Aller guten Dinge sind Drei – Pinot bis 10€ aus Deutschland

Deutsche Pinots unter 10 Euro - Part 3

(JR) Auf zur letzten Runde. Zum dritten und letzten Mal beschäftigt sich Drunkenmonday in einem Panel Tasting mit Pinots aus Deutschland im unteren Preissegment. Diesmal waren wir zu Gast im Gianoli, einer neu eröffneten Pasta- und Weinbar in der Gießener Innenstadt. An dieser Stelle einen herzlichen Dank an unseren Gastgeber Giancarlo Biscardi. Bevor wir die leckeren Nudelgerichte probieren durften, standen fünfzehn deutsche Spätburgunder zur Verkostung und Beurteilung auf dem Tisch.
Wie üblich, um objektiv zu bleiben, wurden alle Weine blind in zufälliger Reihenfolge verkostet. Jeder Teilnehmer erstellte während der Probe sein individuelles Ranking von Platz eins bis 15. Es herrschte zudem „Redeverbot“ in Bezug auf die Weine, um eine gegenseitige Beeinflussung auszuschließen. Am Ende wurden die Einzelbewertungen aufsummiert und zusammen mit dem Gesamtergebnis besprochen. Die Summen der Einzelplatzierungen sind zur besseren Orientierung mit angegeben, wobei „Ausrutscher“ – das jeweils beste und schlechteste Ergebnis – aus der Wertung genommen wurden.

Ein guter Gastgeber: Das Gianoli in GiessenRote Laterne

Platz 15 – 2009 Weinland Baden Spätburgunder trocken. Jürgen v. d. Maar REWE ca. 6€
Es ist sicher positiv zu bewerten, dass Jürgen von der Mark und REWE eine eigene Weinmarke mit großer Marktabdeckung geschaffen haben, die den Anspruch vertritt, das ganze Jahr über gut gemachten Pinot aus Baden in jedem REWE-Markt in Deutschland anbieten zu können. Mit der vorliegenden, geradezu unterirdischen „Qualität“ und der damit einhergehenden Qualitätsschwankung wird dem deutschen Spätburgunder aber kein guter Dienst erwiesen.
Konnte sich dieser Wein in der ersten Drunkenmonday Pinot Probe mit dem 2008er Jahrgang noch respektabel im Mittelfeld platzieren, sieht es mit dem 09er richtig düster aus. Das deutlich bessere Jahr 2009 liefert den deutlich schlechteren Wein, und der landet mit Abstand auf dem letzten Platz. Merkwürdig. Hier die leider durchweg negativen Verkostungseindrücke: Petrolnase mit grünen Tönen und Erdnüssen. Unreife rote Johannis- und Erdbeerfrucht sowie sehr unangenehme Bittertöne auf der Zunge. Instinktiv einsetzender Spuckreflex. Autsch.

Abstiegsplatz

Platz 14 – 2009 Orfenauerweinkeller OWK Affentaler Spätburgunder trocken ca. 5€
Der Ortenauerweinkeller (OWK) ist eine Badische Winzergenossenschaft und vereint 553 Winzer zwischen Affental und Kaiserstuhl. Die Ursprünge des Affentaler Rotweins gehen zurück bis in das Jahr 1250. Zisterzienserinnen pflanzten den sogenannten „Arbst“ an, eine Mutation des Spätburgunders, den sie aus ihrem frz. Stammkloster Arbois mitgebracht hatten. Nach der Überlieferung befand sich in der Nähe eine kleine Wallfahrtskapelle, die von Pilgern aufgesucht wurde. In Anlehnung an das „Ave Maria“ wurde der Flecken bald als „Ave-Tal“ bezeichnet, woraus sich mit der Zeit im Volksmund das Affe-Tal herauskristallisierte. Bei aller Tradition ist und bleibt die Pinot Traube eine dünnhäutige Schönheit, die beachtet und gepflegt werden will, um sich zur vollen Schönheit entfalten zu können. Und das zeigt der vorliegende Spätburgunder leider nicht auf.In der vollen Nase haben wir Aromen von künstlichen Erdbeeren sowie leicht metallische Noten. Auf der Zunge präsentiert sich der typische Geschmack eines deutschen Einheitsklons, der im Stahltank mit moderner Kellertechnik ausgebaut wurde. Süßlich, gefällig, recht langweilig und etwas bitter im Abgang. In meinem Notizbuch steht nur ein Wort: „Industriewein“. Mehr Mut zu Qualität und Eigenständigkeit sowie weniger Kellertechnik würden der langen Tradition des Affentalers sicher besser stehen. Dafür würden wir auch gerne den ein oder anderen Euro mehr zahlen.

Hinteres Mittelfeld

Platz 13 – 2007 Meßmer Spätburgunder. Pfalz ca. 9,50€
Das Weingut Meßmer ist Mitglied beim VDP und betreibt konsequent umweltschonenden Weinbau (Verzicht auf Herbizide und Insektizide etc.). Darüber hinaus zeigt man sich auch offen für energetische Verfahren, mit denen sich Martin Meßmer intensiv seit mehr als zwölf Jahren auseinandersetzt. Geht man zum Beispiel bei einem Besuch des Weingutes durch den Gewölbekeller, schallt einem Mozart oder Miles Davis ins Ohr. Schön, denkt man, wie sich hier um die Gäste gekümmert wird. Doch da liegt man falsch. Die Musik wird nicht für die Besucher sondern für den Wein aufgelegt, der so harmonischer reifen soll. Bioresonanz heißt hier das Stichwort, welches aus der Heilpraktik stammt. Trotz all dieser Bemühungen um Qualität hat uns der Spätburgunder nicht richtig überzeugen können. Tabak und etwas Schwefel stechen in der Nase hervor, dann zeigen sich eher typische Aromen von reifen Erdbeeren. Auf der Zunge überraschte die Tester ein leicht moussierendes „Lambrusco Feeling“, was für einiges Stirnrunzeln sorgte. Der untypische Eindruck setzt sich dann weiter fort. Klebrig, süßlich, gefällig, kurz, so könnte man den Wein mit wenigen Worten beschreiben. Die eindimensionale Frucht erinnert mehr an Fruchtsaft denn an Wein. Vielleicht doch die falsche Musik aufgelegt?

Platz 12 – 2009 Barth Spätburgunder Qualitätswein trocken Rheingau ca. 9€
Jeweils drei Trauben („sehr guter Erzeuger“) in den Weinführern Gault Millau und Eichelmann des Jahres 2010 sprechen von einer überdurchschnittlichen Qualität der Barth Weine. Auch wir haben bisher von Barth nur gutes im Glas gehabt. Besonders die Sekte schmecken ausgezeichnet. Aber wie schon zu oft erlebt, ist das mit der Spätburgunder Traube im unteren Preisfeld so eine Sache.
Strenger Duft nach Lösungsmittel und Gewürzkiste. Ein Tester meinte gar einen versteckten Korkschmecker im Glas zu haben, so untypisch kommt die Nase daher. Überraschend die zurückhaltende Frucht (Himbeerbonbons), obwohl der Wein mit „fruchtig und unkompliziert“ beworben wird. Auf der positiven Seite stehen Anklänge von Schokolade und der recht weiche Gesamtcharakter. Dies hat zumindest einigen in der Gießener Weinrunde gefallen.

Platz 11 – 2008 Arndt Köbelin Spätburgunder tr. Kaiserstuhl ca. 9€
Der Gault Millau 2011 vergibt hier 88 Punkte (Sehr gut). Bei unserer Blind-Verkostung platzierte sich der Wein im hinteren Mittelfeld. Vor allem die Bitterstoffe und die teilweise untypische Nase haben hier zu etlichen Abwertungen geführt. Die zunächst verschlossene Nase öffnet sich nach einigen Minuten mit einer Mixtur aus angenehmen (Veilchen, Kirschen, Röstnoten) und eher merkwürdigen Aromen (Staub, Muff). Ein sehr schlanker Körper ist der erste Eindruck auf der Zunge. Dann folgte eine verhaltene Primärfrucht von Kirschen und roten Johannisbeeren und recht dominierende, adstringierende Gerbstoffe, die sich pelzig auf die Zunge legen. Dazu gesellen sich Vanille und laktische Eindrücke, die wohl von der zweiten Gärung herrühren. Die herben Noten im Abgang werden von den Testern, wie eingangs erwähnt, sehr heterogen bewertet. Kein Wunder, denn bei diesem Thema geht ja die Sensorik von Mensch zu Mensch schon immer sehr auseinander und ruft sehr unterschiedliche Wahrnehmungen hervor. Aus all diesen Eindrücken kann man jedoch herauslesen, dass Arndt Köbelin mutig an das schwierige Pinot Jahr 2008 herangegangen ist und einen eigenständigen, teilweise polarisierenden Wein erzeugt hat, der wohl weniger zum Solotrinken sondern eher als solider Essensbegleiter gedacht ist.

Mittelfeld

Platz 10 – 2009 Haltinger Winzergemeinschaft Baden „Weiler Schlipf“ ca. 6€
Die vorliegende Bewertung zeigt im Vergleich zum vorangegangenen Wein in der Summe wieder einen deutlichen Abstand auf. Das heißt, wir sind im Mittelfeld angekommen. 111 Mitglieder mit insgesamt 45 Hektar Rebflächen sind die Eckdaten dieser Winzergenossenschaft aus dem Dreiländereck, deren einfacher Spätburgunder wir jetzt im Glas haben. Die Nase zeigt einen typischen, für manchen auch unangenehmen, Pinot-Stinker nach Leder und süßlicher Dosenwurst; dazu Kirschen und Kalk. Die Frucht setzt sich im Mund fort, dazu Laktisches (Joghurt, Käse). Die Tanninstruktur ist noch etwas adstringierend, könnte aber durch Flaschenreifung gewinnen. Karamellnoten und ein eher weicher Charakter runden die Eindrücke ab. Mittellanger Abgang.

Platz 9 – 2007 Altenkirch Spätburgunder trocken Rheingau ca. 8€
Das Weingut Altenkirch liegt in Nähe von Lorch, einem ganz einzigartigen Ort, mitten im Weltkulturerbe Mittelrheintal: An einer der engsten Stellen des Rheins stürzt der Taunus mit einem Gefälle von bis zu 60 Prozent hinunter ins Tal und zwängt den Strom zwischen atemberaubend steile Hänge. Sonnenstrahlen treffen mit voller Kraft auf satt mineralischen Schieferboden. Optimale Bedingungen für Riesling- und Spätburgundertrauben. Dies zeigt sich auch im Wein: Schöne kühle Veilchen, Röstaromen, etwas Trockenfrüchte und Himbeere in der Nase. Grüntöne, eine Säure von roten Johannisbeeren und dominante Gerbstoffe hinterlassen im Mund noch ein etwas unharmonisches Gesamtbild. Der Wein hat sicher noch Reifepotential. Die dezente Mineralik sowie karamellige, würzige und nussige Röstnoten im Abgang haben schon jetzt gefallen. Tipp: Der Gutsausschank des Weingutes hat nicht nur Wein sondern auch leckere Mahlzeiten im Angebot. Schönes Ausflugsziel.

Platz 8 – 2009 Weingut Knab Spätburgunder „Engelsberg“ Baden ca. 10€
Endlich haben wir wieder mal eine Winzerin am Start. Die Rede ist von Regina Rinker, die zusammen mit ihrem Mann Thomas das Weingut Knab leitet. Sie ist Mitglied im Verein „Vinissima – Frauen und Wein“. Seit dessen Gründung vor 20 Jahren am Kaiserstuhl hat sich diese Institution einen festen Platz und viel Anerkennung in der Weinwelt erobert und zur Aufgabe gemacht, die Weinkultur aus weiblicher Sicht zu fördern. Etwas elitär mutet das ganze Unternehmen für Außenstehende aber schon an, denn ohne Weiteres ist nicht in die erlesene Runde zu kommen. Es braucht ein Jahr Vorlaufzeit und eine „Patin“, welche die Mitgliedschaft gutheißt. Ob die 20 Jahre Vinissima dafür mitverantwortlich sind, wissen wir nicht, jedenfalls hat der Einstiegswein des Weingutes in Sachen Spätburgunder in unserer Runde für positives Feedback gesorgt. Die Nase ist sehr interessant, da sich zu der Frucht (rotes Fruchtkompott) noch ungewöhnliche medizinischen Aromen, etwas Schwefel sowie Anklänge von Schweinefleisch (sic) hinzugesellen, was immer wieder zum „Nachriechen“ animiert. Auf der Zunge spielt sich ein Geschmackskino mit wechselnder Handlung ab. Eingangs steht eine Blonde Schönheit im cremig-kirschigen Kleid im Mittelpunkt, dann folgt der Machoheld mit seiner herben Art. Nun zeigen sich auch die Kleinen Sprösslinge in Form von Rosinen, um wieder den Bittertönen des Papas zu weichen. Der Wein trinkt sich schon jetzt sehr schön, muss aber noch „zusammenwachsen“. Speisempfehlung zu diesem Wein: Koteletts vom Iberico Schwein aus dem Backofen.

Platz 7 – 2008 Gies-Düppel Spätburgunder Quarz Pfalz ca. 9€
Volker und Tanja Gies sind bei unserer Verkostung gleich mit zwei Weinen vertreten. Seit Volker Gies 1999 die Verantwortung im Südpfälzer Weingut übernommen hat, reduzierte er die Erträge und bemüht sich im Keller um charaktervolle Weine. Bestätigung für unsere Zungen: Das schwächere Jahr 2008 platziert sich, sehr respektabel, im vorderen Mittelfeld, der 09er gar unter den Gewinnern der Verkostung. Dezentes Holz mit Röstaromen, Kühles, weißer Pfeffer sowie ein schöner Veilchenduft entströmen dem Glas. Die Säure und grüne Noten vom Apfel lassen den Wein am Gaumen noch etwas unharmonisch wirken. Der „Rest“ kommt aber sehr stimmig daher. Insbesondere die weichen Tannine und nussige Töne haben gefallen. Die Frucht wirkt klar und kommt mit einer dezenten Süße daher. Insgesamt ein zugänglicher und eher unkomplizierter Wein, was bitte positiv zu verstehen ist. Vielleicht erwähnenswert ist, dass dieser Wein für das Sommerfest 2010 des Bundespräsidenten ausgewählt wurde, dessen Name mir spontan einfach nicht einfallen will.

Seeger, Altenkirch, Pfirmann - Rang und Namen war dabeiVorderes Mittelfeld

Platz 6 – 2009 Pfirmann Spätburgunder Kalkgestein ca. 8€
Das Weingut haben wir ja vor Ort kennen gelernt und zuletzt den Spätburgunder „Mütterle“ hier vorgestellt.Auch dieser Wein von Pfirmann hat uns wieder einmal überzeugt. Und nein, wir erhalten keine Werbepauschale. Verkostungsnotizen: Veilchen und Pfeffer in der Nase, schöne Fruchtsüße, leichter Körper, cremig, mit einer Säurespitze, süffig, laktisch, schönes Holz. Im Abgang immer eleganter werdend. Der Kalk macht’s! Empfehlung.

Platz 5 – 2008 Wageck Pfaffmann Spätburgunder ** Pfalz ca. 7€
Die Weine werden intern mit bis zu drei Sternen klassifiziert. Trockene Rotweine werden nach einer Maischegärung im Edelstahltank, und ab der hier vorliegenden 2 Sterne-Klasse traditionell im großen Holzfass ausgebaut. Die 3 Sterne-Weine reifen in Barriquefässern. Angenehme Nase von Himbeere, Vanille, Ricola, Rumtopf und erdigen Töne. Im Mund etwas käsig, eine schön stützende Säure balanciert die leicht adstringierende Tannine gut aus. Vielleicht etwas zu alkoholisch im Abgang, aber mit einer gewissen Nachhaltigkeit.

Platz 4 – 2009 Seeger Blauer Spätburgunder Heidelheimer Herrenberg ca. 10€
BoBB – Best of Badische Bergstraße. Unter diesem Titel haben ja bereits schon ausführlich im vergangenen Herbst über Seeger berichtet. Das nur 7 ha kleine Familienweingut in Leimen bei Heidelberg an der badischen Bergstraße konnte mit viel Engagement bereits dreimal den deutschen Rotweinpreis gewinnen. Dabei ist Thomas Seeger hierzulande einer der Vorreiter für den Barrique-Ausbau. Schon der Gutswein „Blauer Spätburgunder“ zeigt eine schöne Frucht und Eleganz, die man in dieser Preisregion nicht häufig antrifft. Volles einladendes Bouquet von Kirschen, Vanille, Kakao und Kräutern. Aber auch Kalk und „Staubiges“ hatte mancher Verkoster in der Nase. Ein volles, cremiges Mundgefühl wird getragen von Röstnoten, sortentypischer Frucht (Kirsche, Brombeere) und schönes Tannin. Vielleicht etwas zu viel Holzeinsatz; die Vanille dominiert. Potential.

Siegertreppchen

Die Top drei Pinots der Probe!

Platz 3 – 2009 Gies-Düppel Spätburgunder Quarz Pfalz ca. 9€
Auf dem dritten Platz der 09er Jahrgang des Quarz. Sehr angenehme, vielschichtige Nase von dunklen Kirschen, grünen und roten Gummibären, Vanille, leichte Lakritze und Veilchen. Die Frucht setzt sich auf der Zunge fort. Mundfüllender Körper, konzentriert, weich, cremig, dezent mineralisch, mit schönen Tanninen. Die angenehme Säure balanciert den Wein gut aus. Lediglich die Fruchtsüße wirkt etwas klebrig. Sehr schöner Spätburgunder unter 10€!

Platz 2 – 2008 A. Christmann Spätburgunder Gutswein Pfalz 10,90€
Ein einfacher Gutswein auf Platz zwei. Spaß beiseite. Steffen Christmann hat hier alles richtig gemacht und einen Wein von internationalem Format auf die Flasche gezogen. Seit 1996 wird der Betrieb von ihm in der 7. Generation zu qualitativ immer neuen Höhen geführt. Verkostungseindrücke: Würzige Nase von Kirschen, Himbeere, Vanille, Toast und etwas Schwefel. Auf der Zunge ein konzentrierter, cremiger Stil mit viel Finesse. Zunächst auffallend ist eine elegante Süße, die am Rande der Klebrigkeit dahinschlingert. Die lebendige Säure gefällt, ohne zu dominieren. Alles wirkt harmonisch und zusammen. Ein lang anhaltender Abgang, der die Röstaromen „hochspült“ und die verbleibenden Geschmackseindrücken auf der Zunge in ein neues Licht stellt, ist als weiterer Pluspunkt zu nennen. Klasse Winzer, toller Wein.

Der Sieger!

Platz 1 – 2009 Weingut Dr. Crusius Traiser Spätburgunder tr. Nahe 9,50€
Die Spitzenlage des Weinguts, die Traiser Bastei, liegt spektakulär am Fuß des Rotenfelsmassivs, einem Porphyrfelsen, der als höchste Steilwand nördlich der Alpen gilt. Alleinverantwortlich seit 1991, führt der promovierten Önologen Peter Crusius den Familienbetrieb wieder an die Spitze an der Nahe zurück, was auch diese Probe unter Beweis stellt. Mit deutlichem Abstand hat dieser Wein, 1999 erstmalig vinifiziert, in der dritten Drunkenmonday Pinot Blindprobe das Siegertreppchen erklommen. Sofort nach dem Einschenken und den ersten olofaktorischen Eindrücken wird klar, wo die Reise hingeht. Himbeere mit Orangenschale, Vanille, Mandeln und ätherische Töne (Minze, Kräuter) entströmen dem Glas und lassen auf einen klasse Wein schließen. Im Mund wieder Orangenschale. Ein erstaunlich komplexer Gesamteindruck stellt sich ein. Das Mundgefühl ist recht vollmundig und schmelzig, mit schönem Fruchtkern bei dezenter Süße. Dazu gesellt sich ein gekonnter Holzeinsatz, nicht zu viel, nicht zu wenig, die Aromen gut stützend. Der Wein wirkt, was die mürben Tannine angeht, noch etwas jung und hat sicher das Potential, in den nächsten 3 – 5 Jahren noch weiter zuzulegen. Sensationelles Preis-Genuss-Verhältnis. Exzellent!

Nach dem Tasting ist vor dem Tasting ...Fazit:
Deutschlands Spätburgunder sind Weltklasse? Das mag für den ein oder andern Wein im oberen Preissegment vielleicht gelten, unter 10€ muss man aber schon etwas Glück und Erfahrung haben, um einen anständigen Pinot zu erwischen. Denn auch auf einzelne Erzeuger ist nicht immer Verlass, zu unterschiedlich präsentieren sie sich in den einzelnen Jahrgängen. Ein weiteres interessantes Ergebnis nach drei Proben und fast 50 verkosteten Weinen: Deutsche Spitzenwinzer in Sachen Pinot waren bis vor wenigen Jahren fast immer „VDP“ Mitglieder, aber diese Zeiten sind definitiv vorbei. Die Musik spielt in Deutschland heute auch außerhalb des VDP.

Ausblick:
Am Thema Pinot aus Deutschland bleiben wir weiter dran und greifen dabei einen Leservorschlag auf, das spannende Preissegment zwischen 10 und 25 Euro in einer der nächsten Proben näher zu beleuchten. Hinweise und Empfehlungen bitte per Kommentar posten.


Link zur ersten „Deutsche Spätburgunder unter 10€ Probe“ bei Drunkenmonday

Link zur zweiten „Deutsche Spätburgunder unter 10€ Probe“ bei Drunkenmonday

14 thoughts on “Aller guten Dinge sind Drei – Pinot bis 10€ aus Deutschland

  1. Wieder einmal sehr ausführlich zusammengefasst Jürgen! Vielen Dank dafür!

    • Gern geschehen.
      Ich denke, ein Blogbeitrag zu so einem umfangreichen Tasting sollte etwas mehr als reine Verkostungsnotizen bieten, daher die vielen Worte. By the way: Hast du die Summen der Einzelergebnisse vergessen oder mit Hintergedanke ausgelassen?

      • Hi Jürgen! Olaf hatte die Flasche für 10€ erworben. Passt also 😉

  2. Zum Wohl, werte Weinfreunde. Bin gerade selbst mit der Lese beschäftigt und deshalb nur kurz meine Freude darüber zum Ausdruck gebracht, dass Dr. Crusius ganz vorn eingefahren ist. Ich schließe mich der Preis-Genuß-Einschätzung an, auch, das Crusius schon seit langer Zeit zu den besten Rotweinerzeugern Deutschlands gehört. Ca. 10€ muß man für einen wirklich guten Spätburgunder fast immer einplanen. Die Rebsorte macht schon im Berg viel Arbeit. Und die Kellermeister sagen, beim Vinifizieren wird`s nicht einfacher!

    • Mosel hatten wir glaub ich bei Part1 mit dabei (Lehnert-Veit). Danke auch für den Tip mit Steinmetz. Immer her mit den guten Empfehlungen! 🙂

  3. Hallo zusammen, ich freue mich auch schon riesig auf die Runde der 10 – 25 Euro € Pinot. Insgesamt ist mir aufgefallen, das bei allen getesten Pinots nur ganz wenige waren, die zum Nase rümpfen aufforderten. Fast alle waren wirklich gut gemacht entsprachen aber nicht mehr unserem Geschmacksprofil eines in erster Linie würzigen und nach Kräutern schmeckenden Pinots mit einer etwas dezenteren aber präsenten Frucht. Sehr oft bewerten aber Pinot Einsteiger die primärfruchtbetonteren Spätburgunder deutlich höher. Aus diesem Grund werden auch die Kandidaten aus dem LEH weiterhin ihr Käufer finden.

  4. Pingback: Viel Schatten, wenig Licht: Pinot Noir World Tour in einer Blindprobe « Drunkenmonday Wein Blog

  5. Ich wollte schon seit längerem einen Kommentar zu dieser Verkostung schreiben….
    Eins vorweg:Ich trinke nur sporadisch Rotwein und viel häufiger Weisswein.
    Zur Sache:Kurz nach Erscheinen dieses Beitrags war ich auf Heimatbesuch an der Nahe. Vater hatte Geburtstag, ich wollte ein paar schöne Flaschen Wein mitbringen und stoppte kurz beim Weingut Crusius, obwohl es normalerweise nicht zu meinen Favoriten an der Nahe gehört.Angeregt durch diesen Beitrag nahm ich neben Riesling auch ein paar Flaschen des Spätburgunders mit, den wir abends in größerer Geburtstagsrunde probierten.
    Was soll ich sagen…Richtig schlecht fand niemand diesen Wein, aber begeistert war auch niemand.Man empfand ihn allgemein als zu wuchtig und alkoholisch, dabei ohne Eleganz.Trotz sporadischem Rotweinkonsum kann ich einige Spätburgunder der gleichen Preisklasse anführen, die ich für gelungenener´halte, u.a. auch eure Nummer 8, den Knab.

  6. Hallo Frühlingsplätzchen,
    ich denke das ist oft ein Problem bei Rotweinen. Die eher „wuchtigeren“ und kräftigeren sehen in Blindproben einfach besser aus. In diesem Fall des Crusius Spätburgunders war sich aber die ganze Manschaft aus 10 Menschen einig, dass wir hier den besten Spätburgunder aus der Runde im Glas hatten.
    Danke für die Antwort,
    Nico Medenbach

  7. Hallo drunkenmonday, hallo Nico Medenbach,

    ich habe mich über die Reaktion gefreut.
    Beim Weisswein habe ich erlebt, dass Trinkerfahrung die Vorlieben verändern kann, insofern halte ich es für möglich, das „geübtere“ Rotweintrinker diesen Spätburgunder anders einschätzen.
    Unabhängig davon möchte ich euer Blog loben; ich lese die Beiträge sehr gerne !

    Mit den besten Weihnachtswünschen

    Frühlingsplätzchen

  8. Pingback: Volnay, Gevrey-Chambertin und Chambolle-Musigny – Pinot Herz, was willst du mehr? « Drunkenmonday Wein Blog

  9. Hallo zusammen,

    spannendes Thema interessant, recht breit und unbeirrt über drei Proben aufbereitet. Chapeau!
    Das Fazit nach Teil III kann ich voll und ganz teilen.

    Noch ein PLV-Tipp: Weingut Hauck in Bermersheim und ja, Bernhart’s Basis-Spätburgunder ist in guten Jahrgängen eine Bank.

    Beste Grüße

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