Eine Zeitreise in das Weinland Kalifornien

Reife Kalifornier(NM) Das Internet – unendliche Weiten. Doch irgendwo zwischen Google Advertisements und Amazon Cookies gibt es sie noch: außergewöhnliche Wein-Online Shops, welche mit viel Enthusiasmus und Liebe eine großartige und detailreiche Weinauswahl dem deutschen Kunden anbieten. Einer von diesen Shops ist CaliforniaWines.de! Weit weg vom Gallo Einheitsbrei bietet Margot Schmitt dem neugierigen Kunden eine für Deutschland einmalige Auswahl an Weinen aus Kalifornien und Oregon an. Der Fokus von CaliforniaWines.de liegt hier aber nicht auf einzelne Weine einzelner Winzer. Vielmehr werden Jahrgangsvertikalen sorgfältig ausgewählter Weine bis teilweise Ende der 80ziger Jahre angeboten (Beispiel Rosenblum Zinfandel: 18 verschiedene Abfüllungen, 65 verschiedene Weine aus 9 Jahrgänge). Ebenso findet man seltene, nur ab Weingut erhältliche Sonderabfüllungen oder eine breite Auswahl an Großflaschen. Neben bekanntere Weingütern wie Ravenswood, Silver Oak, Darioush, Etude, Joseph Phelps oder Dunn Vineyards gibt es aber auch in Deutschland noch völlig unbekannte Namen wie Calera, Morgan oder Hahn Estate. Für ihre Bemühungen Rund um den Kalifornischen Wein wurde Margot Schmitt am 8. März 2007 vom Parlament des US-Bundesstaates Kalifornien „für ihre langjährigen überragenden Verdienste um die Förderung von Ansehen und Absatz kalifornischer Weine in Deutschland und anderen EU-Ländern mit der Declaration of Appreciation (Erklärung der Wertschätzung) ausgezeichnet“. Ein Glückwunsch für diese ehrenvolle Auszeichnung von unserer Seite.

Als großen Fan gereifter Kalifornischer Weine ging mir natürlich bei solche einer Auswahl und Angebot gleich ein Gedanke durch den Kopf: eine Montagsprobe für Drunkenmonday musste organisiert werden. Ganz nebenbei wollte ich der Gruppe natürlich auch (wieder einmal) beweisen, wie großartig die meist als Fruchtbomben über einen Kamm gescherten kalifornischen Weine altern können. Somit standen folgende Weine auf unserem Proben Tisch:

1991 Dunn Vineyards „Howell Mountain“ Cabernet Sauvignon
1992 Calera Pinot Noir „Mills Vineyard“
1993 Calera Pinot Noir „Mills Vineyard“
1997 Morgan Chardonnay

Chardonnay auf dem Holzweg?

1997 Morgan ChardonnayWir starteten mit dem 1997 Morgan Chardonnay (20€ / Central Coast / Monterey County) und erlebten gleich die erste Überraschung. Keine Vanille-Butter-Holz-Orgie, keine breite und strukturlose „In-your-face“ Wumme. Uns erwartete ein fein verwobener und großartig gereifter Wein. Die Aromen in der Nase waren schwer zusammenzufassen. Wir konnten Mandarinen (+Schale), reife Birne, Salbei, Käsetheke (im positiven Sinne) und etwas nasser Stein entdecken. Doch nichts stach wirklich hervor. Eher bildete die Aromatik an der Nase ein „Einheit“, einzelne Noten waren schwer zu identifizieren. Auch am Gaumen wurde diese Stilistik fortgesetzt. Alles war harmonisch und wirkte durch die Entwicklung äußerst „zusammen“. Das Holz hat sich wunderbar integriert. Viele am Tische sprachen von Burgundischer Finesse und Eleganz. Und das alles für 20€ aus Kalifornien? So konnte es weitergehen. Ein toller Wein. 91 Punkte.

Zwei mal Pinot Noir bitte!

1992 + 1993 Calera Pinot Noir MillsWeiter ging es mit zwei gereiften Pinots der Calera Winery aus der AVA Mt. Harlan / Central Coast. Der 1992 Calera Pinot Noir aus der Einzellage „Mills“ zeigte schon in der Nase eine Komplexität, wie sie nur „reife Weine“ ausstrahlen können: Kakao Pulver, Soja Soße, getrocknete Kräuter, Edelhölzer, reife Pflaume und Tabakblätter – alles harmonisch aufeinander abgestimmt. Am Gaumen machte der Wein zwar recht deutlich, dass er jetzt in seiner vollen Reife steht und bald getrunken werden sollte, aber nichts desto trotz merkte ihm die fast 20 Jahre Flaschenreife kaum an. Das extrem feine Tannin verursachte regelrecht Gänsehaut am Gaumen. Der kühle Stil mit immer noch dichter, aber reifer Frucht, Aromen von Tonkabohne, Amarenakirschen und feuchtem Waldboden gefiel der Runde ausgesprochen gut. Der Wein erntete viel Respekt für das was er ist: Ein würdiges Zeichen für Entwicklungspotential und Alterungsfähigkeit amerikanischer Pinot Noir (aus einem „schlechten“ Jahrgang!). 90 Punkte rief ich hierfür auf. Im Vergleich dazu spielte der 1993 Calera „Mills“ Pinot Noir in einer anderen Liga. Schon alleine die Farbe macht deutlich, dass der Zahn der Zeit hier kaum Spuren hinterlassen hat. Der Wein wirkt trotz seiner 18 Jahren Reife deutlich jugendlicher wie sein ein Jahr älterer Bruder. Bind hätte man ihn wohl so um das Jahr 2000-2002 gesteckt. Die Nase betört durch intensive Noten von Schwarzkirschen, reifen Erdbeeren, Vogelbeeren und etwas Brausestab. Im Mund dann pure Harmonie. Alles befindet sich am rechten Platz und hat das richte Maß: Säure/Frucht/Holz/Kräuter – gereifter Pinot par Excellence. Ich denke so hat man sich das auf dem Weingut vorgestellt. Jetzt „auf den Punkt“, kann aber noch locker 3-5 Jahre liegen bis er die Reife des 92ers erreicht. Jubel am Tisch: 94 Punkte!

Cabernet mit 13% Alkohol aus der „neuen Welt“?

1991 Dunn Howell Mountain CabAls letztes: 1991 Dunn Vineyards Howell Mountain Cabernet Sauvignon. Randy Dunn gehört zu den legendärsten Winzern im Napa Valley. Seine Howell Mountain Cabernets sind für viele die Messlatte für Langlebigkeit und Komplexität in Kalifornien. Eine perfekte Trinkreife wird ihnen oft erst nach 20 oder 25 Jahren nachgesagt. In unserem Falle trat eine weit verbreitete und leider oft wahre Wein-Weisheit ein: There are no great wines – only great bottles. Unsere Flasche des 1991ers war leider keine „great bottle“. Wie wir an der Reife bzw. Entwicklung der anderen Weine an diesem Abend gesehen hatten, können wir schlechte Lagerung auf Seitens des Lieferanten komplett ausschließen. Der Wein zeigte sich extrem verschlossen. Regelrecht zugenagelt. Auch nach 4 Stunden im Dekanter konnten wir außer einer Mauer aus Tannin, Holz und einem bitterem, fast schon metallischen Ton keine Frucht oder ähnliches finden. Hier kam die Frage nach einem „Weinfehler“ auf – doch was ist da passiert? Selbst nach mehreren Tagen offen in der Küche änderte sich nichts an dem Zustand des Weines. Schade, denn gerade über den 1991 Dunn Howell Mountain Cabernet Sauvignon ließt man viele großartige Berichte im Internet.

Nichts desto trotz zeigte uns die Auswahl der Weine von californiawines.de zwei Dinge ganz deutlich: großer kalifornischer Wein muss nicht teuer sein und kann dazu noch großartig Altern. Wenn das mal keine Weinerfahrung war! Cheers!

Weitere „reife Kalifornier“ auf Drunkenmonday:
1991 Geyser Peak Cabernet Sauvignon Reserve
1996 ZD Wines Pinot Noir Carneros
1998 Byron Pinot Noir Nielson Vineyard
Diverse reife Zinfandel

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3 thoughts on “Eine Zeitreise in das Weinland Kalifornien

  1. Schade, dass ich nicht dabei sein konnte.
    Dank unserer kleinen Nachbestellung bei CaliforniaWines.de
    kann ich mir zum Glück ja noch selber ein Bild machen.
    Gruß

  2. Pingback: An Weihnachten sollst du auf den Wein achten! « Drunkenmonday Wein Blog

  3. Pingback: Volnay, Gevrey-Chambertin und Chambolle-Musigny – Pinot Herz, was willst du mehr? « Drunkenmonday Wein Blog

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