Wenn Rosso = Brunello = Burgund – Poggio di Sotto

Faszinierend: 2007 Poggio di Sotto Rosso di Montalcino

(NM) Händeringend suche ich nach einem Intro für diese Weinbeschreibung. Wie fängt man am besten an über einen Wein zu berichten, der einem auf Grund seines Charmes, seiner Qualität und Stilistik kaum Zeit zum schreiben lässt? Ich hänge wie paralysiert über dem Glas und rieche und rieche. Ich schaffe es kaum dieses abzusetzen und wenige Wörter zu schreiben. Dieser Wein fasziniert mich von Sekunde 1 an. Ab dem Moment wo ich ihn in mein Glas geschüttet habe und das erste Mal meine zentrale Gesichts-Sensorik in dieses gehalten habe, war es um mich geschehen. Was für ein Duft! Doch über welchen Wein rede ich denn hier wie in Trance? Weiterlesen

„I Probi di Papiano“: Sangiovese Schnäppchen aus dem Lambrusco Mutterland

2009 I Probi di Papiano Riserva

(NM) Die Emilia-Romagna ist eine dieser oft übersehenen Regionen Italiens. Nord-Östlich der Toskana gelegen, ist sie für Weinliebhaber meist nur als „Lambrusco-Land“ fälschlich in den Köpfen eingebrannt. Doch neben dem schäumenden und oft zu süßen Massen- und Industrieprodukt Lambrusco, vinifizieren viele der Winzer dieser Region ganz ausgezeichnete Still-Weine für oft wenig Geld. Auf 15% der ca. 61.000 Hektar Rebfläche der Region werden neben Trebbiano und Sauvignon Blanc, die Sangiovese di Romagna als Qualitätswein-Rebsorte kultiviert. Und einen von diesen möchte ich heute vorstellen: Es ist der 2009 „I Probi di Papiano“ Sangiovese di Romagna Riserva.

Mit 3 Gläser im Gambero Rosso 2013, Italiens Weinführer „numero uno“, schlug der 2009er „I Probi di Papiano“ Sangiovese di Romagna Riserva schon große Wellen. Das ein Sangiovese aus der Emilia-Romagna in die erste Liga der italienischen Weine vorstößt, passiert sehr selten. Zudem gibt es den Wein gerade für 11,95€ bei Wine-in-Black. Grund genug, sich diesen interessant klingenden Tropfen einmal genauer anzuschauen. Weiterlesen

Hardcore Naturwein aus Montefalco : 2004 Paolo Bea Rosso Riserva „Pipparello“

Wildes Zeug: 2004 Paolo Bea Rosso Riserva Pipparello

(NM) Bevor Sie / Ihr weiterlest: Achtung – das hier ist kein Wein für fruchtverwöhnte Gaumen! Es ist einer der puristischsten, traditionellsten und konsequentesten Natur-Weine Italiens. Hergestellt nach den Grundsätzen der Biodynamie, d.h. minimales und kein chemisches Eingreifen im Weinberg, keine Zusatz von Reinzuchthefen, keine Filtration, keine Schönung und minimaler Schwefeleinsatz. Dieser Wein schmeckt so, weil er von Natur aus so schmecken soll. Auf der Webseite des Weingutes Paolo Bea steht zum Beispiel unter den Punkt „Winemaker“ nur „Anybody“. Die Familie, die Natur, das Terroir – „Anybody“ eben. Dieser „Anybody“ bewirtschaftet 11 Hektar Reben der Region Montefalco in Umbrien. Bei dem Wein handelt sich um den 2004er Paolo Bea Rosso Riserva „Pipparello“.

Die Fakten sehen auf den ersten Blick noch sehr human aus: Der Wein besteht aus 60% Sangiovese, 25% Montepulciano d’Abruzzo und 15% Sagrantino aus der Einzellage „Pipparello“. Weiterlesen

Sangiovese Classico: Felsinas „Fontalloro“ Vertikale

Fontalloro Vertikale

(NM) Ein Höhepunkt des Drunkenmonday’schen Pre-Weihnachtsverkostungskalenders war die mit viel Aufwand zusammen getragene Vertikal-Verkostung von Felsinas „Fontalloro“. Oft wird dieser IGT fälschlicherweise in die Ecke der Cabernet/Merlot-lastigen „Super Tuscans“ gesteckt. Doch Fontalloro war und ist immer ein Wein aus 100% Sangiovese. Der IGT (früher Vino da Tavola) Status liegt aber an der Tatsache, dass die Sangiovese-Trauben für den Wein aus drei unterschiedlichen Weinbergen stammen: dem Namensgebenden Fontalloro (oder auch Poggio al Sole) im Chianti Classico und Casalino und Arcidossino im Anbaugebiet Chianti Colli Senesi. Die nach Südwesten gerichteten Weinberge liegen im Schnitt ca. 400 Meter über dem Meeresspiegel. Zum Teil sind die Reben bis zu 50 Jahre alt. Der Wein reift nach der malolaktischen Gärung 18-20 Monate in Barriques und wird nach weiteren 8-12 Monaten Flaschenreife auf den Markt gebracht. Geöffnet wurde an diesem Abend Fontalloro aus den Jahren 1990, 1997, 2000, 2003, 2005 und 2007. Somit hatten wir eine großartige Möglichkeit die Lager- und Entwicklungsfähigkeit dieses Weines zu beobachten. Alle Weine außer dem 1990er und 1997er wurden 90 Minuten vor der Probe dekantiert.

Auf alten Pferden lernt man … Weiterlesen

Marzemino, Gardasee, Rotwein, Bahnhof?

2006 Ca dei Frati RonchedoneWer in der obigen Überschrift für sich eine in sich schlüssige Logikkette findet, arbeitet auf ähnlichem Level wie ich. Ein kräftiger Rotwein von dem Südufer des Gardasees, hergestellt aus der Marzemino Traube. Absolutes Neuland für mich. Mit dem Kauf (und dem Öffnen) des 2006er Ronchedone des Weinguts Ca dei Frati wurde meine Neugierde gestillt. Der Ronchedone ist der „Top Rotwein“ des Hauses Ca dei Frati. Die Hauptrebsorte der Cuvée „Marzemino“ wird in (primär) Norditalien auf 863 Hektar kultiviert, komisch das ich diese Rebsorte noch nie auf dem Schirm bzw. bewusst im Glas hatte. Sogar Lorenzo Da Ponte und Wolfgang Amadeus Mozart haben in der Oper Don Giovanni dem Marzemino-Wein mit dem Ausruf „Versa il vino! Eccellente Marzemino!“ schon früh zum Ruhm und Ehre verholfen. Schau an, Mozart der alte Weinlackei.

Doch nun mehr zu diesem Wein. Weiterlesen

Langer Name, großer Wein: 2004 Ciacci Piccolomini d’Aragona Brunello di Montalcino Riserva Santa Caterina D’Oro „Vigna di Pianrosso“

2004 Ciacci Piccolomini d'Aragona Brunello di Montalcino Riserva Santa Caterina D'Oro Vigna di Pianrosso(NM) Nicht nur deutsche Weine können mit Namen wie „2002 Hessische Staatsweingüter Kloster Eberbach Schönberger Herrnwingert Riesling Kabinett trocken Goldkapsel Primus Erstes Gewächs vom Sandkalkmuffel Barrique feinherb“ (der Name des Weins ist frei erfunden) punkten, nein, auch in Italien ist es möglich drei oder mehr Zeilen auf einem Weinetikett mit dem Namen des Wein auszufüllen. Dieser Wein nennt sich 2004 Ciacci Piccolomini d’Aragona Brunello di Montalcino Riserva Santa Caterina D’Oro „Vigna di Pianrosso“. Ein Brunello di Montalcino also, aus dem großartigen Jahr 2004, in Riserva Qualität aus der Einzellage „Vigna di Pianrosso“, produziert von dem Weingut Ciacci Piccolomini d’Aragona und ausgezeichnet mit der „Santa Caterina D’Oro“. Diese spezielle Auszeichnung der Stadt Siena wird Betrieben/Produkten verliehen, die den Anspruch und Geist der Stadt Siena wiederspiegeln. Ein Brunello di Montalcino Riserva wird nur in überdurchschnittlich guten Jahren produziert und darf erst 6 Jahre nach der Lese auf den Markt kommen, wovon er 4 Jahre im Holzfass verweilt.

Soweit so gut, doch was erwartet uns hier Glas? Zu Beginn: Der Wein ist ultra jung (quasi weißer als weiß), aber jetzt schon ultra komplex. Weiterlesen

Scheiß Jahr, großartiger Wein: 1994 Montevertine Riserva / Chianti

Montevertine Riserva Chianti 1994(NM) Das ausgesprochen spannende Weingut Montevertine liegt im Herzen des Chianti Gebiets, genauer gesagt in Radda. Dieser Montevertine Riserva Chianti 1994 wurde noch von dem 2000 verstorbenen ehemaligen Stahlproduzent Sergio Manetti erzeugt, welcher das Weingut 1967 aus Spaß an der Freude gründete. Nach seinem Tod übernahm sein Sohnemann Martino Marnetti das Gut. Oenologe ist der als „greatest connoisseur of Sangiovese“ anerkannte Giulio Gambelli. 1994 gilt in der Toskana eher als schwieriger Jahrgang, somit hat uns die Qualität dieses Weines doch sehr überrascht. „Es gibt keine großen Weine, nur große Flaschen“ trifft es mal wieder auf den Punkt.

In der Nase erwartet uns eine fruchtige Schwarzteemischung, sommerlicher Waldboden, eingekochte Pflaumen und reife Amarenakirschen. Ein wohl abgestimmtes und einladendes Gesamtwerk. Am Gaumen kommt der Wein weich, seidig & rund. Die geschliffenen und mürben Tanninen und die reife Säure lassen den Montevertine Riserva alles andere als „über den Berg“ daher kommen. Trotz nur 12.5% Alkohol wirft er einen enormen Körper und ausbalancierter Fülle dem Trinker entgegen. Der Abgang komplettiert den Eindruck, dass auf Jahrgangsbewertungen zwar Wert, aber keine bahre Münze vom Stamm fällt.

Harmonie im Glas: 1990 Felsina „Fontalloro“

1990 Fontalloro(NM) Wieder so ein Ebay Kauf. Unter 20€ für zwei Faschen des 1990er Toskana Klassikers „Fontalloro“ von Feslina. Kann das was sein? Schauen wir mal nach:

100% Sangiovese. Die Farbe lässt hoffen, dunkelroter Kern mit leichtem hellbraunem Rand. Wunderbar entwickelte Nase mit reifen Früchten im Rumtopf, links gerittener Damensattel und ein paar erdige Noten. Fantastisch! Schon der Duft ist großes Nasenkino! Am Gaumen dann absolute Harmonie. Auf den Punkt gereift gehen die fast schon süß wirkenden Fruchtnoten eine grandiose Harmonie mit den ledrigen/erdigen Noten ein und lassen das ganze „Konglomerat“ ungemein komplett und vollständig erscheinen. Absolut überwältigend! Die Krönung des ganzen dann im Abgang: Da schiebt eine feine Säure das ganze Gebilde noch einmal über eine Minute über den Gaumen und fordert den Konsumenten gerade zu dem nächsten Schluck. WOW! Jetzt stellt sich mir nur die Frage: Grandiose Flasche oder grandioser Wein? Die zweite Flasche wird dieses Geheimnis wohl lüften.

Vielseitige Toskana – mehr als nur Sangiovese und co.

Toskana Probe(NM) Eine mehr als perfekte Lokation für unsere reguläre Montagsprobe zum Thema Toskana bot uns die Weinrebe im Herzen von Giessen. Gastgeber war diesmal der Besitzer der Weinrebe Marc Colavincenzo.

Die Probe gestalltete sich durch das recht „offene“ Thema „Toskana“ sehr spannend, denn jeder Verkoster schaute in seinen Keller und packte seine Interpretation zu diesem Thema ein. Also standen neben internationalen Blends auch einige Klassiker aus den bekannten Regionen der Toskana auf dem Tisch. Ein buntes Feld:Weine der Toskana Probe Weiterlesen

Gerade im Glas: 2001 Valdicava Brunello di Montalcino

valdicava(NM) Nach nun fast 3 Jahren in meinem Keller (Gedult zahl sich manchmal ja sogar aus), entschloss ich mich dazu, dieses so hochgelobte Schätzchen anläßlich eines Koch-Abends mit Freunden zu Roastbeef mit Steinpilz-Sahne-Jus & Mangold mit auf den Tisch zu stellen. Welch eine gute Entscheidung!

Hier erstmal ein paar Fakts über Valdicava: Valdicava selbst produziert jährlich etwa nur Weiterlesen

Ein Held aus dem Piemont: Weingut La Spinetta

weingut la spinetta logo(NM) Dieses mal ließen wir es uns richtig gut gehen: Wir luden den ungemein sympatischen & erfolgreichen Sommelier Pietro D’Alto ein (bester Deutscher Sommelier 2007 & Gewinner der Deutschen Weindegustation 2007) , uns einmal ein Teil des überaus erfolgreichen Weinguts „La Spinetta“ aus dem Piemont vorzustellen.

Giorgio Rivetti (Chef Winemaker bei La Spinetta) ist einer der ganz großen Namen im Piemont. Weiterlesen

Vernünftigen Wein bis 5€ aus dem LEH?

5euro_1(NM)… war das Thema des letztens Drunkemonday Treffens. Gesagt – getan – so wurden also die Regale bekannter LEHs (Lebensmitteleinzelhandel) durchforstet und jeder brachte ein bis zwei Flaschen mit. Eingekauft wurde bei Norma, Tegut, Rewe & Globus. Im ersten „Flight“ ging es an 3 Deutsche Rieslinge: 2007 Hallgartener Winzergenossenschaft Riesling Spätlese Trocken (4,99€, Tegut), 2008 Heinrich Vollmer Riesling QbA Trocken (4,99€, Rewe), 2008 Riesling QbA Pfalz (2,49€, Norma). Hier schon die erste große Überraschung: alle Rieslinge hatten ordentliche bis gut Qualitäten. Die Hallgartener Trockene Spätlese kam mit etwas Luft sogar an 86-87 Punkte herran. Auch der Riesling von Vollmer war sehr gut trinkbar und zeigte Pfalz-typische Riesling Eigenschaften. Hier sind die Euros wirklich gut investiert.

Bei den Roten sah das Bild etwas anders aus: Weiterlesen

Gerade im Glas: 2005 Marchesi Mazzei Serrata di Belguardo Maremma IGT

09522106_p1(NM) Warum ich im Moment so auf Italienische Weine stehe, zeigt mir auch der Serrata di Belguardo von Marchesi Mazzei ganz deutlich: Hier gibts einfach verdammt viel „ehrlichen“ Wein fürs Geld. Für gute 11€ strömt mir ein großartiger Duft von Amarena Kirschen, Brombeeren und eine feine Würze entgegen. Der Cuveé aus Sangiovese und Alicante zeigt auch am Gaumen eine tolle Tiefe und Komplexität. Feine rote Früchte unterlegt von einer leichten Würze, gut eingedundenes Holz und spürbare, aber weiche Tanine machen den Wein sogar direkt aus der Flasche zu einem Vergnügen. Potential für die nächsten 4-6 Jahre ist hier auf jeden Fall vorhanden. 89-90 Punkte heute von mir!

Gerade im Glas: 2004 Saladini Pilastri Piceno Superiore „Vigna Monteprandone“

(NM) Dieser Wein hat mich schon lange in meinem Keller angelächelt, so wurde es nun Zeit das Schätzchen zu killen. Salandini Pilastri is ein sehr bekanntes Bio-Weingut aus der Region Marken in Mittelitalien mit 160 ha Rebfläche in den Top Lagen dieser Region. Dieser Blend aus der Einzellage Vigna Monteprandone bestehend aus 70% Montepulciano und 30% Sangiovese für etwa 12€ überzeugt auf ganzer Linie. Unglaublich kräftige und volle Nase mit dunklen Kirschen, schwarzem Tee, Taback, reifen Pflaumen und orientalischen Gewürzen. Ein toller satter und reifer Körper, weiche Tannine, intensieve dunkle Frucht und ein langes Finale machen diesen Rosso zu einem echten Preis/Leistungs Hit. Im Duemilavini gabs seiner Zeit 5/5 Trauben – ich gebe heute satte 92 Punkte!