Was so alles in der Pfalz wächst …

Say no!(NM) Die Pfalz gehört unumstritten zu den „buntesten“ Weinregionen Deutschlands. „Bunt“ im Bezug auf die Rebsortenvielfallt. Nirgendwo anderes in Deutschland herrschen klimatisch so breit gefächerte Bedingungen, um eine solche Bandbreite an Rebsorten erfolgreich anzubauen. Mit Sicherheit spielt hier auch der Entdeckertrieb so manchen Winzers eine große Rolle. Anstelle von traditionellen Rebsorten wie Riesling, Spätburgunder oder Silvaner wird das ein oder andere Experiment im Weinberg gewagt. Sogar Cabernet Sauvignon, Merlot, Cabernet Franc oder Sauvignon Blanc wurde (nicht nur) in der Pfalz bereits „eingedeutscht“ und sind keine Seltenheit mehr. Unser Fokus liegt aber heute auf einigen Weinen, welche man so gar nicht in Deutschland vermuten würde : Grüner Veltliner und Tempranillo. Weiterlesen

Weinrallye #45: Peter Züllig – Die Welt des Alters

Die Welt des Alters

Gastbeitrag von Peter Züllig zur Weinrallye #45

Mythen umranken alte Weine. Man spricht ihnen gar magische Kräfte zu. Doch – was heisst schon alt? Elf Jahre, wie es die Vorgabe für diese Rallye verlangt? Fünfzig Jahre oder gar ein Jahrhundert? Unter Weinliebhabern taucht rasch einmal die Frage auf: „Wie alt war der älteste Wein, den Du je getrunken hast?“ Auch ich, ein bekennender Altweintrinker, bekomme die oft zu hören. Doch ich weiss es nicht, ich führe kein Guinnessbuch der Rekorde. Trotzdem: alte Weine üben eine seltsame Faszination aus: ein Mischung aus Respekt, Ehrfurcht, Neugier, Staunen. Irgendwann, als ich mich schon tüchtig in Bordeaux-Weine verliebt hatte, wollte auch ich eine alte Flasche, einen alten Bordeaux in meinen damals noch ziemlich leeren Keller legen. Also erstand ich auf einer Internetauktion meine erste Uraltflasche. Damals waren die Jahreszahl und der Name des Weinguts auf der Etikette noch knapp lesbar. Ganz sicher war ich aber nicht: St-Julien, wohl Châteaux Glana, Jahrgang in den Vierzigern, vielleicht 43 oder 45? . Der Wein liegt immer noch im Keller, zwischen andern Fossilien des Bordelais, grosse Namen aus sogenannt schwachen Jahrgängen. Inzwischen ist auf der Etikette kaum noch etwas zu entziffern. Für mich ist diese alte Flasche zum Sinnbild – oder Maskottchen – alter Bordeaux geworden. Unantastbar. Ich weiss also nicht, wie er wirklich schmeckt, dieser Wein. Anders? Besser? Enttäuschend? Weiterlesen

Kante, Zidarich, Radikon, Roxanich und Vodopivec: Krasse „Naturweine“ aus dem Friaul und Kroatien

… oder auch „Orange Wines“ ?!

Orange Wines

(JL) Eigentlich müsste ich mich schämen, den Bericht über diese „extreme“ Probe erst jetzt zu schreiben. Sie fand nämlich im letzten Sommer statt. Wie dem auch sei, jetzt ist die Zeit reif für einige Weine, die „extravaganter“ und „anders“ nicht hätten sein können. Neben dem doch recht langweiligen Namen „Naturweine“ haben wir immer wieder nach einem anderen und aussagekräftigeren Namen für diese speziellen Weine gesucht. Das Ergebnis: Orange Wines! Orangene Weine? Wie ist der denn drauf? – könnten jetzt einige denken. Aber je mehr ich den Namen verwende, desto treffender kommt er mir vor. Seit kurzer Zeit ist der Begriff „Orange Wines“ auch in Wikipedia zu finden. Hier meine Übersetzung in die Deutsche Sprache. Man möge mir den etwas rudimentären Übersetzungsstil verzeihen.

Oranger Wein, ist Wein aus weißen Rebsorten, bei dem die Schalen während der Mazeration ebenfalls Kontakt mit dem Traubensaft hatten. Typischerweise wird während der Weißweinproduktion der Traubensaft schnell abgepresst und von den Schalen getrennt. Die Schalen enthalten Farbpigmente, Phenole und Tannine, die in Weißweinen oft unerwünscht sind. Bei der Rotweinherstellung ist dies im Gegensatz erwünscht, da diese Stoffe den Weinen Farbe, Geschmack und Textur verleihen. Orange Weine haben ihren Namen von der leicht dunkleren orangen Färbung, welchen die Weißweine während der Kontaktzeit mit der Beerenhaut erhalten.
Man hat diese Art der Weinbereitung in heutiger Zeit nicht weiter verfolgt, da z.B. im Falle des Grauburgunders der Weißwein vom Rotwein nicht zu unterscheiden wäre. Grauburgunder hat eine leicht rötliche Schale und diese würde ein Grauburgunder wie ein Rosè aussehen lassen. Ursprünglich kommt die Methode die Weine auf diese Art herzustellen aus Georgien. In den letzen Jahren hat sich diese Art Weine zu keltern zunächst bei einigen Weinbauern aus Friaul – Julisch – Ventien etabliert. Ähnliche Produkte findet man in Slowenien, Kroatien, Frankreich, Deutschland, Neuseeland und Kalifornien.
(Quelle: Wikipedia)

Doch nun zu den Weinen des Abends: Weiterlesen

Penfolds Bin 707 – auf die kommerzielle Masse abgestimmter Brot-und-Butter-Wein?

Penfolds Bin 707 wein blog drunkenmonday
(PT) Diesmal lassen wir Julia zu Wort kommen. Sie ist nicht nur leidenschaftliche Weinentdeckerin, sondern mit zahlreichen Titeln dekorierte Weinspezialistin (WSET Wein Akademikerin, Geisenheim Absolventin, Beste Jung-Sommliere Östereichs…) und erzählt hier von einer Überraschung, die sie letztens in ihrem Keller fand:

„Penfolds Bin 707?

Manchmal ist es schon komisch, man denkt: man kennt seine Weine im Keller. Und dann so was …

Gestern Abend ging ich in unseren Weinkeller und wollte für die family und 2 Bekannte (eher Weinbanausen als –kenner ;-)) „etwas trinkbares Rotes“ heraufholen zu Rumpsteak, Bratkartoffeln, Salat. Viele Flaschen lachten mich an, doch fand ich diese bei genauerem Hinsehen ein wenig „zu schade“ (liebe C, lieber K, bitte verzeiht!). Nach längerem unschlüssigen Suchen viel mein Blick auf einen Australier: Penfolds Bin 707. Jahrgang 1998. Ich dachte: „Der muss weg! Wahrscheinlich ist er eh schon hinüber. Und wo kommt der überhaupt her?“ Zur Vorsicht nahm ich noch eine Alternativ-Flasche mit.

Oben angekommen entkorkte ich die Flasche, roch in das Glas (kein Kork!) und nahm vorsichtig den ersten Schluck: Weiterlesen

Trüb, trocken, 16.5 % Alkohol ?! – Riesling – Uhlen – Heymann Löwenstein

1989 Heymann-Löwenstein Riesling Beerenauslese trocken(PT & NM) Zeiten ändern sich, Weinstile ändern sich, Weinmachen ändert sich. Wahrscheinlich wäre heute dieser Wein aus diesem Weingut gar nicht mehr vorstellbar. Die Rede ist von einem Wein, der damals wie heute viel Kopfschütteln, Skepsis, Verwunderung und Neugier auslöst. Das Weingut Heymann-Löwenstein erzeugte 1989 einen trockenen Riesling, genauer gesagt eine trockene Riesling Beerenauslese aus der Lage Winninger Uhlen. Die damals noch in dem Weingut eingesetzten Reinzuchthefen wandelten nahezu den kompletten Zucker in Alkohol um. Am Ende entstand ein Wein mit entspannten 16.5% Alkohol. Nicht nur an der Mosel heutzutage quasi undenkbar. Eine Flasche dieses Unikates zu ergattern war durchaus mit Kosten und Mühen verbunden. Aus diesem Grund ist es selbstverständlich, dieses einmalige Weinerlebnis hier mit euch zu teilen.

Alleine die Farbe spricht Bände: Weiterlesen

Robust, doch elegant & barock: 1993 Poderi Aldo Conterno Barolo „Romirasco“

1993 Poderi Aldo Conterno Barolo Romirasco(NM) Wieder ein Wein der Kategorie „once in a lifetime“. Aber im Vergleich zu dem 2002er Napa Valley Cabernet von Luise Cellars, wird hier einer der ur-traditionellsten Bereiche der Weinwelt betreten: der Barolo. Nebbiolo aus dem Barolo kann in jungen Jahren dem ambitionierten Weintrinker oft so gar kein Spaß machen. Hinter fiesen und undurchdringbaren Gerbstoffwänden schlummert ein Weinriese, der sich leider viel zu selten in seiner ganzen Pracht und Schönheit dem Barolo-Trinker zeigt. Zeit heilt hier bekanntlich so einige Wunden, somit war die Freude groß, einen doch etwas reiferen Barolo aus einem sehr renommierten Haus einmal in das Glas zu bekommen: 1993 Poderi Aldo Conterno Barolo „Romirasco“.

Die Lage Romirasco in der Bussia Soprana (Monforte) ist mit 3.8 ha der größte Rebberg der Familie Aldo Conterno, doch nur eine extrem geringe Menge der Trauben werden selektioniert und gelangen in die gleichnamige Abfüllung. Weiterlesen

Geschichtsträchtig: 1990 Dr. Bürklin-Wolf „BB“ Riesling Auslese Trocken

1990 Dr.Bürklin-Wolf Riesling Auslese Trocken(NM) Klassische Weine brauchen auch klassische Geschichten. Und dieser Wein hat genau eine solche. 1990 war das Jahr in dem Bettina Bürklin-von Guradze das Weingut übernahm. Sie trat das Erbe eines Weingutes an, welche Geschichte bis 1597 zurück verfolgt werden kann. Ihr erster erzeugter Wein war diese 1990 Dr. Bürklin-Wolf „BB“ Riesling Auslese Trocken. Ein Generationswein, der damals revolutionär den neuen Weinstil des Weinguts prägte. Aus den besten Forster Lagen wurde diese trockene Auslese komplett im großen Holzfass vergoren und ausgebaut. Überhaupt war dies die erste trockene Auslese die das Weingut je vinifizierte. Auf Grund des extrem guten Jahres gab es genug reifes und gesundes Traubenmaterial um 20.000 Flaschen dieses speziellen Weins herzustellen. „BB“ steht selbstredend für Bettina Bürklin-von Guradze. Weiterlesen

Einem Fake auf der Spur? 1934 Schloss Johannisberg Riesling „Cabinet-Wein“

1934 Schloss Johannisberg Cabinet-Wein(NM) Dass das organisierte Verbrechen auch schon die Weinszene erreicht hat, ist ja weitläufig bekannt. Gerade große Weine aus großen Jahrgängen und seltene, ältere Flaschen aus dem 19ten Jahrhundert werden immer häufiger im großen Stile mit viel Mühe und Aufwand gefälscht. Nicht gerade selten tauchen dann diese Weine bei EBay oder anderen Online-Auktionshäusern auf und werde so unter das ahnungslose Volk gemischt. Auf der anderen Seite geben sich Weingüter immer mehr Mühe, ihre Flaschen fälschungssicher mit den verschiedensten Sicherheitsmethoden auf den Markt zu bringen. Ein schönes Beispiel hierfür ist das Weingut Piccolomini d’Aragona. Sie statten all ihre Brunelli mit einem „Identity Code“ auf jedem Label aus, welcher dann Online über die Webseite www.certilogo.com auf ihre Echtheit überprüft werden kann.

Alle diese „neumodischen“ Sicherheitsmaßnahmen wurden 1934 von dem Schloss Johannisberg natürlich nicht eingesetzt, um ihre Weine dauerhaft Fälschungssicher zu machen. Weiterlesen

Sekt_Evolution aus dem Rheingau: Barth’s „Primus“

2007 Barth "Primus"(NM) Wer wagt, gewinnt. Dieser doch recht abgedroschene Spruch findet in einer frischen Idee des Weinguts Barth aus Hattenheim im schönen Rheingau aber seine volle Entfaltung. Man nehme ein schon klassifiziertes Erstes Gewächs, versektet dies in limitierten und handbeschrifteten Magnumflaschen und versteigere ein Teil davon auf der VDP Versteigerung im Kloster Eberbach. Geniale Idee, genial umgesetzt.

Die Familie Barth hat sich schon lange der Versektung einem Teil ihrer Weine intensiv hingegeben. 40% der Menge Ihrer Trauben wandern heuer in die Sektherstellung. Insgesamt 7 (mit dem Primus acht) verschiedene Sekte findet man auf der Karte des Weinguts. Alle samt nach traditioneller Flaschengärung hergestellt, mindestens 24 Monate auf der Hefe (der „Ultra“ gerne auch 36 Monate oder mehr), läuft jede Flasche Sekt bis zu 60 mal durch fachkundige „Rüttel“-Hände. Ein riesiger Aufwand. Weiterlesen

Ein Kap-Klassiker: 1993 Meerlust Rubicon

1993 Meerlust Rubicon(NM) Rubicon ist einer der klassischen Bordeaux Blends aus Südafrika, welcher für südafrikanische Verhältnisse schon seit vielen Jahren so etwas wie Kultstatus genießt. Ältere Jahrgänge wie dieser zeigen auch im fortgeschrittenen Lebensabschnitt noch eine Menge Rückrat und Potential. Das Meerlust Estate treibt schon seit 1756 in Stellenbosch sein Unwesen und wird heute in achter Generation von Hannes Myburgh, einem studierten Geisenheimer geleitet. 1993 Jahre nach Christie Geburt wurden von Meerlust’s Winemaker aus 70% Cabernet Sauvignon, 20% Merlot und 10% Cabernet Franc dieser Meerlust Rubicon erschaffen. 24 Monate reifte dieser Blend in Barriques aus französischer Nevers Eiche, 80% neue Fässer und 20% in zweiter Belegung. Und genau dieser Wein befindet sich in meinem Glas.

Die Farbe lässt keinen Zweifel über das Alter des Weins zu. Ein helles Rubinrot mit leichten bräunlichen Reflexen. Auf der Flasche steht 12% Alkohol. Heute undenkbar. Die Nase zeigt großartige Komplexität: Reife Amarenakirschen, etwas Pflaume und Himbeere, Tannennadeln, Zedernholz und frisches Leder. „Awesome“ würde Lena Meyer-Landrut jetzt sagen. Am Gaumen wirkt alles sehr harmonisch und zusammen. Eine feine Säure trägt den Wein sehr elegant und erhaben durch das Geschmackszentrum. Kein fetter und alkoholreicher Brummer, sondern eine Grazie und Schliff mit denen sonst nur reife Bordeaux punkten können. Hier hat sich das Warten gelohnt. Jeder Schluck lässt ein würziges Mundgefühl zurück, welches quasi zu dem Folgeschluck auffordert. Fantastischer Stoff. Ich bin entzückt! Wenn ich Parker wäre, würde ich locker 93 Punkte geben.

Zwei mal 1991er Reserva aus dem Ribera del Duero

1991 Reservas aus dem Ribera del Duero(NM) Ein Keller Adventure der besonderen Art. Zwei kürzlich von mir erworbene 1991er klassische Reserva aus dem Ribera del Duero stellen sich dem Head-to-Head Battle. Wer hat die Zeit besser mit gescheitem Reifen verbracht? Wer hat in dem zarten 19 Jahren noch genügend Reserven um Spaß im Glas zu vermitten? Schauen wir mal …

1991 Pesquera Reserva
(100% Tempranillo)
Die Reserva und Gran Reserva Weine von Alejandro Fernández liegen mindesten 24 Monate in verschieden getoasteten französichen, spanischen und amerikanischen Eicheholzfässer. Weiterlesen

1998 Byron Pinot Noir Nielson Vineyard / Santa Maria Valley

1998 Byron Pinot Noir Nielson Vineyard (NM) Ich liebe dieses Spiel. Relativ unbekanntes Weingut, ein Paar Jahre auf dem Buckel… Wird der Wein noch schmecken? Der heutige Kandidat ist der 1998 Byron Pinot Noir „Nielson Vineyard“ aus dem schönen Santa Maria Valley im Santa Barbara Country / Kalifornien. Schon alleine der Blick auf das informative Rückenlabel macht mich glücklich: Kein „passt gut zu rotem Fleisch, Grill-Käse oder anderen trivialen Mahlzeiten“, sondern massive Detailüberflutung über das Getränk in der Flasche: Durchschnittliche „Büte bis zur Lese“ Zeit 121 Tage – Handgelesen und Handsortiert – Ertrag 1,75 Tonne / Acre – 100% Pinot Noir – Natürliche Hefen – 15 Tage Mazeration mit 3 maligen Unterheben pro Tag – 16 Monate in Französischer Eiche – „gravity flow handling“ – Verblendet aus 10 Lots – 12.384 Flaschen produziert – 14% Alkohol. Wow, dann nenne ich mal Transparenz, Mister Ken Brown (Byron’s Winegrower & Winemaker). Weiterlesen

Riesling to the roots: 2001-2008 P.J. Kühn Doosberg „3 Trauben“ Vertikale

P.J. Kühn Doosberg Vertikale(NM/OW) Es gibt Winzer, und es gibt Winzer. Die einen gehen brav ihrem Job nach, produzieren Wein, verkaufen Wein, fallen nicht auf, stören keinen, der Wein schmeckt, mal mehr, mal weniger. Dann gibt es Winzer wie Peter Jakob Kühn, die konsequent den Weg der Biodynamie gehen, mit allen Ecken, Kanten, Gefahren, Risiken und Vorurteilen. Das dieser Weg nicht immer allen gefällt, ja sogar einen Winzer wie Peter Jakob Kühn zu einer „streitbaren“ Person macht, lässt ihn in meinen Augen nur noch sympathischer erscheinen. Wenn dann dieser sympathischer Winzer einem noch eine „once in a lifetime“ Vertikale des „3 Trauben“ Rieslings (manchmal auch als Erstes Gewächs zugelassen) seiner Paradelage Doosberg zur Verfügung stellt, kann einem schon mal etwas weichknieig werden. Danke Peter für diese Erfahrungsreiche Probe!

Die Familie Kühn besitzt etwa 4 ha Rebfläche im Oestricher Doosberg. Weiterlesen

Chenin aus Kalifornien: 2008 Daniel Gehrs Chenin Blanc

2008 Daniel Gehrs Chenin Blanc(NM) Als Schmuggelware von dem letzten USA Trip kehrte diese unscheinbare und etwas „Kalifornien untypische“ Flasche Wein mit mir zurück in meinen trauten Weinkeller. Moment, Chenin Blanc aus Kalifornien? Ja, und was für einer! Das kleine Weingut Daniel Gehrs liegt in der AVA Santa Ynez Valley, ein Teil des Santa Barbara County im mittleren Westen Kaliforniens. Etwa „nur“ 7000 Kisten Wein aus 12 verschiedenen Reborten vinifiziert das Weingut jährlich. Eine davon ist dieser 2008er Chenin Blanc.

Im Glas ein leichtes gelb-goldenes Schimmern. Die Nase versprüht tolle Aromen von kandierter Ananas in Honig, einen Spritzer Limette zusammen mit einer feinen rauchigen/mineralsichen Komponente. Am Gaumen legt der Wein so richtig los. Seidig weich legt er sich im kompletten Mundraum nieder, der minimale Restzucker rückt die Eindrücke noch einen großen Schritt nach vorne. Alles wirkt extrem geschliffen und rund, obwohl sowohl Säure als auch die Mineralik deutlich spürbar sind. Selten hab ich so einen seidigen Weißwein im Mund gehabt. Große Kino, zumal man alles, nur nicht das von einem Chenin Blanc aus Kalifornien erwartet. Kein Wunder das dieser Wein für 16$ bei der 2009er World Value Wine Challenge mit 93 Punkte bester Weißwein in seiner Klasse wurde. Ein Wein zum Suchen & Finden. Chapeau Daniel Gehrs!

Scheiß Jahr, großartiger Wein: 1994 Montevertine Riserva / Chianti

Montevertine Riserva Chianti 1994(NM) Das ausgesprochen spannende Weingut Montevertine liegt im Herzen des Chianti Gebiets, genauer gesagt in Radda. Dieser Montevertine Riserva Chianti 1994 wurde noch von dem 2000 verstorbenen ehemaligen Stahlproduzent Sergio Manetti erzeugt, welcher das Weingut 1967 aus Spaß an der Freude gründete. Nach seinem Tod übernahm sein Sohnemann Martino Marnetti das Gut. Oenologe ist der als „greatest connoisseur of Sangiovese“ anerkannte Giulio Gambelli. 1994 gilt in der Toskana eher als schwieriger Jahrgang, somit hat uns die Qualität dieses Weines doch sehr überrascht. „Es gibt keine großen Weine, nur große Flaschen“ trifft es mal wieder auf den Punkt.

In der Nase erwartet uns eine fruchtige Schwarzteemischung, sommerlicher Waldboden, eingekochte Pflaumen und reife Amarenakirschen. Ein wohl abgestimmtes und einladendes Gesamtwerk. Am Gaumen kommt der Wein weich, seidig & rund. Die geschliffenen und mürben Tanninen und die reife Säure lassen den Montevertine Riserva alles andere als „über den Berg“ daher kommen. Trotz nur 12.5% Alkohol wirft er einen enormen Körper und ausbalancierter Fülle dem Trinker entgegen. Der Abgang komplettiert den Eindruck, dass auf Jahrgangsbewertungen zwar Wert, aber keine bahre Münze vom Stamm fällt.

Zu Besuch: Weingut Heymann-Löwenstein

Oder: ein „Querdenker“ packt aus.

im Keller von Heymann Löwenstein(NM/PT) Mit Joggingschuhen und Bademantel, äh „Freigeist-Mantel“ bewaffnet empfing uns ein sichtlich entspannter Reinhard Löwenstein. Ohne große Umwege ging es direkt in den beeindruckenden Keller.

Hier wechselte das Thema schnell von den „klassischen“ Weingesprächen hin zu weitergedachten Entwicklungen, wilden Hefen, Feng Shui, energetischen Teilchen und weiteren bewusstseinsverändernden Attributen. Die Konklusion jedoch bestand darin, dass die Dinge doch oft sehr pragmatischer Natur seien. Daher hat sich Reinhard im Winter 2009/2010 zu einem recht simplen Schritt entschieden, damit die gärenden Moste/Weine nicht in die „Winterstarre“ fallen: Der Keller wird mit einer Heizung gewärmt.

Sicher könnte man 3 Blogbeiträge über dieses Weingut schreiben, Weiterlesen

Ein Vin de Table – Tafelwein von Chateau Palmer??

chateau palmer bordeaux (PT) Nicht selten führt die Weingesetzgebung der jeweiligen Länder zu interessanten Aus- ud Umwegen.
Die Italiener nutzten den „Umweg Vino da Tavola“ mit prominenten Beispielen von Tafelweinen wie dem toskanischen Tignanello und dem aus der Umgebung von Bolgheri stammenden Sassicaia.

Somit kann Italien auf eine lange Weingeschichte ausserhalb des DOC Systems zurückblicken, während die Franzosen sehr an Ihrem AOC System festhalten. Größtenteils, weil sie das Stigma fürchten, welches mit dem Begriff „Vin de Table“ einhergeht. In Frankreich wird „Vin de Table“ mit niedrigster Weinqualität und mit einfachen, billigen Weinen im untersten Preisniveau assoziiert.

Das altehrwürdige Chateau Palmer aus Margaux – als 3. Grand Cru Classé eingestuft – Weiterlesen

Harmonie im Glas: 1990 Felsina „Fontalloro“

1990 Fontalloro(NM) Wieder so ein Ebay Kauf. Unter 20€ für zwei Faschen des 1990er Toskana Klassikers „Fontalloro“ von Feslina. Kann das was sein? Schauen wir mal nach:

100% Sangiovese. Die Farbe lässt hoffen, dunkelroter Kern mit leichtem hellbraunem Rand. Wunderbar entwickelte Nase mit reifen Früchten im Rumtopf, links gerittener Damensattel und ein paar erdige Noten. Fantastisch! Schon der Duft ist großes Nasenkino! Am Gaumen dann absolute Harmonie. Auf den Punkt gereift gehen die fast schon süß wirkenden Fruchtnoten eine grandiose Harmonie mit den ledrigen/erdigen Noten ein und lassen das ganze „Konglomerat“ ungemein komplett und vollständig erscheinen. Absolut überwältigend! Die Krönung des ganzen dann im Abgang: Da schiebt eine feine Säure das ganze Gebilde noch einmal über eine Minute über den Gaumen und fordert den Konsumenten gerade zu dem nächsten Schluck. WOW! Jetzt stellt sich mir nur die Frage: Grandiose Flasche oder grandioser Wein? Die zweite Flasche wird dieses Geheimnis wohl lüften.

1978, 1986, 1990, 1995, 2000 – Figeac & Co aus dem Bordeaux

Gereifte Bordeaux oder
Der lange Weg in die dritte Dimension

(JR) Welcher Weinafaciando kennt sie nicht, die oft unglaublichen Tasting Notes von gereiften Weinen aus dem Bordeaux. Für Anfänger ein Buch mit sieben Siegeln, für Eingeweihte oft ein Grund anzugeben: Tertiäre Aromen, gereifte Tannine, Harmonie im Glas sind die gängigen Stichworte. Dieser Sache musste Drunkenmonday endlich einmal auf den Grund gehen.

Hier das Lineup: Weiterlesen

Bordeaux Kellerfund: 12x Château Siran / Margaux

(JES) Da hat doch mein Großcousin noch eine 12er Kiste Wein im Keller gefunden. Dabei handelte es sich um 12 verschiedene Jahrgänge (1980-1991) des Château Siran aus Margaux. Beim Anblick der geöffneten Kiste dachte ich nur: wow – sehr ansprechend!. Jede Flasche hat in das Etikett integriert ein Motiv eines (berühmten) Künstlers wie z. B. Miro, A.R. Penck usw. Leider haben wir die Kiste 10 Jahre zu spät geöffnet. Einige Weine waren zu alt und nur schwer zu ertragen. Letztendlich ließen sich die Weine aus den Jahren 1982, 1985, 1989 und 1990 am besten trinken. Ein Beweis für große Jahrgänge. Diese wiesen natürlich auch schon Alterungs- und Reifetöne auf, waren jedoch sehr elegant, zart und aromatisch. Rundum ein schönes Erlebnis. Ach ja, der zum Schluss servierte 1995er Ducru-Beaucaillou war dann noch mal ein weiterer Höhepunkt in Sachen Weingenuss. Super zu trinken, frisch, mineralisch, erdig mit ätherischen Noten und einer feinen, ausbalancierten Säure – Klasse.

Gerade im Glas: 1988 Michele Chiarlo Gavi „Fornaci di Tassarolo“

Michele Chiarlo Gavi(NM) Da war ich mal wieder zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Bei meinem Lieblings Weindealer Pietro D’Alto in seinem Marburger Weinladen „Vinopolio“ gab es ein paar gereifte Weine zu verkosten. Dieser hier hat mich richtig umgehauen: Ein 1988 Michele Chiarlo Gavi „Fornaci di Tassarolo“ – 12,5% Alkohol / nur 3000 Flaschen hergestellt / 500g Trauben pro Rebstock / aus 1910 gepflanzten Weinbergen

Soweit zu den harten Fakten. Der Wein kommt aus der damaligen DOC Gavi, welche heute Gavi di Gavi heißt und als DOCG deklariert ist. Doch nun mehr zu dem Götterdrobbe (Alt-hessisch für „Killer Wein“).

In der Nase springt mich ein wunderbarer Duft aus Kokos, kandierter Ananas und einem Hauch Vanille an. Ungemein frisch und elegant für einen 22 Jahren alten Gavi. Am Gaumen dann ein Geschmackshalleluja der besonderen Art: Eine Cremige, weiche und runde Textur, auf dem Punkt gereift. Wie ein Kokos-Ananas Sorbet mit Thai-Mango Stückchen. Großartige Frische und Eleganz getragen durch eine feine Säure. Durch den Barriqueausbau kommt ordentlich Kraft und Volumen dazu, was dem Wein zu einer großartigen Balance verhilft. All dies endet in einem langen Abgang mit gerösteten Kokosflocken…. Es wird definitiv Zeit für das Geruchs oder Geschmacks-Blogging. Sowas müsste jeder einmal erleben.

Der Wein hat mich einfach nur begeistert. Ein Wahnsinns-Stoff – Gavi auf Weltklasse Niveau! Danke Pietro für die Möglichkeit diesen seltenen Weingenuss probieren und vor allem auch kaufen zu können!

Großes Kino: Solisten vom Weingut Kirchmayr

Weingut Kirchmayr(NM) Ich weiß nicht wie viele Male ich bereits schon über die Weine des Weinguts Kirchmayr aus Niederösterreich auf Messen gestolpert bin, aber jedes Mal haben mich die Weine des Weinguts fasziniert. Ganz besonders die Weine der Serie „Solist“, Weine aus großen Jahren und großen Lagen, welche mindestens 10 Jahre im Meierhofkeller des Stiftes Seitenstetten reifen, bevor sie auf den Markt kommen. Diese Weine zeigen einzigartig die Lager & Reifefähigkeit des Rieslings, Grünen Veltliners und anderen Weißweinen aus dem Hause Kirchmayr.

Bis jetzt ließt sich dieser Text wie ein Marketing-Artikel des Weinguts, Weiterlesen

Zu Besuch: Weingut Martin Müllen – Traben Trarbach

Weingut Martin MüllenWeingut Martin Müllen – Traben Trarbach
Oder die Korbpresse und Chantalle Schmidt

(OW) Das 1991 gegründete Weingut Martin Müllen war auf unserer Moseltour das dritte Ziel an diesem Tag. Wir waren auf Martin Müllens Weine mehr als gespannt, hatten wir doch bisher viel gutes über das Weingut gehört und gelesen aber noch keinen Tropfen der müllenschen Produktion getrunken!

Nach der Probe bei Knebel und der sehr ausgiebigen und enorm erhellenden Probe beim Weingut Heymann-Löwenstein, trafen wir mit einer knackigen Verspätung von fast 2 ½ Stunden beim Weingut ein. Hier noch mal ein großer Dank an Frau Müllen, dass sie uns überhaupt noch reingelassen hat. Susanne Müllen hat uns dann auch nicht im Unklaren darüber gelassen, was sie von solchen Verspätungen hält… Wir haben es geschluckt und mit dem 2008er Kröver Steffensberg Riesling Kabinett ordentlich nachgespült. Und danach wurde es ein richtig netter Abend. Weiterlesen

Drunkenmonday Weihnachtsfeier @ Tandreas Giessen

Drunkenmonday Weihnachtsfeier (NM) Ein logisches Event zu dieser recht besinnlich/stressigen Zeit ist ja die sehr beliebte Weihnachtsfeier. Dick Essen, anständig Trinken, fröhliches Zusammensein – das alles hatten wir in großartigem Ambiente im Restaurant Tandreas in Giessen. Nicht ganz selbstverständlich gab es neben wirklich tollem Essen auch unsere „eigenen“ Weine.

Zu essen gab es folgendes:

Kürbiscremesüppchen / Entenleberparfait
Marbre von der Eismeerforelle / Sauerrahm / Kräutersalat
Iberico Schweinerücken & Schulter / Kartoffelbohnenragout
Créme Brûllée von der Zimtblüte / Schokoladensorbet

Unsere Weinauswahl bestand aus: Weiterlesen

Mysterium des Moments: Momentum 2007 & La Pourpre 2006 – Chateau de Roquefort

(PT) Ja ist denn heut schon Weihnachten? Die Post war so freundlich mir ein kleines großes Lächeln ins Gesicht zu zaubern als ich soeben das Paket annahm, welches diese wahren Schätze beinhaltete:

Momentum 2007 - La Pourpre 2006 - Chateau de Roquefort

Frisch eingetroffen: Momentum 2007 & La Poupre 2006 – Chateau de Roquefort Weiterlesen