Nachhaltigkeit, Eleganz und subtile Weltklasse: Ata Rangi / Neuseeland

2012 Ata Rangi Pinot Noir

(NM) Neuseelands Landschaften eignen sich nicht nur für perfekt inszenierte „Herr der Ringe“ Verfilmungen, sondern geben auch divenhaften Rebsorten wie dem Pinot Noir ein wunderbares Zuhause. Über eine nachhaltig bezaubernde Begegnung mit dieser Rebsorte aus meisterhafter Winzer-Hand mag ich nun berichten.

Ata Rangi ist nicht eines dieser „klassischen“ Neuseeländischen Weingüter, die primär Sauvignon Blanc in seiner ganzen Beliebigkeit produzieren und „nebenbei“ noch Chardonnay und Pinot Noir anbieten, um das Sortiment zu vervollständigen. Sie gehen den komplett umgekehrten Weg: Fokussiert wird sich auf Pinot Noir und Chardonnay, ihr Sauvignon Blanc komplettiert das Auftreten nach außen. Auf ca. 48 Hektar kultiviert Ata Rangi zu 100% nachhaltigen Wein. Neben der IS0 14001 Zertifizierung für ihr Weinbergs Management, welches seit über 30 Jahren nach biologischen Methoden durchgeführt wird, ist das Weingut auch Gründungsmitglied der „Sustainable Winegrowing of New Zealand“ Organisation. Somit haben also ihre Weinberge seit über 30 Jahren keine Herbizide oder Insektizide mehr gesehen. Nicht nur für Neuseeland ist dies eine extrem lange Zeit.

2013 Ata Rangi Crimson Pinot Noir

Ein wichtiger Grund für die Passion für Pinot Noir und Chardonnay sind Ähnlichkeiten der Bodenformationen zwischen Martinborough und Teiles des Burgund. Nicht umsonst wird Ata Rangi auch Neuseelands einziges „Grand Cru“ Estate genannt. In den Pinot Noir Weinbergen sind neben dem legendären „Gumboot Clone“ ausschließlich französische Klone wie Dijon 667, 777, 114, 115 und Pomard (aka Clone 5) zu finden. Wie immer ergibt erst die Summe der großartigen Einzelteile einen großartigen Wein.

Bevor wir nun zu den beiden Pinot Noirs des Weingutes Ata Rangi kommen sei noch kurz gesagt, dass sowohl ihr Sauvignon Blanc und ihre Chardonnays mit zu dem Besten gehört, was aus Neuseeland zu uns nach Deutschland schwappt. Die Weine zeichnen sich durch ihren feinen Nerv, dem gekonnten Spiel mit Säure, Mineralik, Holz und Frucht, und ihrer sensationellen Balance aus. Die Loire bzw. das Burgund darf hier durchaus als vergleichbares Stilelement hinzugezogen werden. Doch nun mehr zu den beiden Pinot Noir.

Crimson_Project

2013 Ata Rangi Crimson Pinot Noir

Mit dem Verkauf des Crimson Pinot Noir unterstützt Ata Rangi das gemeinnützige Crimson Projekt, welches den Schutz der Population der einheimischen Pohutukawa Bäume sichert und Neupflanzungen finanziert. Vinifiziert werden hier die Trauben aus den jüngeren Rebstöcken, welche zwischen 12 und 22 Jahre alt sind. In der Nase kommt der Wein noch etwas wild und ungezügelt daher. Es duftet extrem fleischig und rauchig mit einer guter Portion Röst- und Kaffee Noten. Espresso trifft auf abgehangenes Fleisch. Zu diesem animalischen Auftritt gesellt sich eine dufte Rosmarin Ätherik, Pflaume im Speckmantel und etwas Cranberry Frucht. Mit zunehmenden Luftkontakt relativiert sich die Fleisch-Nummer aber zunehmend. Auch am Gaumen tippt man im ersten Moment auf eine jugendlich ungestüme Primärholzphase. Es geht animalisch und speckig daher. Die Frucht zeigt sich zwar nur zaghaft, aber das gute Säure Gerüst und der intensive aber niemals fette Körper zeigen deutlich: hier ist Pinot zu Hause. Aromatisch zu Beginn vielleicht anstrengend, rundet sich der 2013er Crimson Pinot Noir an der Luft gut ab und entwickelt sich zum guten Partner für alle Pinot Freunde, die eher Substanz und Gripp statt Eleganz und Spiel im Pinot Noir suchen. Aktuell gibt es von mir 89-91 Punkte. Festlegen mag ich mich hier noch nicht. Der Preis: 26€.

2012 Ata Rangi Pinot Noir

Eins direkt vorne weg: Mit diesem Wein ist Neuseeland bzw. Ata Rangi in der Weltspitze des Pinot Noir angekommen! Die Kombination aus älteren Reben (zwischen 20 und 30 Jahren alt), der kühlen Saison in 2012 und dem hohen Anteil an Dijon Klonen in den ausgewählten „Blocks“ ergibt einen extrem feinen und kräuterwürzigen Pinot Noir. Der 2012 Ata Rangi Pinot Noir darf sich stilistisch mit dem Feinsten messen, was in den Lagen um Chevrey-Chambertin oder Vosne-Romanée erzeugt wird. Und ja, ich lehne mich hier weit aus dem Fenster, aber was Ata Rangi hier in die Flasche vinifiziert hat, braucht sich nicht hinter den großen Burgundischen Vorbildern zu verstecken. Alle Komponenten dieses Weins sind in bester Balance. Obwohl er offensichtlich noch aromatisch in den Kinderschuhen steckt, hat er von nichts zu viel und im Gegenzug von nichts zu wenig. Aromen von Thymian, Rosmarin, feinste Sauerkirsche, etwas rote Johannisbeere, ganz leichte und bestens integrierte Röstnoten vom Holz und etwas Waldboden kommen mir in den Sinn. Am Gaumen gibt es einen ständigen Wechsel der Eindrücke. Das feine Säuregerüst unterstützt den eleganten, feinen und subtilen Stil. Bei allem Spiel bleibt er trotzdem persistent, dicht und lang im Mund. Die 13.5% Alkohol sind perfekt integriert. Da kann man ins Schwärmen geraten. Für mich klar in der 93-94 Punkte Liga und mit Sicherheit der feinste Pinot Noir, den ich bis dato aus Neuseeland im Glas hatte. Die 48€ pro Flasche sind hier – gerade im Vergleich zu den Preisen im Burgund – mehr als gerechtfertigt. Meine „Highend“ Entdeckung aus Neuseeland!

Bezugsquellen: Die beiden vorgestellten Pinot Noirs und vor allem auch die anderen Weine von Ata Rangi sind bei Vinexus.de erhältlich.

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