Die Seele der Champagne: 2007 Sapience – Benoit Marguet

2007 Marguet Sapience Champagner

(NM) Achtung Spoiler: Der oben beschriebene Wein wird erstmalig auf diesem Blog die 100 Punkte bekommen. Wer also das „Warum“ erfahren möchte, lese den Artikel bitte bis zum Schluss… Vor nicht allzu langer Zeit fand in einem nicht allzu entfernten Bundesland eine denkwürdige und (vor allem für mich) bewusstseinserweiternde Champagner Probe statt. Champagner „no limits“. Wir berichteten hier vorab darüber. Zusammengefasst suchten 16 Sommeliers und Weinschreiber in dieser einzigartigen Blindprobe unseren Ideal-, Bilderbuch- oder auch einfach ultimativen Champagner. Das Ergebnis war für mich persönlich schockierend, überraschend und doch so wunderbar wohltuend. Die Geschichte eines ganz normalen Nachmittags in München. Weiterlesen

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Wenn Wein die Seele füttert: 2011 Houillon-Overnoy Chardonnay Arbois Pupillin

2011 Houillon-Overnoy Chardonnay

(NM) Im Englischen gibt es mitunter ganz wunderbare Sprüche und Floskeln, welche ins Deutsche übersetzt einfach nur merkwürdig klingen. „This wine feeds my soul“ – „dieser Wein füttert meine Seele“ klingt im Englischen nach „Balsam für die Seele“, im Deutschen nach Magenknurren im parapsychischen Unterhaus. In der Weinwelt finden sich aber durchaus Weine, die genau dieses Balsam für die Seele sind und diese auch mit dem füttern, was ihr vielleicht bedingt durch Stress oder Trauer abhandengekommen ist. Wein als Stimmungspendel in Richtung Heiterkeit und innerer Zufriedenheit. Und voila, hier ist einer dieser Gattung, zumindest für mich. 2011 Houillon-Overnoy Chardonnay Arbois Pupillin aus dem Jura.

Maison Pierre Overnoy ist bzw. war sowas wie der stille Großmeister des „Vin Naturel“ im Jura bzw. vielleicht neben dem Zappelphilipp Nicolas Joly auch in ganz Frankreich. Als Pierre 1968 von Papa Overnoy die 2,6 Hektar Weinberge in Pupillin – in der Nähe des Dorfes Arbois – übernahm, führe er den Betrieb dort „traditionell“ weiter. Keine Fungizide, Pestizide oder Herbizide, nur Kupfer und Schwefel wurden verwendet. Und davon so wenig wie nötig. Am besten gar kein Schwefel. Während sein Bruder den Obst und Gemüse Teil des Väterlichen Erbes weiterführte, setzte Pierre damals in 1968 unbewusst einen Meilenstein der alternativen Weinbereitung. Weiterlesen

Jörn Goziewski – Riesling Magic

Jörn Riesling Rheingau

(NM) Es gibt Winzer und es gibt Winzer. Die einen produzieren Jahr ein Jahr aus bodenständige Weine, beglücken mit konstanten Qualitäten die Kundschaft und sind in Sachen Evolution und Revolution eher konservativ unterwegs. „Wir machen das schon immer so“. Zu Recht. Der Kunde kauft. Alles gut. Und dann gibt es Winzer wie Jörn Goziewski. Ja genau, der Jörn Goziewski. Jörns Weine hatten wir schon einige Male hier auf dem Blog vorgestellt. Jörn kann man gut und gerne als das komplette Gegenteil des „das Weingut ist seit 1792 in Familienbesitzt – der Wein schmeckt immer gleich“ Winzers bezeichnen. Wenn man glaubt, er hat das Thema Riesling auf die Spitze getrieben, setzt er im nächsten Jahr noch einen drauf. Seine Heimat ist der Rheingau, seine Hommage an ihn der Riesling und seine Markenzeichen ist sein Mut die Sachen einmal etwas anders anzugehen.

Jörn Goziewski

Umtriebiger Teufelskerl

Nachdem Jörns Ära bei dem Weingut Ankermühle 2013 zu Ende ging, machte sich der umtriebige Riesling Virtuose mit der Marke „Jörn Wein“ selbständig. Auf 1,4 Hektar gepachtetem Mutterboden, selbstredend im Rheingau rund um Geisenheim und Rüdesheim ansässig, produziert er je nach Ertrag zwischen 3000 und 4000 Flaschen Wein pro Jahr. Das der aktuelle 2015er Jahrgang zum Teil noch in den Fässern auf der Hefe schlummert, kann durchaus als Markenzeichen bezeichnet werden. Denn Jörn macht langsamen, Natur bezogenen Wein. Der forcierte Ansatz „im Herbst ernten, pressen, Hefe drauf, vergären, in die Flasche und beim Kunden bis Januar“ lässt Jörn kalt. Frisch und knackig in rauen Mengen machen Andere. Weiterlesen

200 Prozent Riesling: 2013 Joern Riesling „Arancia“

Die dunkle Seele des Rieslings: 2013 Jörn Arancia Riesling

Lange habe ich versucht den 2013er Joern „Arancia“ Riesling in eine bereits existierende Schublade zu stecken. „Riesling Großes Gewächs“ – nein: Der Wein ist viel zu Lagen/Gebiets- untypisch. „Deutscher Landwein“ – um Gottes Willen: Das ist wohl die Schublade mit der geringsten Aussagekraft. „Riesling Orange Wine“ – auch schlecht: Entspricht zwar seiner Herstellungsmethode, aber unterstreicht nicht die Qualität, die dieser Riesling zu zeigen vermag. „Riesling Naturwein“ – ganz übel: Absolut verschrienes Genre, fehlinterpretiert und sowieso in der breiten Masse nicht verstanden. Was mache ich also mit diesem extremen Riesling? Ganz einfach: zeigen, erklären und erleben lassen. Was sollte man auch sonst mit einem Wein tun, welcher einem so unverfälscht auch die dunkle Seele seiner Rebsorte zeigt? Weiterlesen

Charly Foucault: 1947 – 2015

Clos Rougeard Charly Foucault by Jean-Yves Bardin

Charly Foucault by Jean-Yves Bardin

(PT) Vor gut fünf Jahren kam die Drunkenmonday Runde zusammen und jeder durfte eine Flasche aus meinem Kühlschrank „blind“ (verdeckt) servieren – bis auf Flaschen aus dem untersten Fach. Bei den ersten zwei Flashcen ging das noch gut (Pflüger Spätlese trocken von 1999 – großartig und Wittmann Morstein 2004 – sofort erkennbar). Als Jochen die dritte Flasche ausschenkte verstummte die Runde. Während ich beim ersten Reinriechen kurz bedauerte, die Truppe sich am Kühlschrank bedienen zu lassen, war die Runde fasziniert, gefesselt, sprachlos geworden: Dies war einer der ganz besonderern Momente, wenn ein Wein, das Handwerk des Winzers mehr ist als vergorener Traubensaft. Wenn die Welt kurz stehen bleibt und der Wein zu einem spricht, berührt und bewegt. Es war der Clos Rougeard Brézé 2000.

Clos Rougeard hat Drunkenmonday seit diesem Tag nicht mehr losgelassen. Ob in illustrer Bordeaux Runde der Sieger (2004 Clos Rougeard Saumur-Champigny „Les Poyeux“), oder in der Jahrgangs Horizontalen (Bodenständig, unaufgeregt und echte Weltklasse: Clos Rougeard). Immer wieder haben uns die Weine – durch ihre einzigartig feinen Tannine & absolut elegante Struktur auch international Kult –  mehr als begeistert. Begeisterung ist zu oberflächlich um die Gefühle zu beschreiben Weiterlesen

1983-2011: Quo Vadis Charta Riesling?

1983 Weil Riesling Charta

(NM) Wie es um den aktuellen, im Handel befindlichen Charta Riesling steht, zeigte der erste Teil unserer kleinen Rheingauer Charta Serie. Unter großartiger Mithilfe von Mark Barth vom Wein und Sektgut Barth und dem Rheingauer VDP ist es uns gelungen, 16 reife Charta Rieslinge aus den Jahren 2011-1983 an einem Abend an einem Tisch zu versammeln. Herausgekommen ist eine wohl einmalige Retrospektive zurück auf 30 Jahre Rheingauer Charta Riesling und eine einzigartige Gelegenheit das Reife und Alterungsvermögen dieses Riesling Typus genauer unter die Lupe zu nehmen. Quo vadis Charta Riesling? Hier die Antwort. Weiterlesen

Nicht das „wie“, sondern das „warum“: MOTIF Fine Art Wine

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(NM) Die Sache mit den MOTIF Weinen lief eigentlich ganz einfach ab: Erstkontakt irgendwo bei Facebook (ich glaube sogar über die letzte WineVibes in Berlin), danach sofort nach dem künstlerisch wertvoll anmutenden Stoff gegoogelt. Keine Woche später standen die Weine auf dem Tisch unsere Drunkenmonday Montags Runde in Gießen. Internet und Kathrin Kohl von 225 Liter – Handverlesene Weine sei Dank! Das Projekt „MOTIF Fine Art Wine“ und entsprechen auch die Weine stammen aus Österreich, genauer gesagt aus der Südsteiermark. Die Namensgebung von Gschniglt, Gschekat, Dign & co kommt aus dem Südsteierischen Dialektraum und beschreibt mit einem Wort den Charakter des jeweiligen Inhaltes.

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Im Grunde genommen dreht es sich bei den Motiv Weinen nicht darum „wie“ die Weine schmecken, sprich nicht ob Melone, Schmierfett oder links gerittener Damensattel dem Wortgewandten Aromen Jongleur in den Sinn kommen, sondern um das „warum und wann“ man die Wein trinkt. Die Zusammenstellung der 6 MOTIF-Weine dient alleine dazu, möglichst viele Situationen abzudecken, wann und wo die Weine getrunken werden können. Betriebsintern wird gerne die Tageszeit und der Ort als Kriterium genutzt, den entsprechenden Wein aufzumachen. In der MOTIF-Wein-Kollektion befinden sich sechs Weine: vier Weiße, ein Rose und ein Roter. Außer den rechtlich vorgeschriebenen Informationen wie Jahrgang und Alkohol ist nichts offiziell angegeben. Keine Rebsorte, kein „zu Käse und Wild“, kein „Aromen von Waldbeeren“ etc. Weiterlesen

Dom Pérignon Plénitude P2-1998 – Is a new Star born?

Dom Pérignon’s “Power of Creation”

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(PT) Dom Perignon. Wie kein anderer steht dieser Name ikonenhaft für Champagner. Für DEN Prestige-Champagner. Der Aufsstieg des Labels „Dom Périgon Champagner“, ist in der  Weinwelt beispiellos. Genau genommen ist Dom Pérignon eine Marke aus dem Moet & Chandon Haus welches durch geschickte Vermarktung im Rahmen des LVMH Luxusgüterkonzerns auf allen Weinkarten der Restaurants, im Handel, aber vor allem in den Clubs der Welt zu finden ist.

Ganz nach James Bonds „Die Welt ist nicht genug“ erhält die Dom Pérignon Familie – derzeit aus dem Dom Pérignon, Dom Pérignon Rose und Dom Perignon Oenothèque bestehend, Verstärkung: Dom Pérignon Plénitude P2 1998

Dom Pérignon Plénitude 2 – The Peak of Energy Expression

Dom Perignon Plenitude P2-1998 EnergyAtItsPeak_HD

Plénitude? Spitze der Energie Expression? Wird hier ein bissl dick aufgetragen? Das kann man nur durch die Verkostung herausfinden – Weiterlesen

Fünf JAHRE Drunkenmonday Weinblog 4/5: Unsere 5 emotionalsten Wein „Momente“

Fünf JAHRE Drunkenmonday Weinblog 4/5: Die spannendsten Drunkenmonday Momente

(NM+PT) Viel haben wir in den letzten 5 Jahren des Wein-bloggens erlebt, erfahren und er“trunken“. Heute möchten wir euch die 5 emotionalsten und intensivsten Momente dieser Zeit etwas näher bringen. Die Auslöser dafür sind in jedem der 5 Fälle selbstverständlich die besonderen Weine, doch möchten wir den Winzer-Persönlichkeiten hinter diesen mit dem Artikel den Dank und die Anerkennung zollen, die sie mehr als verdienen. Hier nun unsere 5 emotionalsten Wein-Momente, basierend auf Ehrfurcht, Staunen oder einfach nur ungefilterter vinophiler Glückseligkeit. Viel Spaß! Weiterlesen

Gaillac – Frankreichs bestgehütetes Weingeheimnis?

Voila: Gaillac!

(NM) Hand aufs Herz, wie viele Weine aus dem Gaillac haben Sie schon probiert? Ein, Zwei, Fünf oder sogar gar keinen? Ich muss gestehen, bevor dieser Probe war ich auch einer aus der Null-Gruppe. Nun sind es Dreizehn, aber es werden mit Sicherheit noch viele mehr werden. Der Grund dafür nennt sich Karl Ernst Brunk. Neben seinem Weinimport ist er ein fleißiger Drunkenmonday Leser und sehr kommunikativer Kerl. Somit war er mir von Anfang an schon sympathisch, bevor er mit den Weinen aus dem Gaillac bewaffnet an meiner Haustür klingelte. Herausgekommen ist der faszinierendsten Abende der Drunkenmonday Historie. Ein Abend voller unbekannten Rebsorten, An und Ausbau-Methoden, 18 Jahren alten Schaumweinen und kuriosen Winzergeschichten. Und das alles aus einer Region in Frankreich, die vielleicht das bestgehütetes Weingeheimnis dieser Nation ist. Ihr wollt mehr erfahren? Bitteschön.

Das Gaillac ist die älteste Weinbauregion Frankreichs. Weiterlesen

Weinrallye #61: Deutscher Syrah vs. reifer High-End Shiraz

Australien trifft auf Syrah Nachwuchs aus Deutschland

(NM) Da wir die letzte Weinrallye auf Grund von Reiseaktivitäten verpasst haben, spielt Drunkenmonday bei der aktuellen Weinrallye #61 wieder mit. Das Thema der Nummer 61 ist: Syrah / Shiraz – ein global Player. Noch vor 3 oder 4 Jahren wäre ich in meinen Keller gelaufen, hätte ohne groß zu überlegen einen der damals 30 – 40 verschiedene Australischen Shiraz herausgesucht und verkostet. Doch die Zeiten ändern sich. Heute sagt mir CellarTracker, ich habe noch ganze 3 Shiraz aus Australien in meinem persönlichen Lager. Genauer gesagt sind es ein 2005er „Dead Arm“ Shiraz von d’Arenberg, ein 2006er Amon-Ra Shiraz von Ben Glaetzer und ein 2006er Peter Lehmann „The 1885“ Shiraz. Alle drei werden dort auch noch einige Zeit verbringen, da ich ganz ehrlich die primärfruchtige, dichte und mollige Stilistik irgendwie leid bin. Zeit heilt ja bekanntlich einige Wunden und somit hoffe ich in 5-8 Jahren drei schöne gereifte Shiraz trinken zu können, die ihren marmeladigen Babyspeck abgelegt haben. Ich werde berichten.

Weinrallye #61 - Syrah / Shiraz - ein globaler Player

Also suchte ich weiter in meinem virtuellen Weinkeller. Bei dem Stichwort „Syrah“ vielen mir dann gleich zwei Weine sofort ins Auge. Es waren zwei deutsche Syrah. Genauer gesagt zwei Pfälzer Syrah von zwei mir sehr geschätzten Weingütern. Somit steht meine Auswahl für die heutige Weinrallye #61 fest: 2005 Rings Syrah und 2009 Neiss Syrah. Moment, ich lüge. Meine Gäste brachten zu dem kleinen Syrah Umtrunk noch etwas aus ihren Kellern mit. Somit erweitere sich das Ensemble um zwei reife, sehr hoch bewertet Shiraz aus Australien: 1999 Langmeil Barossa Shiraz „the Freedom“ und 1993 Wynns Shiraz „Michael“. Somit wurde die ursprünglich innerdeutsche Paarung zu einem Vergleich auf internationalen Top Niveau. Weiterlesen

Keine Tradition, etwas Revolution und wenig Manipulation: Deutsche „Orange Wines“

(NM) Mir geht dieses sporadische „Orange Wine“ heruntermachen in Deutschen Weinkreisen ehrlich gesagt ganz schon auf den Zeiger. „Schmeckt wie Dreck“, „Unsaubere Weine“, „Eldorado der Weinfehler“ wird hier fröhlich über ein Kann geschert. Doch dabei gibt es für diese „Orange Wine“ Geschichte überhaupt keine klare Definition, keine gemeinsame Grundlage für „das braucht kein Mensch“. Oft wird das Thema Naturwein und Orange Wine einfach zusammen abgefrühstückt. Doch hinter dem einen steht eine Philosophie (Naturwein: Biodynamie im Weinberg + wenig/kein Schwefel + weglassen sämtlicher Hilfsmittel zur Klärung/Schönung etc.), im anderen Fall eine Weinbereitungsmethode (Orange Wine: Maischegärung bei Weißweinen).

Ich möchte jetzt auch nicht in das Pro und Contra Naturwein, Orange Wine und Konsorten abdriften. Nur so viel: Sicher gibt es Winzer die diese Ansätze/Methoden nicht so gut umsetzen wie andere. Sicher gibt es Naturweine und Orange Wines, die aromatisch dem Ottonormal Weintrinker die Fußnägel zum hochrollen animieren. Das ist unbestritten und steht auch hier nicht zur Debatte. Doch das eigentliche Ziel des maischevergorenen Weißweines (gerne auch Orange Wine) ist es, durch den längeren Kontakt mit den Traubenschalen und Kernen (und den in ihnen vorhanden Tanninen) eine Erweiterung des Aromen- und Geschmacks-Spektrums hervorzurufen. So simpel das auch klingen mag. Dafür sind weder Koalitionen mit den Herrn Steiners Theorien notwendig, noch spielt der heilige Schwefel hier eine übergeordnete Rolle.

Die Herangehensweise um Tannine in den Weißwein zu bekommen, kann relativ unterschiedlich sein. Die Vorstufe der Maischegärung wäre die Maischestandzeit. Hier wird der Most mit Kernen und Schalen für einige Tage „ziehen“ gelassen. Diese Technik ist aber für Weißweine in der heutigen Zeit nicht wirklich ungewöhnlich oder neu. Betriebe wie zum Beispiel Koehler-Ruprecht wenden diese Methode schon seit Jahren erfolgreich an. Es verleiht den Weinen mehr Struktur und Tiefe, ohne aber an den typischen Aromen Entwicklungen der Traube – geprägt durch das „Terroir“ – zu kratzen. Durch entsprechende Kühlung wird verhindert, dass die Maische die alkoholische Gärung beginnt. Um bei einer längeren Maischestandzeit (auch Mazeration genannt) die Oxidation mit Sauerstoff zu verhindern, kann die Maische mit Hilfe eines Gases (welches schwerer als Sauerstoff sein muss) oder z.B. Trockeneis „verschlossen“ werden. Um aber so viel Farbe und Tannin wie möglich aus den Beerenschalen zu lösen, können auch Weißweine eine Maischegärung durchlaufen. Da auch die Schalen von Weißweintrauben nicht wirklich „weiß“ sind, kommt es bei dieser Methode zu den berühmten orangefarbenen Weinen – Orange Wines – ein umstrittener Mythos ist geboren.

In den letzten zwei Jahrzehnten lag das Epizentrum des Orange Wines im italienischen Nordosten, genauer gesagt im Collio, an der Grenze zu Kroatien. Hier vinifizieren Winzer wie Stanko Radikon oder Josko Gravner einzigartige orangene Weißweine. Doch seit kurzem scheuen auch deutsche Winzer nicht, sich an diese Themengebiet heranzuwagen. Ich habe lange gebraucht, diese teilweise versteckten Schätzchen in Deutschland aufzutreiben. Die wenigsten Weine stehen offiziell auf den Weinkarten der Güter. Hier war wirklich der Jäger und Sammler Trieb gefragt. Als Bonus-Gast an diesem Abend hatten wir Jörn Goziewski, seines Zeichens Kellermeister beim Weingut Ankermühle am Tisch. Er brachte gleich 3 außergewöhnliche Rieslinge mit. Nun also „Vorhang auf“, zur ersten deutschen (mehr oder weniger) Orange Wine Probe. Weiterlesen

Hardcore Naturwein aus Montefalco : 2004 Paolo Bea Rosso Riserva „Pipparello“

Wildes Zeug: 2004 Paolo Bea Rosso Riserva Pipparello

(NM) Bevor Sie / Ihr weiterlest: Achtung – das hier ist kein Wein für fruchtverwöhnte Gaumen! Es ist einer der puristischsten, traditionellsten und konsequentesten Natur-Weine Italiens. Hergestellt nach den Grundsätzen der Biodynamie, d.h. minimales und kein chemisches Eingreifen im Weinberg, keine Zusatz von Reinzuchthefen, keine Filtration, keine Schönung und minimaler Schwefeleinsatz. Dieser Wein schmeckt so, weil er von Natur aus so schmecken soll. Auf der Webseite des Weingutes Paolo Bea steht zum Beispiel unter den Punkt „Winemaker“ nur „Anybody“. Die Familie, die Natur, das Terroir – „Anybody“ eben. Dieser „Anybody“ bewirtschaftet 11 Hektar Reben der Region Montefalco in Umbrien. Bei dem Wein handelt sich um den 2004er Paolo Bea Rosso Riserva „Pipparello“.

Die Fakten sehen auf den ersten Blick noch sehr human aus: Der Wein besteht aus 60% Sangiovese, 25% Montepulciano d’Abruzzo und 15% Sagrantino aus der Einzellage „Pipparello“. Weiterlesen

Abgelehnt: Erste Lage aber kein Erstes Gewächs.

Leider kein Erstes Gewächs.

(NM) Nach dem rauchig/speckigem Hattenheimer Nussbrunnen Erstes Gewächs von Balthasar Ress widme ich mich heute zwei weiteren Weinen aus dem Erste Lage Probe-Paket des Rheingauer Weingutes. Es sind 2011 Balthasar Ress Hattenheimer Engelmannsberg Riesling Trocken und 2011 Balthasar Ress Rüdesheimer Berg Rottland Riesling Trocken. Beiden Weinen wurde das Prädikat „Erstes Gewächs“ von der Prüfkommision verweigert. Obwohl alle weinbautechnischen Kriterien für ein Erstes Gewächs erfüllt wurden, fielen Sie bei der sensorischen Prüfung durch. Doch wie kann ein Wein sensorisch durchfallen?

Typisches Rheingauer-Geschmacksbild?

Um ein gewisses Qualitätslevel zu gewährleisten, darf kein Wein ohne AP Nummer der Prüfkommission für das Rheingauer „Erste Gewächs“ vorgestellt werden. Sie ist für die Zulassung der Ersten Gewächse zuständig und setzt sich aus mindestens 7 Prüfern der beteiligten Betrieben und dem Regierungspräsidium Darmstadt, Dezernat Weinbauamt in Eltville zusammen. Sensorisch wird nun der Wein nach verschiedenen Kriterien bewertet: Farbe, Klarheit, Geruch und Geschmack. Wer hier mindestens keine 16 von 20 Punkten bekommt, hat sowieso keine Chancen das ersehnte Prädikat zu bekommen. Desweiteren wird die u.a. Reintönigkeit, Nachhaltigkeit, Reife, Finesse, Feingliedrigkeit und Struktur bewertet. Sollte ein Wein nicht als Erstes Gewächs zugelassen werden, wird hierfür die Begründung auf dem Prüfbogen festgehalten. Beispiele für die Ablehnung wären: der Wein ist zu verschossen, brandig, zu süß, hat einen Böxer, ist zu phenolisch, zu schlank oder zu untypisch. Letztes gibt natürlich viel Spielraum für eine Ablehnung. Untypisch Riesling? Untypisch Rheingauer Riesling? Untypisch für die Lage X? Doch was ist typisch für die Lage X?

Zwei Mal durchgefallen. Weiterlesen

Bodenständig, unaufgeregt und echte Weltklasse: Clos Rougeard

Clos Rougeard - Understatement pur: Clos Rougeard

(NM) Es braucht keine mondänen Chateaux, global agierende Berater, Hochglanz Präsentationen oder parkerfizierte Preisentwicklungen um Weltklasse Weine zu erzeugen. Es braucht eigentlich nur 2 sehr passionierte Winzer (in diesem Fall sogar Brüder), gesegnetes Terroir, die richtigen Rebsorten und ein Händchen, diese mit den Grundlagen der Biodynamie und ohne großes Tam Tam zu Weinunikaten zu vinifizieren. Willkommen bei Clos Rougeard.

Wer in den letzten 5-7 Jahren versucht hat die Weine von Clos Rougeard in Deutschland käuflich zu erwerben, ist gnadenlos gescheitert. Doch dank der Mühe und des Einsatzes von Bernd Kreis (http://www.wein-kreis.de/) und Martin Kössler (http://www.weinhalle.de/) sind diese extrem raren und gesuchten Loire Weine endlich wieder in Deutschland wieder zu haben. „Günstig“ sind sie nicht. Doch wer bereit ist mehrere grüne Scheine für eine Flasche großen Bordeaux oder großen Burgund auszugeben, wird diese Weine im Vergleich zu der gelieferten Weinqualität sicher als Schnäppchen einstufen. Nicht viele Weine die weit unter der 100€ Preisgrenze liegen, schaffen es diese magischen Momente am Tisch hervorzurufen: Die Nase ins Glas – Stille – einen Schluck nehmen – Kopfschütteln – noch einen Schluck – ein breites Grinsen – einen weiteren Schluck – zurück lehnen, ausatmen und grinsend in die Runde schauen. Willkommen bei Clos Rougeard.

Clos Rougeard - Alle Weine der Probe hatten 12.5% Alkohol.

Unsere erste Erfahrung mit Clos Rougeard kam ganz unverhofft. Mehr oder weniger aus Versehen wurde eine Flasche 2000er Brézé geöffnet. Der Wein überrumpelte uns sofort. Wir alle wollten mehr. Mehr von der Droge Clos Rougeard. Doch Deutschland war leer gesaugt. Keine Flasche Clos Rougeard weit und breit. Es dauerte einige Zeit bis ein 2004er Saumur-Champigny „Les Poyeux“ der Foucault Brüder leise und heimlich eine Drunkenmonday Blindprobe großer Rotweine bis 35€ gewann. Da war es wieder: das Verlangen nach Clos Rougeard. Mit der Hilfe von Bernd Kreis wurde nun diese Probe des aktuellen Jahrgangs nahezu aller Clos Rougeard Weine zusammengestellt. Sie bestanden aus:

2007 Clos Rougeard Saumur Blanc „Brézé“ (100% Chenin Blanc)
2007 Clos Rougeard Saumur-Champigny (100% Cabernet Franc)
2007 Clos Rougeard Saumur-Champigny „Les Poyeux“ (100% Cabernet Franc)
2007 Clos Rougeard Saumur-Champigny „Le Bourg“ (100% Cabernet Franc)
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Vertikale einer Napa Valley Legende: Dunn Howell Mountain Cabernet Sauvignon

Vertikale: Dunn Howell Mountain Cabernet

(NM) Es war eine dieser „once in a lifetime“ Proben. Solche eine Weinauswahl werde ich wohl nie wieder im Glas haben. Ein Grund mehr darüber zu bloggen. Das große Dankeschön zu Beginn geht an Dr. Jost Schmitt von Califonia Wines, welcher die Probe im Rahmen des Rheinhauer Gourmet Festivals ermöglicht und organisiert hat. Es war eine mehr als denkwürdige Veranstaltung.

Schöner Anblick!Vertikal-Proben sind immer eine äußerst spannende Angelegenheit. Vor allem aber dann, wenn große Weine aus vielen Jahren angestellt sind. So geschehen auf dieser Probe. Unter der Schirmherrschaft von Randy Dunn persönlich wurden die Jahrgänge 2007, 2005, 2003, 2001, 1999, 1998, 1993, 1990, 1989 und 1984 seines Dunn Vineyards Howell Mountain Cabernet Sauvignons verkostet. In dieser Konstellation inklusive Winzer in Deutschland und Europa bis jetzt ein einmaliges und einzigartiges Event. Dazu bot der Veranstaltungsraum des VDP Weingutes „Georg Müller Stiftung“ ein schönes Ambiente in mitten des vinophil romantischen Hattenheim. Weiterlesen

Das Gegenteil eines spritzigen Rieslings: 2007 Melville Estate „Verna’s“ Viognier

2007 Melville Estate Viognier Vernas (NM) Flüssiger Brotaufstrich. So oder so ähnlich hätte auch die Überschrift zu diesem extremen Weißwein lauten können. Wobei das keine schlechte Eigenschaft sein muss. Es gibt großartige und sehr gut gemachte Brotaufstriche. Fast jeden Morgen schmieren wir uns diese auf den Toast oder das Brötchen. Wir essen zwar kein ganzes Glas auf einmal, aber ein oder zwei Mal am Morgen darf das mächtige Zeug auf unserem Belagträger landen. So ähnlich sehe ich das mit diesem Wein. Es hat mich 5 Tage gekostet diese Flasche Wein auszutrinken. Doch macht es den Wein dadurch schlechter?

Ich sage: Nein! Jedes Glas dieses 2007 Melville Estate „Verna’s“ Viognier hat mich aufs Neue überrascht und in seinen Bann gezogen. Weiterlesen

Volnay, Gevrey-Chambertin und Chambolle-Musigny – Pinot Herz, was willst du mehr?

Pinot Herz was willst du mehr?

(NM) Pinot Noir war im vergangenen Jahr bei unseren Proben oft Quelle der Freude. Ob gut und günstig aus deutschen Landen, gereift aus Kalifornien oder wild und schräg aus dem Rest der Welt, wir hatten 2011 sehr viel Spaß mit dieser Rebsorte. Konsequenterweise wurde hierbei aber der „heilige Gral“ aus dem Pinot Noir Mutterland verschmäht: Burgund! Das konnte so nicht weiter gehen. Mit Hilfe von www.noblewine.de wurde so klangvolle Namen wie Volnay, Gevrey-Chambertin und Chambolle-Musigny eingeladen. Die Messlatte lag hoch, die Vorschuss-Lorbeeren waren geerntet. Nun musste „Burgund“ zeigen, was in ihm steckt. Um die Kosten unter Kontrolle zu halten wurde auf die großen Häuser fast gänzlich verzichtet. Somit zeigten einige Underdogs und Geheimtipps der Region, was sie aus den wohl klingenden Appellationen des Burgunds zusammengezaubert bekamen. Mit dabei waren:

2008 Domaine Louis Boillot et Fils Gevrey-Chambertin „Les Evocelles“
2008 Domaine Ghislaine Barthod / Barthod-Noëllat Chambolle-Musigny
2008 Domaine Dublère Volnay 1er Cru „Taillepieds“
2009 Domaine Dublère Savigny-lès-Beaune 1er Cru „Les Talmettes“
2009 Domaine Denis Bachelet Côte de Nuits Villages
2009 Faiveley Nuits St. Georges 1er Cru „Les Porêts Saint-Georges“

Mögen die Spiele beginnen! Weiterlesen

Wein trifft auf Whisky-Fass: 2010 Markus Molitor Wehlener Klosterberg Pinot Blanc*

2010 Markus Molitor Pinot Blanc*(NM/OW) Es gibt Weine, die gibt es eigentlich nicht. Doch mutige und experimentierfreudige Winzer wie zum Beispiel Markus Molitor schaffen Grenzerfahrungen für Weintrinker. Folgende Grenzerfahrung befindet sich gerade in meinem Glas: Der 2010 Markus Molitor Wehlener Klosterberg Pinot Blanc*! Doch was macht diesen Wein so besonders? Hier die ganze Geschichte:

Dieser Weißburgunder wurde incl. malolaktischer Gärung in ein Bowmore Hogshead (250 Liter Fassungsvermögen) Islay-Fass ausgebaut. Aufgrund des noch vorhandenen Alkohols im Faß setzte die malolaktischer Gärung 4 Wochen später wie bei den anderen Weißburgundern von Molitor ein. Weiterlesen

Eine Zeitreise in das Weinland Kalifornien

Reife Kalifornier(NM) Das Internet – unendliche Weiten. Doch irgendwo zwischen Google Advertisements und Amazon Cookies gibt es sie noch: außergewöhnliche Wein-Online Shops, welche mit viel Enthusiasmus und Liebe eine großartige und detailreiche Weinauswahl dem deutschen Kunden anbieten. Einer von diesen Shops ist CaliforniaWines.de! Weit weg vom Gallo Einheitsbrei bietet Margot Schmitt dem neugierigen Kunden eine für Deutschland einmalige Auswahl an Weinen aus Kalifornien und Oregon an. Der Fokus von CaliforniaWines.de liegt hier aber nicht auf einzelne Weine einzelner Winzer. Vielmehr werden Jahrgangsvertikalen sorgfältig ausgewählter Weine bis teilweise Ende der 80ziger Jahre angeboten (Beispiel Rosenblum Zinfandel: 18 verschiedene Abfüllungen, 65 verschiedene Weine aus 9 Jahrgänge). Ebenso findet man seltene, nur ab Weingut erhältliche Sonderabfüllungen oder eine breite Auswahl an Großflaschen. Neben bekanntere Weingütern wie Ravenswood, Silver Oak, Darioush, Etude, Joseph Phelps oder Dunn Vineyards gibt es aber auch in Deutschland noch völlig unbekannte Namen wie Calera, Morgan oder Hahn Estate. Für ihre Bemühungen Rund um den Kalifornischen Wein wurde Margot Schmitt am 8. März 2007 vom Parlament des US-Bundesstaates Kalifornien „für ihre langjährigen überragenden Verdienste um die Förderung von Ansehen und Absatz kalifornischer Weine in Deutschland und anderen EU-Ländern mit der Declaration of Appreciation (Erklärung der Wertschätzung) ausgezeichnet“. Ein Glückwunsch für diese ehrenvolle Auszeichnung von unserer Seite.

Als großen Fan gereifter Kalifornischer Weine ging mir natürlich bei solche einer Auswahl und Angebot gleich ein Gedanke durch den Kopf: eine Montagsprobe für Drunkenmonday musste organisiert werden. Ganz nebenbei wollte ich der Gruppe natürlich auch (wieder einmal) beweisen, wie großartig die meist als Fruchtbomben über einen Kamm gescherten kalifornischen Weine altern können. Somit standen folgende Weine auf unserem Proben Tisch:

1991 Dunn Vineyards „Howell Mountain“ Cabernet Sauvignon
1992 Calera Pinot Noir „Mills Vineyard“
1993 Calera Pinot Noir „Mills Vineyard“
1997 Morgan Chardonnay
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Clai, Radikon, Princic und Roxanich: Faszination „Orange Wines“

Faszinations Orange Wines(NM) Faszination „Orange Wines“? Für die einen sind diese Weine ein offenes Buch der Wein(bereitungs)fehler, für andere ein Eldorado an Komplexität, Diversität und Individualität. Der Name bezieht sich auf die Farbe der Weine. Der Wein der etwas farbintensiveren Weißweintrauben (wie z.B. Malvasia) bekommt durch ihre teilweise Monate lange Maischegärung schon in ihrer Jugend eine zarte Orange Farbe. Dieses Verfahren wird in der Regal nur bei Rotweinen angewandt, um die Farbe und das Tannin aus den Schalen und Kernen zu gewinnen. Eine Maischegärung auf den Schalen wird bei „normalen“ Weißweinen möglichst vermieden. Und genau dort liegt der Streitpunkt. Durch die lange Maischegärung auf den Schalen entstehen für Weißweinverhältnisse außergewöhnliche Aromatiken, welche gerne auch als „Fehlton“ interpretiert werden. Hier scheiden sich ganz schnell die Geister. Gerade in Deutschland gibt es so gut wie keinen Markt für „Orange Wines“, in Österreich, Japan oder USA hingegen zählen diese Tropfen mit zu den gesuchtesten Überhaupt. Angebot und Nachfrage?

Generell sind „Orange Wines“ keine einfachen Trinkweine. Weiterlesen

Was so alles in der Pfalz wächst …

Say no!(NM) Die Pfalz gehört unumstritten zu den „buntesten“ Weinregionen Deutschlands. „Bunt“ im Bezug auf die Rebsortenvielfallt. Nirgendwo anderes in Deutschland herrschen klimatisch so breit gefächerte Bedingungen, um eine solche Bandbreite an Rebsorten erfolgreich anzubauen. Mit Sicherheit spielt hier auch der Entdeckertrieb so manchen Winzers eine große Rolle. Anstelle von traditionellen Rebsorten wie Riesling, Spätburgunder oder Silvaner wird das ein oder andere Experiment im Weinberg gewagt. Sogar Cabernet Sauvignon, Merlot, Cabernet Franc oder Sauvignon Blanc wurde (nicht nur) in der Pfalz bereits „eingedeutscht“ und sind keine Seltenheit mehr. Unser Fokus liegt aber heute auf einigen Weinen, welche man so gar nicht in Deutschland vermuten würde : Grüner Veltliner und Tempranillo. Weiterlesen

Weinrallye #45: Peter Züllig – Die Welt des Alters

Die Welt des Alters

Gastbeitrag von Peter Züllig zur Weinrallye #45

Mythen umranken alte Weine. Man spricht ihnen gar magische Kräfte zu. Doch – was heisst schon alt? Elf Jahre, wie es die Vorgabe für diese Rallye verlangt? Fünfzig Jahre oder gar ein Jahrhundert? Unter Weinliebhabern taucht rasch einmal die Frage auf: „Wie alt war der älteste Wein, den Du je getrunken hast?“ Auch ich, ein bekennender Altweintrinker, bekomme die oft zu hören. Doch ich weiss es nicht, ich führe kein Guinnessbuch der Rekorde. Trotzdem: alte Weine üben eine seltsame Faszination aus: ein Mischung aus Respekt, Ehrfurcht, Neugier, Staunen. Irgendwann, als ich mich schon tüchtig in Bordeaux-Weine verliebt hatte, wollte auch ich eine alte Flasche, einen alten Bordeaux in meinen damals noch ziemlich leeren Keller legen. Also erstand ich auf einer Internetauktion meine erste Uraltflasche. Damals waren die Jahreszahl und der Name des Weinguts auf der Etikette noch knapp lesbar. Ganz sicher war ich aber nicht: St-Julien, wohl Châteaux Glana, Jahrgang in den Vierzigern, vielleicht 43 oder 45? . Der Wein liegt immer noch im Keller, zwischen andern Fossilien des Bordelais, grosse Namen aus sogenannt schwachen Jahrgängen. Inzwischen ist auf der Etikette kaum noch etwas zu entziffern. Für mich ist diese alte Flasche zum Sinnbild – oder Maskottchen – alter Bordeaux geworden. Unantastbar. Ich weiss also nicht, wie er wirklich schmeckt, dieser Wein. Anders? Besser? Enttäuschend? Weiterlesen

Kante, Zidarich, Radikon, Roxanich und Vodopivec: Krasse „Naturweine“ aus dem Friaul und Kroatien

… oder auch „Orange Wines“ ?!

Orange Wines

(JL) Eigentlich müsste ich mich schämen, den Bericht über diese „extreme“ Probe erst jetzt zu schreiben. Sie fand nämlich im letzten Sommer statt. Wie dem auch sei, jetzt ist die Zeit reif für einige Weine, die „extravaganter“ und „anders“ nicht hätten sein können. Neben dem doch recht langweiligen Namen „Naturweine“ haben wir immer wieder nach einem anderen und aussagekräftigeren Namen für diese speziellen Weine gesucht. Das Ergebnis: Orange Wines! Orangene Weine? Wie ist der denn drauf? – könnten jetzt einige denken. Aber je mehr ich den Namen verwende, desto treffender kommt er mir vor. Seit kurzer Zeit ist der Begriff „Orange Wines“ auch in Wikipedia zu finden. Hier meine Übersetzung in die Deutsche Sprache. Man möge mir den etwas rudimentären Übersetzungsstil verzeihen.

Oranger Wein, ist Wein aus weißen Rebsorten, bei dem die Schalen während der Mazeration ebenfalls Kontakt mit dem Traubensaft hatten. Typischerweise wird während der Weißweinproduktion der Traubensaft schnell abgepresst und von den Schalen getrennt. Die Schalen enthalten Farbpigmente, Phenole und Tannine, die in Weißweinen oft unerwünscht sind. Bei der Rotweinherstellung ist dies im Gegensatz erwünscht, da diese Stoffe den Weinen Farbe, Geschmack und Textur verleihen. Orange Weine haben ihren Namen von der leicht dunkleren orangen Färbung, welchen die Weißweine während der Kontaktzeit mit der Beerenhaut erhalten.
Man hat diese Art der Weinbereitung in heutiger Zeit nicht weiter verfolgt, da z.B. im Falle des Grauburgunders der Weißwein vom Rotwein nicht zu unterscheiden wäre. Grauburgunder hat eine leicht rötliche Schale und diese würde ein Grauburgunder wie ein Rosè aussehen lassen. Ursprünglich kommt die Methode die Weine auf diese Art herzustellen aus Georgien. In den letzen Jahren hat sich diese Art Weine zu keltern zunächst bei einigen Weinbauern aus Friaul – Julisch – Ventien etabliert. Ähnliche Produkte findet man in Slowenien, Kroatien, Frankreich, Deutschland, Neuseeland und Kalifornien.
(Quelle: Wikipedia)

Doch nun zu den Weinen des Abends: Weiterlesen

Penfolds Bin 707 – auf die kommerzielle Masse abgestimmter Brot-und-Butter-Wein?

Penfolds Bin 707 wein blog drunkenmonday
(PT) Diesmal lassen wir Julia zu Wort kommen. Sie ist nicht nur leidenschaftliche Weinentdeckerin, sondern mit zahlreichen Titeln dekorierte Weinspezialistin (WSET Wein Akademikerin, Geisenheim Absolventin, Beste Jung-Sommliere Östereichs…) und erzählt hier von einer Überraschung, die sie letztens in ihrem Keller fand:

„Penfolds Bin 707?

Manchmal ist es schon komisch, man denkt: man kennt seine Weine im Keller. Und dann so was …

Gestern Abend ging ich in unseren Weinkeller und wollte für die family und 2 Bekannte (eher Weinbanausen als –kenner ;-)) „etwas trinkbares Rotes“ heraufholen zu Rumpsteak, Bratkartoffeln, Salat. Viele Flaschen lachten mich an, doch fand ich diese bei genauerem Hinsehen ein wenig „zu schade“ (liebe C, lieber K, bitte verzeiht!). Nach längerem unschlüssigen Suchen viel mein Blick auf einen Australier: Penfolds Bin 707. Jahrgang 1998. Ich dachte: „Der muss weg! Wahrscheinlich ist er eh schon hinüber. Und wo kommt der überhaupt her?“ Zur Vorsicht nahm ich noch eine Alternativ-Flasche mit.

Oben angekommen entkorkte ich die Flasche, roch in das Glas (kein Kork!) und nahm vorsichtig den ersten Schluck: Weiterlesen