Kalk/Säure/Südafrika: 2011 Arendsig Wild Yeast Chardonnay

2011 Ardensig Chardonnay Wild Yeast

(NM) Mal die Hand auf die Leber. Wer denkt bei großen, Terroir geprägten Chardonnays an Südafrika? Klar, das Burgund ist hier unangefochten die Nummer 1. Ob Chablis, Meursault oder Montrachet, dort ist in Sachen Chardonnay ganz klar oben. Der Rest der Welt (vereinfacht zusammengefasst) kämpft mit dem Händchen für den Barrique Ausbau, die richtigen Mostgewichten und die Einstellung des Restzuckers. Auch in Südafrika findet man leider sehr oft ein einheitliches Bild: der Chardonnay definiert sich durch den Barrique Ausbau und nicht durch das Terroir. Umso weiter man in der Qualitäts- und Preis Hierarchie nach oben geht, desto teurer das Fass und deutlicher sein Einfluss. Soweit die sehr vereinfachte Bestandsaufnahme.

2011 Ardensig Chardonnay Wild Yeast

Doch auch in der „neuen Welt“ gibt durchaus Terroir-Versteher in der Winzerszene, welche dem Chardonnay das gewisse Etwas aus Boden und Klima einhauchen können. In Südafrika startete diese Bewegung vor einigen Jahren im revolutionären Swartland und breitet sich seit dem immer weiter auf die anderen Weinanbaugebiete des Landes aus. „Arendsig Hand Crafted Wines“ aus der Südspitze Robertsons spielt auch in dieser Liga mit. Wenn auch nicht so bekannt und gehypt wie die Kollegen Eben Sadie oder die Familie Mullineux aus dem Swartland, spiegelt die Einzellagen-Philosophie von Arednsig Winemaker Lourens van der Westhuizen genau diesen Ansatz wieder. „My philosophy is to create great single vineyard wines from unique soil, climate and location. It’s the soil with all the microbes, cycle of elements and the help of living organisms that create the heartbeat for my vines. The location towards the sun wind and holistic climatical conditions reflects the uniqueness of each vineyard.“ Und das diese Phrasen keine leeren Worthülsen sind, zeigt der 2011 Arendsig Wild Yeast Chardonnay sehr deutlich. Terroir Wein aus Südafrika? Lourens van der Westhuizen macht es möglich.

2011 Ardensig Chardonnay Wild Yeast

2011 Arendsig Wild Yeast Chardonnay

Leider haben die Weinberge in Südafrika keine so klangvollen Namen wie bei uns in Deutschland. Statt von einer Sonnenuhr, einem Musikantenbuckel oder Schlossberg stammen die Trauben für diesen Chardonnay vom 3 Hektar großen Blok A15. Der Boden dieses Blok A15 besteht vorwiegend aus Kalkstein und Grauschiefer. Vergoren werden die Trauben nach der selektiven Handlese spontan. Und genau diese Parameter spiegelt der Wein eins zu eins wieder. Die Nase ist Faszination pur: Eine komplexe Aromatik nach Limetten, frisch geschnittener Ananas, etwas Quitte, Kokos-Raspel, feines rauchiges Holz und ein wenig Litschi. Dabei schwingt zwischen dieser Frucht eine kühle mineralische, fast kalkige Note mit, die diesem Aromen Spiel das gewisse Etwas zu geben scheint. Am Gaumen gibt es beste Integration und Würze vom Holz, eine belebende und rassige Säure (9 Gramm/Liter), eine feine kalkige Mineralik und eine vielschichte tropische Frucht. Alles steht in bester Balance beisammen, das Holz gibt eine zarte Cremigkeit und die Säure und der Kalk Frische und Lebendigkeit. Zur gleichen Zeit fordert der Wein (dank der rassigen Säure) am Gaumen und macht Lust auf den nächsten Schluck. Der Alkohol (14%) dabei ist bestens eingebunden. Blind erinnert die Stilistik eher an Frankreich als an „klassischen“ Südafrikanischen Chardonnay. Zudem gibt es diese fantastische Qualität für durchaus kleines Geld! Terroir Chardonnay aus Südafrika – wer hätte das gedacht! 92 Punkte in meinem Buch und für 13,90€ bei der Weinhandlung Fertsch ein echter Schnapper.


http://www.arendsig.co.za/

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2 thoughts on “Kalk/Säure/Südafrika: 2011 Arendsig Wild Yeast Chardonnay

  1. Ist ja sehr verführerisch – allerdings stellt sich bei all der Begeisterung bei solchen Importen mit langen Wegen ja immer eine Frage wenn der Preis günstig ist : wie ist so ein Wein mit einem End-VK von 14,90 (Preis im Shop) kalkulatorisch zu bewerkstelligen?
    Große Mengen ? – dann aber spontanvergorener Lagenwein ? Wie groß müsste denn da die Lage sein ? Auf der Flasche steht doch was von 9000 gepflanzeten Rebstöcken. Also weniger als 1ha. Das ergibt keine Unnmengen Wein. Zumindest keine Mengen, die auf der Strecke preiswert exportiert werden könnten. Oder sind da 9000 Stöcke pro ha gemeint? Auf der Hompage wird von 3 ha Chardonnay gesprochen. Reicht das für einen preiswerten Export und um zu überleben? Es sind ja nun keine armen Township-Bewohner, die damit auskommen müssten. Da müssten es schon kommunistisch angehauchte Antikapital-Idealisten sein.
    Von den Mengen und den Lagen könnte man an einen handwerklich produzierten Vin naturel denken, der auch was kosten könnte. Allerdings nicht zu einem Fern-Exportwein mit maximal 40000 Flaschen Jahresproduktion und einem BRD-VK von 14,90. Da überlebt weder ein Händler, der Miete und Steuern bezahlen muss, noch der Winzer.
    So gerne ich einen preiswerten Chardonnay, der mit guten Mersault’s oder Chablis‘ mithalten könnte hätte – und ich vertraue immer eurem sehr guten Geschmack – aber der Wein hinterläßt eine große Skepsis ohne weitere Infos die diese Diskrepanz von Menge/Transport/Endpreis erklärlich macht. Wisst ihr da näheres. Wie kommt der Wein hierher? Wird er mit einer Nullkalkulation durchgeschoben ? ???
    Nachträglich noch ein tolles Jahr 2015

    • Die Transportkosten für eine Flasche Wein von ZA nach D im Container auf dem Seeweg betragen ca. 0,10 €, ist also für die Gesamtkalkulation relativ unerheblich bei einem Wein dieser Preiskategorie.
      Solange der Wein nicht mit Sklavenarbeit hergestellt wird (wovon ich trotz der Herkunft ausgehe), kann ich an der Kalkulation nichts Schlimmes finden.
      Man muß halt immer genau hinsehen.
      Z.B. ist auch ein im Mai gekaufter Apfel aus Südafrika ökologischer als einer vom Bodensee, denn der Aufwand für den Transport ist geringer als der für die monatelange Kühlung (auf 3 °C) des im vorherigen Herbst geernteten Bodensee-Apfels.

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