The „holy grail“ of German Riesling – oder einfach nur ein Abend bei Koehler-Ruprecht

Koehler-Ruprecht - Minimize to the Max

(NM) Das Kallstadter Weingut Koehler-Ruprecht gehört ohne Frage zu den renommiertesten deutschen Riesling Betrieben. Doch im Vergleich zu manchen ihrer Kollegen aus Rheinhessen, der Mosel, der Nahe oder aus dem Rheingau sind ihre trockenen Rieslinge aus dem Kallstadter Saumagen oft immer ultra puristische und kristallklare Primärfruchtverächter, welche so Zeitlos altern können, wie nur die wenigsten Vertreter ihrer Zunft. Auf Grund ihres unverkennbaren Stiles spiegeln diese Riesling-Individuen auf die extremste Art und Weise den Boden dieser kalkigen Lage und die Jahrgangstypizitäten wieder. Riesling dient hier eigentlich nur als Transponder für diesen radikalen Ansatz: Konsequenter Ausbau im großer Holzfass, keine Entsäuerung, Maischestandzeit von 1-2 Tagen, Spontanvergärung und keine Schönung und Filtration. Alle diese Methoden bringen extrem polarisierende Weine hervor. Die in den reifen Jahren bei den Jungweinen bestehende Primärfrucht wird zwar akzeptiert, aber wohl wissend des Entwicklungspotentials bzw. der Reife eher belächelt.

2008 bis 2011 Koehler-Ruprecht Saumagen Kabinett

Kabinett/Spätlese/Auslese Trocken

Auch die konsequente Einteilung in die klassischen 71er Qualitäts-Kategorien passt wunderbar in das Programm. Ein Kabinett ist geschmacklich immer der leichtere Wein, auch wenn er auf dem Papier vielleicht 0.5% mehr Alkohol wie die Auslese besitzt. In sehr guten Jahren werden besondere trockenen Spätlesen und Auslesen mit dem Buchstaben „R“ versehen. Diese Weine sind auf wenige Fässer limitiert und gehören wohl zu den wenigen in Deutschland ansässigen Kultrieslingen. In der Regel sofort nach der Veröffentlichung ausverkauft, schlummern sie in den Kellern vieler Riesling Enthusiasten. Eine Spätlese „R“ kommt 4 Jahre nach der Lese auf den Markt, eine Auslese „R“ erst nach 6. Wenn Wetter und Traubenqualität es zulassen, kann es zu einer Spätlese/Auslese „RR“ kommen. Faktisch nicht existent, wird die Spätlese „RR“ nach 5 Jahren und die Auslese „RR“ nach 7 Jahren nach der Lese veröffentlicht. Hier reden wir wirklich von wenigen 100 Flaschen pro Abfüllung. Solche Weine sind in der Historie des Weingutes bis jetzt nur weniges Male entstanden. Zuletzt 2009 mit einer Auslese „RR“, welche demnach ab 2016 zu kaufen sein wird.

2011 Koehler-Ruprecht Saumagen Auslese Trocken R

Danke!

Bei unserem Besuch auf dem Weingut hatten wir die einmalige Möglichkeit aus den Jahren 2008 bis 2011 jeweils Riesling Kabinett, Spätlese und Auslese Trocken aus dem Kallstadter Saumagen zu verkosten. Ich möchte jetzt im Detail nicht auf die Weine einzeln eingehen und mich auf wenige Worte reduzieren: Ich habe sehr selten die Jahrgangstypizitäten so konsistent und transparent in den dazugehörigen Weinen wiedergefunden. 2008 und 2010 waren durch die Bank die würzigen, kräutrigen und „wilderen“ Weine, 2009 und 2011 konnten durch etwas mehr Frucht und Fülle glänzen. Zusammengenommen sind sie wie ein Tagebuch des Weinberges, ein für viele Jahre konservierter Snapshot des Jahrgangs. Man wird von ihnen regelrecht elektrisiert (Säure!), gefesselt von ihren Geschichten und Erzählungen. Es bedarf manchmal eines kurzen Intros (1-2 Weine), bis man sich auf die Stilistik eingelassen hat. Doch dann ist das Konzept so klar wie einleuchtend. Faszinierend dabei, wie frisch und jugendlich selbst eine 7 Jahre alter Riesling Kabinett Trocken noch wirkte – und das aus einem moderaten Jahr wie 2008.

2008 Koehler-Ruprecht Saumagen Auslese Trocken R

2016

Nach dieser spannenden Reise durch die Jahrgänge kamen wir noch in den Genuss „einiger“ Spätlesen und Auslesen Trocken „R“ aus den Jahren 2008, 2009 und 2011. Viele davon noch lange nicht auf dem Markt. Doch sie alle hatten eins gemeinsam: Sie waren trockene Riesling Monumente für die Ewigkeit und ein klarer Indikator für dieses in Deutschland doch sehr einzigartiges Veröffentlichungs-Konzept des Hauses Koehler-Ruprecht. Den vinophilen Höhepunkt bescherten uns aber zwei noch speziellere Weine: Eine 2004er Koehler-Ruprecht Kallstadter Saumagen Auslese Trocken „R“, ein Paradebeispiel des (knochen)trockenen Rieslings, und eine in 2016 auf den Markt kommende 2009er Auslese Trocken „RR“. Diese Weine sind einzigartige Erlebnisse, in ihrer Komplexität und Anmutung nur schwer in Worte zu fassen. Elektrisierend und vibrierend hinterlassen sie nur ungläubiges Kopfschütteln. Minimize to the Max – purer Hedonismus, getrieben von Reduktion und Fokus auf das Wesentliche.

2004 Koehler-Ruprecht Saumagen Auslese Trocken R

No Points.

Ich hüten mich hier und heute diese Weine in das 100 Punkte-Schema zu pressen. In Deutschland fällt mir spontan nur der Rheingauer J.B. Becker ein, welcher in der Lage wäre bzw. ist, solche Weine zu vinifizieren. Die fehlende schwere Vergleichbarkeit der Weine unterstreicht ihre Eigenständigkeit. Sie sind wohl der Teil der Deutschen Riesling-Kultur, welche am schwersten zu replizieren sind. Wenn dies überhaupt möglich ist. Der große Dank geht an Dominik Sona (Geschäftsführer bei Koehler-Ruprecht) und Johannes Lochner (Kellermeister) für diese einmalige Probe!

Weiter Weine von Koehler-Ruprecht/Philippi/Sona auf Drunkenmonday:

How much „R“ can you take? Pinot Noir von Bernd Philippi.
2003 Koehler-Ruprecht Cabernet Sauvignon “Philippi”
Sandstein in a bottle: 2008/2009 Sona Riesling Kirchberg

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11 thoughts on “The „holy grail“ of German Riesling – oder einfach nur ein Abend bei Koehler-Ruprecht

  1. Hallo Nico,
    Das ist ganz nach meinem Gescmack. Auch wenn wir uns bei einem Artikel wegen naturel und Demeter mal kurz aneinander gerieben haben, erkenne ich so langsam die Richtung. Und weil die Vorstellung bei Hendrik komplett überzeugt hat, würde ich gerne einen Vorschläg machen. Ihr scheint euch ja wirklich um Wein zu kümmern und Spaß dran zu haben. Ich komme nur alle ~drei Monate aus dem Südwesten von Frankreich nach Köln um Proben zu veranstalten. Die Weine und Winzer – kann ich mir vorstellen – könnten euch gefallen und sind in Deutschland auch normal nicht zu kriegen. Einige gehören in F zur kulinarischen Top-Rebellenszene und finden sich schon in Dreisterne-Restaurants. Gießen ist ja nicht so weit weg und ich würde das gerne mal erleben, wie ihr Live mit den Weinen umgeht. Da ich hart im Nehmen bin, könnte ich einen guten Sparringspartner abgeben und euch mit allen internen Infos zu Weinen, WInzern, Reben und Gebiet füttern. Also wenn ihr Lust habt könnte ich nach Terminabsprache eine nette Auswahl einpacken und ihr könnt euch versprochener Maßen auf was gefasst machen. Autochton, Spontan, Kleinstmengen.
    Melde dich wenns interessiert.

    • Hallo Karl,

      gerne! Schicke mir doch bitte kurz eine Mail an nico ätt drunkenmonday.de

      Danke!

  2. Dankeschön für die Eindrücke. Ich mag die Koehler-Ruprecht-Weine auch sehr. Mich würde interessieren, wie weit die 2009er Saugmägen (Kabinett bis Auslese) sind, um mir ein vorzeitiges Öffnen meiner raren Bestände zu ersparen…

    • Bitte gerne!

      Aus 2009 war der Kabinett und die Spätlese jetzt sehr schön zu trinken. Die Auslese würde ich noch nicht öffnen und vielleicht noch 1-2 Jahre warten.
      Grüße,
      Nico

  3. Pingback: Linkdump vom Di, 19. März 2013 bis Do, 21. März 2013 Links synapsenschnappsen

  4. Pingback: Fünf JAHRE Drunkenmonday Weinblog 4/5: Unsere 5 emotionalsten Wein “Momente” | Drunkenmonday Wein Blog

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