Ein Hieb vom Kalkriff: Hanewald-Schwerdt Sauvignon Blanc

Hanewald Schwerdt Sauvignon Blanc  "Kalkriff"

(NM) Jedes Mal wenn ich Stephan Schwerdt vom Bad Dürkheimer Weingut Hanewald-Schwerdt treffe, reißt mich seine Passion und sein Enthusiasmus zum Thema Wein geradezu mit. Der studierte Geisenheimer ist sozusagen das kommunikative und repräsentative Aushängeschild des Weingutes. Auf der diesjährigen Präsentation des Barrique Forum Pfalz, wo auch Hanewald-Schwerdt Mitglied sind, konnte ich mich mit genügend Zeit und Muße fast durch das gesamte Sortiment probieren. Und was soll ich sagen: Ich war schwer beeindruckt. Durch das ganze Sortiment zeichnete sich klare Linie von fokussierten, klaren, Lagen- und Sortentypischen Weinen ab, alles ohne viel Schnickschnack und Zauberei. Und das zu teilweise sensationellen Preisen für die gebotenen Qualitäten. Stephan schickte mir danach ein paar Probe-Flaschen vorbei, damit ich hier im Detail meine Highlights des Weingutes vorstellen kann. Den Anfang machen die beiden Sauvignon Blanc „Kalkriff“ aus den Jahren 2011 und 2012.

Das Weingut Hanewald-Schwerdt bewirtschaftet nach dem Zusammenschluss des Weingutes Hanewald und des Weinbaubetriebs Schwerdt im Jahr 1997 aktuell 25 Hektar Rebfläche. Die Weinberge erstrecken sich vom höher und nördlich liegenden Leistadt entlang der Deutschen Weinstraße über Bad Dürkheim bis nach Süden in die Riesling-Hochburgen Deidesheim und Rupptertsberg. Die Reben für den Sauvignon Blanc „Kalkriff“ wachsen in 240 Meter Höhe im Leistadter Kalkofen. Der Kalkofen ist, wie der Name vermuten lässt, stark von Kalkstein geprägt. Schon nach ca. 50 cm Auflage müssen sich die auf 0,6 Hektar in 2007 und 2008 gepflanzten Sauvignon Blanc Reben durch den kargen Kalkstein kämpfen. Sowohl der 2011er als auch der 2012er Hanewald-Schwerdt Sauvignon Blanc „Kalkriff“ wurden mit ca. 30 hl/ha Ertrag gelesen und besitzen beide nur 12,5% Alkohol.

2011 Hanewald-Schwerdt Sauvignon Blanc
Was für eine Geruchsexplosion strömt denn da aus dem Glas?! Ich notierte sehr fokussierte und geradlinige Aromen nach Waldmeister, grüner Feige, etwas Gras und Kreide/Kalkstein. Vom Stil her erinnert mich das ganze extrem an Sauvignon Blanc aus Sancerre von der Loire. Auch am Gaumen zieht der Wein sich extrem fokussiert über die Zunge. Die feine Säure unterstützt die vom Kalk dominierte mineralische Komponente. Der geringe Alkohol kommt der Frische und Trinkfluss sehr zu gute. Dank dem Stelvin-Verschluss ist auch die 2011er Version noch ausgesprochen jugendlich und knackig. Hier passt das Preis/Leistung Verhältnis wie die Faust aufs Auge. Für 8€ gibt es einen eigenständigen Sauvignon Blanc, der nicht durch Aromahefen auf Übersee getrimmt wurde. Hier spricht der Kalk aus dem Glas, mit Sauvignon Blanc am Rednerpult. Von mir gibt es 88 Punkte. Aber Beeilung, es gibt nur noch wenige Flaschen davon ab Weingut!

2012 Hanewald-Schwerdt Sauvignon Blanc „Kalkriff“
Ab 2012 wird der Sauvignon Blanc aus dem Hause Hanewald-Schwerdt unter der Kalkriff-Linie eingeordnet. Wenn man seine Nase tief in das Glas steckt, kitzelt die Kreide förmlich an der Nasenscheidewand. Die Aromatiken wirken im Vergleich zu 2011 etwas reifer und dichter, mit einem Hauch mehr Frucht und Charme. Ich tippe spontan auf reiferes Lesegut. Die Säure präsentiert sich verhaltener bzw. etwas mehr im Hintergrund. Dadurch gewinnt er am Gaumen eine gewisse Cremigkeit, welche den Wein durchaus in den Rang eines Gaumen-Schmeichlers hebt. Mir persönlich gefällt die puristische und fast schon karge 2011er Variante etwas mehr. Doch vielleicht wird sich dieser Wein so kurz nach der Füllung noch in diese Richtung entwickeln? Die Zeit wird es zeigen. Ich bin hier jedenfalls aktuell bei sehr guten 86 Punkten, mit leichter Tendenz nach oben.

Das macht man nicht!

Mit dem Luxus beide Weine – nebeneinander und offen – im Vergleich zu haben, beging ich einen in der Weinwelt nicht gerne gesehenen Frevel. Ich mischte sie zu 50% aus dem 2011er und zu 50% aus dem 2012er – und siehe da: beide Weine ergänzten sich perfekt! Es entstand ein komplexerer, längerer und vielschichtiger Wein. Vielleicht mag das sehr ungewöhnlich klingen, aber in diesem Fall ging die Rechnung voll auf. Stephan (Schwerdt), bitte einmal ausprobieren. Deine Meinung dazu würde mich interessieren!

Hanewald-Schwerdt auf Facebook
http://www.hanewald-schwerdt.de/

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