Großartige Weine aus unterschätzter Rebsorte: Aglianico rockt!

Aglianico(NM) Schon seit einiger Zeit ist diese Rebsorte für mich ein unentdeckter Schatz, der in der Weinwelt viel zu wenig beleuchtet wird. Aglianico ist eine sehr alte rote Rebsorte, die hauptsächlich in der Basilicata und in Kampanien angebaut wird. Einige wenige Aglianicos werden auch in den angrenzenden Gebieten wie Molise, und Global gesehen in Argentinien und Kalifornien (Paso Robles und St. Helena) angebaut. Synonyme für Aglianico sind u.a. Fiano Rosso, Gagliano, Cerasole und Uva nera.

An diesem Abend haben wir folgende Aglianicos verkostet:

1995 Feudi di San Gregorio Irpinia „Serpico“ / Kampanien
1999 Feudi di San Gregorio Taurasi Riserva „Piano di Montevergine“ / Kampanien
1999 Mastroberardino Taurasi Radici Riserva / Kampanien
2001 Bisceglia Aglianico del Vulture Riserva / Basilicata
2004 Bisceglia Aglianico del Vulture „Gudarra“ / Basilicata
2004 Terre degli Svevi Aglianico del Vulture „Re Manfredi“ / Basilicata
2005 Vinosia Irpinia Marziacanale / Kampanien
2006 Bisceglia Aglianico del Vulture / Basilicata
2007 Di Majo Norante Aglianico „Contado“ / Molise

Das Lineup zeigte einen tollen Querschnitt darüber, was Aglianico „leisten“ kann. Angefangen bei den Basisqualitäten für 5-8€ zeigte der Bisceglia Aglianico del Vulture enorm viel Wein fürs Geld. Kräftig/Erdiger Körper, deutliche Tanninstruktur – ein absolut ehrlicher und authentischer Wein! Der Contado von Di Majo Norante spielte da in ähnlicher Liga. Merkwürdig ging es dann mit den anderen beiden Weinen von Bisceglia weiter. Sowohl der „Gudarra“ als auch der „Riserva“ zeigte deutliche Noten von Lavendel/Feilchen-Seife, die uns nicht wirklich zusagten. Nach einigen Recherchen über die Weine und Weingut befinden sich beide Weine wohl gerade in einem Entwicklungsstadium, wo solche Geschmackprofile vorkommen können.

Richtig groß wurde es dann mit den gereiften Weinen von Feudi di San Gregorio und Mastroberardino. Hier zeigten beide Weingüter mit ihren Weinen, dass sie nicht nur zu Spitze Kampaniens gehören. Der 1995er Serpico war auf den Punkt gereift und zeigte deutlich, welches Potential in diesen Weinen steckt. Die beiden Gewinner des Abends waren die 1999er Taurasi Riservas der beiden Weinguter. Der „Radici“ von Mastroberardino zeigte sich zwar kräftig und erdig, war aber von einer feinen Eleganz geprägt, sodass hier alle Punkte am Gaumen stimuliert wurden. Ganz anders der 1999er „Piano di Montevergine“ von Feudi di San Gregorio: Ein Kraftpaket vor dem Herren, dicht und undurchdringlich, dunkle und volle Frucht trifft auf die erdigen Wurzeln des Aglianicos. Ein großer Wein, der nicht nur in diesem Tasting seine Größe gezeigt hat. 95 Punkte von Robert Parker sprechen für solch einen Wein eine deutliche Sprache.

Der letzte Aglianico des Abends war der 2005 Vinosia Irpinia „Marziacanale“. Ein modern gemachter Aglianico, „ein Mund voll Wein“, in Mitten seiner primärfruchtigen Jugendlichkeit. Der Weinwisser wurde auch ganz feucht bei diesem Wein und vergab 20/20 Punkte. Zweifelsohne sind die 20 – 25€ die dieses Getränk kostet bestens angelegt. Ich bin selten von einem Wein in dieser Preiskategorie so „geflashed“ worden. Ich hoffe ich habe die Geduld und lasse den Wein noch 2-10 Jahre in meinen Keller reifen.

Unterm Strich zusammenresümiert hat uns der Abend wohl eines ganz deutlich gezeigt: Aglianico rockt! Und das nicht zu knapp!

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7 thoughts on “Großartige Weine aus unterschätzter Rebsorte: Aglianico rockt!

  1. Aglianico ist eine der großen Rebsorten mit einem enormen Potential. Ihr hattet eine schöne Auswahl an dem Abend. Für die nächsten Proben, hat der Süden Italiens noch ein paar unentdeckte Schätzchen parat. Wie wäre es mit dem Negroamaro, dem Nero di Troia oder dem Primitivo?

    Lieben Gruß

    • Vielen Dank für die netten Anregungen. Es wäre sicher interessant, in nächster Zeit eines dieser Themen näher zu beleuchten… Allerdings sind die kommenden Wochen schon fest verplant 🙂

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