch keinen einzigen Schluck eines Condrieu in meinem Leben probiert. Deswegen entschied ich mich gleich einmal mit Pauken und Trompeten diesem Fleckchen Erde zu nähern: mit dem 1990er Delas Condrieu Viognier. Nach etwas Recherche in bekannter Weinliteratur wurden mir folgende Eigenschaften dieser Weine doch recht deutlich gemacht: Selten, teuer, sollte jung getrunken werden. Super.

Doch nun zu dem Wein. Ich bin ja nicht so der Weihnachts-Typ, Weiterlesen

Stilsichere Reife: 1996 ZD Wines Pinot Noir, Carneros Kalifornien

1996 ZD Wines Pinot Noir(NM) Es macht richtig Spaß mit Vorurteilen aufzuräumen. Oft wird Pinot aus Kalifornien lächelnd als fruchtbetontes, seelenloses und meist auch eindimensionales Weinchen abgestempelt, welche (leider noch zu oft) mit anderen Deckrebsorten auf Power getrimmt wird. Aber es gibt auch wahre Pinots aus dieser Region, welche farblich und auch alterungstechnisch mit ihren europäischen Pondons mithalten können. Einer dieser Kandidaten ist der 1996 ZD Wines Pinot Noir aus der AVA Carneros. Diese AVA ist durch die kühlen Pazifikwinde bekannt für großartige Weine aus frühreifenden Rebsorten wie Pinot Noir oder Chardonnay, getragen durch ein straffes Säuregerüst. Geographische liegt Carneros zum Teil im Sonoma Country und auf der anderen Seite im Südzipfel des Napa Valley, nördlich von San Francisco.

Der 1996er ZD Wines Pinot Noir steht mit einem durchsichtigen Rotbraun im Glas. Weiterlesen

Reife Zinfandel aus Kalifornien

Gereifete Zinfandels(NM) Man(n) lernt ja nie aus. Wie es der Zufall so will, bekamen wir vier relativ reife Zinfandel aus Kalifornien für eine Probe zusammen. Also fackelten wir nicht lange und gingen dem Alterungspotential dieser Weine aus dem sonnigen Westen der USA auf den Grund. Folgende Weine traten an: 1991 Nalle Zinfandel, 1992 Sobon Zinfandel „Lubenko“, 1992 Peachy Canyon Zinfandel und 1996 Random Ridge „Old Wave“ Zinfandel. Alle 4 Zin’s kamen aus unterschiedlichen Ecken Kaliforniens. Es sollte eine sehr spannende Probe werden: Weiterlesen

1995 Château Montus Cuvée Prestige / Madiran

1995 Montus Cuvee Prestige(NM) Manchmal trifft man auf Weine, die so ganz anders agieren, wie man es von ihnen erwartet. Dieser 1995er Château Montus „Cuvée Prestige“ zum Beispiel. Er stammt aus der gleichnamigen Region um das kleine aber feine französische 500 Seelen Städtchens Madiran, zu finden südlich von Bordeaux am berühmten Arsch der Welt, nur unweit der Pyrenäen. Madiran zählt zu den ältesten Weinbaugebieten Frankreichs. Hier wird hauptsächlich die rote Rebsorte Tannat angebaut, welche tief dunkle, tanninreiche und extrem langlebige Rotweine hervorbringt.

Genau so ein Kandidat ist auch dieser 1995 „Cuvée Prestige“ von dem Château Montus. Weiterlesen

Lebt er noch? 1994 José Maria da Fonseca Periquita Classico

1994 Periquita Classico(NM) Ja, ich liebe gereifte Weine. Und ja, ich mag das Spiel „Schmeckt er noch, oder ist er auf der anderen Seite der Wupper“. Heute haben wir hier ein 16 Jährigen Kandidat der 10€ Liga aus dem schönen Portugal, genauer gesagt aus dem Gebiet Terras do Sado. José Maria da Fonseca ist das älteste Weinhaus in Portugal und macht nun schon seit über 200 Jahre Tafelwein. Die Periquita-Serie wurde bereits 1850 ins Leben gerufen, der Periquita Classico andererseits wird nur in außergewöhnlich guten Jahrgängen gemacht und besteht zum Großteil aus der autochthonen Rebsorte Castelão.

So nun genug „Knowledge dropping“ betrieben, nähern wir uns jetzt einmal dem Wein. Der 1994er Periquita Classico steht mit einem reifen Dunkelrot im Glas, Weiterlesen

Zwei mal 1991er Reserva aus dem Ribera del Duero

1991 Reservas aus dem Ribera del Duero(NM) Ein Keller Adventure der besonderen Art. Zwei kürzlich von mir erworbene 1991er klassische Reserva aus dem Ribera del Duero stellen sich dem Head-to-Head Battle. Wer hat die Zeit besser mit gescheitem Reifen verbracht? Wer hat in dem zarten 19 Jahren noch genügend Reserven um Spaß im Glas zu vermitten? Schauen wir mal …

1991 Pesquera Reserva
(100% Tempranillo)
Die Reserva und Gran Reserva Weine von Alejandro Fernández liegen mindesten 24 Monate in verschieden getoasteten französichen, spanischen und amerikanischen Eicheholzfässer. Weiterlesen

Scheiß Jahr, großartiger Wein: 1994 Montevertine Riserva / Chianti

Montevertine Riserva Chianti 1994(NM) Das ausgesprochen spannende Weingut Montevertine liegt im Herzen des Chianti Gebiets, genauer gesagt in Radda. Dieser Montevertine Riserva Chianti 1994 wurde noch von dem 2000 verstorbenen ehemaligen Stahlproduzent Sergio Manetti erzeugt, welcher das Weingut 1967 aus Spaß an der Freude gründete. Nach seinem Tod übernahm sein Sohnemann Martino Marnetti das Gut. Oenologe ist der als „greatest connoisseur of Sangiovese“ anerkannte Giulio Gambelli. 1994 gilt in der Toskana eher als schwieriger Jahrgang, somit hat uns die Qualität dieses Weines doch sehr überrascht. „Es gibt keine großen Weine, nur große Flaschen“ trifft es mal wieder auf den Punkt.

In der Nase erwartet uns eine fruchtige Schwarzteemischung, sommerlicher Waldboden, eingekochte Pflaumen und reife Amarenakirschen. Ein wohl abgestimmtes und einladendes Gesamtwerk. Am Gaumen kommt der Wein weich, seidig & rund. Die geschliffenen und mürben Tanninen und die reife Säure lassen den Montevertine Riserva alles andere als „über den Berg“ daher kommen. Trotz nur 12.5% Alkohol wirft er einen enormen Körper und ausbalancierter Fülle dem Trinker entgegen. Der Abgang komplettiert den Eindruck, dass auf Jahrgangsbewertungen zwar Wert, aber keine bahre Münze vom Stamm fällt.

Harmonie im Glas: 1990 Felsina „Fontalloro“

1990 Fontalloro(NM) Wieder so ein Ebay Kauf. Unter 20€ für zwei Faschen des 1990er Toskana Klassikers „Fontalloro“ von Feslina. Kann das was sein? Schauen wir mal nach:

100% Sangiovese. Die Farbe lässt hoffen, dunkelroter Kern mit leichtem hellbraunem Rand. Wunderbar entwickelte Nase mit reifen Früchten im Rumtopf, links gerittener Damensattel und ein paar erdige Noten. Fantastisch! Schon der Duft ist großes Nasenkino! Am Gaumen dann absolute Harmonie. Auf den Punkt gereift gehen die fast schon süß wirkenden Fruchtnoten eine grandiose Harmonie mit den ledrigen/erdigen Noten ein und lassen das ganze „Konglomerat“ ungemein komplett und vollständig erscheinen. Absolut überwältigend! Die Krönung des ganzen dann im Abgang: Da schiebt eine feine Säure das ganze Gebilde noch einmal über eine Minute über den Gaumen und fordert den Konsumenten gerade zu dem nächsten Schluck. WOW! Jetzt stellt sich mir nur die Frage: Grandiose Flasche oder grandioser Wein? Die zweite Flasche wird dieses Geheimnis wohl lüften.

Gerade im Glas: 1991 Geyser Peak Cabernet Sauvignon Reserve

1991 Geyser Peak Cabernet Sauvignon Reserve(NM) Jeder kennt sie: diese Ebay Momente. Man kauft einen Wein bei Lottchen_82 (*der Name ist frei erfunden), die sonst nur selbst gehäkelte Eierwärmer oder frisch gebatikte Mongolentuchimitate verkauft und hofft das der Zahn der Zeit und Mutter Lagerbedingung hier gnädig waren. So hier geschehen. Ein Mitt-80er Reserva aus Spanien kam als teurer Essigersatz und dieser hier verkostete 1991 Geyser Peak Cabernet Sauvignon Reserve war die #2 in diesem Paket.
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1978, 1986, 1990, 1995, 2000 – Figeac & Co aus dem Bordeaux

Gereifte Bordeaux oder
Der lange Weg in die dritte Dimension

(JR) Welcher Weinafaciando kennt sie nicht, die oft unglaublichen Tasting Notes von gereiften Weinen aus dem Bordeaux. Für Anfänger ein Buch mit sieben Siegeln, für Eingeweihte oft ein Grund anzugeben: Tertiäre Aromen, gereifte Tannine, Harmonie im Glas sind die gängigen Stichworte. Dieser Sache musste Drunkenmonday endlich einmal auf den Grund gehen.

Hier das Lineup: Weiterlesen

Gerade im Glas: 1990 Chateau Musar

1990 Chateau Musar(NM) Da war er nun endlich in meinem Glas, der „Kultwein“ aus dem Libanon, genauer gesagt aus dem Bekaa Tal: Der 1990er Chateau Musar. Die Historie des Weinguts geht zurück bis in die 30er Jahre des letzten Jahrhunderts. Heute ist das Chateau Musar eines der besten und konstantesten Weingüter des Libanons.

Im Glas sieht man dem Wein die 20 Jahre schon etwas an. Ein helles und leuchtendes Rot mit bräunlichem Rand und etwas milchiger Trübung. In der Nase ein paar gemüsige Noten mit reifen Amarenakirschen, feinem Sandelholz, rotem Lakritz und Rösttöne. Am Gaumen dann leider nicht ganz so harmonisch wie in der Nase. Etwas astringierend, die gemüsigen Noten dominieren, was ihn aber irgendwie „frisch“ und kein bischen müde erscheinen läßt. Der Abgang ist dann wieder richtig lang und gespickt mit tollen Röstaromen. Ich bin hin und her gerissen und kann mich nicht zwischen „wirklich spannend“ und „irgendwie komisch“ entscheiden. Eine Weinerfahrung ist der 1990er Chateau Musar aber allemal!

Chateau Musar

Bordeaux Kellerfund: 12x Château Siran / Margaux

(JES) Da hat doch mein Großcousin noch eine 12er Kiste Wein im Keller gefunden. Dabei handelte es sich um 12 verschiedene Jahrgänge (1980-1991) des Château Siran aus Margaux. Beim Anblick der geöffneten Kiste dachte ich nur: wow – sehr ansprechend!. Jede Flasche hat in das Etikett integriert ein Motiv eines (berühmten) Künstlers wie z. B. Miro, A.R. Penck usw. Leider haben wir die Kiste 10 Jahre zu spät geöffnet. Einige Weine waren zu alt und nur schwer zu ertragen. Letztendlich ließen sich die Weine aus den Jahren 1982, 1985, 1989 und 1990 am besten trinken. Ein Beweis für große Jahrgänge. Diese wiesen natürlich auch schon Alterungs- und Reifetöne auf, waren jedoch sehr elegant, zart und aromatisch. Rundum ein schönes Erlebnis. Ach ja, der zum Schluss servierte 1995er Ducru-Beaucaillou war dann noch mal ein weiterer Höhepunkt in Sachen Weingenuss. Super zu trinken, frisch, mineralisch, erdig mit ätherischen Noten und einer feinen, ausbalancierten Säure – Klasse.

Gerade im Glas: 1988 Michele Chiarlo Gavi „Fornaci di Tassarolo“

Michele Chiarlo Gavi(NM) Da war ich mal wieder zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Bei meinem Lieblings Weindealer Pietro D’Alto in seinem Marburger Weinladen „Vinopolio“ gab es ein paar gereifte Weine zu verkosten. Dieser hier hat mich richtig umgehauen: Ein 1988 Michele Chiarlo Gavi „Fornaci di Tassarolo“ – 12,5% Alkohol / nur 3000 Flaschen hergestellt / 500g Trauben pro Rebstock / aus 1910 gepflanzten Weinbergen

Soweit zu den harten Fakten. Der Wein kommt aus der damaligen DOC Gavi, welche heute Gavi di Gavi heißt und als DOCG deklariert ist. Doch nun mehr zu dem Götterdrobbe (Alt-hessisch für „Killer Wein“).

In der Nase springt mich ein wunderbarer Duft aus Kokos, kandierter Ananas und einem Hauch Vanille an. Ungemein frisch und elegant für einen 22 Jahren alten Gavi. Am Gaumen dann ein Geschmackshalleluja der besonderen Art: Eine Cremige, weiche und runde Textur, auf dem Punkt gereift. Wie ein Kokos-Ananas Sorbet mit Thai-Mango Stückchen. Großartige Frische und Eleganz getragen durch eine feine Säure. Durch den Barriqueausbau kommt ordentlich Kraft und Volumen dazu, was dem Wein zu einer großartigen Balance verhilft. All dies endet in einem langen Abgang mit gerösteten Kokosflocken…. Es wird definitiv Zeit für das Geruchs oder Geschmacks-Blogging. Sowas müsste jeder einmal erleben.

Der Wein hat mich einfach nur begeistert. Ein Wahnsinns-Stoff – Gavi auf Weltklasse Niveau! Danke Pietro für die Möglichkeit diesen seltenen Weingenuss probieren und vor allem auch kaufen zu können!