Unvergessliche Sternstunden mit Markus Molitor

…dem inoffiziellen deutschen Meister im Wein-5-Kampf.

Sternstunde mit Markus Molitor

Gutes Timing unsererseits. Seit vorletzter Woche rummelt es gewaltig um das Weingut Markus Molitor aus Bernkastel-Wehlen. Nicht weniger als 3x hat Robert Parker Stephan Reinhardt für den Wine Advocat die magischen 100 Punkte für 3 *** Auslesen aus dem Hause Molitor vergeben. Dazu etliche weitere 98/97/96 Punkte für Weine aus der 2013er Kollektion des umtriebigen Mannes von der Mittelmosel. So etwas gab es im Deutschland weit noch nie.

Leider beinhaltet unsere Probe keine der 3 100 Punkte *** Auslesen aus 2013, dafür aber ein Äquivalent aus 2012. Doch bevor wir im Detail auf die genialen Weine des Hauses eingehen, muss man einfach noch einige Wort über die Person, das Weingut und „the Brain“ Markus Molitor verlieren. Nüchtern und von außen betrachtet ist Markus Molitor schichtweg wahnsinnig. Mit welcher Leidenschaft, Passion und welchem Qualitätsanspruch er jedes Jahr bis zu 65 verschiedene Weine aus 14 Lagen der Mosel und Saar (!) vinifiziert, grenzt schon an vinophilen Wahnsinn und unterstreicht damit die Ausnahmestellung dieses Weingutes. Zu dem kann man die Aussage „inoffizieller deutscher Meister im Wein-5-Kampf“ durchaus für bare Münze nehmen: In allen 5 „Kategorien“ die Markus Molitor bedient (trockener Riesling, feinherber Riesling, fruchtsüßer Riesling, Spätburgunder und Weißburgunder) holte er in verschiedenen deutschen Wein-Wettbewerben den ersten Platz. Auch das sollte ihm niemand so schnell nachmachen.

Markus kann nicht nur Riesling!

Auf den klassischen und unaufgeregten Etiketten des Weingutes findet man an Hand der Anzahl der Sterne (*) eine Steigerung der Qualität bei Steigerung der Anzahl der Sterne wieder. Beim Riesling indiziert zusätzlich noch die Kapselfarbe die Geschmacksrichtung des Weines: Weiß steht für Trocken, Grün-Grau für Feinherb und Gold für Fruchtsüß. Auf halbtrocken wird dankender Weiße gänzlich verzichtet. Unsere Sternstunden bestanden aus den folgenden Weinen:

2009 Molitor Brauneberger Klostergarten Pinot Noir ***
2011 Molitor Wehlener Klosterberg Pinot Blanc ***
2012 Molitor Zeltinger Sonnenuhr Riesling Auslese ** Trocken / Weiße Kapsel
2009 Molitor Zeltinger Sonnenuhr Riesling Auslese ** Goldkapsel
2012 Molitor Wehlener Sonnenuhr Riesling Auslese *** Goldkapsel

Hier nun die Weine im Detail. Wir verkosteten (ganz nach August Kesseler dem niedrigsten PH-Wert entgegen) von Rot zu Weiß zu Süß.

2009 Molitor Brauneberger Klostergarten Pinot Noir ***

Letzten Sommer von der Vinum zu dem höchst bewerteten Deutschen Spätburgunder „ever“ (19.5 Punkte) geadelt, lag die Messlatte somit sehr hoch. Doch leider war unsere Flasche deutlich von Kork gedeckelt und der Wein zeigte seine wahre Größe nicht einmal im Ansatz. Sehr schade.

2011 Molitor Wehlener Klosterberg Pinot Blanc ***

Mit dem 2011er Wehlener Klosterberg Pinot Blanc *** zeigt Markus sein famoses Händchen für den richtigen und perfekt dosierten Einsatz vom Holz. Obwohl der Wein zu 100% in neuen Barriques aus Allier Eiche ausgebaut wurde, zeigt sich das Holz ganz brav als nur ein unterstützendes Bauteil in diesem sensationellen Pinot Blanc. Die Nase gibt sich komplex rauchig, minierlisch schwebend und Zitrus-duftend mit leichten floralen Aromen. Doch bei aller Komplexität besticht der Duft mit brillanter Klarheit und Fokus. Dieser Eindruck setzt sich überwältigend auch am Gaumen fort. Der Geschmackssinn wird mit Präzision und Klarheit getäuscht, um dann bei aller Dichte und Extrakt das perfekte Multi-Frucht-Spiel mit perfekten Säure-Einsatz und Holzintegration aufgeführt zu bekommen. Die Balance und Harmonie zwischen allen Komponenten erinnert an ein Orchester aus Weltklasse Musikern, welches in perfekter Einheit zusammen spielt. Für viel am Tisch der beste Pinot Blanc ihres Lebens. Klare 95 Punkte.

Großartig: 2011 Markus Molitor Pinot Blanc ***

2012 Molitor Zeltinger Sonnenuhr Riesling Auslese ** Trocken

Im direkten Vergleich ist die Lage Zeltinger Sonnenuhr mit knapp 21 Hektar Größe gegenüber der „Schwesterlage“ Wehlener Sonnenuhr mit über 40 Hektar Größe gerade einmal halb so groß. In den ältesten und besten Parzellen der Lage, oft mit nur wenig Boden auf kleinen Terrassen liegend, werden mit absoluten Mini-Erträge (10-20 hl/ha) häufig die größten trockenen oder feinherben Auslesen des Hauses Molitor vinifiziert. Mit der 2012er ** Auslese aus der Zeltinger Sonnenuhr bringt Markus die ganze Kraft des blauen Devon Schiefers in die Flasche. Die Nase strahlt mit barockem Schiefer-Exzess und etwas verhaltener Frucht nach Zitrus, Ananas und Birne. Doch das Thema „nasser Stein“ ist klar der dominierende Faktor hier. Am Gaumen ist ein Wechselspiel von cremig/opulent über geradlinig/fokussiert bis hin zum Säure Zipp & Schmatz gegen Ende zu beobachten. Hier gibt es genug Fruchtextrakt ohne Ausladend zu sein, viel Schiefer-Würze, Kraft und Druck, ohne aber den Fokus auf Feinheit und Verspieltheit zu verlieren. Anderswo wäre man hier im exzellenten GG Bereich. 92 Punkte.

2012 Molitor Wehlener Sonnenuhr Riesling Auslese ***

In 2013 ist die Molitor Wehlener Sonnenuhr Riesling Auslese *** einer der drei 100 Punkte Weine von Stephan Reinhardt für Robert Parkers Wine Advocat. Diese 2012er Variante macht schnell klar, warum Stephan für den Jahrgang 2013 hier den perfekten Wein ausruft. Markus Molitor schafft es wie kaum ein Zweiter extrem viel extrem leicht aussehen zu lassen. Was ich damit meine? Nun jeder kennt doch die Scherzfrage „Was ist schwerer? Ein Kilo Eisen oder ein Kilo Federn?“ Markus schafft es irgendwie die Masse des Kilo Eisens mit Federn auszufüllen und trotzdem ein Kilo auf die Wage zu bekommen, ohne dabei die „Leichtigkeit“ der Federn einbüßen zu müssen. Dies zeigt sich wie folgt: Die Nase ist getragen von perfekt reifer und nicht kandierter Frucht, mit einem unterliegen Schiefer-Teppich und Zitrus/Kräutrigen Noten. Alles ist dabei so unglaublich leise, filigran, verspielt und vielschichtig. Der Schwenk im Glas bringt immer andere Aromen an die Spitze: mal Zitronenmelisse, mal frischer Honig, mal die reife Frucht. Irre. Am Gaumen dann ein Halleluja! Hier mag man gerne mit Adjektiven als mit Aromen beschreiben: Extrem fein, leise, verspielt, zart, filigran, tiefgründig, schwebend, pur, leicht und klar. Trotzdem strotzt der Wein von Kraft, Druck, Länge und Persistenz bei absoluter Jugendlichkeit. Hier nicht von aller bester Balance zwischen Süße, Komplexität und Frische zu sprechen, wäre eine Verbrechen. Die vielleicht beste (feinste!) fruchtsüße und junge Auslese die wir bis Dato im Glas hatten: 96-97 Punkte.

2009 Molitor Zeltinger Sonnenuhr Riesling Auslese **

Mit der Zeltinger Sonnenuhr Auslese ** haben wir nun eine etwas gereifte Version der Molitor’schen fruchtsüßen Riesling Spitzen im Glas. Und was soll man da noch sagen außer: Göttliches Elixier! Was haben wir uns an diesem Wein die Nasen wund gerochen. Aus dem Glas strömt eine unfassbar tiefe und komplexe, zum Verlieren und Verlieben schöne Aromen-Wolke aus: (wieder) perfekt reifer Frucht (von Mango über Ananas bis Pfirsich und Limette), dazu mindestens ein Kubikmeter Bergwiesen-Extrakt (inkl. Thymian und Bohnenkraut), schwebender und tänzelnder Schiefer-Mineralik, feinstem Honig, etwas Waldmeister und sogar Anklängen von weißem Pfeffer!. An sowas kann man sich den ganzen Abend fest riechen. Schlichtweg Sensationell. Am Gaumen geht das irre Schauspiel weiter. Auf Grund des reiferen Jahres wirkt der Wein dichter und kraftvoller wie die *** Auslese aus 2012. Trotzdem kann und muss man hier von „tänzelnder“ und „leichtfüßiger“ Süße sprechen. Je nach Zungenlage wechselnd die Eindrücke und Aromen, das Geschmackszentrum und korrespondierend das Hirn arbeiten auf Hochtouren und können trotzdem nicht alles begreifen, was sich hier abspielt. Die feine Säure gibt dazu Fluss, Zipp und Struktur. Im Abgang hängt der Wein unglaubliche 60 Sekunden bis 70 Sekunden am Gaumen fest, bevor er sich langsam und stetig als vinophile Sternstunde im Hirn festbrennt. Das ist ganz, ganz großes Kino! 97 Punkte – und wir untertreiben vielleicht noch.

Bezugsquellen:Ok, die Weine sind nicht leicht zu finden. Wir erhielten sie direkt ab Weingut. Hier würde ich auch nochmal meine Anfragen stellen, um diese 5 Weine zu bekommen. Ansonsten ist Google eine große Hilfe, Einzelflaschen bei diversen Händlern zu entdecken. Viel Glück!

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