Unvereinbar vereint: Unser Rotwein des Jahres 2016

Rotwein des Jahres 2016!

So langsam muss ich mich ja schon beeilen, im Sommer 2017 interessiert der Rotwein des Vorjahres reichlich wenig. Dabei wurde er doch gerade vor ein paar Wochen erst entdeckt, bzw. streichelte mir mit seinem samtigen Schmirgelpapier über den Gaumen. In der letzte Woche des Jahre 2016, bei einem kleinen kurz-nach-Weihnachten Umtrunk mit „musst du unbedingt mal probieren“ Empfehlungen war es um mich geschehen. Nach 2 Schluck dieses Elixieres und dem darauf folgenden ungläubigen Kopfschütteln schoss es mir wie ein Geistesblitz in mein noch recht klar denkendes Hirn: Dieser Rotwein vereint am Gaumen fast Unvereinbares und kann somit nur der Rotwein des Jahres werden. Und hier stehen wir jetzt. Unser Rotwein des Jahres 2016 ist demnach…

2011 Buglioni Amarone Riserva

Rotwein des Jahres 2016: 2011 Buglioni Amarone Riserva

Ich muss gestehen, Amarone war nie mein Lieblingswein. Viel zu oft zu viel von allem. Zu viel Alkohol, zu viel Frucht, wenig Balance und viel „in your face“. Der Liberty Walk Umbau der Weinwelt. Doch irgendwie schaffte es der 2011er Amarone Riserva vom Weingut Buglioni mich dermaßen zu fesseln, dass die Entscheidung für den Rotwein des Jahres 2016 glasklar war. Dabei ist das Weingut eines der jüngsten in Valpolicella. Im Jahr 2000 gegründet von Marziano Buglioni, welcher vor diesem Weinabenteuer schicke und mondäne „Sportswear“ in Italien produzieren lies. Einen Amarone Riserva gab es bis jetzt auch erst in den Jahren 2000, 2007 und 2011. Somit hat dieser besondere Wein einen extrem hohen Anspruch an Terroir und Trauben. Zumindest für den Eigentümer.

Doch erst einmal ein paar harte Fakten. Der 2011 Buglioni Amarone Riserva besteht aus 60% Corvina, 15% Corvinone, 10% Rondinella, 10% Oseleta und 5% Croatina. Ein klassischer und authentischer Rebsorten Mix des Valpolicella. Gelesen wurden die Trauben mit einem Ertrag von nur 20 HL/HT per Hand. Anschließend trockneten sie über 3 Monate – bis in den Januar hinein – in dem Weingutseigenem Trockenraum auf Strohmatten. Nach dem Pressen der fast schon Rosinenartigen Trauben wurde der Wein 24 Monate in Eichenfässern ausgebaut. Nach weiteren 18 Monaten auf der Flasche ging es endlich in den Verkauf. Und hier stehen wir nun. Was für ein Wein…

2011 Buglioni Amarone Riserva

Man stelle sich folgendes einmal vor. Feinstes Schmirgelpapier, auf der einen Seite griffig, zum feinen Abschleifen hergestellt. Auf der anderen Seite des gleichen Papieres ist der weichste und zarteste Samt angebracht den man sich nur vorstellen kann. Genau dieses zweilagige Wunderding hatte ich beim Trinken dieses Weinen im Mund. Zwei konträre und unvereinbare Zustände vereint in einem Wein. Dazu muss ich aber auch sagen, dass über die Jahre des Weintrinkens, -probieren und -begreifen mir die Haptik im Mund mittlerweile genauso wichtig ist wie der Geschmack des Produktes. Sicher sollte ein wohlgesinntes Aroma vorhanden sein, doch stellt sich in dem konkreten Fall diese haptische Sensation über die Tatsache, dass ich eigentlich gar kein so großer Fan der Alkoholstarken und kräftigen Amarone Weinen aus dem Valpolicella bin. Die 16.5% Alkohol sind kaum in dem Gerüst aus feinsten Gerbstoff und Samt zu spüren. Dazu regt eine rassige Säure ununterbrochen den Speichelfluss an. Aromatisch bewegen wir uns auf einer Reise durch Schwarzkirschen, Lakritz, Unmengen von ätherischen Düften, Fichtennadelgeist, feinste Holzwürze, etwas Tinte, Maronen, Cassis und süßen Brombeeren. Jeder Schluck animiert dazu den nächsten zu nehmen. Und das bei solch einem Kraftpaket von Wein. Wieder so ein Wiederspruch in sich.

30 Jahre wird der 2011 Buglioni Amarone Riserva locker im Keller schaffen, doch auch jetzt über 3 Stunden an der Luft getrunken, gibt er aktuell ein jugendliches Feuerwerk all seiner Vorzüge ab. Ein Amarone zum Entdecken, Verwirren, Staunen und Verlieben. Dazu aus Meisterhand komponiert. Für diese Qualität ist er fast schon ein Schnäppchen. 95+ Punkte von mir und ein Pflichtkauf für alle Freunde der Kraftpakete aus dem Valpolicella. Und allen die es noch werden möchten.

Bezug

Der Wein ist für 35,50€ über kontakt at gianoli.de oder für knapp 40€ hier zu bekommen.

Historie

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