Ankermühle – Rheingau 2.0

Ankermuehle Riesling Hölle und Hase

Jörn Goziewski ist Kopf, Herz, Genie und Wahnsinn hinter den Weinen des Rheingauer Weingutes Ankermühle. Wer Jörn persönlich kennenlernt, dem eröffnet sich sein Winzer-Talent wohl erst beim Verkosten seiner einzigartigen und mutigen Weine. Er ist kein Mann der lauten und großen Worte, versteckt sich gern hinter frechen T-Shirt-Slogans und wirft dennoch den ein oder anderen klassischen Riesling-Ansatz über den Haufen um klassische Rieslinge zu machen. Ein Widerspruch in sich? Ganz und gar nicht.

Die Weine der Ankermühle kann man gut und gerne Rheingau 2.0 nennen. Mutig, anders, und dennoch durch und durch Riesling und Spätburgunder. Obwohl Jörn gerne auch mit Barriques, langen Maischestandzeiten, Hefelagern und auch Maischegärung bei seinen Rieslingen arbeitet, steht die Rebsorte mit ihren unverkennbaren Eigenschaften immer im Vordergrund. Sein Mut und sein Engagement bringt den Weinen eine extra Dimension in Sachen Aroma und Mundgefühl, die mit den „klassischen“ Methoden nur schwer zu erreichen ist. Dabei hat er stets die Balance des Ganzen im Sinn, kein maskierender Holzeinsatz und die Säure gibt Frische und Struktur.

Birgitt Hüttner ist die Hüterin des fast schon romantisch anmutenden 5 Hektar Weingutes am Fuße des Schloss Johannisberg inmitten des Rheingaus. In der 2008 komplett renovierten Ankermühle ist auch ein schmuckes Slowfood-Restaurant ansässig, das die Stärken der charaktervollen Weine des Hauses in Szene zu setzen weiß. Eine klassische Win-win-Situation.

2011 Ankermühle Riesling Hase

Im Detail: 2011 Ankermühle Riesling Hase

Die Trauben des 2011er Ankermühle Riesling Hase stammen aus der Lage Winkler Hasensprung. Vergoren und ausgebaut wurde der Wein für ein Jahr im großen Stückfass – als Hommage an die klassische Ausbauart des Rheingaus. Während dieser Zeit durchlief er den Prozess der Batonnage, was das spontane Aufrühren der Vollhefe im Fass benennt. Herausgekommen ist ein Riesling, der wunderbar auf der feinen Grenze zwischen Tradition und Moderne tanzt. In der Nase finden sich Aromen von Kiwi, feiner und nicht überreifer Ananas, Orangenschale, etwas Safranwürze und eine unterliegende würzig kühle Mineralik. Basierend auf den drei Jahren Reife in der Flasche zeigt sich der Riesling Hase aktuell gut entwickelt, hat die jugendlichen Ecken und Kanten abgelegt und wirkt in sich ruhend und nicht aufdringlich. Mit zunehmendem Luftkontakt geht die Frucht etwas zurück und die rauchige und mineralische Ader kommt mehr zum Vorschein.

Am Gaumen gibt sich der Wein reif mit einer moderaten Opulenz und Fülle. Die anfängliche Frucht, Kraft und Cremigkeit wandeln sich im Mund um in würzige, herbe Mineralik und eine angenehme Bitternote von Orangenschale. Dieses tolle Wechselspiel zwischen feiner Bitterkeit, Würze, Frucht und Säure gibt diesem Riesling enorme Spannung und Individualität. Die mutige Stilistik schreckt vielleicht den einen oder anderen Traditionalisten des klassischen Rheingauer Rieslings erst einmal ab, hat aber auch großes Potential diesen zu bekehren. Mit dem 2011er Hase vinifiziert Jörn eine Interpretation des Winkler Hasensprungs, welche mir in dieser Ausprägung noch nicht ins Glas gekommen ist. Mut zur Nische. Weiter so Jörn! 89 Punkte

2011 Ankermühle Riesling Hölle

So geht Riesling und Holz! 2011 Ankermühle Riesling Hölle

Die Johannisberger Hölle zählt vielleicht nicht zu den allergrößten Lagen des Rheingaus. Doch genau dieser Status des „Underdogs“ macht den Wein von dieser Lage zu einem Riesling der – vielleicht weltweit – stilistisch seinesgleichen sucht. Der Ausbau erfolgt in einem Barrique aus neuer Pfälzer Eiche. Medium Toasting, zwei Jahre Fasslager und exzessive Batonnage. Und genau hier liegt der Trick: Dank der fast täglich durchgeführten Batonnage ergibt sich eine einzigartige Symbiose aus Wein und Holz, wie ich sie in noch keinem Riesling zuvor erlebt habe. Das Ergebnis macht süchtig! In der Nase viel reifer grüner Apfel, Quitte, fruchtiges Mango-Curry und eine perfekt integrierte Holzwürze ohne Vanille-Kick und Toasting-Effekt. Alles in allem extrem vielschichtig und ungewöhnlich. Ein Statement – nicht mehr und nicht weniger.

Am Gaumen gibt es eine Riesling-Wundertüte. Dieses Wechselspiel aus Cremigkeit, Holz-Phenolik, reifem Fruchtkern, herb bitterer Grapefruit und Säure ist sensationell. Die Speichelproduktion wird angeregt und trotz der Komplexität ruft der Wein nach dem nächsten Schluck. Den sehr langen Abgang braucht man nicht weiter zu betonen! Auch wenn er in seinen Eigenschaften von Säure und Frucht ein klassischer Riesling zu sein scheint, kommt er alles anders als klassisch daher. Ein Wein, der die Riesling-Skala eines jeden Weintrinkers erweitert. Er ist ein Unikat in seiner Klasse und ein großer Wein am Anfang seiner Entwicklung. Dabei spielt seine faszinierende Art mit den sensorischen Eindrücken sowohl des Genusstrinkers als auch mit denen der Weinfreaks nach Belieben. So geht Riesling und Holz! Ausprobieren! Unbedingt! Das ist GG Niveau! 93+ Punkte!

Bezugsquellen: Beiden Weine sind bei Lobenbergs „Gute Weine“ noch zu bekommen. Der Hase für 13,50€, Hölle für 17,95€. Zudem ist die 2011er Hölle zum gleichen Preis auch noch ab Weingut verfügbar.

Disclaimer: Dieser Artikel wurde schon auf dem Blog von Lobenbergs Gute Weine veröffentlicht. Der Author verweist trotzdem noch einmal auf Unabhängigkeit und die Liebe zu den beiden oben beschriebenen Weinen.

-> Mehr vom Weingut Ankermühle auf Drunkenmonday.de

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One thought on “Ankermühle – Rheingau 2.0

  1. Absolute Zustimmung: Die Ankermühle ist ein Weingut, welches vor Allem durch die hohe Eigenständigkeit der mutigen Stilistik ihrer Weine besticht. Ein tolle Bereicherung der Weinwelt! Auch der Jesus! In Weiß und Orange!
    Allerdings gar nichts für Riesling-Traditionalisten. Macht aber nix, bleibt mehr für mich übrig…

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