Abenteuer Riesling: 2005 Peter Jakob Kühn Amphore

… oder auch : „There is a party in my mouth, but I don’t konw who is invited.“

2005 P.J. Kühn Riesling Amphore(NM) Es gibt Riesling für jeden Anlass: als Aperitif, zum Spargel, zum Käse, für die Terrasse, als Absacker, zum „Refreshen“ oder zum Beeindrucken. Doch Peter Jakob Kühns 2005er Riesling „Amphore“ will so gar nicht in die eben genannten Kategorien passen. Es ist eher ein Riesling zum Entdecken, Verwirren, Überraschen und sogar Zweifeln und Täuschen.

Lange Zeit stellte ich mir die Frage: Wann (und vor allem mit wem!) macht man so eine Flasche Wein auf? Nach einem Besuch im Rheingau und einem Kurzbesuch bei Peter Jakob im Weingut in Oestrich schien die  leicht dezimierte Reisegruppe an diesem Abend perfekt. Gestärkt und ermutigt durch einige Tipps von Angela Kühn (große Gläser / 11° Weintemperatur / Zeit lassen) gingen wir nun das Abenteuer Rheingauer Amphoren Riesling an. Was nun folgt ist einer Weinbeschreibung der etwas anderen Art. Folgende Aromen, Geschmäcker und Gerüche sind durchweg in der Gruppe bestätigt worden und entstanden über einen Zeitraum von ca. 60 Minuten:

2005 Peter Jakob Kühn Riesling Amphore (deutscher Tafelwein)
Die ersten Geruchskomponenten verwirrten uns sehr. Kokos-Ananas Bodylotion, Ton, Erde, frische Zeitung, etwas Holzlasur und Dosenpfirsich wechselte sich fröhlich ab. Je nach Glas, Temperatur und Verweildauer des Weines im Glas änderte sich der Geruch. Schon relativ früh kam das Wort „Chamäleon-Wein“ auf den Tisch. Am Gaumen ein ähnliches Spiel. Aromen von weißem Pfeffer, Birne, frisches Tannenharz, Pfefferminztee und wieder etwas Dosenpfirsich gaukelten den Geschmacksknospen etwas vor. Nach ca. 15 Minuten wurde eine straffe Säure deutlich, welche sich zu Beginn noch total „harmonisch“ in das Geschmacksdaumenkino einfügte. Gegen Ende der Vorstellung machten dann auch noch ordentliche Tannine auf sich aufmerksam. Abgefahren. Der Wein präsentierte sich trotz dieser teilweise wirren Aromatik durchaus geschmeidig und cremig mit sehr schönem Schmelz. „Heavy without weight“ schmiss unser Amerikanische Gasttrinker noch in die Runde.

Ein Tafelwein vom RheinDie Abrechnung: Dass es sich hier um eine, sagen wir mal, sehr eigene Interpretation eines Rieslings handelt, war allen nach dem ersten Schluck klar. Der Wein verbrachte gute 2 Jahre in Tonamphoren. Wer sich solch einen Wein zulegt, weiß (oder hoffentlich vermutet) was ihr erwartet. Wer hier „easy drinking“ sucht, hat entweder a) keine Ahnung von Wein oder kauft b) immer nur die teuersten Flaschen. Wo wir beim Preis wären. 45€ kostete diese Flasche ab Weingut. War es den Genuss wert? Kann ich schwer sagen, aber definitiv war es die 60 Minuten Entdecken, Diskutieren, Erleben, Staunen und Lernen wert. Zu jeder Minute.

Mindestens genauso interessant und lesenswert: 2001-2008 P.J. Kühn Doosberg „3 Trauben“ Vertikale auf Drunkenmonday.de und der Bloggwart Dirk Würtz schreibt ebenfalls über den Amphoren Riesling von Kühn.

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11 thoughts on “Abenteuer Riesling: 2005 Peter Jakob Kühn Amphore

  1. Wunderbar geschrieben und für mich auf den Punkt gebracht. Bei Amphorenweinen geht es für mich weniger um Trinkspass, sondern ums Grenzen ausloten. Nicht nur bei der Weinbereitung, nein auch beim Genuss.

  2. Und das Ausloten der eigenen Genussgrenzen soll einen Widerspruch zum Trinkspaß darstellen? Weil Spaß gefälligst nichts mit einer intellektuellen Auseinandersetzung zu tun haben darf? Ich sehe das ein wenig anders und recht unverkrampft: Gerade das Entdecken von ungewohnten Geschmackserlebnissen kann doch auch Spaß pur sein!

  3. Du verstehst mich falsch, Werner. Auch mir macht es Freude, und Amphorenweine haben meinen Weinhorizont positiv erweitert. Unter „Trinkspaß“ versteh ich trotzdem etwas anderes, das wär z. B. um bei PJK zu bleiben ein Quarzit. Ich beschäftige mich gern lang und intensiv mit einem Glas Wein, und das macht einen großen Teil meines Lebens ein, aber Trinkspaß? Nein, es ist eindeutig eine größere Freude als banaler Spaß;-)

  4. Egal welcher Spaß hier angesprochen wird: die richtige „Gruppe“ ist das A und O um solche Weine zu analysieren. … und die hatten wir!

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  6. Pingback: “Gott zum Gruße” aus dem Rheingau: 2009 Ankermühle Riesling “Jesus” « Drunkenmonday Wein Blog

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