Neulich im Discounter: Wein mit zeitlich begrenzter Genuss-Garantie

Nette Info: Mindestgenussdatum für Wein(NM) Oder auch „Rebsaft mit Mindesthaltbarkeitsdatum“.
Was es nicht alles gibt. Der neueste Clou auf dem Rücken-Label der Massenweinindustrie: Garantierte Trinkqualität mit Datumsangabe! Jetzt wird den belesenen und rauschorientierten Discount-Weinkäufern noch ein weiteres Mysterium der Weinwelt auf den Labels erläutert: Bis wann soll ich meinen Wein trinken? Doch welchen Vorteil bringt diese Angabe? Nicht nur der Faktor Zeit spielt für eine garantierte Trinkqualität eine große Rolle, auch die Lagerung, die Verschlussform oder eventuelle Flaschenfehler müssen berücksichtigt werden. Was passiert, wenn die Flasche nach Ablauf des Datums noch im Regal steht? Darf ich dann den Wein umtauschen, weil mir das Label suggeriert, der Wein „könnte“ nicht mehr die gewünschte Trinkqualität haben? Fragen über Fragen.
Hier wird aber in meinen Augen mehr Verwirrung als Transparenz geschaffen, da zu viele Faktoren die Trinkqualität beeinflussen. Die meisten Discounter-Weine werden sowieso für den schnellen Konsum erworben und nur wenige dieser Tropfen warten in den Weinkellern dieser Welt auf ihre Transformation zu Essig. Was kommt als nächstes auf den verwirrten Verbraucher zu? Neben Temperaturangaben, grandiosen Käse und Fleischempfehlungen vielleicht noch ein Vermerk auf das optimale Glas? Abwarten und Wein trinken.

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9 thoughts on “Neulich im Discounter: Wein mit zeitlich begrenzter Genuss-Garantie

  1. „Doch welchen Vorteil bringt diese Angabe?“ Das scheint mir doch recht offensichlich…
    Als Weinfan weiß man, dass Supermarktweine für den schnellen Konsum gedacht sind. Die mehrheit derjenigen, die ihren Wein im Supermarkt kaufen interessieren sich jedoch kaum für das Thema. Es herrscht immer noch die weitverbreitete Meinung, ein Wein würde mit dem Alter immer besser… Das gilt hier aber absolut nicht und daher ist es wirklich sinnvoll, das auch anzugeben.
    Natürlich schützt diese Aussage nicht vor Qualitätsverlust durch Fehllagerung u.ä., sie gibt aber dem Käufer eine deutliche Orientierung auf die Haltbarkeit im Allgemeinen.
    Immer mehr Supermärkte und Discounter versehen ihre Eigenmarken mit dieser Kennzeichnung. Zur Frage, ob man diese dann austauschen dürfe, wenn das Datum verstrichen sei: Ja sicher! Die Sortimente werden in der Regel im Mai/Juni auf die neuen Jahrgänge umgestellt. Findet man danach noch eine „alte“ Flasche, bezahlt man entweder weniger, oder man tauscht sie um gegen den jüngeren Jahrgang.
    Ich finde diesen Schritt Verbraucherfreundlich und keineswegs verwirrend.
    Ach ja, ein kleines Pictogramm mit dem idealen Glas würde auch niemanden wirklich stören. 😉

    • Hallo Cordula,
      einen Rotwein-Cuvée aus dem Jahrgang 2009 eine „Mindesthaltbarkeit“ bis Mai 2011 zu attestieren finde ich etwas zu übermotiviert. Ein „in den nächsten 12-18 Monaten zu konsumieren“ ist dort vielleicht eher angebracht. Wenn schon ein „Lerneffekt“ mit auf das Label gepackt wird, warum dann nicht etwas über die richtige Lagerung o.ä? Bei einer Lagerung von einem Jahr bei 30° in der Küche wird jeder Wein frühzeig den Bach runter gehen. Die Sache mit dem Glas ist aber wirklich gar keine schlechte Idee?!

  2. Hi Nico,
    …vielleicht ein wenig übermotiviert, aber auf jeden Fall weniger verwirrend als „in den nächsten 12-18 Monaten“… Wann fängt denn dieser Zeitraum an? Nach der Ernte? Nach der Abfüllung? Ab dem Moment, in dem der Wein im Ladenregal steht? Oder gar ab Kaufdatum?
    Es steht ja nicht drauf, dass der ein nach diesem Datum nicht mehr trinkbar ist, sondern nur, dass er davor „am besten“ schmeckt.
    Und was die Lagerhaltung angeht: da hast du völlig recht! „Kühl und dunkel lagern“ kann man sicher noch irgendwo unterbringen…
    Zur Not darf man von mir aus gerne die romantischen Geschichten von glücklichen Trauben auf glücklichen Hügeln, gepflegt von glücklichen Winzern mit Jahrhunderte alter Tradition ruhig weglassen… 🙂

    • Vielleicht hilft ein „Abgefüllt am xyz, zu konsumieren bis 20xx“, zumindest für die, die es brauchen.
      Auf jeden Fall kann man den „passt zu Fleisch und Käse“ Krempel auch weglassen 😉

  3. Oh mein Gott, so ein Unsinn. Wein aus dem Discounter sollte iaR. „sofort“ getrunken werden, sofern man sich dies ohnehin antut.

    Ob’s einem Verbraucher hilft? Wer das Zeug länger lagert, dem ist eh nicht zu helfen.

    Was als nächstes auf den Verbraucher zukommt? Ein deutlicher, großer Warnhinweis, wie schädlich Alkohol ist, analog zu Zigarettenschachteln. EU sei dank. Deutlich exponierter, als die Pregnancy-Warnhinweise auf US- oder z.B. SA-Weinen. So ab 2015?

  4. Grundsätzlich finde ich die Wein-Erziehungs-Versuche der Supermärkte ja auch löblich. Aber ein bißchen schmunzeln muss man doch, wenn das Etikett immer mehr zur Gebrauchsanweisung mutiert 😉

  5. Eine Meinung mehr: Ich finde den „Haltbarkeitshinweis“ auch sinnvoll. Noch dazu wenn er realistisch scheint. Die Discounterkunden wollen doch in aller Regel nichts lernen, sie wollen es so einfach haben wie möglich! Das ist hier gegeben.
    Übrigens… Der Erzeuger dieses Weines ist ein Zusammenschluss von ausgesprochen seriösen Betrieben mit tadellosen Qualitäten. Diese Weine kann man u.U. auch im eigenen Laden der Erzeuger kaufen. Da bekommt der Tropfen sogar noch ein Gesicht!
    Haben Sie den Wein verkostet?
    http://www.villa-tabernus.de
    Viele Grüße,
    Felix

  6. @Cordula Eich:
    In der Tat, das ist mir entgangen. Danke für den Hinweis, so bin ich auch in den Genuss des Etikettentextes gekommen. Immerhin ein „einzigartiges Rotweinerlebnis“ mit „einmaligem Genuss“ und daher prädestiniert als „idealer Abendbegleiter“.

    Auf einigen Flaschen ist das Logo ja bereits angebracht, und wer das für nötig hält, kann dies natürlich tun. Allerdings wird es in ein paar Jahren wohl obligatorisch sein.

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