Bordeaux 2009 – fast geschenkt! Die Zukunft von Bordeaux liegt wohl in Asien…

BORDEAUX

(PT) Die Preisrallye der ersten Gewächse des Bordeaux ist schon ein seltsames Treiben…

Wir haben in Deutschland den einen oder anderen wortgewaltigen, aber manchmal auch wortgewandten Weinhändler. Ein solches Beispiel ist der Kommentar von Martin Kössler aus Nürnberg zur derzeitigen explosinosartigen Preisentwicklung in Bordeaux:

„Jetzt sind sie raus, die Großen: Latour kommt raus mit 600.- Euro, Margaux mit 550.- Euro, Conseillante liegt 235 % über dem Vorjahr. Mahlzeit Bordeaux.

Jetzt geht es Schlag auf Schlag: Ducru Beaucaillou 180.- Euro Ausgabepreis, der helle Wahnsinn . . . nur weiter so! Tja, die paar Parkerpunkte wollen eben bezahlt werden.

Schade ist es für die vielen ehrlichen kleinen Winzer in Bordeaux, die jetzt wieder darunter leiden müssen, daß die Allgemeinheit das Weinbaugebiet Bordeaux mit dessen völlig durchgeknallten Preisen mit ganz Frankreich und all seinen Winzern gleichsetzt. Es werden also tatsächlich alle französischen Winzer unter dem Hochpreis-Image leiden, weil sich Otto-Normalverbraucher leider kaum die Mühe macht, zwischen Bordeaux und ganz Frankreich zu unterscheiden. Französische Weine sind teuer, heißt es unbeirrt. Bordeaux ist Frankreich, Frankreich ist Bordeaux. Jeder der Frankreich kennt, weiß, daß das absoluter Blödsinn ist, aber das ist traurige Weinhändler-Alltagserfahrung.

Selbst zu diesen Preisen gehen die Weine aber mühelos weg, wie ich aus Bordeaux höre, es ist unglaublich! Es gibt eben viel zu wenig Margaux, Latour, Lafite und Mouton für diese Welt, weshalb die Châteaux ihr knallhartes Spiel unbeirrt weiterspielen können. Nur zu, aber nicht mit uns! Und das hat nichts mit moralischen Aspekten zu tun, sondern ganz einfach mit Vernunft.

Die Konsequenzen für den Weinmarkt halte ich insgesamt für ziemlich problematisch. Kein Wein der Welt ist dieses Geld wert, zumal kein Bordeaux – viel Geld für technische Konstrukte modernster Önologie, nicht mehr, nicht weniger; Minimalisierung jeden Risikos auf allen Ebenen der Produktion ist hier traurige Realität, die natürlich kein Bordeauxfreund wirklich hören will. Daß das in Standardisierung auf hohem Niveau endet, ist Faktum. Das solche Weine gemeinhin als ‚Spitze‘ gehandelt werden ist das eigentlich dramatische Signal für den Markt. Nicht Individualität wird hoch bezahlt und heiß gehandelt und gilt als weltweites Ideal für Spitze der Weinqualität, sondern stromlinienförmige Technik auf höchstem Sicherheitsniveau. Ein bedenkliches Signal, das man nur als Spaltung des Marktes interpretieren kann. Auf der einen Seite langweilige, weil uniform perfekte technisch konzipierte Spitzenweine für Leute, die in ihrem Weinerleben den ’sicheren Halt‘ des Marktwertes suchen, auf der anderen Seite spannende, lebendige, authentisch individuelle Weine, die der Imperfektion der Natur gewidmet sind, für Leute, die Spaß an gutem Wein suchen und schätzen. Zwei immer weiter divergierende Weinwelten. Gut so!“

Martin Kössler ist Weinhändler in Nürnberg: www.weinhalle.de

Kritische Stimmen aus den USA: „Demand not matching Bordeaux Hype“
Chateau Lafite Rothschild und Chateau Mouton Rothschild Preise im Decanter

Listen der bisher veröffentlichten Preise könnt ihr bei „Planet Bordeaux“ einsehen:
1. Es geht los…
Preise mit Paukenschlag

Der Würtz kommt auch gleich zum Punkt: „Der Wahnsinn hat einen Namen …“

4 thoughts on “Bordeaux 2009 – fast geschenkt! Die Zukunft von Bordeaux liegt wohl in Asien…

  1. Schöner Bericht Paul! „Wieder“ mal ein Punkt mehr dieses Anbaugebiet zu meiden. Vielleicht sollte man neben die Parker Punkte und Preise mal die Alkohol-Werte der achsozarten Bordeaux schreiben. 15% ++ und co.

  2. Die Zukunft von Bordeaux und grundsaetzlich des Weinmarktes liegt in Asien. Da entsteht jetzt eine wahnsinnige Kaufkraft in den kommenden Jahrzehnten in der Hand von unsicheren Konsumenten, wie vor einigen Jahrzehnten in den USA. Die Amerikaner haben uns dann Parker gebracht, der dem amerikanischen Konsumenten Fuehrung gegeben hat. Wer wird das fuer die Asiaten? Auf Jeannie Cho Lee achten! http://www.schiller-wine.blogspot.com/2010/04/chinas-wine-boom-is-jeannie-cho-lee-new.html

  3. Bordeaux 2009 – fast geschenkt! Das trifft für die „kleinen“ Chateau in diesem Jahr in besonderem Maße zu. Es gibt eine Menge toller Weine zwischen 15 und 35 Euro pro Flasche in Subscription, die keine Alkoholmonster sind oder nach „Neue-Welt-Stil“ schmecken (Teyssier, Chalon-Segur, Pojeaux, Le Boscq, Belgrave, B. Regard, usw.). Vergleicht man Preis und Leistung dieser Weine aus Bordeaux mit z.B. Barolo Weinen, so kommt man schon ins Grübeln, warum sich alle über die Bordeauxpreise der großen Chateaus zurecht aufregen, die Barolo Preisexplosion der letzten Jahre – bei oft fehlender Qualität – aber weitgehend ignoriert wird.
    Man merkt, ich mag Bordeaux😉

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