Steen vs. Pineau de la Loire – Chenin Blanc im Ländervergleich

Chenin Blanc Südafrika vs. Loire

(NM) Lange, wirklich lange habe ich mich auf diese Probe gefreut. Im Rahmen des regelmäßigen Drunkenmonday Meeting-Zyklus traf sich die Gruppe zu einer Rebsorten bezogenen Vergleichsprobe. Quasi das Endspiel um den Chenin Blanc Cup. Im Finale: Frankreich (vertreten durch eine Auswahl der Loire) und Südafrika.

Chenin Blanc gehört zu den flexibelsten Rebsorten der Weinwelt. Ähnlich dem Riesling spielt sie in den perfekte Traube in nahezu allen Positionen auf dem Weinfeld: Trockenverteidiger, Mittel-Sweet-Feld, im Süßsturm mit Zuckerflanken und als Schaumweinwart unter hohem Druck. Kaum eine andere Rebsorte spielt in dieser Liga. Doch nun genug mit dem Fußballerischen Vergleichsunsinn. Unser Fokus lag heute in den „trockenen“ Varianten aus den beiden oben genannten Ländern. Folgende Weine traten an:

Für Südafrika:

2010 Boschendal Chenin Blanc
2009 Mulderbosch „Steen Op Hout“ Chenin Blanc
2009 Spice Route Chenin Blanc
2009 Springfontain Chenin Blanc „Terroir Selection“

Für die Loire:

2009 Xavier Weisskopf Le Rocher des Viollets „Touche Mitaine“ Sec
2009 Xavier Weisskopf Le Rocher des Viollets „Les Borderies“
2009 Langlois Chateau Samur Chenin Blanc
2009 Clos de Nouys Vouvray Chenin Banc Sec
2009 Marc Bredif Vouvray Chenin Blanc
2007 Huet „Le Mont“ Vouvray Sec
2007 Huet „Clos de Bourg“ Vouvray Sec

Wie schmeckt Südafrika?

Auf Grund der Tatsache, dass Chenin Blanc in der Loire auch gerne gute Säurewerte entwickeln kann, starteten wir mit dem Team aus Südafrika. Hier kann der Chenin auch schon einmal „Steen“ genannt werden. Obwohl wir in der Probe nur vier südafrikanische Vetreter hatten, versucht die Kap Region tendenziell den etwas molligeren und breiteren Stil (im Vergleich zu den Chenins von der Loire) an den Kunden zu bringen. Der 2009er Boschendal konnte zu Beginn leider nicht überzeugen. Ein gut gemachter, sauber Chenin, der mit seinem recht öligen Auftreten und den deutlichen 14% Alkohol nicht wirklich begeisterte. Hier fehlt es trotz reichlich Säure an Frische und Leichtigkeit. Mittlere Mittelmäßigkeit bei 83 Punkten. Schon besser machte es dann der 2009er Mulderbosch „Steen Op Hout“. Deutliche Noten von Heu, Grapefruit, süßem Apfel, Mandeln und leichte Mineralik kamen besser in der Runde an. Ich mochte den Stil und vergab gute 87 Punkte.

Holz-Chenin aus Südafrika?Bei den nächsten beiden Südafrikanern war sich der Tisch eigentlich einig. Sowohl der 2009er Spice Rout Chenin Blanc wie auch auch 2009er Springfontain Chenin Blanc „Terroir Selection“ waren primär vom Holz dominiert. Hier stellten wir uns die Frage: Warum die „besten“ Trauben, bei niedrigem Ertrag, extremer Sorge und Pflege im Weinberg, in limitierter Auflage (nur 5000 Flaschen gibt es von der „Terroir Selection“) ordentlich von Holz maskiert werden, dass man von all der Sorge, dem „Terroir“ und der Qualität der Trauben fast nichts mehr schmeckt? Nicht falsch verstehen, beide Weine waren wirklich gut. Wenn man den Stil mag. Hier wurde richtig Geld in „gute Eiche“ investiert. Feine Vanille und Tannenharz Noten, kräftiger Körper und langer Abgang. Nur leider blieb der „Terroir“-Faktor z.b. beim Springfontain fast gänzlich auf der Strecke. Schlussendlich wurden beide Weine im End-Achtziger Bereich bewertet.

Loire: beeindruckend knackig!

Xavier Weisskopf Chenin BlancDen Anfang machten zwei Chenins des jungen Winzers Xavier Weisskopf. Der 2009 Le Rocher des Viollets „Touche Mitaine“ Sec ist eine kühle, geradlinige, rassige, schlanke und animierende Interpretation der Chenin Traube. Mit feiner Apfel und Birnen Aromatik, feiner Säure und leichte Mineralik ein Paradebeispiel für klassischen und trockenen Loire Chenin. 88 Punkte schrieb ich unter die Notizen zu diesem Wein. Mit dem 2009 „Les Borderies“ geht Xavier einen ganz anderen Weg. Mit leichter Restsüße, fantastischer rauchig/mineralischer Note, feiner Quitte und großartigem Süß/Säure Spiel überzeugt der Wein auf ganzer Linie! Für 12€ dazu noch ein echtes Schnäppchen! Zack: 91 Punkte.

Marc Bredif VouvrayDie nächsten beiden Weine sind etwas für echte „Acid-Heads“. Sowohl 2009 Langlois Chateau Samur Chenin Blanc (88 Punkte) als auch der 2009 Clos de Nouys Vouvray Chenin Banc Sec (86 Punkte) kitzeln mit ihrer Säure nicht nur den Gaumen. Rustikale Weintypen eben. Beides knackige Chenins, der Langlois Chateau einen Ticken reifer und voluminöser, mit schöner Bienenwachs-Aromatik und rauchiger Mineralik. Der Clos de Nouys ist dagegen etwas mehr von Zitrus/Grapefruit Aromen geprägt, welche die Säure in ihrer Ausprägung noch verstärkt. Das hier ist nichts für zarte Gaumen. Ganz anders hingegen zeigte sich der nächste Chenin in der Runde: 2009 Marc Bredif Vouvray Chenin Blanc. Die Säure ist hier deutlich zurückhaltender, das Mundgefühl cremiger, voller und mit minimaler Restsüße wunderbar harmonisch. Noten von Honig, Blutorange und leichter Mineralik bilden eine tolle Balance. Auch hier gibt es für 12€ einen tollen Wein! Runde 90 Punkte.

Huet das Maß der Dinge?

Domaine Huet Vouvray Chenin BlancAls letztes standen zwei Flaschen Chenin Blanc von Domaine Huet auf dem Tisch. 2007 Huet „Le Mont“ Vouvray Sec
und 2007 Domaine Huet Vouvray „Clos de Bourg“ Sec. Huets Einzellagen Chenins fallen je nach Jahrgang süß oder trocken aus. 2007 wurde die Lagen „Le Mont“ und „Clos de Bourg“ sec, also trocken ausgebaut. Beide Weine bildeten ohne Frage die Spitze der Probe. Dabei ist „Le Mont“ momentan der zugänglichere, offenere Wein. Er zeigt einen Korb voll Zitrusfrüchte, gemischt mit Apfel und Birne. Am Gaumen wirkt alles „zusammen“ und harmonisch, die Säure passt wunderbar in der Gesamtbild. Französische Eleganz mit toller Trinkigkeit. Super Wein! 91-92 Punkte!

Wirklich groß wurde es dann mit dem 2007er Domaine Huet Vouvray „Clos de Bourg“. Momentan zwar noch etwas verschlossen, doch kann man erahnen, was sich hier in der Entwicklung befindet: Schon die Nase zeigt sich komplex. Verbranntes Gummi, rauchige Mineralik, Haselnuss und Birne verbinden sich zu einem höchst interessantem Duft. Auch am Gaumen schmeckt man das Potential des Wein. Noch dicht und kompakt, doch mit rassiger Säure warte man auf den Ausbruch des Wein-Vulkans. Hier zeigt Chenin Blanc ihr wahres Potential. Momentan liegt der Wein bei 92-94 Punkten, mit Tendenz nach oben.

Der Schlussstrich unter der Zwischenbilanz?

Abschließend muss man sagen, dass der Chenin-Cup in dieser Auflage eindeutig an die Loire geht. Hier wurden einfach die spannenderen Weine gezeigt, und die Spitzen nicht von Holz malträtiert. Chenin Blanc – bitte weitersagen – eine wunderbare Rebsorte!

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5 thoughts on “Steen vs. Pineau de la Loire – Chenin Blanc im Ländervergleich

  1. Schade, dass ich den Abend verpasst habe. Die Weinauswahl ist wirklich gelungen. Aber warum habt Ihr mit den „dicken“ Südafrikanern angefangen? Normalerweise startet man doch mit den eher schlanken Weinen.

    • Hi Jürgen!
      Die beiden Bieber-Weine gabs es in der logischen Reihenfolge auch etwas weiter hinten in der Verkostung. Nur für die Übersicht im Text hab ich sie so plaziert.

  2. Scheint eine spannnende Probe gewesen zu sein! Habe letztes Jahr Huet Le Mont sec von 1996 getrunken (94). Er schien mir gerade auf dem Höhepunkt zu sein, deutlich feiner als schon sehr gute 1998er Coulee de Serrant (92). Ich denke die trockenen Chenins von Huet belohnen 10 Jahre Geduld reichlich. Wie schätzt Ihr das Reifepotential bei den anderen Erzeugern ein? Bauen sie auch in Holz aus?

  3. Pingback: Ist der Name Programm? 2008 Boekenhoutskloof The Chocolate Block « Drunkenmonday Wein Blog

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