Oh du schöner Naturwein: 2010 Yannick Pelletier l’engoulevent

Schöner Naturwein: 2010 Yannick Pelletier l'Engoulevent

(NM) Naturwein. Bei einigen meiner geschätzten Bloggerkollegen und Weinenthusiasten löst das Wort schon Grusel und geistige Geschmackskirmes aus. Sicher ist: Es gibt ganz furchtbare „Naturweine“, welche ohne Schwefel und dank vergötterter Biodynamik ziellos vor sich hin gären. Das Ergebnis ist oft ein Potpourri voller Fehltöne und das Gefühl, sich in mitten einer „Dirk Bach Gedächtnis Jungle Prüfung“ zu befinden. Doch es gibt auf der anderen Seite auch ganz ausgezeichnete Kandidaten dieser verrufenen Kaste. Weine, bei denen der Winzer mit kerngesundem Traubenmaterial ganz vorzügliche Tropfen keltert, ohne auf Schwefel, Schönung oder Filtration zurückzugreifen. Genauso ein Winzer ist Yannick Pelletier aus der AOC Saint Chinian im Languedoc. Ich verkostete den mittleren (oder auch Zweit-)Wein der Domaine Pelletier, den 2010er L’engoulevent.

Zauberwort: Balance!

Um bei Naturwein (französisch „Vin Vivants“) auf der sicheren, Jungle Prüfungs-freien Seite zu sein, kauf man solche Weine nur beim Spezialisten. Einer von ihnen ist Alex Zülch. Er vertreibt u.a. diesen Wein auf seinem Online Shop vins-vivants.de für 16€. Doch nun wieder zurück zu Yannick Pelletier. Seine Weine reifen 12 bis 24 Monate in Betoncuves und werden generell ohne Schönung, Schwefel und Filtration abgefüllt. Echte Naturweine eben. Der 2010 L’engoulevent setzt sich aus den Languedoc typischen Rebsorten im Verhältnis 45% Grenache, 40% Carignan, 10% Syrah, 5% Cinsault zusammen. Der erste Nasenkontakt ist noch relativ verhalten. Ich notierte gebratenes Rindfleisch, Schwarzkirschen, reife Brombeere, getrocknete Kräuter, etwas Marzipan und Kreide (die Trauben wachsen auf Lehm/Kalkböden). Eine leichte animalische Note kann man hier nicht verleugnen. Am Gaumen überzeugt der Wein durch feines, aber noch leicht austrocknendes Tannin und sehr rundem Geschmacksbild. Trotz des guten Drucks im Mund wirkt er leicht, geschmeidig und sehr ausgewogen. Hier wird mit wenig Farbe erstaunlich viel Bild gemalt. Die Säure steht in voller Harmonie mit dem Tannin, Extrakt und Frucht. Der Alkohol (14%) ist vorbildlich eingebunden. Der Wein wirkt wunderbar balanciert und zusammen. Der Trinkfluss ist dazu außergewöhnlich hoch. Wir mussten uns während des Essens schwer zurückhalten, damit noch ein Glas für die detaillierte Evaluierung übrig blieb.

Schlussendlich.

Mit dem 2010er L’engoulevent zaubert Yannick Pelletier einen Naturwein in die Flasche, der alle schlechten Allüren dieser Spezies in die Tonne befördert. Es ist ein wunderbar stimmiger, animierender und ausgewogener Rotwein. Er demonstriert eindrucksvoll, wie man auch ohne Schwefel, Schönung und Filtration mit viel Fleiß, Feingefühl und Passion wertige und überzeugende Weine erzeugen kann. Ein großartiger Wein – nicht nur für all die Naturwein Skeptiker da draußen. 90-91 Punkte.

-> Mehr zum Thema „Naturwein“ auf Drunkenmonday findet ihr hier.

3 thoughts on “Oh du schöner Naturwein: 2010 Yannick Pelletier l’engoulevent

  1. Bitte Leute haltet euch doch etwas zurück mit der Verunglimpfung des Begriffs biodynamisch. Nicht nur gerade hier sondern alle Weinblogger die zu oft in dieselbe Kerbe hauen. Natürlich wird der Begriff heute fast von allen die barfuß über Rasen laufen können und Wein machen benutzt, aber denkt doch an den Ursprung und dass es nicht der Usrprung ist oder der Begriff, der den Wein schlecht macht, sondern diejenigen, die keine Ahnung haben, was das eigentlich ist und vielleicht nackisch expressionitischen Ausdruckstanz um ihre Tanks machen und Blockflöte pfeifen, um die Schwingungen in den Wein zu bringen. Rudolf Steiner routiert ja mit 10k Touren im Grab wenn er von diesen Perversionen hören würde.
    Nochmal – es sind dämliche Winzer, die so greusliche Produkte machen und nicht grundsätzlich Winzer die biodynamisch arbeiten.
    Gegen diesen Wein hier kann man allerdings nichts sagen. Guter Mann! Der tanzt sicher nicht wie Rumpelstielzchen um den Tank.
    in dem Sinne
    Karl

  2. Hallo Karl,
    Ich verunglimpfe weder die aktuell gelebte/umgesetzte Biodynamie, noch deren Geschichte. In meinem Augen bietet sie eher einer große Bereicherung für den Weintrinker, als eine „Gefahr“ bei falscher Umsetzung. Ein genauer Blick in den Blog (und die Artikel über Biodyn-Weine) zeigt ein ganz klares „Pro“ Bild über diese Art der Weinbereitung. In diesem Fall wird auch eher das Arbeiten ohne Schwefel als mögliche Fehlerquelle darfgestellt und nicht die Biodynamie an sich. Zumindest wars dies meine Absicht.

    MfG
    Nico Medenbach

    • Hallo Nico,
      ist zwar ein paar Tage her, aber hier doch noch ne Antwort.
      Ich stimme Dir zu und es ging auch nicht wirklich gegen den Artikel. Ich hatte nur die flüchtig-unerfahrenen Leser im Kopf, die die Fromulierungen, nach meiner Erfahrung über Unterhaltungen und so manche Blogkommentare, in einen anderen Hals kriegen. Ich hätte da auch nix gesagt, wenn ich den Eindruck hätte, das diejenigen eine Minderheit sind. Leider gibt es ja aber selbst in prämierten Fachkreisen immer noch völlig Ahnungslose, wie z.B. den Macher der Rieslingmanufaktur, die da recht naiv unwissende Äußerungen tätigen. Und die kommen dann bei „Normalusern“ gewichtig an.
      also nichts für Ungut
      Karl

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