Hardcore Naturwein aus Montefalco : 2004 Paolo Bea Rosso Riserva „Pipparello“

Wildes Zeug: 2004 Paolo Bea Rosso Riserva Pipparello

(NM) Bevor Sie / Ihr weiterlest: Achtung – das hier ist kein Wein für fruchtverwöhnte Gaumen! Es ist einer der puristischsten, traditionellsten und konsequentesten Natur-Weine Italiens. Hergestellt nach den Grundsätzen der Biodynamie, d.h. minimales und kein chemisches Eingreifen im Weinberg, keine Zusatz von Reinzuchthefen, keine Filtration, keine Schönung und minimaler Schwefeleinsatz. Dieser Wein schmeckt so, weil er von Natur aus so schmecken soll. Auf der Webseite des Weingutes Paolo Bea steht zum Beispiel unter den Punkt „Winemaker“ nur „Anybody“. Die Familie, die Natur, das Terroir – „Anybody“ eben. Dieser „Anybody“ bewirtschaftet 11 Hektar Reben der Region Montefalco in Umbrien. Bei dem Wein handelt sich um den 2004er Paolo Bea Rosso Riserva „Pipparello“.

Die Fakten sehen auf den ersten Blick noch sehr human aus: Der Wein besteht aus 60% Sangiovese, 25% Montepulciano d’Abruzzo und 15% Sagrantino aus der Einzellage „Pipparello“. Nach dem Öffnen geht alles seinen Weg. Der Wein ist trüb. So richtig trüb! Dann kommt der erhoffte Schock im Geruch: purer Gemüse-Saft. Doch mit etwas Zeit im Glas und aktivem belüften schiebt sich das Gemüse-Saft-Ensemble in die dritte Reihe und Sauerkirschen, reife Himbeeren und Brombeeren setzen sich neben edlen Hölzern, dunkle Schokolade, Zimt, Waldboden und Eukalyptus nasal nach vorne. Doch dieser Geruch ist lebendig. Ständig wechseln die dominierenden Sub-Aromen. Mal ist die Sauerkirsche weit vorne, dann Eukalyptus, Waldboden und Minuten später kommen Sellerie und die Freunde der Gemüse-Front wieder aktiv in das Riechzentrum. Hier spielt die Natur ihr ganz eigenes Liedchen. Faszinierend und geradezu süchtig machend. Dies geht zumindest mir so, denn ehrlich gesagt schreckt schon alleine der Geruch bestimmt 90% der Otto-Normal Rotweintrinker ab. Ganz zu schweigen von dem Geschmack.

Viel Text brauch es den Wein zu erklären...

Als interessierter und weltoffener Weintrinker -Blogger und Schwätz Kiste bildet man sich ein, seinen Gaumen schon mit nahezu allen Geschmacks-Eskapaden erfreut zu haben. Doch dann kommt ein „Naturwein“ aus Umbrien, der diese Theorie wieder komplett über den Haufen zu werfen mag. Säure sollte in jedem Wein eine mehr oder weniger ausgeprägte Rolle spielen. Doch in diesem Rotwein spielt sie die aller erster Geige. Doch ist das schlimm? Irgendwie nicht. Denn sie passt einfach unglaublich gut in das Geschmacksbild des Weines. Klar, hier werden jetzt weit über 95% der Weintrinker abspringen, aber die hohe und reife Säure prägt den Wein ohne ihn aus seiner eigenen Balance zu bringen – wenn ihr versteht was ich meine. Es ist wie ein Bild aus mehreren Rot-Tönen, in dem das Knall-Rot gar nicht mehr so extrem auffällt, da der Rest ja auch mehr oder weniger Rot ist. Wie dem auch sei – so etwas habe ich bis dato noch nicht getrunken. Die Aromen aus der Nase finden sich mehr oder weniger intensiv auch im Geschmack wieder. Doch die Säure und das daraus resultierende Mundgefühl ist der faszinierende Teil dieses radikalen Getränkes. Das Tannin ist nicht körnig, es ist fast schon mehlig! Ähnlich einer Wolke aus Tannin-Staub. Irre. Dieses wundersame Geschmacks-Konglomerat hält sich wunderbar lang im Mund und verleitet den Interessierten und Faszinierten sich weiter mit diesem außergewöhnlichen Produkt der Natur auseinanderzusetzen.

Trüb ist er - richtig trüb!

Abschließend möchte ich sagen: Dieser Wein ist in sich stimmig. Auch wenn die Beschreibung vielleicht etwas anderes vermuten. Im Vergleich zu anderen, „modern gemachten“ Weinen ist er natürlich frappierend anders, schräg, wild, komisch und gerne auch abschreckend. Basierend auf dieser Tatsache schreibt Paolo deutlich auf seine Weinetiketten, dass er aus Respekt zur Natur und den Naturwein-Winzern keine Flaschen an Wein-Guides oder Wein-Journalisten zur „Bewertung“ schickt. Denn diese Weine würden dort nur verrissen werden. Wenn man die 50€ für diesen Wein ausgibt, MUSS man sich im Klaren sein, worauf man sich einlässt. Eine offizielle Wertung wird es auch von mir hier nicht geben. Die „Leistung“ der Natur ist nicht mit Zahlen aufzuwiegen. Doch 100 Punkte gibt es von mir für den Erfahrungswert an dieser Flasche Wein. Vielen Dank an Gerhard Strunz von „Gerado – dem Italienischen Weindepot“ für das Bereitstellen dieser Flasche!

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