Entdeckt: Josten & Klein vom Mittelrhein

Josten & Klein: Sua Sponte!

(NM) Ich muss zugeben, als mein Drunkenmonday Kollege Paul Truszkowski (PT) den Artikel über die diesjährigen Gault Millau Gekrönten veröffentlichte, ist mir die Entdeckung des Jahres „Josten & Klein“ nicht wirklich aufgefallen. In der Regel sind diese Entdeckungen auch nicht omnipräsent im Markt vertreten, d.h. man fällt nicht automatisch über die Entdeckten drüber. In der Regel. Ganz anders ist es mir mit Josten & Klein gegangen.

Als ich auf der WineVibes Vol.4 in München die Weine von Marc Josten und Thorsten Klein verkostete, ging mir sofort ein Gedanke durch den Kopf: Wieso hab ich von diesem Weingut noch nie was gehört? Ganz einfach: Es wurde von den beiden erst in 2011 gegründet. Somit ist ihr erster und bis jetzt einziger Jahrgang der aus 2011. Doch die Weine schmeckten so gar nicht nach Erstlingswerk. Thorsten ließ Worte wie Spontangärung, Maischestandzeit und neues Holzfass im Kontext seiner Rieslinge fallen. Mit solchen Weinbautechniken neu auf den hart umkämpften Markt zu preschen, ist schon ganz schön gewagt. Noch dazu gehört der Mittelrhein nicht zur Prestige Region Nummer 1 für aufregende Rieslinge. Doch was soll ich sagen? Ich habe selten so spannende und eigenständige Weine quer durch die ganze Kollektion verkostetet, wie die von Marc und Thorsten. Ähnliches hatte ich nur bei Jörn Goziewski und dem Weingut Ankermühle. Hier nun offiziell: Josten & Klein sind auch meine Entdeckung des Jahres 2012. Doch nun zu den Weinen.

2011 Josten & Klein Spätburgunder, Rielsing und Weißherbst

Keine Gefangenen.

Der 2011 Josten & Klein Riesling Mittelrhein trocken läuft unter dem Gutsweinlabel des Weinguts. In der Nase fliegt mir ein leichter Sponti-Stinker entgegen. Er wirkt herb, mineralisch und auch etwas wild. Am Gaumen dann kaum schmeichelnde Fruchtnoten, viel herbe Zitrone und Limette, zupackend straff, mit mineralischem Kern. Dieser Gutsriesling nimmt keine Gefangene. Hier gibt es einen kernigen und echten Charakter Riesling für kleines Geld. 87 Punkte von meiner Seite. Mit dem 2011 Josten & Klein Riesling „R“ geht man noch einen Schritt weiter. Dieser Wein zeigt eindrucksvoll, was Spontangärung, 18 Stunden Maischestandzeit und lange Hefelagerung im Edelstahltank aus dieser braven Traube machen können: eine Riesling Urgewalt. Schon die Nase ist kommt sehr herb, wild und animierend rüber: Apfelkern, Limette, rauchiger Schiefer, ungemein mineralisch-würzig, kräutrig und fast schon salzig. Der „R“ ist wie der „kleine“ Gutsriesling – nur auf Steroiden. Nicht falsch verstehen, das hier ist kein fettes und breites Riesling Monster. Er ist wie der junge Pfadfinder, der bei minus 7° in kurzen Lederhosen durch den Schnee stapft – eben ein charakterstarker Naturbursche. Am Gaumen gibt es deutlich mehr Druck, mehr Körper, mehr Tiefe, mehr Ausdruck. Von der Mineralik geprägt geht er am Gaumen voll auf. Die reife Säure (an Grapefruit erinnernd) ist noch relativ präsent, bringt dem Wein aber die Basis für einen langen Abgang. Riesling in der Chuck Norris Edition. 89-90 Punkte von mir.

Auf dem Holzweg.

Nichts für Freunde des klassischen trockenen Rieslings ist der 2011 Josten & Klein Riesling Leutesdorfer Gartenlay. Und das ist auch gut so. Wer schon immer nach einem besonderen Riesling gesucht hat, hat ihn somit gefunden. Nach dem der Most (wie so üblich bei Josten & Klein) nur durch Sedimentation geklärt wurde, durchlief er die Spontangärung in einem neuen Halbfuderfass (500 l) und wurde anschießend bis kurz vor der Füllung auf der Hefe gelagert. Doch Riesling & neues Holz? Funktioniert. Sehr gut sogar. Aus dem Glas strömen feine, würzige Holznoten (kein Vanille-Exzess!), Limettenschalen, weiße Johannisbeeren, ein wenig Kaffeepulver und wieder Waldmeister in die Nase. Ungewöhnlich, einzigartig und faszinierend. Am Gaumen ist der Wein cremig mit kräftigem Körper, doch durchzogen von einer feinen und reifen Säure, welche den Wein grazil und elegant wirken lässt. Dazu die herrliche vom Holzfass angeheiratete Würze. Dieses Extra verleiht dem Wein eine weitere Ebene, ohne ihm aber seine Leichtigkeit zu nehmen. Riesling + X für den Marketing Fuchs. Dazu bleibt er sehr lange am Gaumen und lädt großzügig zum Nachtrinken ein. An solchen Weinen scheiden sich (leider) immer noch die Geister. Für mich sind diese Art von Rieslingen (z.B. von Winningen Riesling 500, Ankermühle Riesling Jesus und eben dieser) ganz klar eine nicht mehr wegzudenkende Bereicherung der deutschen Weinlandschaft. Mehr davon! 91-92 Punkte.

2011 Josten & Klein Riesling

Jetzt aber mal im Ernst.

Neben den Rieslingen vom Mittelrhein vinifizieren die beiden auch zwei Rotweine von der Ahr, genauer gesagt aus zwei Weinbergen des Örtchen Mayschoss, dem Burgberg und Mönchberg. Der erste Wein ist zwar aus Spätburgunder Trauben gewonnen, aber farblich kein echter Rotwein. Es handelt sich um den 2011 Josten & Klein Spätburgunder Weißherbst „Saignee“. Dieser aus dem Mostentzug (franz. Saignee) des weiter unten beschriebenen Spätburgunders gewonnene Weißherbst ist mit Nichten ein belangloses Sommer/Terrassen/Pool Weinchen. Aus dem Glas duftet eine fein würzig und leicht herbe Nase, erinnernd an Erdbeeren, Himbeere und unreifen Johannisbeeren. Auch am Gaumen wird schnell klar, dass dieser Wein kein leichtes Fruchtwässerchen ist. Die 13.1% Alkohol sind sehr gut eingebunden. Reife Gerbstoffe und leichte Mineralik zeugen von einem „ernsten Wein“ – durchaus mit eigenständiger Personalität und Charakter. Dazu ist er noch ein multifunktionaler Speisenbegleiter. Ein Rosé für Rotweintrinker. 88 Punkte von mir. Final landete dann dieser Wein im Glas: 2011 Josten & Klein Mayschosser Spätburgunder – der im Moment einzige „echte“ Rotwein des Hauses. Die Nase ist sensationell würzig und fruchtig, nach Kirschen, Himbeeren, Brombeere, Mandelkuchen, getrocknete Kräuter, feines Holz, Pfeffer und etwas Pfefferminze. Hier kann man sich drin verlieren. Am Gaumen wirkt der Wein leicht und frisch, trotzdem dicht und präsent, getragen von einer sehr kühl anmutenden Frucht! Die Säure ist fein und lässt den Spätburgunder grazil und elegant rüberkommen. Der karge und kräutrige Stil weißt deutliche Parallelen zum Burgund auf. Nach 2-3 Stunden an der frischen Luft entwickelt er sich zu einem ausgesprochen trinkanimierenden und spannenden Wein. Für 16,80€ ab Weingut gibt es sehr viel Spaßburgunder fürs Geld. 90+ Punkte in meinem Buch.

-> 2011 Josten & Klein Riesling „R“ für 14,90€ bei Wine-in-Black
-> 2011 Josten & Klein Riesling für 9,90€ bei Wine-in-Black
-> Josten & Klein bei Captain Cork 1 / 2

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