Bordeaux und Biodynamie: 2010 Chateau Fougas Maldoror Organic Premium

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Die Jahrgänge 2009 und 2010 gehen definitiv als Jahrgänge der Superlativen in die Geschichte des Bordeaux ein. Noch nie gab es so viele 95-99 Punkte von Parker, Suckling, Winespectator und co. Ebenfalls noch nie wurde so häufig die perfekte 100 Punkte Karte gezogen. Doch neben den hohen Bewertungen fiel eine weitere wichtige Konstante durch extrem hohe Werte auf: der Alkohol. In klassischen Jahrgängen liegt der Alkohol Prozentsatz quer durch das Bordeaux zwischen 12,5% und 13,5% Alkohol. Jeder Wein mit 14% oder mehr fällt deutlich auf. Doch 2009 und 2010 konnte man froh sein „nur“ 14% Alkohol in seinem hoch bewerteten Wein zu finden. Die Realität sah wie folgt aus: Einige St.Emilion-Weingüter erzeugten 2010 Weine mit über 16 Prozent Alkohol. Dies war mit Sicherheit des schneller reifenden Merlots zu verdanken, welcher gerade im St. Emilion überwiegend angebaut wird. Doch selbst Weine wie Haut-Brion und La Mission Haut-Brion brachten es auf über 15 Prozent Alkohol. Weine mit weniger als 14 % musste man suchen. So etwas hat man im Bordeaux bis dato noch nicht gesehen.

Bordeaux und Biodynamie

In solchen Ausnahmejahren wie 2010 sind Weine wie der 2010er Château Fougas Maldoror Organic Premium dagegen eher selten zu finden. Sein Alkoholgehalt beträgt gerade einmal 13% – und das bei voll ausgereiftem Traubenmaterial. Doch wie geht so etwas? Eine mögliche Antwort lautet: Biodynamie. Weiterlesen

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Erdverbundenheit – Dominique Léandre-Chevalier (DLC)

33.333 Reben pro Hektar

(NM) In vielerlei Hinsicht ist ein Winzer auch nur ein Landwirt, welcher seine Früchte ca. 60-80 cm über der Erde jedes Jahr auf neue von hölzernen Rebstöcken erntet. In wie weit er dabei mit der Natur Synergien schafft, d.h. durch geschickte Eingriffe sie in ihrem Handeln unterstützt und ohne chemische und bio-chemischen Helferlein ihr freien Lauf lässt, obliegt einzig und alleine dem Winzer. Auf der anderen Seite gibt es auch eine ganze Menge an vornehmlich Trauben-Landwirten, die nur die Mengen Optimierung im Sinn haben und potentielle Risiken auf Seiten der Natur durch exzessiven Düngen und dem Einsatz von Pestiziden und Herbiziden zu minimieren versuchen. Schlussendlich hat der Weintrinker als solches die Wahl, was ihm sein Weingenuss wert ist. Das der naturnahe und unterstützende Ansatz hier oft nicht der günstigere ist, brauche ich wohl nicht extra zu betonen.

33.333 Reben pro Hektar

Reb-Tuning

Mit Dominique Leandre-Chevalier und seinem Chateau Le Queyroux hat die Gattung der naturnahen und qualitätsverrückten Hexenmeister des Weinbaus vermutlich seinen Vorsitzenden gefunden. Weiterlesen

Winzersekt auf der Überholspur: Weingut Braunewell

Schnell leer: Braunewell Francois Sekt

(NM) Dass sich deutscher Spätburgunder im internationalen Vergleich auf der Überholspur befindet, hat sicher auch der letzte Mohikaner schon mitbekommen. Doch seit einiger Zeit sprießen immer mehr ambitionierte und vor allem hochwertige und eigenständige Deutsche Winzersekte wie Trüffel aus dem Boden. Neben bekannten und geschätzten Weingütern wie Raumland, Barth, Breuer, Winterling, Wilhelmshof oder Bordong stürmen immer mehr ursprünglich „nicht Sekt“ Betriebe mit feinen zweifach vergorenen Schaumweinen den Markt. Wir starten hiermit eine kleine Serie der „2ten Reihe“ Sektbetriebe, die es lohnt deutlich mehr ins Rampenlicht zu stellen.

Indirekt haben wir mit dem Chardonnay Brut von dem Weingut Stachel im Frühjahr dieses Jahres damit angefangen. Weiter geführt wird die Serie nun mit den zwei Spitzensekten des Rheinhessischen Weingutes Braunewell. Dieses 18 Hektar Weingut aus Essenheim im Selztal richtete durch einige nationale Erfolge bei Riesling und Sauvignon Blanc Vergleichen und dem Gewinn des Vinum Rotweinpreises für ihren Francois St. Laurent schon einige Scheinwerfer auf sich. Durch die Söhne Christian und Stefan Braunewell kommt dazu eine gehörige Brise frischer Wind in das seit den 1960er Jahren bestehende Weingut. Vermeintliche Grenzen wurden durchbrochen und sich auch im Bereich der Maischevergorenen Weißweine erfolgreich ausgetobt. Ganz nach meinem Geschmack. Weiterlesen

1983-2011: Quo Vadis Charta Riesling?

1983 Weil Riesling Charta

(NM) Wie es um den aktuellen, im Handel befindlichen Charta Riesling steht, zeigte der erste Teil unserer kleinen Rheingauer Charta Serie. Unter großartiger Mithilfe von Mark Barth vom Wein und Sektgut Barth und dem Rheingauer VDP ist es uns gelungen, 16 reife Charta Rieslinge aus den Jahren 2011-1983 an einem Abend an einem Tisch zu versammeln. Herausgekommen ist eine wohl einmalige Retrospektive zurück auf 30 Jahre Rheingauer Charta Riesling und eine einzigartige Gelegenheit das Reife und Alterungsvermögen dieses Riesling Typus genauer unter die Lupe zu nehmen. Quo vadis Charta Riesling? Hier die Antwort. Weiterlesen

Kult-Shiraz aus Australien: Blindprobe Grange, Hill of Grace, Knipser, Ziereisen und Konsorten

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(NM) Es war einer dieser Proben welche man so schnell nicht mehr aus dem Kopf bekommt. Der passionierte Wein-Netzwerker Uwe Warnecke hatte zur großen Shiraz Probe geladen. Das „Beste“ aus Australien vs. einige Piraten aus der alten Welt. In Uwes Anschreiben lockten so glorreiche Namen wie Henschke’s Hill of Grace, Penfold‘s Grange, Glaetzer Amon Ra, Clarendon Hills Astralis, Torbreck’s Run Rig und viele mehr. Allesamt mit etwas Reife auf dem Buckel. Von 1991 bis 2005 war da alles vertreten. Was für eine Möglichkeit hier gleich zwei offene Fragen mit einer Probe zu beantworten: Sind die großen Shiraz aus Australien wirklich alle die überreifen und fetten Frucht-Monster für die sie alle halten und – viel wichtiger vielleicht noch – wie reifen diese Weine? Es sollte ein Denkwürdiger Abend werden, soviel vorab, vor allem auch auf Grund der in das Feld gestreuten Piraten-Shiraz aus der alten Welt.

Um die Probe so authentisch wie möglich wiederzugeben, beschreibe ich hier jeden einzelnen der 9 Flights mit meinen kurzgefassten Notizen und Bewertung. Jeweils drei Weine wurden pro Flight vorher von Uwe thematisch zusammengestellt (in Summe also 27 Weine). Alles wurde blind ausgeschenkt! Die Reihenfolge der Weine stellte sich später als exzellent heraus, obwohl dies bei so vielen kräftigen Rotweinen immer eine Herausforderung für alle Sinne ist. Mein finales Ranking aller Wein gibt es am Ende des Artikels. Here we go. Weiterlesen

Märchenprobe: Magic Meursault aus dem Chardonnay Wonderland

Magic Meursault

(NM) KREISCH! So wird heutzutage großer Chardonnay aus dem Meursault beschrieben. Zumindest in Wein 2.0 Insider-Kreisen in diversen Facebook-Gruppen und in Bezug auf die Weine der Domaine Jean-François Coche Dury. Aus Kostengründen wird in diesem Drunkenmonday Beitrag aber kein Wein der eben beschriebenen Kreisch-Domaine dabei sein. Von Coche Dury ist sowieso immer zu wenig auf dem Markt. Dafür schauen wir uns einmal ein paar andere große Namen der Region Meursault an und entdecken auch einen möglichen neuen Superstar – inklusive detaillierteren Weinbeschreibungen. Versprochen. Weiterlesen

Weißwein des Jahres 2013 bei Drunkenmonday

Weißwein des Jahres 2013 bei Drunkenmonday

(NM) Da ist er. Der erste „Wein des Jahres 2013“ bei Drunkenmonday. Wo wir für 2012 nur einem Wein die Krone aufgesetzt haben, gibt es in 2013 einen Weißwein und einen Rotwein des Jahres. Heute nun der Trommelwirbel in der Kategorie Weißwein. So viel wird vorneweg verraten: Obwohl mich viele 2012er Riesling GG’s in diesem Jahr sehr beeindruckt haben, ist die Wahl für den Weißwein des Jahres nicht auf einen Deutschen Wein gefallen. Einige wunderschöne französische Chardonnays aus dem Burgund ereilte das gleiche Schicksal. Auch aus Übersee und Italien konnte mich kein Weißwein in 2013 so richtig sprachlos machen. Schlussendlich ist es ein Franzose geworden. Getreu unserer „Wein des Jahres“-Tradition aus einer völlig unterbeleuchteten Region kommend – dem Vin de Pays du Gard, einer Appellation im Languedoc zwischen Nimes und den Ausläufern des Rhone-Tales – ist unser Weißwein des Jahres 2013: Weiterlesen

Hausbesuch Teil2: Ein Abend mit Jürgen Krebs und Andreas Rings

Jürgen Krebs zu Besuch bei Drunkenmonday

(NM) Im Teil 2 des Berichtes über den Besuch des Freinsheimer Beachvolleyball Duos Jürgen Krebs und Andreas Rings bei der Gießener Drunkenmonday Runde, dreht sich alles um das vinophile Schaffen des Jürgen Krebs. In dem gleichnamigen Weingut Krebs bekam Jürgen schon relativ früh von seinem Vater die Verantwortung über das Rotwein-Sortiment. Doch welche Folgen dieser Schritt haben sollte, konnte wirklich niemand erahnen. Wie schon in Teil 1 erwähnt, schaffte es in 2010 das bis dato überregional recht unbekannte Freinsheimer Weingut Krebs mit dem Gewinn des deutschen Rotwein Preises – in der Königsklasse Spätburgunder – den Sprung auf die große Bühne der deutschen Weinbaus. Über Nacht war der Gewinner-Wein, der 2007er Spätburgunder Musikantenbuckel (damals noch für 15€ auf der Karte!) restlos ausverkauft. Auch der 2008er erlag dem gleichen Schicksal. Mittlerweile hat sich der Rummel um diesen Wein doch etwas gelegt. Der 2011er Spätburgunder Musikantenbuckel ist glücklicherweise noch ab Weingut zu haben. Weiterlesen

Hausbesuch Teil1: Ein Abend mit Jürgen Krebs und Andreas Rings

Fröhliches Beisammensein...

Teil 1: die Weine von Weingut Rings!

(NM) Hoher Besuch der Giessener Drunkenmonday Runde bahnte sich an. Die Klinken wurden poliert, die Haare gewaschen und die beste Hose aus dem Schrank gekramt. Es schickten sich zwei ausgesprochen talentierte Jungwinzer an, unsere ehrwürdige Weinrunde (bestehend aus Pädagogen, noch mehr Pädagogen, Psychologen, Informatikern, Bankern, Maschinenbauingenieuren, Weinhändlern und Kampfsport-Quereinsteigern) persönlich mit ihrer Anwesenheit zu beglücken. Und somit schossen Andreas Rings vom Weingut Rings und Jürgen Krebs vom Weingut Krebs im Passat „von der Muddi“ aus Pfälzer Freinsheim in das schöne funktionelle Giessen. Im Gepäck eine feine Auswahl des kürzlich vorgestellten 2012er Jahrgangs. Gespannt wie ein Flitzbogen fieberten wir diesem Abend entgegen. Und ganz nebenbei, es sollte nicht nur Wein-technisch ein ganz großer werden… Weiterlesen

Gaillac – Frankreichs bestgehütetes Weingeheimnis?

Voila: Gaillac!

(NM) Hand aufs Herz, wie viele Weine aus dem Gaillac haben Sie schon probiert? Ein, Zwei, Fünf oder sogar gar keinen? Ich muss gestehen, bevor dieser Probe war ich auch einer aus der Null-Gruppe. Nun sind es Dreizehn, aber es werden mit Sicherheit noch viele mehr werden. Der Grund dafür nennt sich Karl Ernst Brunk. Neben seinem Weinimport ist er ein fleißiger Drunkenmonday Leser und sehr kommunikativer Kerl. Somit war er mir von Anfang an schon sympathisch, bevor er mit den Weinen aus dem Gaillac bewaffnet an meiner Haustür klingelte. Herausgekommen ist der faszinierendsten Abende der Drunkenmonday Historie. Ein Abend voller unbekannten Rebsorten, An und Ausbau-Methoden, 18 Jahren alten Schaumweinen und kuriosen Winzergeschichten. Und das alles aus einer Region in Frankreich, die vielleicht das bestgehütetes Weingeheimnis dieser Nation ist. Ihr wollt mehr erfahren? Bitteschön.

Das Gaillac ist die älteste Weinbauregion Frankreichs. Weiterlesen

Schweinerei von und mit dem WinePunk

Zanzo aka Marco Zanetti aka WinePunk

(NM) Hoher Besuch bahnte sich an. Marco Zanetti a.k.a. der WineRaver WinePunk schlug für einen Besuch persönlich in Giessen auf, um seine im Veneto, genauer gesagt in der DOC Breganze produzierten Weine der neugierigen und weltoffenen Drunkenmonday Runde vorzustellen. Marco ist das, was man gut und gerne einen „bunten Hund“ der Szene nennen kann. Der ausgebildete Sommelier ist zudem ein vinophiler Tausendsassa. Winzer, Wein-Video-Botschafter und Wein-Importeur, es gibt kaum ein Gebiet in der Weinwelt, wo Marco nicht aktiv ist. Dazu steckt hinter dem robusten und leicht rebellischen Äußeren ein ausgesprochen sympathischer und cleverer Kern. Davon konnten wir uns bei einem sehr geselligen und langlebigen Montagabend selbst überzeugen. Neben den Weinen aus seinem Import-Geschäft (drüber wird separat berichtet), brachte er drei Weine seines Weingutes Zio Porco Wines mit. Einen Rosé und zwei Rotweine. Here we go. Weiterlesen

„Freie Weine“ aus Südtirol

Freier Wein aus Südtirol

Christoph Richter von wein-aus-suedtirol.eu zu Gast bei Drunkenmonday.

(JR) Südtirol ist ein Schmelztiegel der Kulturen und Gegensätze. Alpine und mediterrane Lebensart treffen hier aufeinander und führen gerade in Sachen Wein immer wieder zu interessanten Neuentdeckungen. Christoph Richter, engagierter Importeur aus Hersbruck, war an diesem Abend angetreten, uns die eher unbekannteren Weine der freien Weinbauern Südtirols vorzustellen. Sie bilden den Schwerpunkt seines Programms. Mehr hierzu sowie Bestellmöglichkeiten findet man auf seiner interessanten Webseite wein-aus-suedtirol.eu.

„Wir mußten Künstler sein!“

Zum Einstieg gab es einen spannenden 2012 Weisser Burgunder von Andi Sölva. Weiterlesen

Free Climbing am Calmont: 2011er Rieslinge vom Weingut Franzen / Terrassenmosel

Imposant: Der Bremmer Calmont

(NM) Was Kilian Franzen und Freundin Angelina Lenz samt Lese-Team jedes Jahr in dem Bremmer Calmont an Extrem-Sport leisten, ist auch für Mosel-Steillagen Winzer nicht alltäglich. Die beiden wurden buchstäblich von jetzt auf heute in den Job der Berg-Bezwingers geworfen und haben seit 2010 nach einem schweren Schicksalsschlag das Ruder des Weingutes Franzen in der Hand. Ich konnte die beiden ausgesprochen sympathischen Jungwinzer (das sind für mich alle, die jünger sind wie ich) und ihre Weine auf der WineVibes Vol.5 Anfang März in München das erste Mal kennenlernen. Ob die initiale Euphorie über ihre Weine aus den Lagen Bremmer Calmont und Neefer Frauenberg auch in der Montäglichen Drunkenmonday Runde bestätigt wurde, darf nun im folgenden Artikel nachgelesen werden.

Steil, steiler, Bremmer Calmont

Auf insgesamt 9,3 Hektar Reben bewirtschaftet das Weingut Franzen aus Bremm neben überwiegend Riesling auch etwas Elbling, Weissburgunder und Chardonnay. Die zwei Toplagen des Hauses sind Neefer Frauenberg und der besagte Bremmer Calmont, seines Zeichens mit über 65° Steigung (im Durchschnitt) steilster Weinberg Europas. Weiterlesen

Quo vadis Amphore: 2010 Vigneti Trebbio / Toskana IGT

Sieht nicht nur gut aus: 2010 Vigneti Trebbio

(NM) In letzter Zeit häufen sich in der „Wein 2.0 Welt“ die Stimmen, die Nutzung von Ton-Amphoren sei nur ein großer Marketing Gag. Der Ausbau Wein in diesen historisch sehr bedeutsamen Gefäßen hätte keinerlei Auswirkung auf den Geschmack und somit würde hier mit Marketing-Voodoo versucht, den Konsumenten zu blenden. Dazu lässt diese besondere Behandlung den Preis des Getränkes schnell nach oben schießen. Quasi ein modernes Wein-Märchen auf dem Rücken der Kunden? Nun, ganz so kritisch sehe ich dies Persönlich nicht.

Wer schon einmal zum Beispiel den Amphoren Riesling von Peter Jakob Kühn oder die Weine von Elisabetta Foradori verkostet hat, weiß dass die Amphore mehr wie nur Edelstahl 2.0 sein kann. Weiterlesen

Wo in der Mosel noch Wasser fließt: Immich-Anker / Enkirch

Daniel Immich - Weingut Immich-Anker

(NM) In manchen Ortschaften an der Mosel kommt es einem vor, als würde Riesling statt Mosel-Wasser sich durch die kurvigen Gesteinsformationen schlängeln. Sei es Bernkastel-Kues, Wehlen, Graach, Brauneberg oder Piesport, überall steht der Riesling als Aushängeschild an erster Stelle. Man sollte es kaum glauben, aber zwischen all diesen Riesling Hochburgen gibt es kleine und feine Ortschaften ohne die Reputation großer Lagen, welche sich (noch) nicht in die Kette der klangvollen Namen einreihen. Eines dieser versteckten Örtchen ist Enkirch. Hier sitzt seit dem Jahr 1497 (!) das Weingut Immich-Anker und produziert seit nun 17 (!) Generationen großartige Rieslinge von 3 Hektar Steil- und Steilstlagen. Seit knapp 1 Jahren ist auch der Sohnemann nach Aus- und Fortbildung als staatlich geprüfter „Wirtschafter für Weinbau und Önologie“ und „Techniker für Weinbau und Önologie“ wieder im elterlichen Hause angekommen: Daniel Immich.

Ich traf Daniel auf einer dieser WineVibes Partys in München. Er stellte dort einige Weine des Weingutes Immich-Anker vor. Viele der Weine brillierten an diesem Abend durch glasklare Aromatiken, feiner Säure und wunderbarer Süß/Frucht/Säure Spiel – die Paradedisziplin des Mosel Rieslings. Doch weil auf solchen Veranstaltungen gerne auch das ein oder andere Glas mehr getrunken wird, wie es der Verkostungskodex erlaubt, schickte uns Daniel für eine Drunkenmonday Probe in großer Runde nachträglich ein paar Flaschen zu. Retrospektiv Immich-Anker aus der Sicht 8 Gießener Wein-Nasen. Hier nun unsere Favoriten. Weiterlesen

The „holy grail“ of German Riesling – oder einfach nur ein Abend bei Koehler-Ruprecht

Koehler-Ruprecht - Minimize to the Max

(NM) Das Kallstadter Weingut Koehler-Ruprecht gehört ohne Frage zu den renommiertesten deutschen Riesling Betrieben. Doch im Vergleich zu manchen ihrer Kollegen aus Rheinhessen, der Mosel, der Nahe oder aus dem Rheingau sind ihre trockenen Rieslinge aus dem Kallstadter Saumagen oft immer ultra puristische und kristallklare Primärfruchtverächter, welche so Zeitlos altern können, wie nur die wenigsten Vertreter ihrer Zunft. Auf Grund ihres unverkennbaren Stiles spiegeln diese Riesling-Individuen auf die extremste Art und Weise den Boden dieser kalkigen Lage und die Jahrgangstypizitäten wieder. Riesling dient hier eigentlich nur als Transponder für diesen radikalen Ansatz: Konsequenter Ausbau im großer Holzfass, keine Entsäuerung, Maischestandzeit von 1-2 Tagen, Spontanvergärung und keine Schönung und Filtration. Alle diese Methoden bringen extrem polarisierende Weine hervor. Die in den reifen Jahren bei den Jungweinen bestehende Primärfrucht wird zwar akzeptiert, aber wohl wissend des Entwicklungspotentials bzw. der Reife eher belächelt. Weiterlesen

Horizont erweitern? 2010 Günther Steinmetz Kestener Herrenberg Pinot Noir „unfiltriert“

2010 Günther Steinmetz Pinot Noir Herrenberg Unfiltriert

(NM) Stefan Steinmetz – diesen Namen sollte man sich merken. Stefan ist für die Weinbereitung in dem Weingut Günther Steinmetz in Brauneberg an der Mosel zuständig. „Kennengelernt“ habe ich Stefan über Facebook. Früher waren die Winzer nur über einen persönlichen Besuch auf dem Weingut oder über Messen kennenzulernen, heute reicht eine einfache Freundesanfrage und der Initialkontakt ist hergestellt. Auf Facebook wurde sich dann in meinen vertrauten Wein-Communities ausgesprochen positiv über die Weine von Stefan ausgelassen – nein, es wurde eigentlich durchweg begeistert davon geschwärmt! Als ausgesprochen neugieriges Individuum gab es für mich nur eine logische Aktion: Ich musste die Weine des Weingutes Günther Steinmetz einmal zu probieren. Heute widme ich mit nur einem Wein von Stefan. Dem 2010 Günther Steinmetz Herrenberg Pinot Noir „unfiltriert“. Weiterlesen

Napa Valley einmal anders: 2010 Panamera Grand Vin Cuvée Napa

2010 Panamera Cuvee Napa Valley

(NM) „Napa Valley“ ist immer noch der klangvollste Name des Kalifornischen Weinbaus. Es ist DIE Region für kultige Cabernet Sauvignon und Bordeaux Blends aus dem amerikanischen Westen. Mit Namen wie Harlan Estate, Heitz, Schrader, Shafer, Colgin oder Opus One wird dem zahlungskräftigem Weintrinker schnell ein Dreistelliger Betrag für eine Flasche „Sunshine in the glass“ aus den Rippen geleiert. Doch nirgends in den USA liegen völlig überzogene Preise, massentouristisches Weinpilgertum und „mehr Schein als Sein“ so nah beieinander. Wer dort viel Weingenuss für faires Geld sucht, wird ohne entsprechende vinophile Langzeitbelichtung der Region nicht auskommen. Ich verkoste heute einen Wein, welcher sich genau das auf die Fahnen geschrieben hat: Viel Weingenuss für moderates Geld aus dem Tiffany des amerikanischen Weinbaus. Es ist der 2010 Panamera Grand Vin Cuvée Napa.

Panamera ist eine Marke der Firma TxB International Fine Wines. Neben ihrem „Flagship Wine“, dem Cuvée Napa, werden noch ein Cuvée California und ein Chardonnay unter diesem Label produziert. Der Preis liegt in Deutschland bei etwa 19€, was für einen Cabernet Sauvignon lastigen Napa Valley Rotwein fast schon als Schnäppchen zu bezeichnen ist. Weiterlesen

Kampanische Weinbaugeschichte: Pallagrello Bianco + Pallagrello Nero

Auf den Spuren kampanischer Weinbaugeschichte: Pallagrello

(NM) Vorab: Pallagrello ist kein Schinken von Schweinen, welche sich ausschließlich von Waldmeister ernähren. Pallagrello ist eine autochthone Rebsorte aus Kampanien. Es ist zudem eine der wenigen ihrer Art, die es in Weiß – Pallagrello Bianco – und Rot – Pallagrello Nero – gibt. Somit passen die beiden Weine wunderbar in das Thema der Weinrallye #59: Exotische Weine. Gastgeber ist dieses Mal Peter Ladinig von „The Institute of Drinks“.

In Kampanien dachte man lange Zeit der komplette Bestand an Pallagrello Bianco und Pallagrello Nero sei der Reblaus zum Opfer gefallen. Doch Anfang der 1990er Jahre identifizierte Peppe Mancini beide Rebsorten „neu“ und rekultiviert sie seit dem in den Hügeln Kampaniens. Schon im 18 Jahrhundert waren beide Rebsorten übrigens die absoluten Lieblinge des in dieser Zeit herrschenden Königs Ferdinand IV. Sie waren damals schon in der Lage, aus Pallagrello Bianco und Pallagrello Nero überaus langlebige Wein zu vinifizieren. Heute laufen sie unter der Terre del Volturno IGT Gebietsbezeichnung.

Weinrallye #59

In Deutschland muss man sehr lange suchen, um Weine aus diesen Rebsorten zu finden. Weiterlesen

Oh du schöner Naturwein: 2010 Yannick Pelletier l’engoulevent

Schöner Naturwein: 2010 Yannick Pelletier l'Engoulevent

(NM) Naturwein. Bei einigen meiner geschätzten Bloggerkollegen und Weinenthusiasten löst das Wort schon Grusel und geistige Geschmackskirmes aus. Sicher ist: Es gibt ganz furchtbare „Naturweine“, welche ohne Schwefel und dank vergötterter Biodynamik ziellos vor sich hin gären. Das Ergebnis ist oft ein Potpourri voller Fehltöne und das Gefühl, sich in mitten einer „Dirk Bach Gedächtnis Jungle Prüfung“ zu befinden. Doch es gibt auf der anderen Seite auch ganz ausgezeichnete Kandidaten dieser verrufenen Kaste. Weine, bei denen der Winzer mit kerngesundem Traubenmaterial ganz vorzügliche Tropfen keltert, ohne auf Schwefel, Schönung oder Filtration zurückzugreifen. Genauso ein Winzer ist Yannick Pelletier aus der AOC Saint Chinian im Languedoc. Ich verkostete den mittleren (oder auch Zweit-)Wein der Domaine Pelletier, den 2010er L’engoulevent.

Zauberwort: Balance!

Um bei Naturwein (französisch „Vin Vivants“) auf der sicheren, Jungle Prüfungs-freien Seite zu sein, kauf man solche Weine nur beim Spezialisten. Einer von ihnen ist Alex Zülch. Weiterlesen

100 PP Châteauneuf? Nein danke, ich nehm lieber den Lirac…

2010 Grand Veneur Clos de Sixte Lirac

(NM) Nicht oft hat man die Möglichkeit einen „perfekten Wein“ zu verkosten. 100 Parker Punkte in einem Wein werden unauffindbar und schnell unbezahlbar. Die blinde Masse stürzt sich auf den vermeintlichen Wunderwein. Dabei deckt die Menge des produzierten Weins bei weitem nicht die Nachfrage gieriger Zwischenhändler und zahlungsfreudiger Endkunden. Das Ergebnis? Der Preis verdoppelt sich über Nacht. So geschehen bei einer der vielen 100 Parker Punkte Weine aus dem Jahrgang 2010 der Südlichen Rhone: 2010 Domaine Grand Veneur Châteauneuf-du-Pape „Vieilles Vignes„. (Nebenbei: Stephen Tanzer’s International Wine Cellar vergibt 92-94, Winespectator nur 93 Punkte)

Preis mal 2 – Qualität mal ?

Ursprünglich gab es den Wein für etwa 65€ im Handel. Nach Parkers Jubelorgien „A monumental effort meriting a perfect score, the super-rich 2010 Chateauneuf du Pape Vieilles Vignes is a 4,000-bottle blend of 50% Grenache, 40% Mourvedre and 10% Syrah from 55- to 105-year-old vines and was aged for 18 months in small oak. The wine offers majestic blackberry and cassis fruit intermixed with kirsch, licorice and subtle Provencal herbs in the background. It is akin to chewing meat in the mouth given its viscosity and thickness. This utterly amazing wine comes close to being over the top, but it pulls back just in time. A massive Chateauneuf du Pape (even for a 2010), it needs 5-6 years of cellaring and should age effortlessly for 25-30 years. Bravo!“ und entsprechenden 100/100 Punkten ist der Wein nun für etwa 150€ im Handel zu finden. Der Preis ist somit locker verdoppelt. Gut, der Wein trifft voll Bobbies Geschmack. Doch der ist bei weitem nicht meiner. Keine Frage, der Stoff war „super-rich“ und „a massive Chateauneuf du Pape“, aber eines fehlte ihm gänzlich: Trinkfreude! Zum „Meditationswein“ fehlte es ihm dazu noch an geschmacklicher Tiefe. Die angesprochene Trinkfreude hatte aber zum Glück ein ganz andere Rhone-Wein in dieser Probe. Es war aus dem gleichen Weingut und dem gleich Jahr folgender Wein: 2010 Domaine Grand Veneur Lirac „Clos de Sixte“ Weiterlesen

Pfälzer Terra Rossa: 2004-2011 Pfeffingen Riesling Weilberg GG Vertikale

Imposant: 2004 - 2011 Pfeffingen Weilberg Riesling  GG Vertikale
(NM) Wenn in der Weinszene von „roter Erde“ gesprochen wird, richtig sich der Fokus schnell auf den „Roten Hang“ in Nierstein / Rheinhessen. Eisenoxid verleiht hier der Erde seine rötliche Färbung. Neben großen Rieslingen wird dort seit neuestem in den wärmsten Teilen auch Rotwein, genauer gesagt Blaufränkisch angebaut. Das Weingut St. Antony hat sich für diese Strategie auch schon eine Schellte von Jancis Robinson MW eingefangen. Wie kann man in dieser legendären Riesling Bastion die heiligen Reben durch bäuerlichen Blaufränkisch ersetzen – fragte sich Frau Robinson MW. Doch das Zeug schmeckt wohl richtig gut und kassierte gleich einmal 87+ Punkte von wein-plus.de.

Die Lage: Ungsteiner Weilberg

Nun, genug Wein-Gossip. Auch in der Pfalz gibt es „rote Erde“ im Weinberg. Zwar nur in einer Lage, aber diese hat es in sich. Es ist das 1 Hektar großen Herzstückes des Ungsteiner Weilbergs – die Riesling Paradelage des VDP Weingutes Pfeffingen. Dieser spezielle Teil des Weilbergs besteht aus tonigem Lehm, dessen starke Rotfärbung auf durch hohe Gehalte an Hämatit (Fe2O3) verursacht wird. Aus diesem Herzstück werden die Trauben für das Pfeffingen Riesling Weilberg „Große Gewächs“ gewonnen. Unser heutiger Kandidat für eine eindrucksvolle Jahrgangsvertikale. Weiterlesen

Zwei Lagen – zwei Winzer – eine Passion – ein Projekt: Pinot Times

Pinot Times: Zwei Lagen - ein Wein

(NM) Als Winzer hat man je nach Vegetation-Periode seine festen Arbeitsabläufe: Rebschnitt im Winter, warten auf die Blüte, Laubschnitt und Ertragsanpassung über die Sommermonate in den Herbst hinein, ein Jahrhundertjahrgang kurz vor der Ernte in der Presse prognostizieren, Trauben ernten, keltern, Wein ausbauen etc. Man kennt seine Weinberge, hat seinen „Stil“ in der Weinbereitung und passt sich den klimatischen Entwicklungen jedes Jahr aufs Neue an. Eine durchaus kniffelige und fordernde Aufgabe, welche gute Ausbildung, Erfahrung und etwas Mut verlangt, um später große Weine in die Flasche zu bringen. Den meisten Winzern reicht diese Arbeit voll und ganz.

Was mache ich mit meiner Freizeit?

Man kann getrost sagen, „Projekt-Weine“ liegen im Moment voll im Trend. Sie sind die Art von Weinen, wo sich die Ketten der Weinbereitung etwas lockern lassen und man als Winzer einen Hauch von Extra-Freiheit genießen kann. Oft werden die gleichen Rebsorten verschiedener Lagen zwei Weingüter in einem Wein vereint. Solch einen Wein wie zum Beispiel den großartigen „Gottes Berg“ der Pfälzer Winzer Andreas Rings und Thomas Pfaffmann hatten wir hier auf Drunkenmonday schon vorgestellt. Heute geht es um ein ähnliches Projekt.
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Badenwein aus dem Highend Sektor: Selektion Johner (SJ) aus 2009

2009 Johner SJ

(JR) Etwas mehr als ein Vierteljahrhundert ist das Weingut Karl H. Johner aus Bischoffingen im Kaiserstuhl erst alt. Dennoch haben Vater Karl und Sohn Patrick sich schon seit Mitte der 90er Jahre einen festen Platz in der Oberklasse der deutschen Weinszene erobern können. Klug fährt man das Konzept Klasse statt Masse, lässt sich bei den Spitzenweinen Zeit und reduziert zu Gunsten der Qualitäten den Ertrag. Dass Patrick Johner ein Überzeugungstäter ist, sieht man auch an seinen diversen Aktivitäten im Netz. Einige Kritiker meinen, dass er sich dabei manchmal etwas zu weit aus dem Fenster lehnt, aber klappern gehört nun mal zum Handwerk. Gerade für einen jungen Winzer bieten dafür Twitter, Facebook und Co. ein ideales Medium. Wir hatten die Gelegenheit, die Spitzenweine des zum Zeitpunkt der Probe noch nicht vollständig freigegebenen Jahrgangs 2009 verkosten zu können.

Als Amuse-Bouche starteten wir mit zwei einfachen Rivanern der Jahre 2010 und 2011 aus dem Hause Johner. Weiterlesen

Weinrallye #53: Großer Chenin Blanc aus Schweiz!

2010 Louis Bovard Chenin Salix

(NM) Es braucht keine Steuer-CD um die Geheimnisse des Schweizer Weltenbummelns aufzutun. Die Schweiz ist unter anderem bekannt für präzise Uhrwerke, finanzielle Spielräume, feine Schokolade, stinkigem Käse, frischer Bergluft und einem zähen Dialekt der deutschen Sprache, oddr krrrk? In Sachen Wein sind die Schweizer auch sehr eigen: Die großen Schweizer Weine werden in der Regel im eigenen Land vernichtet. Zu den richtige Weltstars der Winzerszene gehören nur wenige: Gantenbein fällt mir hier zum Beispiel spontan an. Grund genug sich dem ausgesprochen unerforschten Thema bei einer Weinrallye zu widmen. Peter Züllig aka Sammlerfreak ruft zur Weinrallye #53: Schweizer Wein!

Weinrallye #53 - Schweizer Wein

Auf die Weine von Louis Bovard sind wir in einer vergangenen Drunkenmonday Probe von Schweizer Weinen aufmerksam geworden. Genauer gesagt waren der 2009er Sauvignon „Buxus“ und 2009er Chenin „Salix“ des Winzers aus dem Kanton Waadt direkt am Genfer See die Stars der Probe. Durch einen Direkt-Import ab Weingut war es uns möglich an weitere, wenn auch wenige Flaschen dieser Weine zu kommen. Für die heutige Weinrallye #53 „Schweizer Wein“ habe ich mich für folgenden Wein entschieden: 2010 Louis Bovard Chenin Blanc „Salix“. Weiterlesen