4,5 Jahre und schon im zeugungsfähigen Alter: DrunkenMonday bekommt Nachwuchs

Vor genau 4,5 Jahren erblickte DrunkenMonday die Welt. Nach 450 Artikeln und der Eröffnung des Hauptstadtbüros freuen wir uns über Nachwuchs: Bei DrunkenFranken haben sich Enthusiasten wie wir für die Erkundung der vergorenen Traubensäfte zusammen gefunden. Hier schildern sie ihre Erlebnisse – Teil 1 mit den Basis Champagner.

DrunkenFranken startet mit Winzerchampagner – Teil 1/2

von Christoph Richter, Nicola Naumann und Thomas Plackner

(CR/NN/TP) An einem Freitag Mitte August 2013 traf sich zum ersten Mal ein neuer Kreis von Weinenthusiasten in Nürnberg, bestehend aus Franken und Nicht-Franken, aber mit dem bezeichnenden Titel „DrunkenFranken“. Die Ergebnisse dieser und zukünftiger Verkostungen der Runde dürfen wir freundlicherweise auf Drunkenmonday veröffentlichen. Vielen Dank dafür, Jungs!

Zum Start von DrunkenFranken haben wir uns direkt ein spannendes und inspirierendes Thema ausgesucht: Winzerchampagner. In zwei Flights („Flight“ nennt man einen Durchgang mit verschiedenen Vergleichsweinen) haben wir jeweils drei Champagner von kleineren, selbst vermarktenden Weingütern der Champagne verkostet.

Flight 1 umfasste Basisqualitäten, die man ab Hof bereits ab ca. €20 bekommt, in Deutschland für etwa €30. Flight 2 beinhaltete höherwertige Champagner, die gänzlich aus Pinot Noir erzeugt wurden. Preislich lagen diese zwischen €30 und €55. Weil es so schön war, haben wir den zweiten Flight noch um einen vierten Champagner erweitert.

Flight 1 – Basis

Champagne Bérèche et Fils Brut Rèserve ca. €28
Le Craon de Ludes, Montage de Reims/Valleé de la Marne, 9 ha., ca. 90.000 Flaschen/Jahr

Champagne Bérèche et Fils Brut Rèserve

Champagne Bérèche et Fils Brut Rèserve

Raphaël Bérèche gehört zu den jungen Winzerpersönlichkeiten, die derzeit in der Champagne für Furore sorgen. Der Betrieb erstreckt sich über verschiedene Parzellen über die Champagne verteilt und man stellt nach und nach auf biodynamische Bewirtschaftung um. Die malolaktische Gärung wird vermieden, es wird von Hand degorgiert und bei der Flaschengärung werden zunehmend Naturkorken verwendet statt der üblichen Kronkorken, da man überzeugt ist, das gebe dem Champagner mehr Charakter und Komplexität.

Der verkostete Champagner besteht zu je 33% aus Chardonnay, Pinot Noir und Pinot Meunier mit 30% Reserveweinen und einer Dosage von 8g/l. Das Weingut gibt an, langsam und spontan vergoren zu haben. In der Nase dominieren fruchtige Noten. Im Mund schmeichelte er zunächst mit einer sehr feinne Perlage, fordert dann aber deutlich heraus mit einer intensiven Spritzigkeit und spitzer Säure. Es ist ein frischer Champagner für das „launige Gartenfest“, wie einer der Verkoster assoziierte. Mit etwas Luft in einem größeren Glas kamen später noch süßlichere Aromen im Duft hinzu.

Champagne Janisson-Baradon et Fils Brut Sélection ca. €27
Epernay, Montagne de Reims; 9 ha, ca. 70.000 Flaschen pro Jahr

Champagne Janisson-Baradon et Fils Brut Sélection

Champagne Janisson-Baradon et Fils Brut Sélection

Cyril Janisson stieg 1997 nach seinem Önologie-Studium im Burgund in den elterlichen Betrieb ein und sorgt seitdem für viel frischen Wind. Ähnlich wie die Champagner Ikone Anselme Selosse, hat er einige Methoden der Weinbereitung aus dem Burgund mitgenommen und produziert damit zupackende, reichhaltige aber auch finessenreiche Single Vintage – Single Vineyard – Single Grape Variety Champagnes. Der Weinbau ist naturnah, mit einer sehr niedrigen Ertragsmengen (bei den Einzellagen-Champagnern sind es gerade einmal 30 hl/ha, statt der üblichen 75 hl). Die Vinifizierung ist ein Mix aus Stahl und Holz mit malolaktischer Gärung für die Nicht-Jahrgangs-Champagner und 100% Holz (alte Burgunder Fässer, 3-18 Jahre alt) ohne malolaktische Gärung für die EinzellagenChampagner. Alle Flaschen werden von Hand degorgiert. Cyril Janisson ist im Vorstand der Vignerons Indépendants der Champagne, eine Vereinigung, die für authentische, handgemachte Weine mit Persönlichkeit steht.

Der verkostete Brut Sélection besteht zu je 50% aus Chardonnay und 50% Pinot Noir, 30% der Reserveweine wurden in Holzfässern ausgebaut, Dosage ca. 6g/l.
Im Duft zeigen sich würzige, „weihnachtliche“ Aromen wie Zimt und Anis, aber auch Aprikose und anderes Steinobst. Ein komplett anderer Charakter als Bereche: Vom Körper voluminöser, runder, würziger, zugänglicher, einhüllender. Er packt kräftig zu, was ihn auch zu einem schönen Essensbegleiter macht. Wurde der erste Vertreter dem Gartenfest zugeordnet, so bekommt dieser hier das Label „Winterwein“.

Champagne Eric Rodez Cuvée Crayères ca. €34
Ambonnay, Montagne de Reims; 6 ha, ca. 45.000 Flaschen/Jahr

Champagne Eric Rodez Cuvée Crayères

Champagne Eric Rodez Cuvée Crayères

Eric Rodez ist ehemaliger Kellermeister des Hauses Krug und ein Meister der Assemblage. Während der derzeitige Trend in der Champagne eher dahin geht, alles separat auszubauen (d.h.reinsortige Einzellagen-Jahrgangschampagner), geht Eric Rodez einen anderen Weg und erzielt damit aber ebenso überzeugende bis herausragende Ergebnisse. Er wählt dabei immer nur das allerbeste Traubenmaterial, die besten Jahrgänge und Grundweine aus. Rodez bezeichnet sich selbst als Musiker, der jedes Jahr versucht, den perfekten Charakter, den perfekten Klang aus allen Gegebenheiten zu komponieren.

Der verkostete Basis-Champagner besteht zu 60% aus Pinot Noir und zu 40% aus Chardonnay. Es ist ein Cuvée aus ca. 12 verschiedenen Grundweinen aus bis zu fünf Jahrgängen. 20 – 25% wurde in kleinen Holzfässern ausgebaut, 45 – 50% sind Reserveweine, Dosage: 6 g/l.
Der Duft erinnert an Zitrusfrüchte. Der Crayeres ist von den drei Kandidaten der hintergründigste, komplexeste Charakter. Er ist feinfruchtig (leicht ins Apfelige gehend), feinhefig und elegant. Er erschließt sich nicht sofort und ist nichts, was man in großen Zügen aus einem Maßkrug auf der Erlanger Bergkirchweih trinken sollte, obwohl er ein großes Glas braucht. Schon ein wenig für Fortgeschrittene eben.

Nach diesem ersten Flight haben wir uns den weiteren Köstlichkeiten gewidmet, die sich bereits auf dem Tisch versammelt hatten: Brot, Pastete, Käse etc. Und auch das Gespräch kreiste mehr ums Essen als ums Trinken. Der Satz des Abends war sicher der Folgende. Er wurde an diesem Abend nur wiederholt, aber im Original in einem Sternerestaurant bei Lübeck gesagt. „Ich möchte bitte das kleine Menü, ich habe nur fünf Stunden Zeit.“ Das ist wahres Slowfood. Einige der traumhaften Käse kamen übrigens von der Affineurin Ulrike Langer aus Mögeldorf. Sicherlich hätte man mit dem Essen bis nach der Verkostung warten sollen, aber die meisten von uns hatten einfach Hunger und das ist kein schöner Zustand.

Im zweiten Teil werden 100%ige Pinot Noir Cuvees verkostet, das Fazit gezogen und ein abschliessender Epilog präsentiert.

Die websiten der Weingüter:
Champagne Bérèche et Fils
Champagne Janisson-Baradon et Fils
Champagne Eric Rodez

Alle Weine sind bei www.noblewine.de zu finden.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s