1983-2011: Quo Vadis Charta Riesling?

1983 Weil Riesling Charta

(NM) Wie es um den aktuellen, im Handel befindlichen Charta Riesling steht, zeigte der erste Teil unserer kleinen Rheingauer Charta Serie. Unter großartiger Mithilfe von Mark Barth vom Wein und Sektgut Barth und dem Rheingauer VDP ist es uns gelungen, 16 reife Charta Rieslinge aus den Jahren 2011-1983 an einem Abend an einem Tisch zu versammeln. Herausgekommen ist eine wohl einmalige Retrospektive zurück auf 30 Jahre Rheingauer Charta Riesling und eine einzigartige Gelegenheit das Reife und Alterungsvermögen dieses Riesling Typus genauer unter die Lupe zu nehmen. Quo vadis Charta Riesling? Hier die Antwort. Weiterlesen

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Weinrallye #61: Deutscher Syrah vs. reifer High-End Shiraz

Australien trifft auf Syrah Nachwuchs aus Deutschland

(NM) Da wir die letzte Weinrallye auf Grund von Reiseaktivitäten verpasst haben, spielt Drunkenmonday bei der aktuellen Weinrallye #61 wieder mit. Das Thema der Nummer 61 ist: Syrah / Shiraz – ein global Player. Noch vor 3 oder 4 Jahren wäre ich in meinen Keller gelaufen, hätte ohne groß zu überlegen einen der damals 30 – 40 verschiedene Australischen Shiraz herausgesucht und verkostet. Doch die Zeiten ändern sich. Heute sagt mir CellarTracker, ich habe noch ganze 3 Shiraz aus Australien in meinem persönlichen Lager. Genauer gesagt sind es ein 2005er „Dead Arm“ Shiraz von d’Arenberg, ein 2006er Amon-Ra Shiraz von Ben Glaetzer und ein 2006er Peter Lehmann „The 1885“ Shiraz. Alle drei werden dort auch noch einige Zeit verbringen, da ich ganz ehrlich die primärfruchtige, dichte und mollige Stilistik irgendwie leid bin. Zeit heilt ja bekanntlich einige Wunden und somit hoffe ich in 5-8 Jahren drei schöne gereifte Shiraz trinken zu können, die ihren marmeladigen Babyspeck abgelegt haben. Ich werde berichten.

Weinrallye #61 - Syrah / Shiraz - ein globaler Player

Also suchte ich weiter in meinem virtuellen Weinkeller. Bei dem Stichwort „Syrah“ vielen mir dann gleich zwei Weine sofort ins Auge. Es waren zwei deutsche Syrah. Genauer gesagt zwei Pfälzer Syrah von zwei mir sehr geschätzten Weingütern. Somit steht meine Auswahl für die heutige Weinrallye #61 fest: 2005 Rings Syrah und 2009 Neiss Syrah. Moment, ich lüge. Meine Gäste brachten zu dem kleinen Syrah Umtrunk noch etwas aus ihren Kellern mit. Somit erweitere sich das Ensemble um zwei reife, sehr hoch bewertet Shiraz aus Australien: 1999 Langmeil Barossa Shiraz „the Freedom“ und 1993 Wynns Shiraz „Michael“. Somit wurde die ursprünglich innerdeutsche Paarung zu einem Vergleich auf internationalen Top Niveau. Weiterlesen

Vertikale einer Napa Valley Legende: Dunn Howell Mountain Cabernet Sauvignon

Vertikale: Dunn Howell Mountain Cabernet

(NM) Es war eine dieser „once in a lifetime“ Proben. Solche eine Weinauswahl werde ich wohl nie wieder im Glas haben. Ein Grund mehr darüber zu bloggen. Das große Dankeschön zu Beginn geht an Dr. Jost Schmitt von Califonia Wines, welcher die Probe im Rahmen des Rheinhauer Gourmet Festivals ermöglicht und organisiert hat. Es war eine mehr als denkwürdige Veranstaltung.

Schöner Anblick!Vertikal-Proben sind immer eine äußerst spannende Angelegenheit. Vor allem aber dann, wenn große Weine aus vielen Jahren angestellt sind. So geschehen auf dieser Probe. Unter der Schirmherrschaft von Randy Dunn persönlich wurden die Jahrgänge 2007, 2005, 2003, 2001, 1999, 1998, 1993, 1990, 1989 und 1984 seines Dunn Vineyards Howell Mountain Cabernet Sauvignons verkostet. In dieser Konstellation inklusive Winzer in Deutschland und Europa bis jetzt ein einmaliges und einzigartiges Event. Dazu bot der Veranstaltungsraum des VDP Weingutes „Georg Müller Stiftung“ ein schönes Ambiente in mitten des vinophil romantischen Hattenheim. Weiterlesen

Eine Zeitreise in das Weinland Kalifornien

Reife Kalifornier(NM) Das Internet – unendliche Weiten. Doch irgendwo zwischen Google Advertisements und Amazon Cookies gibt es sie noch: außergewöhnliche Wein-Online Shops, welche mit viel Enthusiasmus und Liebe eine großartige und detailreiche Weinauswahl dem deutschen Kunden anbieten. Einer von diesen Shops ist CaliforniaWines.de! Weit weg vom Gallo Einheitsbrei bietet Margot Schmitt dem neugierigen Kunden eine für Deutschland einmalige Auswahl an Weinen aus Kalifornien und Oregon an. Der Fokus von CaliforniaWines.de liegt hier aber nicht auf einzelne Weine einzelner Winzer. Vielmehr werden Jahrgangsvertikalen sorgfältig ausgewählter Weine bis teilweise Ende der 80ziger Jahre angeboten (Beispiel Rosenblum Zinfandel: 18 verschiedene Abfüllungen, 65 verschiedene Weine aus 9 Jahrgänge). Ebenso findet man seltene, nur ab Weingut erhältliche Sonderabfüllungen oder eine breite Auswahl an Großflaschen. Neben bekanntere Weingütern wie Ravenswood, Silver Oak, Darioush, Etude, Joseph Phelps oder Dunn Vineyards gibt es aber auch in Deutschland noch völlig unbekannte Namen wie Calera, Morgan oder Hahn Estate. Für ihre Bemühungen Rund um den Kalifornischen Wein wurde Margot Schmitt am 8. März 2007 vom Parlament des US-Bundesstaates Kalifornien „für ihre langjährigen überragenden Verdienste um die Förderung von Ansehen und Absatz kalifornischer Weine in Deutschland und anderen EU-Ländern mit der Declaration of Appreciation (Erklärung der Wertschätzung) ausgezeichnet“. Ein Glückwunsch für diese ehrenvolle Auszeichnung von unserer Seite.

Als großen Fan gereifter Kalifornischer Weine ging mir natürlich bei solche einer Auswahl und Angebot gleich ein Gedanke durch den Kopf: eine Montagsprobe für Drunkenmonday musste organisiert werden. Ganz nebenbei wollte ich der Gruppe natürlich auch (wieder einmal) beweisen, wie großartig die meist als Fruchtbomben über einen Kamm gescherten kalifornischen Weine altern können. Somit standen folgende Weine auf unserem Proben Tisch:

1991 Dunn Vineyards „Howell Mountain“ Cabernet Sauvignon
1992 Calera Pinot Noir „Mills Vineyard“
1993 Calera Pinot Noir „Mills Vineyard“
1997 Morgan Chardonnay
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Weinrallye #45: 1993 Jos. Christoffel jr Würzgarten Auslese – Warum Brücken nicht immer verbinden

(PT) Lange haben wir gewartet. Gewartet und gezögert diese Flasche aufzumachen. Schließlich ist mehr als ungewiss, ob die Zukunft noch solche Weine dieser Lage für uns bereit hält, aber dazu später mehr.

Im Januar haben wir bereits über den 1998er Würzgarten Kabinett halbtrocken des gerade einmal zwei (!) Hektar kleinen Betriebs in Ürzig geschrieben, der von von Karl-Josef (KaJo) Christoffel und seiner Schwägerin Annekatrin Christoffel-Prüm geführt wird. (Weitere Infos zum Weingut -> Artikel über 1993er Würzgarten)

1993 Jos. Christoffel jr. Ürziger Würzgrten Riesling Auslese

Jos. Christoffel jr. Ürziger Würzgarten Riesling Auslese 1993

Klares Hellgelb, florale Nase, zeigt Flieder, weiße Blüten, Maracuja, reife Exotik, ein bisschen Marzipan.
Der saftige Gaumen mit animierender und reifer Säure lullt uns mit einem feine und eleganten Spiel ein. Das Ganze wird von einem Hauch leichter Phenolik abgerundet. Selten lag Eleganz, Finesse aber auch Kraft durch Extrakt so nahe.

Die Zukunft dieser Lage ist ungewiss: Kurt Beck und weitere Helden der Politik sind gerade dabei, eine Brücke ungeahnten Ausmasses und Sinnlosigkeit zu errichten unter andrem auf Kosten eben des Ürziger Würzgartens – das ganze unter dem scheinheilig wohl-(oder doch eher hohl) klingenden Namen „Hochmoselübergang“

Robust, doch elegant & barock: 1993 Poderi Aldo Conterno Barolo „Romirasco“

1993 Poderi Aldo Conterno Barolo Romirasco(NM) Wieder ein Wein der Kategorie „once in a lifetime“. Aber im Vergleich zu dem 2002er Napa Valley Cabernet von Luise Cellars, wird hier einer der ur-traditionellsten Bereiche der Weinwelt betreten: der Barolo. Nebbiolo aus dem Barolo kann in jungen Jahren dem ambitionierten Weintrinker oft so gar kein Spaß machen. Hinter fiesen und undurchdringbaren Gerbstoffwänden schlummert ein Weinriese, der sich leider viel zu selten in seiner ganzen Pracht und Schönheit dem Barolo-Trinker zeigt. Zeit heilt hier bekanntlich so einige Wunden, somit war die Freude groß, einen doch etwas reiferen Barolo aus einem sehr renommierten Haus einmal in das Glas zu bekommen: 1993 Poderi Aldo Conterno Barolo „Romirasco“.

Die Lage Romirasco in der Bussia Soprana (Monforte) ist mit 3.8 ha der größte Rebberg der Familie Aldo Conterno, doch nur eine extrem geringe Menge der Trauben werden selektioniert und gelangen in die gleichnamige Abfüllung. Weiterlesen

Ein Kap-Klassiker: 1993 Meerlust Rubicon

1993 Meerlust Rubicon(NM) Rubicon ist einer der klassischen Bordeaux Blends aus Südafrika, welcher für südafrikanische Verhältnisse schon seit vielen Jahren so etwas wie Kultstatus genießt. Ältere Jahrgänge wie dieser zeigen auch im fortgeschrittenen Lebensabschnitt noch eine Menge Rückrat und Potential. Das Meerlust Estate treibt schon seit 1756 in Stellenbosch sein Unwesen und wird heute in achter Generation von Hannes Myburgh, einem studierten Geisenheimer geleitet. 1993 Jahre nach Christie Geburt wurden von Meerlust’s Winemaker aus 70% Cabernet Sauvignon, 20% Merlot und 10% Cabernet Franc dieser Meerlust Rubicon erschaffen. 24 Monate reifte dieser Blend in Barriques aus französischer Nevers Eiche, 80% neue Fässer und 20% in zweiter Belegung. Und genau dieser Wein befindet sich in meinem Glas.

Die Farbe lässt keinen Zweifel über das Alter des Weins zu. Ein helles Rubinrot mit leichten bräunlichen Reflexen. Auf der Flasche steht 12% Alkohol. Heute undenkbar. Die Nase zeigt großartige Komplexität: Reife Amarenakirschen, etwas Pflaume und Himbeere, Tannennadeln, Zedernholz und frisches Leder. „Awesome“ würde Lena Meyer-Landrut jetzt sagen. Am Gaumen wirkt alles sehr harmonisch und zusammen. Eine feine Säure trägt den Wein sehr elegant und erhaben durch das Geschmackszentrum. Kein fetter und alkoholreicher Brummer, sondern eine Grazie und Schliff mit denen sonst nur reife Bordeaux punkten können. Hier hat sich das Warten gelohnt. Jeder Schluck lässt ein würziges Mundgefühl zurück, welches quasi zu dem Folgeschluck auffordert. Fantastischer Stoff. Ich bin entzückt! Wenn ich Parker wäre, würde ich locker 93 Punkte geben.

1993 Geheimrat Aschrott’sche Erben Hochheimer Kirchenstück Spätlese Trocken

1993 Aschrott Kirchenstück Spätlese Trocken(NM) 1996 wurde das Weingut Geheimrat Aschrott’sche Erben von dem bekannten und geschätzten Weingut Künstler (ebenfalls aus Hochheim) übernommen. Somit gingen alle Toplagen in den Besitz von Künstler über, unter anderem auch die hier betitelte Lage Hochheimer Kirchenstück. Doch nun zu dem Wein:

1993 Geheimrat Aschrott’sche Erben Hochheimer Kirchenstück Spätlese Trocken. Die Amis schätzen uns für unsere kurzen Labels. Aber genau so liebe ich meinen gereiften Riesling. Helles Gold im Glas, kaum Firne in der Nase, eher Omas altes Schlafzimmer, welches dringend mal gelüftet werden müsste. Dazu gesellt sich überreifer, mehliger Apfel, ein Touch Mandeln und Limetten in Reinstform. Am Gaumen wirkt er kompakt und straff, getragen von einer feinen Säure kommen Noten von Nüssen und Mandeln hervor. Auch hier wieder mehr „muff“ wie „firn“, was dem Wein aber ausgesprochen gut steht, da die Säure ihn lebendig und wach wirken lässt. Abschließend endet das ganze in einem langen nussigen Finale, welches ausgesprochen erfolgreich nach dem nächsten Schluck treibt. Welch Freude einen trockenen und gereiften Wein so trinkig im Glas zu haben. Mehr bitte!