Weinrallye #45: Südafrika am Start – 1996, 1999, 2000 Kanonkop Paul Sauer

Kanonkop Paul Sauer Vertikale(NM) Anstich zur Weinrallye #45 auf Drunkenmonday. Auch die Gastgeber lassen sich nicht lumpen, und durchforsten die heiligen und privaten Weinhallen nach dem ein oder anderen „reifen Wein“. Fündig wurde ich unter anderem mit diesem interessanten Trio der 2 lustigen vier: Kanonkops Bordeaux Premium Highend Blend „Paul Sauer“ aus den Jahren 1996, 1999 und 2000. Wie schlägt sich denn nun die oft verschriehenen südafrikanische Weinwelt in der Bundesliga der Weinbaukunst, dem „reifen“ bzw. „altern“? Immerhin kosten aktuelle Jahrgänge dieses Weines auch um die 30€, werden ordentlich von frischem Holz verwöhnt und genießen ausgesprochen hohe Selektionen und niedrige Erträge in den Weinbergen. Wie schmeckt so etwas nach 11, 12 oder 15 Jahren? Wir haben es herausgefunden.

Paul Sauer ist der „Flagship“ Wein des Weingutes Kanonkop, welches an den unteren Hängen des Simonsberges in der Region Stellenbosch der Westkap Provinz liegt. Auf insgesamt 100 Hektar baut Kanonkop Wein an. Paul Sauer ist ein typischer „Bordeaux“ Blend aus primär Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc und Merlot. Die Trauben wachsen auf rotem, verwitterten Granit mit einem hohen Lehmgehalt. Auch ihr reinsortiger Pinotage ist weit über die Grenzen Südafrikas hinaus bekannt und wird als die „beste“ Interpretation dieser Rebsorte angesehen. Hier nun die Realität:

1996 Kanonkop Paul Sauer
Der Blend aus 70 % Cabernet Sauvignon, 20 % Cabernet Franc und 10 % Merlot reifte für 23 Monate in Seguin Moreau Barriques aus französischer Eiche. Die Nase faszinierte uns von Anfang an: Feinste Aromen von Leder (ja, der Damensattel), Holunder, Sauerkirsche, Kaffeepulver, Johannisbeeren und Zedernholz strömten uns entgegen. Am Gaumen ging es harmonisch und rund weiter. Reifes und feinkörniges Tannin, zarte Säure und ein pure Frucht machten den Wein unglaublich trinkig. Mit Sicherheit trugen auch die niedrigen 12,5% Alkohol dazu bei, das dieser 1996er den JLF-Test (je leerer die Flasche) deutlich für sich entscheiden konnte. Ein geschliffener, reifer und animierender Wein, der jetzt direkt aus der Flasche unglaublich Spaß macht! Die Gruppe legte sich bei 92-93 Punkten fest. Ein sehr guter Start in diese Runde!

1999 Kanonkop Paul Sauer
Hier finden wir ein Blend aus 58 % Cabernet Sauvignon, 34 % Cabernet Franc und 8 % Merlot, welcher 24 Monate in 100% neuer Nevers Eiche reifte. Der etwas höhere Cab Franc Anteil gibt dem Wein deutlich mehr frische und leicht grünliche Noten. Eukalyptus kommt uns hier in den Sinn. Die Sekundäraromen sind hier ähnlich wie bei dem 1996er. Feinstes Zedernholz, Leder, Pflaume und Johannisbeeren spielen hier eine großartige Geige. Die Säure lässt den Wein fast schon vibrieren im Mund. Alles in allem kommt der Wein deutlich rassiger rüber, ohne aber Eleganz einzubüßen. Ein gelungener Kompromiss aus Frische, Extraktsüße und Holzeinsatz, der noch einige Jahre Flaschenreife vor sich hat. Großartige 93-94 Punkte gibt es auch der Runde!

2000 Kanonkop Paul Sauer
Kanonkops Webseite gibt leider keine Auskunft über die Zusammensetzung des Blends des Jahrgangs 2000. Der Wein wirkt aber deutlich „primärfruchtiger“ als seine leicht gereifteren Kollegen. Neben der im Ansatz eingekocht wirkenden Frucht kommen auch Aromen von Piement und Paprika recht deutlich zum Vorschein. Am Gaumen gibt es dann viel reife Frucht (Pflaume, Kirsche, Rumtopf) gepaart mit pfeffriger Würze. Die 14% Alkohol machen dein Wein leider etwas unharmonisch. „Nur“ 90 Punkte.

Drei mal perfekter Korken Alle drei Weine zeige sehr eindrucksvoll, wieviel Entwicklungspotential in Ihnen steckt. Man sollte definitiv nicht den Fehler machen, südafrikanische Weine in höherwertigen Qualitäten einen schnellen Tod zu prognostizieren. Ein wunderbares Beispiel hierfür war auch der 1993er Meerlust Rubicon, welchen wir vor nicht all zu langer Zeit auf unserem Blog beschrieben hatten. Hier kommt die Tatsache noch hinzu, dass diese Weine relativ erschwinglich sind, da nur wenige ambitionierte Jäger und Sammler hinter ihnen her sind. Gut für uns.

4 thoughts on “Weinrallye #45: Südafrika am Start – 1996, 1999, 2000 Kanonkop Paul Sauer

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