Weinrallye #45: Julia Klüber – Überraschung aus dem Nordwesten Spaniens

Gastbeitrag von Julia Klüber zur Weinrallye #45:

Weinrallye – Thema „älter als 2000 – auch gerne Neue Welt“. Leider gab der Keller diesbezüglich nicht so viel her. Nachdem wir, Paul und ich, mit Nico Anfang der Woche ein tolles Trio „Paul Sauer“ von Kanonenkop (link) verkostet hatten, wollten wir noch etwas nachlegen.

Ein reinsortiger Albariño aus der D.O.-Region Rias Baixas in Gallicien/Nordwestspanien. Diese authochtone Rebsorte wird in eben genannter Weinbauregion, die ungefähr so groß wie die österreichische Wachau ist, zu ca. 90 Prozent angebaut. Rias Baixas wird von zwei Seiten vom Meer umgeben. Folglich ist das Klima hier relativ kühl und feucht und wird von hohen Niederschlagsmengen heimgesucht. Aufgrund der hohen Feuchtigkeit werden die Rebstöcke fast ausschließlich in der Pergola-Erziehung auf rund 1,5-2,0 Meter kultiviert.

Albariño heißt übersetzt „die kleine Weiße vom Rhein“. Lange Zeit wurde vermutet, die Rebsorte sei mit unserem Riesling verwandt. Der Legende nach soll sie zwischen dem 11. und 13. Jahrhundert von Mönchen aus Deutschland oder Frankreich über den Pilgerweg via Santiago de Compostella  nach Galicien gebracht worden sein. Dies wurde und wird allerdings von den Spaniern vehement bestritten. Nach neueren Erkenntnissen zufolge scheint Albariño aber eine engere Verwandte der Rebsorten Sauvignon Blanc, Pinot Blanc oder Petit Manseng zu sein. Eine definitive Klärung gibt es bis heute jedoch nicht. Es wird weiter geforscht.

Aber zurück zum Wein: Pazo de Barrantes Albariño „Pazo de Barrantes“ 2001, Rias Baixas

Das galizische Weingut Pazo de Barrantes gehört zu den renommiertesten Weißweinherstellern Galiziens, wenn nicht sogar ganz Spaniens. Seit einigen Jahren ist de Barrantes im Besitz des bekannten Weingut Marqués de Murrieta in der Rioja. Auf rund 12 Hektar eigener Rebfläche wird ausschließlich der weiße Albariño angepflanzt.

Strohgelb mit goldenen Reflexen. Sehr expressiv gelbfruchtig in der Nase. Zitronenschale, Melisse, Pink Grapefruit und gelber Pfirsich. Mit ein paar Schwenkern aber auch Maracuja, sogar sehr viel Maracuja sogar und weißer Pfeffer. Elegant schwingt die Aromatik eines nassen, steinigen Bodens mit.

Uuuups, am Gaumen überrascht eine enorm ausgeprägte Säure, die aber sehr reif und gelbfruchtig ist – ganz und gar nicht aggressiv. Diese strukturiert den gesamten Wein. Sehr moderater Alkoholgehalt (mit 12% Alkohol), insgesamt ein schlanker Vertreter, der aber aufgrund des expressiven Aromas kräftiger und konzentrierter wirkt als er tatsächlich ist. Ähnliche Aromatik wie schon in der Nase, kombiniert mit Estragon und Noten von Unterholz. Saftig, lecker. Langer Abgang mit schönem mineralischen Finish.

Die Mineralität kommt von den Granitböden mit einer sandigen Auflage.

Eigentlich habe ich einen anderen Wein erwartet. Wesentlich gereifter. Unser Pazo de Barrantes wirkt noch sehr jung und frisch – könnte bestimmt noch weiter 5 Jahre auf dem Buckel vertragen. Trotzdem oder gerade deswegen finden wir, hat dieser Wein wirklich einen Platz bei der Weinrallye „der Oldtimer“ verdient.

Die Wiederbelebung der Region Rias Baixas begann Ende der 1970er Jahre. Die Erzeuger wurden wieder zur Anpflanzung ihrer heimischer Rebsorten, wie v.a. Albariño ermutigt und Investitionen in moderne Weinbereitungsausrüstungen wurden staatlich gefördert.

Die Spanier schätzen ihre Weißweine aus Rias Baixas schon seit längerem. Hier kommen einige der gefragtesten trockenen Weißen des Landes her. Einige reinsortige Weine aus der Albariño-Traube haben schon Kultstatus erlangt.

Spannendes Erlebnis! Die Suche danach lohnt sich!

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4 thoughts on “Weinrallye #45: Julia Klüber – Überraschung aus dem Nordwesten Spaniens

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  3. Hallo,

    Es freut mich sehr, dass Ihnen unserer Albariño Wein schmeckt!!!

    In letzter Zeit fördern wir in Galicien Wein und Tourismus, und dazu haben wir in Turgalicia eine Broschüre „Galiciens Weinrouten“ hergestellt. Hier befindet sich auch die Rias Baixas Weinroute.

    Diese Broschüre können Sie auf Englisch von unseren Internetseite downloaden: http://bit.ly/9W4qev

    Wir können diese Broschüre auch kostenlos zusenden.

    Schöne Grüße aus dem grünem Spanien.

    Anabel (Community Manager von Turgalicia, öffentliche Gesellschaft für die touristische Promotion Galiciens)
    Twitter: @BelTurgalicia
    Facebook: anabel.cmturgalicia

    • Hallo Anabel,

      hat uns auch gefreut! habe mir die Broschüre schon runtergeladen – ist à propos empfehlenswert mit sympathischen Hotel- und Restaurantempfehlungen! Vielleicht kommen wir ja mal vorbei! ;-)) Würden uns dann auf den ein oder anderen persönlichen Tipp freuen!
      Liebe Grüsse in das grüne Spanien zurück,
      aus München,
      Julia

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