Volnay, Gevrey-Chambertin und Chambolle-Musigny – Pinot Herz, was willst du mehr?

Pinot Herz was willst du mehr?

(NM) Pinot Noir war im vergangenen Jahr bei unseren Proben oft Quelle der Freude. Ob gut und günstig aus deutschen Landen, gereift aus Kalifornien oder wild und schräg aus dem Rest der Welt, wir hatten 2011 sehr viel Spaß mit dieser Rebsorte. Konsequenterweise wurde hierbei aber der „heilige Gral“ aus dem Pinot Noir Mutterland verschmäht: Burgund! Das konnte so nicht weiter gehen. Mit Hilfe von www.noblewine.de wurde so klangvolle Namen wie Volnay, Gevrey-Chambertin und Chambolle-Musigny eingeladen. Die Messlatte lag hoch, die Vorschuss-Lorbeeren waren geerntet. Nun musste „Burgund“ zeigen, was in ihm steckt. Um die Kosten unter Kontrolle zu halten wurde auf die großen Häuser fast gänzlich verzichtet. Somit zeigten einige Underdogs und Geheimtipps der Region, was sie aus den wohl klingenden Appellationen des Burgunds zusammengezaubert bekamen. Mit dabei waren:

2008 Domaine Louis Boillot et Fils Gevrey-Chambertin „Les Evocelles“
2008 Domaine Ghislaine Barthod / Barthod-Noëllat Chambolle-Musigny
2008 Domaine Dublère Volnay 1er Cru „Taillepieds“
2009 Domaine Dublère Savigny-lès-Beaune 1er Cru „Les Talmettes“
2009 Domaine Denis Bachelet Côte de Nuits Villages
2009 Faiveley Nuits St. Georges 1er Cru „Les Porêts Saint-Georges“

Mögen die Spiele beginnen!

Der Einstieg in die Probe..Die Auswahl wurde bewusst auf die letzten zwei gefüllten Jahrgänge gelegt. 2008 zählt als klassischer Pinot Jahrgang im Burgund. Hier jubelt der Traditionalist. Ganz anders der Super-Jahrgang 2009. Hier wird nicht mit Frucht und Fülle gegeizt. Die Weine sind oft zugänglicher und reichhaltiger wie die aus 2008. Die Punkte der bekannten Kritiker oft höher. Wir starteten die Probe mit dem 2009 Domaine Dublère Savigny-lès-Beaune 1er Cru „Les Talmettes“. Die Trauben stammen von einem der 22 Premier Cru Weinbergen der AOC Savigny-lès-Beaune, dem „Les Talmettes“. Die Nase ist auf Grund seiner Jugend noch recht verhalten. Helle Rotfrüchte, frische und zarte Holznoten und ätherisch-kräutrig wurde notiert. Am Gaumen zeigte sich der Wein ausgewogen weich im Tannin, zart, elegant, mit leicht dominierender Fruchtkomponente. In der Mitte fehlte es uns etwas an Druck und Fülle, was aber durch die feine und elegante Art nicht wirklich negativ auffiel. 87 bis 89 Punkte wurde hier vergeben. Als völlig anderes Tier präsentierte sich der 2009 Domaine Denis Bachelet Côte de Nuits Villages. In der Nase eher Pinot untypische, aber vielschichtige Aromatik, welche uns eher an Cabernet Franc erinnerte. Da zeigten sich frisch geschnittene Petersilie, Dill-Honig-Gurkenwasser, rauchige-röstige Noten und eine kalkig-mineralische Komponente. Sicherlich kein Crowd-Pleaser, doch der ambitionierte Weinschnüffler findet hier viel zu entdecken. Der Geschmack zeigte neben erdig-rauchigen Noten etwas mehr Rotfrucht und getrocknete Kräuter. Eine leicht kalkige Aromatik komplettiert das bunte Aromenspektrum. Hier stimmte auch Extrakt und Fülle. Burgund aus der rustikalen Ecke. Lecker und mutig. 89-91 Punkte gab es hier vom Tisch.

Hmmm, beerig!

Eine Gaumenfreude: 2008er Volnay von DublereEinen Schritt nach oben machte der 2008 Domaine Dublère Volnay 1er Cru „Taillepieds“. Der Wein war zwar immer noch mit burgundischem Babyspeck behaftet, zeigte aber (im Ansatz) was diese Region so berühmt für Pinot Noir gemacht hat. In der Nase finden wir wunderbare Aromen von Rosen, Veilchen, zarte Rotfrucht und feinste Holzeinflüsse. Alles wirkt sehr aufgeräumt, klar und hochwertig. Am Gaumen dann „power without weight“- sprich tolle Konzentration ohne schwer oder überladen zu wirken. Das Holz ist großartig integriert. Die Eleganz dieses Weins schiebt sich konsequent bis in den Abgang. Die Säure tänzelt auf der Zunge. So schön kann Pinot sein. Die Runde vergab 92-93 Punkte. Etwas schwerer machte es uns der folgende Wein: 2008 Domaine Louis Boillot et Fils Gevrey-Chambertin „Les Evocelles“. Schon in der Nase zeichnet sich ab, dass dieser Pinot nicht wirklich an diesem Abend mit uns reden wollte. Außer „verhalten“ und „auf der kräutrigen Seite“ fiel mir nichts ein um den Wein im Geruch zu beschreiben. Im Mund wurde dann aber das Potential dieses Weins mehr als deutlich. Dicht und kompakt, in seiner Aromenvielfalt aber noch verschlossen wie Stadttore von Troja seiner Zeit, zeigte er uns deutlich, dass wir hier mindestens 5 Jahre zu früh dran waren. Erdig und kräutrig, mit Sauerkirsche und tragender Säure ließ er uns zurück. Wir kommen wieder, Freundchen! 90-92? Punkte. Schwer zu bewerten.

Der frühe Vogel…

Faiveley weiß zu überzeugen...Leider hatten wir mit dem 2008 Domaine Ghislaine Barthod / Barthod-Noëllat Chambolle-Musigny als nächstes einen Nachmacher im Glas. Auch dieser Pinot aus großer Lage hatte deutliche Probleme sich auf Grund seiner Jugendlichkeit uns adäquat mitzuteilen. In der Nase fanden wir zarte und feine Aromen von Schoko-Kirschen und getrockneten Kräuter. Nett, aber leider auch nicht mehr. Auch am Gaumen konnten wir den Wein schwer greifen. Außer dem feinen Tannin und einer sehr gut tragenden Säure ließ er uns ratlos zurück. Liegenlassen, bitte! 88-89+? im Moment. Zum Abschluss wurde uns dann aber doch noch richtig warm ums Herz. Schuld daran war der 2009 Faiveley Nuits St. Georges 1er Cru „Les Porêts Saint-Georges“. Die gut 7 ha große Premier Cru Lage „Les Porêts Saint-Georges“ schenkte uns ein großartiges Pinot Erlebnis. In seiner ungestümen Jugend zeigte uns der Wein ein volles Bukett mit Kakaopulver, dunklen Früchten (Schwarzkirsche!) in Schokolade gedippt und feine getrocknete Kräuter. Im Mund drückt der Wein dann maskulin, dicht, kompakt und kraftvoll gegen den Gaumen. Die Säure ist perfekt integriert, das Tannin extrem fein. Ein großer, junger Pinot Noir! Zufriedene Gesichter am Tisch und 92-93 Punkte standen in den Büchern.

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3 thoughts on “Volnay, Gevrey-Chambertin und Chambolle-Musigny – Pinot Herz, was willst du mehr?

  1. Ganz schön junge (Burgund-)Hüpfer die ihr da geleert habt…. ich könnt es noch nicht über´s Herz bringen den 08er Jahrgang zu entkorken. 😉

  2. Pingback: Ein neuer Wein-Film: A Year in Burgundy « Drunkenmonday Wein Blog

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