Wie Originel – REWE Wein goes BIO

Originel Wein von Barton und Guestier

(JR) Bioware wird zunehmend auch von Supermärkten und Discountern verkauft. Doch Skepsis ist angebracht. Das BIO Siegel der EU hat durch gezielte Lobby Arbeit der Food Industrie mit den Idealen der Biobewegung nicht mehr allzu viel zu tun. Alles kann und darf sich BIO nennen, auch wenn nur ein Teil des Produktes biologisch erzeugt wurde. Ökologisch produzierte Lebensmittel dürfen laut EU Verordnung zudem bis zu 0,9 % gentechnisch veränderte Organismen enthalten. Synthetische Pestizide? Auch kein Problem für das BIO Label.

Ganz übel kann es den „biologisch“ erzeugten Weintrauben nach der Lese dank moderner Kellertechnik ergehen. Hier ist – trotz BIO – buchstäblich alles erlaubt: Mostkonzentration, Kaltvergärung, Schwefel bis der Arzt kommt, genetisch veränderte High-Tech-Hefen – you name it.
Die beiden neuen REWE BIO Weine aus Frankreich haben mich deshalb zunächst etwas zögernd vor dem Regal stehen lassen. Der renommierte Erzeuger hat dann aber den Ausschlag zum Kauf gegeben, denn Barton & Gustier aus Frankreich setzt sich nachhaltig für die BIO Idee ein.

Gut gekühlt legt der Originel Sauvignon Blanc 2010 von der Loire einen überzeugenden Auftritt hin. Helles Stohgelb im Glas. Stachelbeere, Grapefruit, Pfirsich, Zitronenmelisse und etwas Petersilie in der Nase. Die Frucht setzt sich auf der Zunge fort. Das leicht cremige Mundgefühl wird durch eine schöne Säure ausbalanciert. Hinzu kommen dezente bitter-krautige Noten im Abgang, die sich schon in der Nase angekündigt haben. Der Wein wirkt frisch, fruchtig und nachhaltig. Als Aperitif, zu warmen Käsevariationen (Grillkäse, Raqulette etc.) sehr zu empfehlen. Zu gegrilltem Kohlrabi (mit „piper longum“ und Salzbutter in der Alufolie) eine Wucht. Tipp: Der Genuss steht und fällt mit der Temperatur. Also nach dem Öffnen ab ins Eiswasser oder zurück in den Kühlschrank.

Auch der Originel Merlot 2010 aus dem Languedoc schmeckt (leicht) gekühlt deutlich besser. Pflaume, schwarze Johannisbeere, Schokolade und Anklänge von Pfeffer in der dezenten Nase machen Lust auf mehr. Im Antrunk rote Beeren und dezente Tannine, die sich nach einiger Zeit auf die Zunge legen. Die Säure hätte für meinen Geschmack intensiver ausfallen können. Relativ kurzer Abgang mit etwas Vanille und phenolischen Aromen im Rachen. Der Merlot wirkt zwar gefällig aber auch etwas belangloser als der Sauvignon Blanc, mit dem er qualitativ nicht ganz mithalten kann. Auf der anderen Seite würde ich diesen sauber gemachten BIO Wein jedem 0815 „Übersee“ Merlot vorziehen. Passt gut zum BBQ, besonders zu Spareribs “low and slow“ mit Bohnen. Have fun!

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6 thoughts on “Wie Originel – REWE Wein goes BIO

  1. „Kaltvergärung, Schwefel bis der Arzt kommt“

    Inwiefern eine kalte Vergärung der biologischen Erzeugung von Wein entgegensteht, erschließt sich mir genausowenig wie das Schwefeln eines Bio-Weins. Wo liegt das Problem?

  2. Hallo Ben,

    danke für die Nachfrage.
    Ich hätte das im Artikel in der Tat genauer erklären sollen.

    BIO steht für gesunde, nachhaltige erzeugte und transparente Produkte.(Wikipedia/Ökologische Landwirtschaft)

    Der Durchschnittsverkaufspreis für Wein in Deutschland liegt unter zwei Euro pro Flasche.

    Der Bioweinkäufer gibt im Durchschnitt jedoch doppelt so viel aus, um ein nicht nur umweltverträglich erzeugten, sondern auch qualitativ besseren Wein zu erwerben. Mit diesem Liefestyle verdienen die großen Handelsketten, die jetzt auch auf den „BIO Wein Zug“ aufspringen, sehr viel Geld. Nur mit der BIO Qualität ist das beim Wein so eine Sache.

    Spätestens im Keller ist nämlich Schluss mit den Biovorschriften.
    Für ökologisch erzeugte Weine gelten hier die allgemeinen weinrechtlichen Bestimmungen der EU.
    (http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=OJ:L:2006:404:0026:0038:DE:PDF)

    Die nach EU-Recht zulässigen Manipulationen bei BIO Weinen haben es dabei in sich. Ich habe im Blogbeitrag nicht alle aufzählen wollen und nur einige beispielhaft herausgestellt.

    Schwefeldioxid ist nicht gerade gesund und hat in den erlaubten Mengen im BIO Wein deshalb nichts zu suchen. Ein BIO Weingut in Südafrika (Stellar Organic) arbeitet z.B. völlig schwefelfrei mit bestem Erfolg.

    Die angesprochene Kaltvergärung sowie alle anderen Verfahren sind ebenfalls weder natürlich noch unbedingt notwendig, es sei denn, man hat im Weinberg nicht richtig gearbeitet oder anderes im Sinn.
    Für die anschließende – normalerweise natürlich stattfindenden malolakatische Gärung – muss man z.B. nach der künstlichen Kaltvergärung erneut die Temperatur des Weins manipulieren und auf über 20 Grad bringen. Alle Verfahren kosten Energie, verändern das Produkt und haben mit dem BIO Gedanken nichts mehr zu tun.

    Deshalb ist das EU-einheitliche sechseckige Biosiegel keine Garantie dafür, dass ein zertifizierter BIO Wein von oben genannten Eingriffen verschont bleibt.

    Für mich ist das Problem die absichtliche Irreführung des Verbrauchers zum Zweck der Gewinnmaximierung.

    Abschließend noch der Hinweis auf ein sehenswertes Feature zu diesem Thema:

    „Geheimsache Bio“ – Panorama Sendung vom 7.10.2009

    Kann man hier online ansehen:

    http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/panorama_die_reporter/panorama338.html

    JR

  3. die 0,9 % sind sicher der Kontaminierung bei der Logistik geschuldet. Die Biobauern mischen das nicht absichtlich rein. 100% Gentechnik (Z.b. Soja aus Brasilien für die Tofuwurst) frei macht die Bioproduktion heutzutage leider um einiges teurer. Schwefel ist sicher nicht gesund, der Alkohol im Wein ist aber auch ein Nervengift. Die Weine von Stellar sind aber wirklich nett! Und dann könnte man sich ja noch darüber streiten was „natürliche“ Weinbereitung ist. Letzendlich ist es doch auch nur eine Definitionssache. „Natürlich“ wird Traubensaft zu Essig

  4. Ehrlich gesagt bereitet mir dies Schmerzen:

    „REWE Wein goes BIO“.
    Was genau soll denn dieses „goes“ zum Ausdruck bringen?

    „Das BIO Siegel der EU hat durch gezielte Lobby Arbeit der Food Industrie mit den Idealen der Biobewegung nicht mehr allzu viel zu tun.“
    Was ist eine Food Industrie? Warum bitte wird hier der heilige Verbraucher, so jedenfalls der Duktus des Artikels, mit völlig sinnlosen Begriffen gequält? Welche Lobby, welche Arbeit? Das Putzen der Hoteleingangshalle, mit oder ohne Schwefel?

    Hinsichtlich der biologischen, respektive natürlichen Weinerzeugung, schließe ich mich den anderen Kommentatoren an; dies ist weitgehend Definitionssache.

  5. NA ja. Da wird das EU-Biosiegel zu Unrecht schlecht gemacht. Auch bei Ecovin, Demeter, … ist Schwefeln erlaubt. Eine kalte Vergärung bügelt keine Fehler im Weinberg glatt und der BSA findet auch unter 20°C statt. Es gibt eben keine Verordnung wie aus ökologisch erzeugten Trauben Wein zu machen ist, und nur weil etwas erlaubt ist praktizierts nicht jeder. Dann dürfte man ja gar keinen konventionellen Wein trinken wenn der mit dem EU-Siegel schon so giftig ist.

  6. Hallo zusammen,

    Ok, der ursprüngliche Beitrag ist schon nahezu 2 Jahre alt, hatte damals aber schon nur bedingt etwas mit der Realität zu tun.

    1. Das sechseckige Bio-Logo ist eine deutsche Erfindung und wird nicht EU-weit eingesetzt.
    2. Schon damals hat man sich auf EU-Ebene mit dem Thema einer sogenannten Kellerrichtlinie befasst (bei einer kleinen Recherche in den Untiefen des Internet wäre man da auch schnell darauf gestoßen). Diese ist nun seit August 2012 gültig. Daher gibt es auch nicht mehr ‚Wein aus Trauben aus ökologischem Anbau‘, sondern ‚Biowein‘. Erkennen kann man den Biowein an dem neuen EU-Bio-Logo.
    3. Die Kellerrichtlinie erlaubt weiterhin den Einsatz von Schwefel im Wein. Die zulässigen Höchstmengen wurden jedoch vermindert und liegen jetzt weit unter den im konventionellen Anbau erlaubten Werten. Was die Kellerrichtlinie alles so zu bieten hat, kann man sich gerne auf der Seite der EU anschauen.
    4. „Alles kann und darf sich BIO nennen, auch wenn nur ein Teil des Produktes biologisch erzeugt wurde.“ Tatsache ist, dass in einem nach EU-Verordnung hergestellten Produkt, 5% konventionelle Beimischung erlaubt ist. Tatsache ist aber auch, dass viele Farbstoffe, Konservierungsmittel und Aromastoffe verboten sind. Stoffe, die ein einem Lebensmittel nichts zu suchen haben. Ein Weizenbrötchen muss nicht durch Zuckercouleur zu einem vermeintlichen Roggenbrötchen umgefärbt werden. Übrigens ist bei der Verwendung der Verbandslogos (Demeter, Bioland, Naturland, …) in der Regel 100% Bio in den Produkten.
    5. Die Aufzählung der kellertechnischen Möglichkeiten ist seit Einführung der Kellerrichtlinie auch Makulatur. Eigentlich alles verboten, was hier so aufgezählt wird oder auf ein oenoligisch vernünftiges Maß beschränkt. Besonders interessant ist nach dieser Aufzählung die Lobeshymne auf den Originel Sauvignon Blanc. So wie der Wein hier beschrieben ist, wurde der Wein sicherlich kaltvergoren. Als Winzer will ich nicht, dass mein Keller nach Grapefruit, Zitronenmelisse und Stachelbeeren riecht. Das passiert dann, wenn die Gärung zu stürmisch, da zu warm, verläuft. Dann bläst es regelrecht die Aromen aus dem Tank in den Keller und der Wein ist langweilig. Einen Wein mit den Attributen, wie im Beitrag aufgeführt, bekommt man eben mit einer temperaturgeführten Gärung besser hin als ohne. Das ist auch kein technischer Eingriff, da am Wein selber nichts gemacht wird. Das sehe ich als unproblematisch an.
    6. In meiner Studienzeit hat ein Professor uns immer wieder einen Satz mit auf den Weg gegeben: selber denken macht schlau! Also nicht immer unreflektiert den oft schlecht recherchierten Quark der multimedialen Welt wiedergeben. Vom ständigen wiederholen von solchem Quark, wird er nicht besser und auch nimmt der Wahrheitsgehalt nicht unbedingt zu.

    Grüße an alle Bio-Skeptiker.

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