Riesling aus Italien? DrunkenFranken traut sich

DrunkenFranken hat es wieder getan. Diesmal trauten sich unsere Franken in bisher unbekannte Gefilde: Den heiligen Gral das Weißweins, Riesling – allerdings weder von der Mosel, noch vom Rhein, auch nicht von der Donau. Nein. Südtirol musste es sein. Ob das gut geht?

Südtiroler Weinlandschaft

(CR) Riesling aus Südtirol? „Gibt’s den da?“, fragen sich vermutlich einige. „Muss das sein?“ denkt sicher manch einer. Die Antworten: „Ja“ und „Berechtigte Frage, aber warum eigentlich nicht?“. Auf der nur etwa 5.000 ha großen Weinanbaufläche Südtirols wachsen tatsächlich mehr als 20 Rebsorten. Ob diese Vielfalt sinnvoll ist, müssen am Ende die Winzer und die Weintrinker beurteilen. Wirklich große Weine können aber nur in bestimmten Lagen und aus für diese passenden Rebsorten erzeugt werden. Für mehr als 20 Rebsorten gibt es in Südtirol vermutlich nicht die passenden Lagen, um große Weine zu erzeugen.

Riesling macht in Südtirol nur etwas mehr als ein Prozent der Anbaufläche aus. Angebaut wird er vor allem im Eisacktal und im Vinschgau. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts kam die Rebsorte in die Region, die damals noch offizieller Teil des Landes Tirol und damit der K&K-Monarchie Österreich-Ungarn war.

Als König der Weißweinsorten wird der Riesling bezeichnet. Er ist ähnlich wie der Blauburgunder in der Lage, komplexe Weine hervorzubringen, die die Besonderheiten der Lage, des Bodens und des Winzers erkennen lassen. Allerdings stellt die Rebsorte auch hohe Anforderungen. Wichtig ist beispielsweise eine langsame Reifung der Beeren, was nur in kühleren Regionen möglich ist. Wird es zu heiß, fehlt die Komplexität. Südtirol ist aufgrund seiner Lage durchaus eine warme Region, besitzt aber sehr unterschiedlich hoch gelegene Weinberge und Weinbauzonen mit sehr verschiedenen Mikroklimata. Während es in Bozen im Sommer oft die höchsten Spitzentemperaturen Italiens gibt, ist es im Eisacktal und im Vinschgau windig und frisch. Ob sich der Riesling dort wohlfühlt, wollten wir herausfinden.

Anlass der Verkostung waren die im Oktober und November in Südtirol abgehaltenen Rieslingtage, in deren Rahmen auch der nationale Rieslingwettbewerb Italiens stattfindet. Die Präsidentin der Rieslingtage, Monika Unterthurner, und einige Weingüter haben uns Weine zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür!

Für unseren Abend haben wir acht Südtiroler Rieslinge des Jahrgangs 2012 blind nach einem recht technischen Schema des Meininger-Verlags verkostet. Nicht emotionale, sondern sensorische Eindrücke waren gefragt. Einschätzungen zum Geruch, zum Geschmack und zu möglichen Fehlern wurden abgefragt. Jeder der sieben Verkoster hat jeden Wein im 100-Punkte-System bewertet. Gemeinsam haben wir eine Gruppenbewertung festgelegt. Dazu sei hier angemerkt, dass in der Welt des Weins oft nur sehr hohe Bewertungen mit 90 Punkten und mehr wahrgenommen werden. Ab 80 Punkten beginnt allerdings bereits die Note „sehr gut“, ab 90 Punkten findet man „außerordentliche“ Weine und ab 95 Punkten beginnt die „Weltklasse“.

Alle Weine lagen preislich zwischen €13,50 und €19.

Die folgenden Bewertungen haben wir für die acht verkosteten Weine gefunden. Angegeben werden jeweils die Gruppenbewertung, der Mittelwert, der Median (häufigster Wert), das Minimum und das Maximum sowie die Platzierung bei den Rieslingtagen und einige Notizen zum Wein. Die Reihenfolge ist absteigend von der höchsten Gruppenbewertung bis zur niedrigsten.

Kellerei Nals Magreid Riesling Pitzon 2012

Kellerei Nals Magreid Riesling Pitzon 2012

etwas grün, Zitrusfrucht, Apfel, Eichenholz, leicht parfümiert, würzig, phenolisch, kräftiger Körper, weniger komplex
Gruppe: 85, Mittelwert: 84,3; Median: 87; Minimum: 78; Maximum: 89; Rieslingtage: 4. Platz

Landesweingut Laimburg Riesling 2012

Landesweingut Laimburg Riesling 2012

mineralisch, gelbe, exotische und getrocknete Früchte, blumig, würzig, Spätlesenote, Duft erinnert an Gewürztraminer, harmonisch, komplex
Gruppe: 85, Mittelwert: 84,1; Median: 87; Minimum: 74; Maximum: 88; Rieslingtage: 1. Platz

Weingut Rielinger Riesling 2012

Weingut Rielinger Riesling 2012

Zitrus- und gelbe Früchte, Apfel, mineralisch, blumig, würzig, leicht bitter, kräftige Säure, komplex
Gruppe: 82, Mittelwert: 81,9; Median: 82; Minimum: 74; Maximum: 87; Rieslingtage: >11. Platz

Erste + Neue Kellereigenossenschaft Riesling Rifall 2012

Erste + Neue Kellereigenossenschaft Riesling Rifall 2012

grün, Zitrus- und exotische Früchte, Apfel, würzig, phenolisch, Eichenholz, kräftige Säure, harmonisch
Gruppe: 80, Mittelwert: 80; Median: 80; Minimum: 74; Maximum: 85; Rieslingtage: >11. Platz

Kellerei H. Lun Riesling 2012
Kellerei H. Lun Riesling 2012

mineralisch, blumig, gelbe und getrocknete Früchte, würzig, Eichenholz, animalische Nase, kräftiger Körper
Gruppe: 78, Mittelwert: 78; Median: 78; Minimum: 74; Maximum: 85; Rieslingtage: >11. Platz

Weingut Befehlhof Riesling 2012

Weingut Befehlhof Riesling 2012

vielleicht leichter Böckser, grün, Zitrusfrüchte, sehr hohe Säure, eventuell interessant nach etwas Reifezeit
Gruppe: 70, Mittelwert: 70,6; Median: 72; Minimum: 66; Maximum: 72; Rieslingtage: >11. Platz

Weingut Schloss Rametz Riesling 2012

Weingut Schloss Rametz Riesling 2012

leider fehlerhaft, Böckser; Rieslingtage: >11. Platz

Weingut Taschlerhof Riesling 2012

Weingut Taschlerhof Riesling 2012

leider fehlerhaft, Böckser; Rieslingtage: >11. Platz
Der Fehlton ist später etwas zurückgegangen und man konnte erkennen, dass der Wein ohne ihn vermutlich sehr interessant gewesen wäre.

Insgesamt sind wir mit der Gruppenbewertung nicht über 85 Punkte hinausgekommen, was sicherlich ein sehr guter Wert ist, aber eben nicht „herausragend“, „internationale Klasse“ oder „Weltklasse“, wie es im Bewertungsschema heißt. Sicherlich ist die Bewertung alles andere als objektiv und die Einordnung in der Skala ist schwierig, aber das Ergebnis entspricht unseren Eindrücken beim Verkosten. Allerdings haben wir nur einen kleinen Teil der Rieslinge Südtirols probiert und von den Favoriten der Rieslingtage waren nur zwei dabei. Eine weitere Verkostung wäre also eine Idee, vielleicht ja sogar im Vergleich mit deutschen Rieslingen.

Den Riesling vom Landesweingut Laimburg kann man hier bestellen

Epilog: Ende November fand die zweite (größere) DrunkenFranken-Verkostungsrunde statt. Treffpunkt war dieses Mal das schöne Hersbruck, etwa 30 km östlich von Nürnberg. Die Stadt ist Deutschlands erste Cittaslow und liegt mitten in Bierfranken. Gerstensäfte und ähnliche Getränke wären da sicher ein passendes Thema gewesen, aber dazu kommen wir auch noch. Es ging wieder um Wein, und zwar um Riesling aus Südtirol. Getroffen haben wir uns beim lokalen Weinhandel Feine Weine, Sekt & Secco mitten in der Stadt in einem schönen alten, modernisierten Gewölberaum.

Advertisements

2 thoughts on “Riesling aus Italien? DrunkenFranken traut sich

  1. Woh,Woh,Woh – weit aus dem Fenster gelehnt muss ich da mal sagen. In mehreren Hinsichten treffen da so einige Vor- und Urteile aufeinander.
    A. Ob heutzutage noch gesagt werden kann, ob eine Rebsorte die Königin oder der König aller Weißen oder Roten sein kann ist doch eher geschichtlich zu sehen und hat weniger mit einer irgendwie gearteten Objektivität zu tun. Klar ist Riesling bekannt – seit langem – klar kann Riesling mehr als nur gut sein, aber kommt das nicht noch aus Zeiten wo andere Sorten nicht bekannt waren, und weil der Riesling so eng mit Deutschland verbunden ist – gerade dort etwas arg überhöht wird. Was ist denn mit dem Elsassriesling? Ich komme gerade zurück aus Montpellier wo neben der größten franz. Bioweinmesse mehrere Salons off statt gefunden haben auf einem war die Domaine Albert Mann mit Maurice und Jacky Mann (https://www.youtube.com/watch?v=JPPVT_1X7JQ) die mal wieder zu den besten Winzern in Frankreich gewählt wurden. Da würde ich gerne mal eine Blingverkostung mit deutschen GG’s miterleben.
    Ist ein wenig so (um in einer anderen Kategorie zu vergleichen), als wenn man Champagner immer noch für die Krönung von Schaumwein hält.
    Und sowieso – was ist mit den ganzen Mengen deutschem Riesling der unterhalb der 60 Punkte liegen?
    B. Ihr habts ja angesprochen – eine Wertung aus einer wenig representativen Stichprobe heraus zu versuchen, ist ein .. na ja. Da muss also dringend und zum Glück weiter geforscht werden – es gibt ja wirklich auch andere. Und oft sind es ja die Winzer, die nicht den Weg nach Deutschland finden, die die Bomben herstellen.
    C. Mikroklimata gerade verbunden mit unterschiedlichen Höhen und Seenähe, also Wärmepuffern, sind schwer ein zu schätzen. Nur weil das Tirol in Italien ( Oh sole mio) -also im Süden – liegt, heißt das doch nicht, dass es perse zu warm für Riesling ist. Was ist mit den wohl ältesten Rieslingpflanzen der Welt rund um Adelaide in Australien? Das liegt ungefähr auf der Höhe von Melbourne wo sich bei den AusOpen die Tennisspieler dem Hitzetod anheim geben.
    Ihr könnt euch ja mal bei Georg Meissner melden, der gerade als Berater bei Lageder im Tirol arbeitet, wie es da mit deren Riesling so steht. Oder im März auf der Prowein probieren.
    D. Ich mag Riesling. Mal nebenbei bemerkt. Winningen Knebel – lecker, Peter Bernhard Kühn im Reingau – holla.
    E. Ich bin mir auch sicher, dass eine der 180 autochtonen Reben aus Georgien, oder eine der nicht angebauten 3000 aus dem Conservatorium Domaine de Vassal bei Sète die/der wahre König/in wäre, wenn wir sie kennen würden.
    Also wieder mal auf mit Panamahelm oder Indi-schlapphut und rein ins Abenteuer.

    • Moin Karl, vielen Dank für den ausführlichen Kommentar! Darauf möchte ich kurz antworten.

      Vorab: so weit aus dem Fenster finde das gar nicht gelehnt. Da habe ich schon ganz andere Texte gelesen.

      A.1. Ob der Riesling der König oder vlt die Königin der Weißweinrebsorten ist, ist sicherlich Ansichtssache, aber es wird zumindest oft davon gesprochen.

      A.2. Es geht um die Rebsorte Riesling allgemein und nicht um den deutschen Riesling.

      A.3. Die Frage des Champagners wäre sicher eine sehr spannende und kontroverse!

      B. Das sehe ich auch so. Es waren wirklich nur wenige Weine und die Ungenauigkeiten jeder Verkostung galten sowieso. Ein bisschen mehr Einblick gibt vlt. das Ergebnis der Rieslingtage Südtirol, wo die Anzahl der Weine zumindest sehr viel größer war. Unbekannte Winzer finde ich grundsätzlich auch interessanter als die üblichen Verdächtigen.

      C.1. Südtirol ist tatsächlich recht warm, aber es gibt eben auch kühlere Subregionen wie den Vinschgau und das Eisacktal, wo dann auch der Riesling zu finden ist. Fakt ist aber, dass Rieslinge aus zu warmen Lagen banal werden. Das konnte man bei den Rieslingtagen sehr gut sehen, wenn man die Vertreter aus den südlicheren Teilen Italiens probiert hat. Ob die Rieslinge aus Australien im Vergleich zu europäischen interessant sind, kann ich nicht beurteilen, wage ich aber zu bezweifeln.

      C.2. Den Austausch mit Georg Meissner fänd ich sehr interessant. Grundsätzlich interessieren mich in Südtirol aber nicht die Kellereien/Händler wie Lageder, sondern die kleinen Weingüter, wo alles aus einer Hand kommt.

      D. Ich auch. 🙂

      E. Das kann ich mir auch gut vorstellen. Und das macht die Weinwelt ja auch interessant. Schon in Italien gibt es ja so viele autochthone Rebsorten, die wir in Deutschland eher weniger ins Glas bekommen.

      Vielen Dank noch mal und ein schönes Wochenende!
      Christoph

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s