Tänzelnde Präzision aus dem Beaujolais: Julien Sunier

2013_Julien_Sunier

Achtung! Hier werden gleich drei Weine aus dem Beaujolais vorgestellt. Moment, Beaujolais? Ist das nicht diese Region im Burgund, die uns jährlich mit dieser „Nouveau“ Kampagne deutlich zeigt, um welche Region man als interessierter Qualitätsweintrinker einen großen Bogen machen sollte? Doch wenn Sie jetzt noch hier fleißig am Lesen sind, haben Sie sich folgenden Information redlich verdient: Es gibt auch richtig feinen Wein aus dem Beaujolais! Und Julien Sunier zeigt uns eindrucksvoll, wie dieser schmeckt.

Julien Sunier ist mehr oder weniger schleichend in die Weinwelt hineingewachsen. Sein Vater war Friseur und frisierte neben Ottonormal Franzosen auch bekannte Winzer wie die Familie Roumier aus Chambolle-Musigny. So entstand die Verbindung zu Christoph Roumier, heute Juliens wichtigster Ratgeber. Nach dem Önologie Studium ging es auf vinophile Wander- und Entdecker Tour nach Südafrika und Neuseeland. Wieder in Frankreich angekommen wurde er Önologe für Nicolas Potel und baute nebenbei für das Haus Mommession im Beaujolais ein neues Weingut auf. Und genau hier entwickelte sich auch seine Liebe zum Beaujolais und seinen unterschiedlichen Village Crus. In 2008 ging dann sein Traum in Erfüllung. Er kaufte und pachtete sich Weinberge in Regnié, Morgon und Fleuire und gründete sein eigenes Weingut.

Julien bewirtschaftet ganze 5 Hektar Reben nach 100% biologischen und bio-dynamischen Ansätzen. Auch in Sachen Schwefel geht er ganz behutsam um. Nur kurz vor der Füller wird in minimalen Dosen der konservierende Stoff hinzugegeben. In 2013 lag der Ertrag bei gerade einmal 20 HL/HE. Somit füllte er in diesem Jahr gerade einmal 8000 Flaschen Wein. Der Ausbau erfolgt in gebrauchten 228 Liter Barriques aus dem Burgund. Das Ergebnis sind extrem zarte und verspielte Gamay im Sinne der großen Pinot Noir Brüder aus dem Burgund.

2013 Julien Sunier Regnié

Die Trauben für Julien Suniers Regnié stammen aus einer 1.1 Hektar großen Parzelle an der Gebietsgrenze zum Beaujolais Village Cru Nachbar Morgon. Dort wachsen sie auf sandigem Granit-Boden. In der Nase ist aktuell eine sehr feine Rotfruchtigkeit (Himbeere, etwas Kirsche), zarte Holzwürze, eine wenig Marzipan, Flieder und ein Hauch Lavendel zu greifen. Das Aromen Bild ist extrem filigran, tänzelnd und fein. Fast schon zerbrechlich in seinem Auftritt. Ein Wein zum Zuhören, der einen mit leiser Stimme zuflüstert und nicht anschreit oder laut wird. Vollkommen tiefenentspannt. Der Gaumen ist ebenso blütenzart, verspielt und tänzelnd filigran. Bei aller Leichtigkeit bringt der Wein getragen durch Würze und Mineralität eine beachtliche Tiefe, Struktur und Komplexität mit. Man stelle sich ein voll besetzter Orchester vor, welches zwar leise, aber in einer beachtlichen Fülle und Gesamtheit spielt. Genau hier liegt die Stärke dieses 2013 Julien Sunier Regnié: leise, präzise und fein – und trotzdem fehlt es ihm an nichts. Flüssiger Balsam für die Seele. 90 Punkte.

2013 Julien Sunier Morgon

In dem Beaujolais Village Cru Morgon bewirtschaftet Julien Sunier ganze 1.45 Hektar Weinberge in der Lage „Les Charmes et Corcelette“. Im Vergleich zum Regnié wird der Morgon 11 anstatt 10 Monate in gebrauchten 228 Liter Barriques ausgebaut. Schon in der Nase zeigt das Morgon Terroir seine dunkle Seite. Alles wirkt erdiger, „dunkler“ und Boden-würziger wie sein Bruder aus Regnié. Holunder, wieder Lavendel, getrocknete Kräuter und etwas Schwarzkirsche kommen mir in den Sinn. Dabei ist die Frucht aber sehr verhalten und die erdige Würze dominiert klar den Duft. Man könnte sogar meinen, „dunkle Mineralik“ riechen zu können. Ein faszinierende Nase! Am Gaumen wirkt der 2013 Julien Sunier Morgon etwas kräftiger, mit mehr Säure und Tannin. Doch dank der Feinheit der beiden Komponenten verliert er nichts an der eingestellten Finesse. Er ist kernig aber trotzdem präzise, hat Druck und trotzdem Eleganz. Die perfekte Anlage für 3-5 Jahre weiterer Entwicklung. In Punkten: 91+.

2013 Julien Sunier Fleurie

Mit 2.4 Hektar besitzt Julien im dem Beaujolais Village Cru Fleurie die größte Anbaufläche. Aktuell ist der Fleurie der „wilde Kerl“ des Trios. Die Nase ist fleischig, leicht derb, hat so gut wie keine definierbare Frucht, dafür aber viel kräutrige Würze und feinstes Holz. Die Aromen Konstellation kann man durchaus als tief und komplex bezeichnen. Am Gaumen hat er nicht ganz die Kraft des Morgon, zeigt aber eher die wilde und kernige Seite des Gamay. Charakterstark, angreifbar, diskutierbar. Er ist so etwas wie der pubertierende Bengel der Familie, der noch 2 Jahre braucht um die „Löcher Jeans“ gegen feine Levis 501 zu tauschen. Strukturell ist der Wein sehr ähnlich seinen beiden Vorgängern, die 12% Alkohol sind bestens versteckt und in den Grundzügen er feiner und präziser Vertreter seiner Art. Im Moment bin ich bei 87+ Punkten, man sollte ihm aber noch etwas Zeit in der Flasche geben, um sich zu harmonisieren.

2013_Julien_Sunier_Morgon

Fazit: Sunier macht Beaujolais zu Burgund!

Julien Sunier zeigt mit diesen drei Beaujolais Village Cru Interpretationen sehr klar und transparent die Unterschiede zwischen den Appellationen. Auch wenn hier keine großen Punkte Orgien zu erwarten waren, diese drei Weine an einem Abend miteinander zu verkosten, entdecken und vergleichen war eine „Tour de Vin“ der besonderen Art. Alleine der burgundische Ansatz und Anspruch von Julien, Gamay so tänzelnd und fein zu vinifizieren bringt mich ins Schwärmen. Die Weine sind ein wichtiger Gegenpol zur jährlichen „Le Beaujolais Nouveau“ Kampagne. Julien Sunier, du bist hier auf dem richtigen Weg! Bitte weitermachen.

Bezugsquellen: Die drei Weine von Julien Sunier sind bei Vinisued.de zu beziehen. Auch die sehr gelungene Webseite des Weingutes ist ein Besuch wert!

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