Hausbesuch Teil1: Ein Abend mit Jürgen Krebs und Andreas Rings

Fröhliches Beisammensein...

Teil 1: die Weine von Weingut Rings!

(NM) Hoher Besuch der Giessener Drunkenmonday Runde bahnte sich an. Die Klinken wurden poliert, die Haare gewaschen und die beste Hose aus dem Schrank gekramt. Es schickten sich zwei ausgesprochen talentierte Jungwinzer an, unsere ehrwürdige Weinrunde (bestehend aus Pädagogen, noch mehr Pädagogen, Psychologen, Informatikern, Bankern, Maschinenbauingenieuren, Weinhändlern und Kampfsport-Quereinsteigern) persönlich mit ihrer Anwesenheit zu beglücken. Und somit schossen Andreas Rings vom Weingut Rings und Jürgen Krebs vom Weingut Krebs im Passat „von der Muddi“ aus Pfälzer Freinsheim in das schöne funktionelle Giessen. Im Gepäck eine feine Auswahl des kürzlich vorgestellten 2012er Jahrgangs. Gespannt wie ein Flitzbogen fieberten wir diesem Abend entgegen. Und ganz nebenbei, es sollte nicht nur Wein-technisch ein ganz großer werden…

Die Buuuwe.. Foto (c) winzerbattle.de

Ich persönlich verfolge die Entwicklung der beiden Weingüter Rings und Krebs zwar erst seit etwa zwei Jahren, konnte aber dank eines fantastischen Besuches der beiden Weingüter um Frühjahr 2013 einen tiefen Blick Schluck in die Vergangenheit der beiden Aufsteiger-Weingüter aus Freinsheim werfen. Was mir dort im März dieses Jahres präsentiert wurde, war schlichtweg sensationell. Andi Rings verschaffte mir mit einem 2005er „das Kreuz“ Rotwein-Cuvée und einem ebenfalls 2005er Syrah ganz weiche Knie. Jürgen Krebs hingegen schaffte mit einen 2007er Riesling „Halbstück“ mich von der Langlebigkeit des trockenen Rieslings aus der Region um Freinsheim absolut zu überzeugen. Sein Sieger-Spätburgunder des Überraschungserfolg beim Deutschen Rotweinpreis 2010 – ein 2007er Krebs Spätburgunder Musikantenbuckel (kurz MUBU) – war ebenfalls sensationell, wie auch die gleichen Weine aus 2009 und 2010. Ich wusste bei so viel gutem Wein sprichwörtlich später nicht mehr, wo oben und unten hätte sein sollen. Soweit der Blick in die Vergangenheit….

Wo soll ich anfangen?

Der Fokus des Besuches der beiden sehr sympathischen Vollblut-Winzer lag auf dem Jahrgang 2012. Beide griffen tief in ihre Läger und packten, wie man auf den Bildern nur unschwer erkennen kann, ein große Auswahl an Weinen des aktuellen Jahrgangs ein. Neben hauptsächlich Riesling standen aber auch einige Weißburgunder und ein Viognier im Laufe des Abends auf dem Tisch. Bei den Rotweinen lag der Fokus ganz klar auf Pinot Noir. Um eines jetzt schon mal vorwegzunehmen: Mit der Riesling-Brille betrachtet, zeigen diese beiden Winzer mit ihren Kollektionen, welche großartigen Qualitäten aus der Region um Freinsheim (inkl. Kallstadt, Ungstein und Herxheim) im trocken Bereich möglich sind. Sie beide zeigten mit einer fast schon erschreckenden Präzision, dass Riesling nicht umsonst als Bodentransporteur Nummer 1 gehandelt wird. Die Unterschiede des Bodens schmeckbar zu machen, das haben die Kollegen Rings und Krebs wahrhaftig raus. Nun aber genauere Details zu den Weinen dieser denkwürdigen Probe.

Weingut Rings

Teil 1: Weingut Rings

Wir starteten mit den trockenen Rieslingen von dem Weingut Rings. Den Anfang machte der sehr charakterstarke 2012 Rings „Kalkmergel“ Gutsriesling. Für 7,70€ ab Weingut gibt es hier einen sehr eigenständigen und leicht herben Riesling, der wenig auf großen Pleaser macht, sondern eher mit leichtem Gerbstoff auf die Animationsdrüse drückt. Der perfekte Aperitif der Lust auf mehr macht und den optimalen Einstieg in die Probe darstellte. Wein Nummer zwei war der 2012er Rings „Freinsheimer“ Riesling. Dieser Wein machte uns sehr deutlich, warum man auf den Weinbergen rund um Freinsheim gerne Beachvolleyball spielt. Die sandigen und damit leicht erwärmbaren Böden geben dem Riesling hier eine Menge feine tropische Frucht, gepaart mit angenehmer Säure mit auf den Weg. Für 10,40€ ein Crowd-Please auf hohem Niveau. So kann das weiter gehen. Und das tat es auch.

Lagen Bingo

Vorne weg: die nächsten 4 Lagen-Rieslinge wurden erst relativ kurz vor der Probe angefüllt, zeigten also durch die Bank eine leichte Verschlossenheit. Dies legte sich aber mit zunehmendem Luftkontakt im Laufe des Abends. Mit dem 2012er Rings Riesling Nussriegel betraten wir erstmals „Erste Lage“ Niveau. Und der Name ist hier wirklich Programm. Der Wein zeigt eine würzige Nuss-Nougat Komponente, die ich so in noch keinem jungen Riesling vernommen habe. Dazu kommt ein schöne verwobene Mineralik die dem Wein genügend Tiefe und Spannung mit gibt. Was für ein außergewöhnlicher Wein. Für 16€ ab Weingut sollte jeder sich einmal dieses „aha“-Erlebnis nach Hause holen. Spannender Stoff! Auch dem 2012er Rings Riesling Steinacker kitzelten die Rings Brüder die Lagendynamic über die Traube in die Flasche. Wie der Name vermuten lässt, steht hier der Stein, in diesem Falle der Kalkstein, im Vordergrund. Mit den Worten „kalkige Mineralität trifft auf Limette“ begann ich die Notizen zu diesem Wein. Dazu verhilft eine animierende Säure-Struktur dem ganzen Wein eine lebendige, und sich stetig im Mund ausbreitende Komponente mit hinzuzugeben. Für 16€ gibt es hier straffen und druckvollen Kalkstein-Riesling aus dem Bilderbuch. Zwei bis vier Jahre sollte man hier aber noch warten, bevor er sein volles Potential ausspielt. Ein ganz wunderbarer Wein.

Weltruf und so.

Die beiden „Grand Cru“ Rieslinge der Brüder Rings kommen traditionell erst Anfang September auf den Markt. Das VDP „Große Gewächs“ steht hier als Vorbild. Wir durften aber schon einmal vorab verkosten, und sagen ganz deutlich: Freunde, in 2012 ist hier Großes entstanden! Mit dem 2012 Rings Riesling Weilberg wird eine weitere Seite im Buch „Fassetten-Reichtum der Riesling Traube“ aufgeschlagen. Das im Ungsteiner Weilberg in vielen Teilen stark Hämatit (Fe2O3 – häufigste natürlich auftretende Modifikation des Eisen(III)-oxids) haltiger Lehmboden vorherrscht, wissen wir spätestens seit der Vertikale des Pfeffingen Riesling Weilberg GG hier auf unserem Blog. Auch die Rings Brüder bringen die Eigenart dieses Bodens mittels Riesling als Überbringer authentisch in die Flasche. Der Wein duftet nach weißen Blüten, Limetten, Kräuterwiese und im Hintergrund etwas reifes Steinobst. Am Gaumen kommt, getragen durch eine leichte Cremigkeit, fast schon Burgundische Eleganz und Noblesse rüber. Diese Haptik finden sich nur in ganz wenigen deutschen Rieslingen wieder. Pure Riesling Aristokratie!

Viel Wein war auf dem Tisch...

GW=SR²

Mit dem 2012er Rings Riesling Saumagen haben wir einen weiteren Vertreter aus einer „Lage mit Weltruf“ im Glas. Stilistisch geprägt von Koehler-Ruprecht, thront dieses Riesling Monument aktuell noch mit launischer Verschlossenheit über den Dingen. Doch was sich hier zu Entwickeln vermag, wird anhand seiner Schemenhaft zu erkennenden „inneren Werte“ doch recht deutlich: dieser dichte Kern an geballter Riesling Kraft, aufgeladen von der kalkigen Adern des Kallstadter Saumagens, wartet nur darauf mit schierer Finesse und Eleganz die Riesling Liebhaber der Welt in seinen Bann zu ziehen. Der Wein erinnert mich an diese Energie-Bälle in den Manga Comics, welche Fußball-groß ganze Sonnen ersetzen können. Das ist für mich Lagentypizität ohne Schnick und Schnack in die Flasche vinifiziert. Glücklich kann sich der schätzen, der eine der wenigen Flaschen dieses zukünftigen Ausnahme-Rieslings sein eigen nennen kann. Schlichtweg sensationell!

Nicht minder Hochwertig.

Nach dem Riesling Feuerwerk schickte Andi Rings zwei Weißburgunder in die Verkostung-Runde. Mit dem 2012 Rings Weißburgunder „Freinsheim“ traf er dann auch gleich meine persönlichen Geschmackvorlieben dieser Rebsorte. 3/4 des Weines wurden im großen Holzfass ausgebaut, welches ihm einen leicht cremigen Kern gibt. Doch der eigentliche Star bei diesem Wein war das extrem würzige und erdige Geschmacksbild, welches nur leicht am Rande von der blumigen und frischen Art des Weißburgunders angehoben wurde. Gleichzeitig wirkte er füllig ohne plump zu sein. Ein großartiger Charakter-Wein für fast schon unglaublich kleines Geld (10,50€). Im Jahr 2012 wurde zum ersten Mal ein Einzellagen Weißburgunder aus der Lage Weilberg vinifiziert. Der somit entstandene 2012er Rings Weißburgunder Weilberg wird auch wie seine „Grand Cru“ Riesling Brüder erst im September auf den Markt kommen. Und das ist auch gut so! Denn im Moment ist er in einem sehr unruhigen Zustand. Die Masse der komplexen Einzelteile lässt ihn zwar nicht plump, aber doch etwas „krass“ und „extrem“ wirken. Sorry, aber etwas besseren fiehl mir zu dem dichten Konglomerat aus Mirabellen, feiner Holzwürze, frischen weißen Blüten und Tabak nicht ein. Ich denke hier ist Zeit wirklich die erste Wahl. Gerne würde ich diesen Wein in 12-18 Monaten noch einmal verkosten. Soviel steht fest.

Rotwein können die auch.

Abschließend muss ich mich leider auch noch sehr positiv zu den beiden Spätburgundern äußern, welche Andi für uns im Gepäck hatte. Der 2011er Rings Spätburgunder „Freinsheim“ ist eigentlich schon der perfekte Pinot für „kleines Geld“. Er vereint für 15€ alles das, was ich mir für einen Spätburgunder wünsche: Perfekte Holzdosierung, kräutrige Frische, feine Rot- und Schwarzfrucht, zarte Säure, Eleganz ohne auf Druck verzichten zu müssen und eine angenehme Länge. Zudem kann man hier getrost die Flaschen schon aufmachen und sich dem Genuss hingeben. „Schon Trinkreif“ nennt man das in diesem Fall. Die Krönung des Abends aber war für mich der 2010er Rings Spätburgunder Saumagen. Dieser fast schon animalisch und wild wirkende Pinot Noir spielte bei mir auf allen Orgeltasten gleichzeitig. Stilistisch weniger laut (bzw. „fett“) wie sein Vorgänger aus 2009, stelle ich mir diesen Wein wie eine „E-Harfe auf Woodstock“ vor. Auf der einen Seite weich, zart, elegant und klassisch, und auf der anderen saftig, voller dunkler Pinot-Waldboden-Würze, ungestüm, mit Wacholder und reifen Kirschen – zusammengehalten von perfektem Holzeinsatz. Deutsches Pinot-Herz, was willst du mehr? Ganz einfach: mehr von diesem Wein!

Abschließend für alle Punkte-Trinker, meine Bewertungen heruntergebrochen in zwei Zahlen pro Wein:

2012 Rings Riesling „Kalkmergel“ – 87 Punkte
2012 Rings Freinsheimer Riesling – 86 Punkte
2012 Rings Riesling Nussriegel – 91 Punkte
2012 Rings Riesling Steinacker – 91 Punkte
2012 Rings Riesling Weilberg – 93 Punkte
2012 Rings Riesling Saumagen – 93-94+? Punkte
2012 Rings Freinsheimer Weißburgunder – 90 Punkte
2012 Rings Weißburgunder Weilberg – 90-91+? Punkte
2011 Rings Freinsheimer Spätburgunder – 90+ Punkte
2010 Rings Spätburgunder Saumagen – 94 Punkte

Teil 2 mit den Weinen von Jürgen Krebs folgt in Bälde…

Weitere Weine von dem Weingut Rings auf Drunkenmonday:
2008 Rings Sauvignon Blanc Reserve
2005 Rings Syrah
2009 Spätburgunder Gottesberg
2008 Rings Cabernet Sauvignon „S“

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9 thoughts on “Hausbesuch Teil1: Ein Abend mit Jürgen Krebs und Andreas Rings

  1. Da ist kleines Fehlerchen im Text „Jürgen Krebs vom Weingut Ring“ – der Link stimmt aber.

  2. „Sorry, aber etwas besseren viel mir zu dem dichten Konglomerat aus Mirabellen, feiner Holzwürze, frischen weißen Blüten und Tabak nicht ein.“
    Da ‚vällt‘ mir auch nicht mehr ‚fiel‘ ein. ‚Fielleicht‘ sollte man den Text nicht nur hinsichtlich des zitierten Satzes noch einmal lesen und entsprechend korrigieren.

    • Fachlich wie immer weit vorne. Danke für diesen Service. Der Tippfehler wurde korrigiert.

  3. Pingback: Ein Abend mit Jürgen Krebs und Andreas Rings | weinfunatiker1

  4. Hallo Drunkenmondays,
    bin gerade von einem kleinen Ausflug nach Konstanz zurück und musste schnell alle verpassten Berichte nachlesen um wieder einmal bedauern zu müssen, nicht bei euren Proben als ständig Anwesender den Spaß mit zu machen. Ich kanns mir real vorstellen was euch da über den Gaumen gelaufen ist. Wirklich verführerisch. Leid tut mir auch, dass der im oberen Teil erwähnte Viognier dann doch nicht im Text auftauchte. Freut mich enorm den in Deutschland finden zu können und eventuell im zweiten Teil dann doch was drüber zu finden.
    Ansonsten möchte ich auch noch einen Tip beisteuern : ich war zufällig in Konstanz in einem Naturkostladen an das Weingut, Landmann geraten, das dort Weine vorgestellt hat. Zwei Brüder jüngeren Alters und Bioland-Winzer. Da ihr ja auch immer interessiert seid an der Szene, meine Empfehlung falls ihr da mal was von kriegen könnt, unbedingt probieren.
    viele Grüße aus Frankreich
    Karl

    • Hallo Karl,

      Danke für den Tipp! Werde der Sache mal nachgehen! Der Viognier von Jürgen Krebs wird im zweiten Teil vorgestellt!

      Grüße aus Mittelhessen,
      Nico

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