Diven, Zeit und DAS FEST: 2015 Barth Riesling Große Gewächse

2015 Barth Riesling GGs

(NM) Wie man es macht, macht man es nicht richtig. So oder so ähnlich muss sich der ein oder andere VDP Winzer fühlen, wenn er im Herbst des Folgejahres seine Großen Gewächse auf den Markt bringt, und sich sein Großes Gewächs X aus Lage Y absolut bockig und geschmacklich zugenagelt gibt. Wenn dann auch noch das Wer-Ist-Wer der medial einflussreichsten Weinschreiber in Wiesbaden zur Vorab Großen Gewächs Probe zusammensitzt, und sein Schützling die Diva in sich entdeckt, braucht der geübte Verkoster viel Erfahrung und Weitblick, um die wahre Größe vieler solcher Gewächse zu erkennen. Leider drückt sich dieses Phänomen selten in vielen Punkten, sondern eher in vielen Fragezeichen aus. Suboptimale Startbedingungen.

Doch was tun?

Der Winzer zwickt in der Steckmühle. Große Weine brauchen bekanntlich Zeit um ihr volles Potential auszuschöpfen. Und wenn das Große Gewächs früh alles zeigt, geht ihm nach einigen Jahren im Keller oft die Puste aus. Was also tun um den richtigen Augenblick der jugendlichen Schönheit in Wort und Bild abgelichtet zu bekommen? Die Antwort ist für den Journalisten beglückend und für den Probeflaschen verschickenden Winzer eher ernüchternd: Einfach x-mal in dem Jahr nach der Veröffentlichung die Pullen aufreißen und hoffen, dass der richtige Verkoster zur richtigen Zeit die Karte mit den 90+x Punkten zückt.

Barth 2015 Riesling GGs

Nachdem mir im September des letzten Jahres Mark Barth – nach alter Tradition folgend – seine zwei aktuellen Riesling GGs des Jahrgangs 2015 zuschickte, konnte ich es kaum erwarten diese zu verkosten. Mit großer Neugier und Verlangen öffnete ich die beiden Weine nachdem sie ein paar Tage im Keller ruhten. Doch schnell stellte sich Ernüchterung ein. Vor mir standen zwei zickige Diven im Glas, die so gar nicht mit mir reden wollten. Da auch mit Dekantieren nichts zu holen war, gab es nur eine Lösung. Die ersten zickigen Eindrücke notieren, Korken drauf und ab in den Kühlschrank. Doch auch ein 4 tägiger Kuschelkurs mit Nachprobe half hier nichts. So konnte ich die Weine weder adäquat bewerten noch beschreiben. Die Zeit verging. Weiterlesen

Rheingau reloaded: Die 2014 Barth Riesling GG’s

Trio Infernale: 2014 Barth Riesling GGs

Bei der unüberschaubaren Weinauswahl auf dem deutschen Markt fällt es mir wirklich schwer, gewisse, mir „interessante“ Weine über einen Jahrgang hinaus zu verfolgen. Zu groß sind die Auswahl und der Reiz an dem Neuen und Unbekannten. Zudem lässt die schiere Informations-Überflutung auf Facebook, Twitter und co. uns stündlich vergessen, was wir letztes oder gar vorletztes Jahr richtig gut fanden. Man reitet auf der Welle schier unendlicher Auswahl durch das Meer des Weines. Doch sollten wir aber durchaus öfter zurück zu dem Bekannten und Vertrauten gehen und die Entwicklung im Mikrokosmos Weingut mit offenen Augen zu verfolgen. Denn dort kann sich über nur wenige Jahre ganz erstaunliches abspielen. Bestens belegbar an den Großen Gewächsen des Wein- und Sektgutes Barth. Weiterlesen

Bring Zeit mit: 3x 2013 Barth Riesling GG

2013_barth_riesling_gg

(NM) Traditionell um diese Jahreszeit kloppen sich die Deutschen Weinschreiber und Weinkritiker aus allen Lagern wieder primär um ein Thema: Die Großen Gewächse (GG’s) aus dem Vorjahr. Neben Jahrgangsvergleichen (schmeckt wie 2004 mit dem Schmelz von 2007 und der Säure aus 2010) und revidierten Jahrgangsprognosen (nach 4 Wochen auf der Flasche erinnert er mich doch mehr an 2008 mit dem Druck aus 2009) gleicht die Krönung der besten GG’s einer Suche nach dem heiligen Gral. Traditionalisten feiern die Würze und Tiefe der Rieslinge aus dem Roten Hang, Puristen das Schiefer-Spiel der Mosel und Spontan-Gär-Jünger den Funk und Staub einiger Weingüter der Nahe-Fraktion. Bewertet wird bunt zwischen End-Achtzig und Mitte-Neunzig Punkten. Fokussiert wird sich auf die Lagentypizität und des Winzers Händchen. Doch in wie weit beeinflusst das persönliche Geschmacksideal die schmeckbare Qualität? Zusammengefasst: Es geht drunter und drüber im Bewertungs-Jungle rund um das Thema Große Gewächse. Doch wer nimmt sich wirklich Zeit, diese komplexen Weine in ihrer Jungendlichkeit im Detail zu analysieren?

Wir. Ziehen wir mal wieder die Bremse und schauen uns die drei Riesling GG’s vom Weingut Barth aus dem Rheingau (wieder)einmal etwas genauer an. Mir persönlich gefällt der Stil des Weingutes über die Jahre betrachtet sehr gut. Mark Barth und sein Schwiegervater Norbert schaffen es eine klare und nachvollziehbare Lagen-Typizität herauszuarbeiten und dabei die persönliche Handschrift den Weinen mit auf den Weg zu geben. Rückblickend betrachtet findet sich ein roter Faden in den Wein Charakteristika der einzelnen drei Großen Gewächse wieder. Doch das Weinjahr 2013 war alles andere als einfach. Schaffen es die beiden auch dieses Jahr, die Lagen in ihrem Auftrag sprechen zu lassen? Schauen wir einmal nach. Weiterlesen

Politikum GG Bewertung – mehr als nur drei Worte und eine Zahl?

Goldkapsel: VDP Grosse Lage

(NM) Das Thema „Politik & Wein“ der Weinrallye #67 auf dem Blog „Arthurs Tochter Kocht“ weit dehnend, spreche ich heute mal ein Politikum am, welches mich Jahr für Jahr irgendwie stört: Drei Worte und eine Zahl – fertig ist die offizielle Weinbeschreibung. Dieses kurzweilige Phänomen findet man sehr gerne nach den umfangreichen VDP GG Präsentationen wieder…

Alle Jahre wieder – um den ersten September herum – dreht sich in der deutschen Weinlandschaft eigentlich alles nur um fünf Buchstaben: VDP GG. Dabei werden die Weißen Großen Gewächse aus dem Jahr zuvor und die meisten Roten GG’s von vor zwei Jahren „wie nix G’scheits“ gegeneinander verkostet, probiert, diskutiert, zerrissen, gelobt, und bewertet. Dieses Spektakel findet in der Regel auf den großen VDP GG Jahrgangs-Präsentationen statt. Neben dem „Kick-Off“ in Berlin, ist der VDP in 2013 aus dem ehrwürdigem Kloster Eberbach aus- und in das barocke Gesellschaftshaus des Frankfurter Palmgartens eingezogen, um der Fachwelt diese großen (und nicht immer) trockenen Weine vorzustellen. Genau diese „Mega“-Proben sind von dem Verband Jahr für Jahr perfekt organisiert und bieten die optimale Möglichkeit sich einen umfassenden Überblick über die Jahrgangs- und Winzerqualitäten zu verschaffen. Ganze 4-5 Stunden hat der Gast hier Zeit, um möglichst viele der 418 angestellten Weine zu verkosten. Das dabei keine detaillierte Beschreibung herauskommen kann ist klar. Doch eine Sache stört mich nach solchen Events immer recht gewaltig: Nennen wir es die „Drei Worte und eine Zahl“ Bewertung. Weiterlesen

Rheingau Renaissance? 3x 2011 Barth Riesling Erstes Gewächs

2011 Barth Riesling Erste Gewächse

(NM) Das VDP Weingut Barth aus dem Rheingauer Hattenheim spielt schon seit mehreren Jahren in der ersten „Sekt-Liga“ Deutschlands. Mit dem „Primus“ wurde 2009 ein weiterer Meilenstein der deutschen Schaumweinlandschaft geschaffen: Ein versektetes Riesling Erstes Gewächs in limitierten Magnum-Flaschen. Drunkenmonday berichtet hier darüber. Heute gibt es aber ein Ausblick auf die Still-Weine des Weingutes. Genauer gesagt die trockene Spitze der Kollektion: Die drei 2011er Ersten Gewächse aus dem Hattenheimer Hassel, Wisselbrunnen und Hallgartner Schönhell.

Gegen den Rheingau, seine Winzer und seine Weine wird in den letzten Jahren aus allen Richtungen mächtig geschossen. Weiterlesen