Weißwein im Barrique: Rings Sauvignon Blanc vs. Wittmann Chardonnay

(NM)Deutschland, deine Barrique-Weine... Weißwein und Barrique-Ausbau verlangt von der Winzer-Zunft viel Fingerspitzengefühl. Bei minderwertigen Trauben, ausdrucksschwachen Rebsorten oder exzessivem Toasting der Fässer nimmt das „Weinbereitungsgefäß“ viel zu schnell aromatisch die Überhand. Das Ergebnis kennen wir alle: Vanille/Kokos/Butter/Popcorn/verbranntes Holz Aromatiken ohne Ende. Die Rebsortentypizität tritt in den Hintergrund und der Wein agiert nur noch als Barrique-Aromen-Transporter. Auf die Spitze wird das ganz gerne beim Chardonnay getrieben. Ohne kräftiger Holzdosis schmecken dem stilsicheren Chardonnay-Liebhaber die Weine fast gar nicht mehr. Gerade für dieses Überschminken des Weins werden liebend gerne einige extra Euros verlangt und vom Kosument auch ausgegeben. Gutes Holz kostet eben gutes Geld. Wenn dann oben drein noch die Fehler im Weinberg retuschiert oder der schwache Jahrgang ausgeglichen werden kann – umso besser. Es braucht schon etwas Erfahrung, Erfahrung und Erfahrung um den Wein und das Barrique zu einer Einheit zu formen. Egal ob Rot oder Weißwein, der Ausbau im Barrique sollte den Wein in seinem Geschmacksbild immer nur unterstützen bzw. erweitern und ihn nicht dominieren. Den Faktor Zeit darf man bei aller Barrique-Kritik aber nicht außen vor lassen. Nach einigen Jahren Partnerschaft in der Flasche wird oft aus Wein und Holz eine Symbiose – vorausgesetzt der Wein bringt die richtigen Parameter dafür mit.

Beide der heutigen Weißweine sind selbstredend im Barrique ausgebaut worden. Den Anfang macht der 2008 Rings Sauvignon Blanc Goldkapsel. Die Trauben wurde mit einem Etrag von 35 Hl/H bei 96° Oechsle gelesen und stammen aus den besten Sauvignon Blanc Parzellen des Weinguts. Nach 12 Monaten „sur lie“ in neuer französischer Eiche und einem Jahr weiterer Flaschenreife kam er auf dem Markt. Aktuell hat der Wein 0,4 Gramm Restzucker und 8,2 Gramm Säure. Der Geruch ist echt abgefahren: Pekannuss, grüne Banane, Vanille und reife Stachelbeere. Mit Luft entwickeln sich zusätzlich Aromen von abgehangenem und geräuchertem Speck. Wild! Am Gaumen versprüht der Wein noch jugendliche Dynamik. Rauchiges und vanilliges Holz kontrastieren die Säure. Dazu gesellt sich die reife Stachelbeere, welche aber hart kämpfen muss, um sich gegen das Holz und vor allem die Säure zu behaupten. Ein faszinierender Dreiklang, der aber noch nicht ganz harmoniert. Sprich: Die beschriebenen Komponenten sind noch nicht beisammen, der Wein braucht noch ein wenig Lagerzeit. Trotzdem: Hochspannender Stoff! Blind würde man hier kaum auf Deutschland tippen. Egal, denn eins ist bei diesem Wein jetzt schon gegeben: Der Trinkfluß! Doch dieses könnte ihm zum Verhängnis werden. Er braucht Zeit um sich zu entwickeln und seine Komplexität preiszugeben. Trinkt ihn über 2-3 Stunden aus der Karaffe oder vergesst ihn für 2 Jahre im Keller. Einer der spannendsten deutschen Sauvignon Blanc die ich bis jetzt trinken durfte. Hut ab Gebrüder Rings! 89-91 Punkte.

Alles Goldkapsel!Weiter geht es mit dem 2007 Wittmann Chardonnay Goldkapsel. Hier hat sich das Warten gelohnt! Als wir den Wein vor 2 Jahren das letzte Mal verkostet hatten, zeigte das verwendete Barrique seine ganze Kraft und Verkleidungskunst. Doch heute haben wir ein ganz anderes Kaliber im Glas. Deutscher (fruchtbetonter) Chardonnay wie er intensiver nicht sein kann. Pure Mango Frucht, getragen von eine edlen Vanille-Schote. Doch fangen wir einmal von vorne an. Die Nase: Pure, reife und feinste (Flug) Mango. Kein 1.99€ grün und saures Mango-Imitat. Hier wird die Mango-Essenz auf die Spitze getrieben. Dazu riecht man hinter dem Mango-Inferno feines Mandelgebäck und Madagaskar-Vanille. Die Frische einer Maracuja kann man sich im Hintergrund noch hinzudenken. Aber die Mango dominiert das Glas. Aus irgendeinem Grund verzeiht man dem Wein aber seine Mango-lastige Simplizität, da er einfach unglaublich betörend daher kommt. Am Gaumen zeigt sich die perfekte Frucht-Holz-Harmonie. Hier haben sich die massive Frucht und der in der Jugend dominante Holzausbau mit den 4 Jahren Flaschenreife perfekt zusammen gefunden. Genauer gesagt dominiert nun die Frucht über das Holz. Nur eine leichte Vanille/Popcorn Note im Abgang erinnert an den Holzeinsatz. Faszinierend, animierend und schockierend zugleich. Obgleich etwas mehr Säure dem Wein zu mehr Spiel und Finesse verholfen hätte. Doch man kann eben nicht alles haben. Dennoch: 90 Mango Punkte.

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