Schweinerei von und mit dem WinePunk

Zanzo aka Marco Zanetti aka WinePunk

(NM) Hoher Besuch bahnte sich an. Marco Zanetti a.k.a. der WineRaver WinePunk schlug für einen Besuch persönlich in Giessen auf, um seine im Veneto, genauer gesagt in der DOC Breganze produzierten Weine der neugierigen und weltoffenen Drunkenmonday Runde vorzustellen. Marco ist das, was man gut und gerne einen „bunten Hund“ der Szene nennen kann. Der ausgebildete Sommelier ist zudem ein vinophiler Tausendsassa. Winzer, Wein-Video-Botschafter und Wein-Importeur, es gibt kaum ein Gebiet in der Weinwelt, wo Marco nicht aktiv ist. Dazu steckt hinter dem robusten und leicht rebellischen Äußeren ein ausgesprochen sympathischer und cleverer Kern. Davon konnten wir uns bei einem sehr geselligen und langlebigen Montagabend selbst überzeugen. Neben den Weinen aus seinem Import-Geschäft (drüber wird separat berichtet), brachte er drei Weine seines Weingutes Zio Porco Wines mit. Einen Rosé und zwei Rotweine. Here we go.

Der 2012er Rosé Namens „Porco Sporco“ (deutsch: Schweinerei) kam noch ohne Label daher. Doch auch ohne hübsches Äußeres konnte dieser Rosé mit seinen inneren Werten absolut überzeugen. Aus den Rebsorten Pinot Nero (Pinot Noir) und Marzemino wird dieser in allen Belangen „Ausnahme“-Rosé vinifiziert. Die Reben wachsen auf vulkanischen Böden. Soweit ist dies nichts ungewöhnliches, doch „Porco Sporco“ transportiert diesen extremen und kargen Lebensraum wunderbar ungeschönt in die Flasche. Mit nur 2 Gramm Zucker und minimalem Schwefeleinsatz wird hier kein von mir so oft zitiertes Erdbeerwässerchen in die Flasche gebracht. Eher wird so ziemlich das Gegenteil davon abgefüllt. Die Nase versprüht einen kargen und stahligen Duft nach Thymian, Salbei und etwas verhaltener roter Frucht. Auf Grund seiner Jugend wirkt die Aromen Entwicklung aber noch relativ verschlossen. Auch am Gaumen bleibt der „WTF“ Effekt nicht aus: Dieser Rose besitzt ein Mundgefühl bzw. orale Haptik, welche ich noch in keinem seiner Kollegen entdecken konnte. Dank spürbarer Säure, erdiger Phenolig, kombiniert mit einer gewissen Cremigkeit überraschte er jeden einzelnen Geschmacksensor auf der Zunge. Kein Rosé für Rosé-Trinker, sondern eher eine Provokation an das verweichlichte Genre als solches. Eine extrem spannende Entdeckung in der oft so öden Welt des hellroten Weines und für mich einer der wenigen Kandidaten, die den Sprung in die 90 Punkte Liga schaffen können. Gebt ihm noch etwas Zeit, gerne auch 2-4 Jahre, denn das kann der 2012er „Porco Sporco“ Rosé locker wegstecken. 89-90+ Punkte von mir.

Schweinerei: Zio Porco Weine

Der nächste Wein war dann ein Roter. Mit dem 2010er Zio Porco „Porcheria“ kam ein gemischter Satz aus Marzemino, Gropello, Teroldego, Lagrein und Alicante Buche in unsere Gläser. Die Trauben dafür werden zum Teil im Ganzen gepresst (d.h. mit Stiel und Stängel) und der Most später spontan vergoren. Herausgekommen ist ein Wein voller authentischer und fast schon uriger Typizität. Kein breiter, fetter und alkoholischer Gaumenschmeichler, eher der ehrliche und bodenständige Weintypus, ohne Star-Allüren und Marmeladen-Genen. Schon die Nase lässt das Wasser im Mund zusammen laufen. Der kühle und frische Eindruck wird von Aromen nach roter Lakritze, Himbeeren, reifen Brombeeren, Speck und etwas Eukalyptus getragen. Irgendwie authentisch, dynamisch und anregend. Am Gaumen wird die dann die nasale Erwartungshaltung 1 zu 1 transportiert. Diese kühle und ätherische Frische regt zum konstanten Nachprobieren an, die straffe Säure verleiht Struktur und Erlebnis auf der Zunge. Neben feinen Sauerkirsch-Noten kommt uns auch noch süßer Holunder in den Sinn. Die Frucht bildet in Mitten dieses feinen und frischen Auftretens einen dichten und leicht süßlichen Kern. Kategorie Zwitter-Wein. Dazu ein großes Lob an den Herren WeinPunk für diese ehrlich Interpretation von Marzemino und Co. Veneto rockt – und das ganz ohne MakeUp und künstlichen Fingernägeln – dank dem 2010er Zio Porco „Porcheria“. 90-91 Punkte und für 13,50€ der klassische „No-Brainer“. Kaufen Leute!

Zu guter Letzt schenkte uns Marco seinen 2007er WinePunk Nero ins Glas. Auch dieser Wein basiert zum größten Teil auf Marzemino (90%), wird aber noch durch Gropello, Carmenere und Merlot komplettiert. Ganze 24 Monate lag dieses Schätzchen in gebrauchten 500 und 600 Litern Holzfässer. Das Resultat wird zuvorkommend mit „pogo for your tongue“ auf dem Label vorweggenommen. Und im Vergleich zu dem „Porcheria“ gibt es hier ordentlich Dampf aus dem Glas. Die lange Reifung im Holz und der Anteil Carmenere und Merlot sind klare Indikatoren für mehr Druck im Kessel. Der Wein wirkt breiter, dichter und mächtiger – sogar etwas „pleasing“ für die Mannschaft der Frucht-Trinker. Doch dieses Bild dreht sich während der Wein im Mund verweilt. Im Abgang kommt dann die wunderschöne erdige und würzige Seite des Marzemino zu Tage. Wo die reife Frucht zu Beginn schmeichelt, gewinnen Säure und das reife Tannin-Gerüst den Abgang für sich. Der 2007er WinePunk Nero lässt sich jetzt auf dem Höhepunkt seiner Frucht-Entwicklung ganz ausgezeichnet trinken, verspricht aber auf Grund seiner Struktur noch weitere 4-6 Jahre wie eine „Eins“ dazustehen. Trotz des molligeren Auftritts wird er der heimliche Gewinner der Herzen. 91-92 Punkte für diesen Zungen-Pogo – dazu mit guten 13€ mehr als fair bepreist!

Links:

Zio Porco auf Facebook

„Porcheria“ beim Weinparlament kaufen

Zio Porco Weine auch bei „die Genussverstärker“ und „Blind Tasting Club“

Der WinePunk auf Youtube

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One thought on “Schweinerei von und mit dem WinePunk

  1. Pingback: Weg mit den Voruteilen: Sauft mehr Lambrusco! | Drunkenmonday Wein Blog

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