Bottle Party: Cos d´Estournel, Duhart-Milon und Knipser sind geladen

Cos, Knisper und Durhart-Milon(JR) Erinnern wir uns zurück an die Schul- oder Studentenzeit, dann sind es die spontanen Partys gewesen, welche oft am stärksten in Erinnerung geblieben sind. Und wollte man ohne großen Aufwand feiern, stand schnell die Idee einer Bottle Party im Raum. Jeder bringt eine Flasche seiner Wahl mit und schon kann es losgehen. Überraschung garantiert. In memoriam haben sich drei Mitglieder der Gießener Weingruppe deshalb kurz vor Weihnachten spontan zu einer Bottle Party getroffen. Einzige Vorabsprache: Jeder bringt eine schöne Flasche Bordeaux mit, die man für bessere Gelegenheiten aufgehoben, für die sich aber bisher kein geeigneter Anlass zum Öffnen geboten hat. Aber wie das im Leben manchmal ist, kommt anders und öfters als man denkt. Und so stand neben einem 1997 Cos d´Estournel und einem 2003 Duhart-Milon Rothschild auch ein 2005 Knipser Spätburgunder Auslese trocken Im Großen Garten „GG“ auf dem Tisch. Wie der deutsche Pinot sich wohl gegen die beiden Schwergewichte aus Frankreich präsentieren würde?

2005 Knipser Spätburgunder GG "Im Großen Garten"Um die Antwort vorwegzunehmen, sehr anständig, gesetzt den Fall, dass man ihn im Line-up vor die beiden Franzosen stellt. Denn der 2005 Knipser Spätburgunder ist ein Wein, der die Bezeichnung „GG“ aus einer als Großes Gewächs klassifizierten Lage wahrhaftig verdient. Der von Kalksteinen über Kalksteinfels durchsetzte Boden im Großen Garten erinnert stark an die Böden in Burgund. Der Wein präsentiert sich dementsprechend sehr elegant, mit großer Tiefe und Charakter; quasi die Deutsche Antwort auf französische Spitzenpinots zu einem Bruchteil der dort leider üblichen Preise.

Anfangs wirkt der Knipser aus der frisch geöffneten Flasche allerdings noch etwas verschlossen. Über das Dekantieren von Pinots kann man geteilter Meinung sein. Wegen der sensiblen Struktur und der sich mit jeder Minute im Glas öffnenden Aromatik haben wir uns in diesem Fall dagegen entschieden. Sehr spannend, wie sich zuerst rote, reife Beerenfrüchte zeigen, die zu Kirschen mutieren. Mit zunehmender Erwärmung und Luft zeigt sich dann ein Aromenspektrum, das zwischen Rosen, Kräutern, Nelke über Kakao bis zu Zimt und Rauchigem changiert. Ein hochkomplexes, betörendes Bouquet, dass Großes erwarten ließ. Denn „fruchteln“ kann fast jeder Winzer. Würze und Kräuter hingegen zaubern nur Pinot Könner in die Flasche.

Der erste Eindruck auf der Zunge wirkt recht zupackend und konzentriert aber keinesfalls aufdringlich. Im Gegenteil, trotz der relativen Fülle sind es gerade die seidigen Tannine und die Mineralität, die dem Wein Struktur und Eleganz verleihen. Die tragende Säule bildet aber die konzentrierte tiefgründige Frucht, in die die lebendige Säure gut eingebunden ist. Der lange Nachhall steuert eine vielschichtige Würzigkeit bei, die an die Nase erinnert und den Kreis der Sinneseindrücke schließt.

Fazit: Ein sinnlicher, eleganter und extraktreicher Wein, der in den nächsten Jahren weiter reifen und zusammenwachsen wird. Zurzeit sehe ich den Wein bei 91 Punkten mit viel Potenzial. Mehr über Knipser auf drunkenmonday findet man hier.

1997 Cos D'EstounelAuf zum ersten Bordeaux des Abends. Nach kurzer Überlegung hatten wir uns auf den 97er Cos geeinigt. Über das Jahr 1997 in Bordeaux ist schon viele Negatives geschrieben worden. Jetzt, wo die Weine ausgereift sind, kann man aber sagen, dass der Jahrgang besser ist als sein Ruf. Das gilt auch für den 1997 Cos d´Estournel. Rene Gabriel bewertete den Wein seinerzeit lediglich mit 15-16/20 Punkten, Parker vergab 86 Punkte, während Stephen Tanzer im Mai 2000 die 90 Punkte Karte zückte. Nach einer Stunde im Dekanter zeigte sich dann, dass Parker und Gabriel mit ihren negativen Zukunftsprognosen eher daneben lagen. Stephen Tanzer hat, wie in vielen anderen Fällen auch, mal wieder recht behalten. Seine sehr empfehlenswerte Webseite findet sich hier.

Nach einem ersten Schnuppern stellt sich grundsätzlich die Frage, ob man die aus dem Glas flutenden vegetabilen Töne nach grüner Paprika, Kräutrigem und Liebstöckel mag oder nicht. Dazu gesellen sich Leder, Tabakrauch und eine gereifte Cassisfrucht. Das alles geht „voll auf die Zwölf“, von einer dezenten Nase kann hier keine Rede sein. Dieser multidimensional intensive Eindruck setzt sich im Gaumen fort. Der Wein befindet sich eindeutig in seiner sekundären Phase der Entwicklung. Dank des relativ hohen Merlot Anteils zeigt sich eine wunderbar gereifte Cassis- und rote Beerenfrucht, die von grüner Paprika, Leder, Tinte(?) sowie Erinnerungen an einen würzigen Waldboden begleitet wird. Die gereiften Tannine ziehen sich wie ein fein mehliger Fluss über die Zunge. Der 30 Sekunden lange Abgang offenbart neben Würzigem eine immer noch sehr stabile Säurestruktur, die den Wein sicher noch die nächsten Jahre mit Leben erfüllen wird. Nicht ganz so elegant wie ein Cos sein kann, aber für vegetabilische Weinkenner Trinkspaß pur. Die 90 Tanzer Punkte gehen voll in Ordnung.

2003 Durhart-MilonÜber den dritten und letzten Wein unserer kleinen Bottle Party könnte ich an dieser Stelle ganze Romane schreiben, so hat dieser Göttertrank uns gefangen genommen. Die immensen Preissteigerungen des 2003 Duhart-Milon Rothschild in den letzten Jahren – unter 100.- € nicht mehr zu haben – sind eben nicht nur auf den Namen Rotschild im Etikett zurückzuführen, sondern liegen auch in der überragenden Qualität dieses Weins begründet. Das ist klassischer Bordeaux „at his best“ aus einem schwierigen, von großer Hitze geprägten Jahr, das oft nur eingekochte, eindimensionale Weine hervorgebracht hat. Allein die Nase ist so betörend, so einnehmend, dass Minuten vergehen, bis man den ersten Schluck nimmt. Dabei sind die Aromen so fein wie vielschichtig. Ausgeprägter Fruchtnoten werden von ätherischen Aromen umspielt, dazu feine Paprika, Lakritze, Kaffee- und Ledertöne. Himmlisch! Und erst der opulente Gaumen. Diese Tannine, das ist pure Eleganz. Auf das seidige Mundgefühl setzt sich eine ausdrucksvolle, leicht ins Süßliche schlingernde, saftige Cassisfrucht, die von einer deutlich wahrnehmbaren Säure getragen wird, welche dem Wein Lebendigkeit und Finesse verleiht. Der minutenlange Abgang ist einfach unbeschreiblich. Mir fehlen die Worte. Ich vergebe für diese Glanztat steile 95 Punkte und bin restlos begeistert.

Weitere Bordeaux Proben auf Drunkenmonday: Hier!

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