Andi Knauß in: Lemberger G-S-R!

Andi Knauß

(NM) Über Andi Knauß und dessen Weine bin ich das erste mal auf der WineVibes Vol.5 in München gestolpert. Gestolpert im wahrsten Sinne des Wortes, denn mein erster Gang an Andis Stand war mit einer spontanen „Ich bin zu blöd zum laufen“ Einlage geschmückt. Potentielle Beule hin oder her, an diesem Abend bin ich noch einige Male zurück an seinen Stand gekommen. Der puristische, trockene, frische und un-pompöse Stil seiner Weine hatte mich absolut in seinen Bann gezogen.

Das Weingut Knauß liegt in Weinstadt im schönen Remstal, östlich von Stuttgart in der Weinbauregion Württemberg. Auf 15 Hektar wird neben Trollinger und Lemberger auch Spätburgunder, Muskat-Trollinger, Riesling, Weißburgunder, Sauvignon Blanc, Grauburgunder, Merlot und Zweigelt angebaut. Der Fokus des Weingutes liegt ganz klar auf naturnahem Anbau, obwohl man nicht ausdrücklich Bio zertifiziert ist. Andi Knauß hat hier die Rolle des Betriebsleiters inner – sprich er ist der Bub für Alles.

Knauss_Lemberger_GSR

Die Weine von Andi sind absolute Ruhepole. Leise, erhaben, ungeschminkt und völligst unaufgeregt. Kein Gramm Fett zu viel auf den Hüften, aber trotzdem eine athletische Figur. Hier wird gezeigt was der Boden für die Reben leisten kann, und nicht was der Kellermeister alles an vinophilem Abrakadabra drauf hat. Ganz besonders überrascht haben mich seine Lemberger, genauer gesagt wie er Lemberger interpretiert. Fein, elegant und grazil sind hier die passenden Adjektive. Weit weg sind seine Weine von fett, plump oder gar massiv. Der Lemberger wird im Weingut Knauß in drei Qualitätsstufen ausgebaut: „G“ – für die Gutswein, „S“ – für Selektion und „R“ – für Reserve. Und hier nun alle drei im Detail.

2012 Weingut Knauß Lemberger „G“
Die Basis. Und das ist hier definitiv wörtlich zu nehmen. Der Lemberger „G“ (6,60€ ab Weingut) ist ein entspannter, leichter und sauberer „Weg-Zisch“ Lemberger, der gerne auch im Sommer leicht gekühlt allen Weißwein-Muffeln im Freien großen Trinkspaß bereitet. Die Trauben für diesen Wein stammen aus den jüngeren Anlagen (10-16 Jahre alt) des Strümpfelbacher Altenberg und Nonnenberg, ebenso wie der Schnaiter Wartbühl. In der Nase frisch, leicht rotfruchtig (Kirsche, Himbeere), ein wenig schwarzer Pfeffer und getrocknete Kräuter. Am Gaumen relativ fein und saftig, getragen von einer guten Säurestruktur. Frischer Rotwein-Wind mit 12.5% Alkohol. Ein unkomplizierter und nicht „gemachter“ Lemberger Einstieg. Passt. Auch für das Geld. 84 Punkte.

2012_knauss_lemberger_s

2012 Weingut Knauß Lemberger „S“
Die Weine der „S“ Linie vergären allesamt spontan mit Weinbergs-eigenen Hefen und sind im Ertrag auf bis zu 50 l/ar begrenzt. Der Lemberger „S“ (11,90€ ab Weingut) kommt ebenfalls aus den Strümpfelbacher Lagen Altenberg und Nonnenberg und wird nach traditioneller Maischegärung in verschiedenen gebrauchten Holzfässer unterschiedlicher Größe ausgebaut. Im Gegensatz zum „G“ kommt der „S“ mit deutlich mehr Tiefe, Würze und Eleganz daher. Ohne auch nur im Ansatz Frische und Filigranität einzubüßen, werden hier wunderschöne Aromen von Pfeffer, Wildkirsche, Wacholder, eine feine Holzwürze und ätherischer Kräuterfrische aus dem Glas in Richtung Nase transportiert. Am Gaumen bringt der gekonnte Holzausbau deutlich mehr Aromentiefe mit. Die Balance zwischen Frische, Frucht, Würze und Holz ist sehr ausgewogen. Über die Länge lässt es sich auch nicht beschweren. Nichts stört oder wirkt krampfhaft gewollt. Der 2012er Lemberger „S“ ist ein ehrlicher und authentischer Wein ohne Schnickschnack oder zuviel MakeUp. Zudem macht er ungeheuer Lust auf das nächste Glas. 88+ Punkte.

2011 Weingut Knauß Lemberger „R“
Mir dem Lemberger „R“ (25€ ab Weingut) zeigt Andi Knauß, was diese Rebsorte an Aromenvielfalt und Tiefe ohne überladenen Holzausbau in der Lage ist zu liefern. Die Trauben stammen aus den ältesten Parzellen (>20 Jahre) des Strümpfelbacher Altenbergs. Der Ertrag ist mit 30 Liter pro Ar extrem gering. Der Ausbau erfolgt in 500 Liter Fässern, von denen etwa 45% neu sind. Die Nase ist ein Eldorado an Kräuterfrische! Kamille, Thymian und Melisse kommt mir sofort in den Sinn. Dazu kommen pure Wildkirsche, wunderbar integrierte Holzwürze und ein Hauch von dunkler Schokolade. Ein absoluter Nasenwein. Obwohl die Aromatik initial am Gaumen noch etwas verschlossen wirkt, kickt mich eine Eigenschaft hier ungemein: Der Lemberger „R“ schafft es bei allem Druck und Intensität eine nahezu unglaubliche kräutrige Frische und Eleganz an den Tag zu legen, welche ich so nur sehr selten in einem Wein mit diesem Rückgrat erlebt habe! Das faszinierende Spiel aus Extracktsüße, Mineralität, Gerbstoff und Säure ist sensationell. Dazu kommen diese vielschichtige Kräuternummer, die pfeffrigen Würzkomponenten und eine pure Wildkirschfrucht. Hier wird nicht geklotzt, hier wird gespielt. Und zwar auch hohem Niveau. Alle Sinne werden benötigt diesen Wein zu greifen und auseinanderzunehmen. Ein Wein mit dem ich mich den ganzen Abend auseinandersetzen könnte. Und das auch noch in 2-4 Jahren, wenn der Kollege hier zu seiner Höchstform aufläuft. Durchaus intellektueller Wein – was auch immer das zu bedeuten hat. 91-92+? Punkte.

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2 thoughts on “Andi Knauß in: Lemberger G-S-R!

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