100 PP Châteauneuf? Nein danke, ich nehm lieber den Lirac…

2010 Grand Veneur Clos de Sixte Lirac

(NM) Nicht oft hat man die Möglichkeit einen „perfekten Wein“ zu verkosten. 100 Parker Punkte in einem Wein werden unauffindbar und schnell unbezahlbar. Die blinde Masse stürzt sich auf den vermeintlichen Wunderwein. Dabei deckt die Menge des produzierten Weins bei weitem nicht die Nachfrage gieriger Zwischenhändler und zahlungsfreudiger Endkunden. Das Ergebnis? Der Preis verdoppelt sich über Nacht. So geschehen bei einer der vielen 100 Parker Punkte Weine aus dem Jahrgang 2010 der Südlichen Rhone: 2010 Domaine Grand Veneur Châteauneuf-du-Pape „Vieilles Vignes„. (Nebenbei: Stephen Tanzer’s International Wine Cellar vergibt 92-94, Winespectator nur 93 Punkte)

Preis mal 2 – Qualität mal ?

Ursprünglich gab es den Wein für etwa 65€ im Handel. Nach Parkers Jubelorgien „A monumental effort meriting a perfect score, the super-rich 2010 Chateauneuf du Pape Vieilles Vignes is a 4,000-bottle blend of 50% Grenache, 40% Mourvedre and 10% Syrah from 55- to 105-year-old vines and was aged for 18 months in small oak. The wine offers majestic blackberry and cassis fruit intermixed with kirsch, licorice and subtle Provencal herbs in the background. It is akin to chewing meat in the mouth given its viscosity and thickness. This utterly amazing wine comes close to being over the top, but it pulls back just in time. A massive Chateauneuf du Pape (even for a 2010), it needs 5-6 years of cellaring and should age effortlessly for 25-30 years. Bravo!“ und entsprechenden 100/100 Punkten ist der Wein nun für etwa 150€ im Handel zu finden. Der Preis ist somit locker verdoppelt. Gut, der Wein trifft voll Bobbies Geschmack. Doch der ist bei weitem nicht meiner. Keine Frage, der Stoff war „super-rich“ und „a massive Chateauneuf du Pape“, aber eines fehlte ihm gänzlich: Trinkfreude! Zum „Meditationswein“ fehlte es ihm dazu noch an geschmacklicher Tiefe. Die angesprochene Trinkfreude hatte aber zum Glück ein ganz andere Rhone-Wein in dieser Probe. Es war aus dem gleichen Weingut und dem gleich Jahr folgender Wein: 2010 Domaine Grand Veneur Lirac „Clos de Sixte“

8 PP weniger = 1/10 des Preises

Lirac ist die häßliche vergessene Schwester von Châteauneuf-du-Pape. Geografisch liegt die AOC direkt auf der Gegenüberliegenden Seite der Rhone im Schatten des monumentalen Nachbarn. Die Weinberge des Lirac befinden sich um das gleichnamige Städtchen Lirac, Saint-Laurent-des-Arbres, Saint-Geniès-de-Comolas and Roquemaure. Per AOC Definition müssen die Rotweine aus (minimum) 40% Grenache, (minimum) 25% Syrah und Mourvèdre und (höchstens) 10% Cinsault und Carignan bestehen. Mein 2010 Domaine Grand Veneur Lirac „Clos de Sixte“ setzt wie folgt zusammen: 50% Grenache, 35% Syrah und 15% Mourvèdre.

Lirac Geschmack.

Etwas Luft sollte man dem Burschen schon geben. Dann aber strömt ein bezauberndes Aromenfeuerwerk aus dem Glas. Ich notierte: Kirsch-Likör, Brombeere, Lakritze, Grafit, schwarzer Pfeffer, Eukalyptus, „Garigue“ (Flieder, Thymian, Lavendel), schwarze Johannisbeere, Tannennadel und zu guter Letzt etwas Alkohol. Letzterer verfliegt aber deutlich mit zunehmender Oxidation. Im Mund sind die 15% Alkohol dann noch besser verpackt. Das Tannin ist ausgesprochen feinkörniges und die Säure in Kombination mit der Garigue Note vermittelt eine herrliche Frische am Gaumen. Das Holz ist gut eingebunden, der ist Körper von mittlerer Intensität und der Alkohol suggeriert eine leicht süße Frucht. Das ganze wirkt ausgesprochen authentisch und hält vor allem lange im Geschmack an. Alle Faktoren deuten locker auf ein 8-10 jähriges Leben hin.

Fazit.

So stelle ich mir einen überzeugenden Rhone-Wein vor. Angebaut in einer übersehenen Gegend, gespickt mit vielfältiger Aromatik, feinem Tannin und Säure Gerüst und gutem Trinkfluss. Da macht das zweite Glas Lust auf die ganze Flasche. Für 15€ kann man sich auf jeden Fall nicht beschweren. Ein uneingeschränkter Tipp von mir – gelobhudelt mit 91-92 Medenbach Punkten.

2010 Domaine Grand Veneur Lirac „Clos de Sixte“ bei Vinexus kaufen.

5 thoughts on “100 PP Châteauneuf? Nein danke, ich nehm lieber den Lirac…

  1. Das hört sich gut an! Da ich immer auf der Suche nach guten Weinen von der Südrhone bin, habe ich mir den Wein (den Lirac…) soeben bestellt.
    Bin gespannt.
    Gruß ralph

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