Penfolds Bin 707 – auf die kommerzielle Masse abgestimmter Brot-und-Butter-Wein?

Penfolds Bin 707 wein blog drunkenmonday
(PT) Diesmal lassen wir Julia zu Wort kommen. Sie ist nicht nur leidenschaftliche Weinentdeckerin, sondern mit zahlreichen Titeln dekorierte Weinspezialistin (WSET Wein Akademikerin, Geisenheim Absolventin, Beste Jung-Sommliere Östereichs…) und erzählt hier von einer Überraschung, die sie letztens in ihrem Keller fand:

„Penfolds Bin 707?

Manchmal ist es schon komisch, man denkt: man kennt seine Weine im Keller. Und dann so was …

Gestern Abend ging ich in unseren Weinkeller und wollte für die family und 2 Bekannte (eher Weinbanausen als –kenner ;-)) „etwas trinkbares Rotes“ heraufholen zu Rumpsteak, Bratkartoffeln, Salat. Viele Flaschen lachten mich an, doch fand ich diese bei genauerem Hinsehen ein wenig „zu schade“ (liebe C, lieber K, bitte verzeiht!). Nach längerem unschlüssigen Suchen viel mein Blick auf einen Australier: Penfolds Bin 707. Jahrgang 1998. Ich dachte: „Der muss weg! Wahrscheinlich ist er eh schon hinüber. Und wo kommt der überhaupt her?“ Zur Vorsicht nahm ich noch eine Alternativ-Flasche mit.

Oben angekommen entkorkte ich die Flasche, roch in das Glas (kein Kork!) und nahm vorsichtig den ersten Schluck: Aromen roter und dunkler Waldfrüchte, Tabak, Mokka und Schokolade, Hauch von Eukalytus. Insgesamt eine reife, aber nicht überreife (wie so häufig in Australien zu findende) Aromatik. Dicht gewobene Tannine, die sehr bissfest sind – richtig knackig! Eine leichte Fruchtsüße gefällt! Saftiges, langes Finish! Insgesamt schöne Harmonie! … Oh mein Gott, war das herrlich! Wie ist es möglich, dass ein Wein der Bin-Range von Penfolds so herrlich schmeckt und das nach 13 Jahren. Sind die Weine der Bin-Range nicht die auf die kommerzielle Masse abgestimmten Brot-und-Butter-Weine?

Mir kam das alles spanisch/australisch/komisch vor! So holte ich schnell meinen Laptop, googelte und was las ich da: „Penfolds Bin 707 Cabernet Sauvignon. Penfolds‘ finest expression of cabernet. The 1964 Bin 707 Cabernet Sauvignon was Penfolds’ first commercial release of a single cabernet-based wine. Today, Bin 707 is justifiably regarded as one of Australia’s most important cabernets.“ Aha! „The winemaking philosophy and barrel maturation of Bin 707 is almost identical to Grange.“ Waaaaaaaaas? Ein Cabernet-Grange? Oh nein, dachte ich! Warum um Himmels Willen habe ich mich nicht zu erst interessiert, was hinter diesem Wein steckt? Das wäre ein perfekter Wein gewesen, um die Jungs von Drunkenmonday zu überraschen (@Nico: das wäre wohl einer deiner Lieblingsweine geworden!)

Zurück zu Thema:

Missmutig schenkte ich den Wein aus. Rundherum zufriedene Gesichter. „Mmmmmh, das Fleisch ist fein.“ „Und die Bratkartoffeln. So knackig!“

Und ich fragte: „Und der Wein, wie gefällt der euch“? „Ja, ganz ordentlich! … (Lange Pause) … Schmeckt aber gar nicht typisch australisch!“ (Gott sei dank, dachte ich). „Der ist von Penfolds, dem …“. „Ah“, fiel man mir ins Wort, „Penfolds, kenn’ ich! Hab isch schon mal jehört!“ Ich kommentierte „Penfolds, ist heute eines der ältesten und bedeutendsten Weingüter Australiens.

Der Londoner Mediziner Dr. Rawson Penfolds wanderte mit seiner Familie nach Australien aus und gründete das Weingut Mitte des 19. Jahrhunderts Penfolds östlich von Adelaide, da er als Arzt an die medizinische Wirksamkeit von Wein glaubte. Er pflanzte die Rebstöcke, die er vor seiner Auswanderung in Frankreich gekauft hatte, in der Umgebung eines steinernen Landhauses, das er nach der Heimat seiner Frau Mary The Grange benannte.

Versuche von Max Schubert, dem späteren Kellermeisters, führten zwischen 1945 und Anfang der 1950er Jahre schließlich zur Produktion des wertvollsten und berühmtesten Weines von Penfolds, ja ganz Australiens – dem Shiraz Grange Hermitage, der von 1990 an einfach Grange genannt wird. Neben dem Grange produziert Penfolds eine Reihe weiterer hochwertiger Weine wie u.a. den Bin 707, den wir gerade trinken.

Max Schubert entwickelte für die Bezeichnung der Weine ein System durchnummerierter Fässer, so genannter „Bins“, in welchen die Weine gelagert werden. Die Australier, die Meister in der Kunst des „Blendings“, verschneiden oft Weine – auch einer Rebsorte, wie in unserem Falle, aus unterschiedlichen Regionen und Parzellen, um die besten Komponenten für den Wein herauszuholen: die knackige Säure aus kühleren, höher gelegenen Weingärten, die Mineralität aus kärgeren Böden etc. So bekommen bestimmte Partien und Fassreihen Nummern, die bis heute Gültigkeit haben. Der 707 …“

„Ach, der Wein ist gepanscht?“, wurde entsetzt gefragt. „Nein, Jein, Fast. Ähhhhh, ja!“ (oder so ähnlich 😉 So verschwand ich mit dem letzten 1/7 der Flasche, nachdem mein Vater augenzwinkernd noch mal den „gepanschten Wein“ nachverkosten wollte und genoss den Rest alleine! Würdevoll!

Penfolds Bin 707 1998 wein blog drunkenmonday details

Wer den Penfolds Bin 707 von 1998 probieren möchte, sollte vor einem stolzen Preis nicht zurückschrecken wie z.Bsp. ->hier aber es lohnt sich 🙂

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5 thoughts on “Penfolds Bin 707 – auf die kommerzielle Masse abgestimmter Brot-und-Butter-Wein?

  1. Julia, vielen Dank für diesen schönen Artikel! Sehr gern würden wir dich mal wieder in der Runde begrüßen…

  2. Liebe Julia, super informativer Artikel in einer wunderschönen Geschichte verpackt. Da macht das Lesen doppelt Spaß. Viele Grüße!

  3. Pingback: Ein Klassiker aus Down-Under: 1997 Moss Wood Cabernet Sauvignon « Drunkenmonday Wein Blog

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