Weinrallye #49 : Guter Müller – schlechter Müller

1,99€ Müller-Thurgau aus dem Lidl(NM) Es ist wieder Weinrallye! Nachdem es um diese Institution der deutschen Weinblogger-Szene gegen Ende 2011 sehr ruhig geworden ist, ruft Cucina-Casalinga zur Neuauflage der Weinrallye im März 2012 auf. Das Thema ist so simpel wie komplex: Müller-Thurgau. Nun, obwohl Müller-Thurgau im Lebensmitteleinzelhandel omnipräsent ist, tut sich die Rebsorte im qualitativ anspruchsvollen Fachhandel äußerst schwer. Für die heutige Weinrallye hab ich mich somit für zwei Extreme aus beiden Handel-Lagern entschieden. Den Lebensmitteleinzelhandel vertritt ein 1,99€ Liter Müller-Thurgau Qualitätswein Trocken. Die Trauben kommen aus Rheinhessen und dem Fabel-Jahrgang 2011. Abgefüllt wurde das Ganze von der Peter Mertes KG für den Discounter Lidl. Ehrlich gesagt traue ich mich an solche Weine normalerweise so gut wie gar nicht ran. 1,99€ für ein Liter Wein inklusive Flasche, Label, Transport, Gewinnspannen, etc. – da bleibt bei den Spritpreisen für den Vollernter momentan nicht mehr viel für den Trauben-Landwirt übrig. Der Fachhandel Müller-Thurgau kommt von dem Winzerhof Stahl. Genauer gesagt ist es der 2010er Winzerhof Stahl Müller-Thurgau „Hasennest“. Christian Stahl ist weit über die Grenzen seiner Tauber-Fränkischen Heimat für seine Müller-Thurgau Interpretationen bekannt. Hier hatte ich schon einmal über den sympathischen Franken berichtet.

Doch nun zu den beiden Weinen. Der 1 Liter 2011 Müller Thurgau Qualitätswein Trocken des Abfüller Peter Mertes ist im Geruch etwas chemisch und alkoholisch geladen. Durch die leichte blumige und seifige Aromatik aber sensorisch als Müller-Thurgau durchaus erkennbar. Auch eine leichte Muskatnote fällt auf. Das riecht nicht wirklich schlecht, doch irgendwie schal und langweilig. Der Geschmack am Gaumen ist irgendwie auch einem trockenen und leichten Müller-Thurgau zuzuschreiben. Doch wenn man den Tropen runterschluckt (ich meinte wieder ausspuckt) bleibt ein ausgesprochen saures und bitteres Szenario zurück. Hier fehlt es an Struktur, Länge und dem doch so wichtigen „delicious factor“. Ich persönlich werde die Pulle verkochen. Trinken macht hier wirklich keinen Spaß. Siehe auch unsere 1 Liter Weinprobe – anno dazumal bei Drunkenmonday.

2010 Winzerhof Stahl Müller-Thurgau HasennestGanz anders der 2010 Winzerhof Stahl Müller-Thurgau „Hasennest“. Der Wein duftet betörend und schmeichelnd aus dem Glas. Das Aromenspektrum geht von blumig intensiv über frisches Zitronensorbet bis zu mineralisch klar und rein. Gern kann man auch Spuren von Sternfrucht oder grünem Apfel reininterpretieren. Da bekommt man Lust auf den ersten Schluck! Dieser ist sehr erfrischend und zugleich reich an Aromatik und Geschmack. Hier stimmt Struktur und Fülle, wesentlich getragen von einer Riesling nicht unähnlichen Säure und feiner Mineralik. Ich Vergleich zu der Liter Brause wurde hier einfach alles richtig gemacht: Der richtige Boden, der richtige Ertrag, die richtige Selektion der Trauben und der richtige Ausbau. Schon hat man einen wirklich großartigen Müller-Thurgau im Glas. Es kann so einfach sein! Den trinke ich jetzt aus!

Guter Müller - schlechter Müller ...

Weinrallye #49: Müller-Thurgau

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5 thoughts on “Weinrallye #49 : Guter Müller – schlechter Müller

  1. Pingback: Weinrallye # 49 - Müller-Thurgau / Sonnenhalde Konstanz |

  2. Ob ein Müller-Thurgau flüssiger Kopfschmerz, Sauf- und Zechwein oder filigraner, ausdrucksstarker, autentischer und unverwechselbarer Genuss wird, ist, nach meiner langjährigen Erfahrung, im Wesentlichen von der Erntemenge, dem Ertrag pro Stock und qm Fläche, den dieser zur Verfügung hat, abhängig. Der „Müller“ ist von seiner Anlage ein „Masseträger“, 3 kg pro Stock sind möglich, sicher auch noch mehr. Spannend wird es aber, wenn der Ertrag auf ca. 1kg pro qm Anbaufläche reduziert wird. Ein Mostgewicht um 85°Oe ist dann gut zu schaffen, mehr sollte es auch nicht unbedingt sein.
    So kommen die typischen Pfeffer- und Muskatnoten, exotische Nuancen und eine erfrischende Säure optimal zusammen.
    Wer einmal Müller-Thurgau in Extremform probieren möchte, sei der von Martin Schwarz aus Sachsen innigst ans Herz, oder besser, an die Zunge, gelegt. Müller-Thurgau Barrique! Der Kellermeister des Weingutes Schloss Proschwitz Prinz zur Lippe produziert auch in eigenem Namen, der Barrique – Müller ist schlicht genial. Martin Schwarz ist ein Meister im Umgang mit dem kleinen Holzfass.
    Vom Preis von ca. 17,-€ darf man sich bitte nicht abschrecken lassen, es ist ein Wein, den man nicht gegen den Durst trinkt. Es ist ein Erlebnis, das ich kaum in der Lage bin, mit Worten zu schildern.
    Durch die geringe Menge des zur Verfügung stehenden Weines nur kurze Zeit erhältlich.
    barriquewein@aol.com oder Belvini bieten Weine von Schwarz an.
    Es lohnt sich, versprochen!

  3. Der 2011er Müller-Thurgau von Aldi für den gleichen Preis ist gar nicht mal so schlecht, wenn auch wirklich am besten zum Verkochen geeignet. Der beste Literwein, den ich kenne ist der trockene Riesling QbA von Immengarten Hof aus Maikammer in der Pfalz für unschlagbare 3,40 EUR ab Hof!

  4. Lieschen Müller interessiert so ein Vergleich allerdings überhaupt nicht. Der größte Teil der Weintrinker in diesem Land ist aber nun mal mit Frau Müller verwandt.
    Jetzt mal ehrlich, der Lidl-Müller tut nicht wirklich weh! Das ist ein technisch einwandfrei gemachter Wein, da kann jeder selbsternannte Profi erzählen, was er will. Die Leute, die den z.B. bei Mertes machen, sind auf jeden Fall Profis in ihrem Job. Garantiert mehr als 99% derer, die über die angeblich ach so schlechten Kopfwehweine schreiben. Das kann niemand leugnen! Dass dieser Wein nicht mit einem -in vergleichsweise homöopathisch hergestellten Mengen- zu vergleichen ist, sollte jedem klar sein. Das ist Augenwischerei. Es handelt sich um 2 Produkte für 2 komplett unterschiedliche Märkte und um extrem unterschiedliche Mengen. Oder kann z.B. das Weingut Stahl 3 Mio Liter Müller-Thurgau trocken in besagter Qualität herstellen? Sicher nicht! Selbst diese Menge würde für Lidl nicht reichen. Irgendwie muss man also einen Kompromiss zwischen Qualität, Preis und Menge eingehen. Beide Weine sind sicher für ihren Zielmarkt gut gemacht.

    @ Hardy: Können Sie mir mal erklären, wie ein Winzer in Rheinhessen oder Pfalz mit 1kg pro qm beim Müller-Thurgau überleben soll?! Oder wie viele Leute sind denn bereit, für einen Müller-Thurgau deutlich über 5 Euro auszugeben? Wohl kaum einer…

    • @Wolfgang

      Das es sich um 2 Produkte für 2 völlig unterschiedliche Märkte handelt ist dem Schreiber (mir) bewusst und wurde auch so beschrieben. Was aber gegen eine sensorische Beschreibung beider Weine spricht, kann ich leider nicht nachvollziehen. Es wurden hier bewusst beide Extreme des trockenen Müller-Thurgau Marktes gewählt. Dieser Artikel soll kein Mengen/Qualitäts-Ballte darstellen. Wenn Lieschen Müller diesen Artikel lesen sollten, der ganzen Familie davon erzählt und nur ein paar von ihnen sich an Stahl Version wagen, hat sich das schreiben dieses Artikels für mich gelohnt.

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