Wenn Rosso = Brunello = Burgund – Poggio di Sotto

Faszinierend: 2007 Poggio di Sotto Rosso di Montalcino

(NM) Händeringend suche ich nach einem Intro für diese Weinbeschreibung. Wie fängt man am besten an über einen Wein zu berichten, der einem auf Grund seines Charmes, seiner Qualität und Stilistik kaum Zeit zum schreiben lässt? Ich hänge wie paralysiert über dem Glas und rieche und rieche. Ich schaffe es kaum dieses abzusetzen und wenige Wörter zu schreiben. Dieser Wein fasziniert mich von Sekunde 1 an. Ab dem Moment wo ich ihn in mein Glas geschüttet habe und das erste Mal meine zentrale Gesichts-Sensorik in dieses gehalten habe, war es um mich geschehen. Was für ein Duft! Doch über welchen Wein rede ich denn hier wie in Trance?

Es geschah in Siena, in mitten einem urigen und kleinen Weinladen in der Altstadt. Diesen Wein solle ich unbedingt mitnehmen, forderte mich der Verkäufer in Minimal-Italo-English auf. Wieso fragte ich? Ein Rosso die Montalcino für 37€? Da bekomme ich Unmengen an Brunello für weniger Geld direkt in Deutschland. „Trust me“, sprach der nette Toskanonische Weinfachverkäufer – und zwinkerte. Somit kaufte ich einen 2007er Poggio di Sotto Rosso di Montalcino. Für 37€. Und freue mir jetzt einen Ast in den Bauch.

Natürlich: Biologische Weinbereitung

Piero Palmucci ist der Kopf und vor allem das Hirn hinter Poggio di Sotto. Seine Weine genießen weltweit einen exzellenten Ruf. Doch nicht bei den Parker Jüngern oder Fruchtkompott Freaks, nein, bei Freuden der großen Burgunder. Um warum dies so ist, wurde mir mit dem ersten Schluck schlagartig klar. Dabei leistet sich Piero einen Luxus, für den ihn wahrscheinlich 2/3 seiner Kollegen für Verrückt erklären: Obwohl alle seine 10 Hektar Weinberge im Brunello Gebiet liegen und von den Regularien her locker als Solcher deklariert werden dürfte, treibt ihn sein besessener Qualitätsgedanke dahin, mehr als die Hälfte seiner Fässer als „Rosso di Montalcino“ abzufüllen. Somit ist der Weg frei für einen „Über-Rosso“. Und diesen möchte ich euch nun etwas genauer vorstellen.

Best Rosso ever?

Verseht mich bitte nicht falsch, der 2007er Poggio di Sotto Rosso di Montalcino ist kein „Über-Rosso“ auf Grund seiner Intensität, Konzentration oder Dichte. Nein, ganz im Gegenteil. Für mich ist er der „Über-Rosso“ auf Grund seiner Feinheit, Vielschichtigkeit, Transparenz und Eleganz. Wie ein Sangiovese aus den großen Lagen des Burgunds. Die Nase hat mich – wie schon beschrieben – direkt verzaubert: Perfekte Schwarzkirschen, etwas Pflaume und rote Johannisbeeren, rote Lakritz, viel ätherischer Waldboden, optimal integrierte und super feine Holzwürze, dazu eine florale Frische – alles zusammen in perfekter Balance und Harmonie. Vor lauter Unwissenheit habe ich wohl einen sehr guten Zeitpunkt gewählt diesen 2007er zu öffnen, denn Aromatisch „singt“ er im Moment in alle Tonlagen. Auch am Gaumen gibt es- zumindest für meinen Geschmack – das volle Verwöhn-Programm. Zarte Frucht, mittlerer Körper, sanfter Druck, aber umgeben von ausreichend Finesse und Eleganz. Dazu feinstes Tannin.Nichts dominiert, alles ist in richtiger Menge vorhanden. Trotzdem wird noch Luft nach oben für den Brunello und Brunello Riserva gelassen. Wobei „Luft gelassen“ hier der völlig falsche Vergleich ist. Es wird die Gier geweckt, diese Sündhaft teuren Weine auch einmal erleben zu müssen. Bei mir hat die Strategie auf jeden Fall schon angeschlagen. 2007 Poggio di Sotto Rosso di Montalcino – mein „bester Rosso“ bis dato und satte 94 Punkte in meinem Buch.

In Deutschland ist dieser 2007er Rosso von Poggio di Sotto für 45€ hier zu bekommen.

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2 thoughts on “Wenn Rosso = Brunello = Burgund – Poggio di Sotto

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