Weinrallye #57 : Scheurebe vs. Kühlschrank

Hatte keine Wahl: 2011 Pfeffingen Scheurebe

(NM) Die Franzosen machen es vor: Wein kommt zu fast jedem Essen auf den Tisch. Er ist Teil des Essens, Teil der Mahlzeit. Die Deutschen tuen sich da schwer. Wir trinken ihn in der Regel nur zu besonderen Anlässen zum Essen: Weihnachten, Sylvester, Geburtstags-Dinner oder wenn dem Nachbar imponiert werden muss. Dann aber wird auf Nummer-Sicher gegangen. Rotwein zum Fleisch, Weißwein zum Fisch oder Salat, Schampus als Aperitif und Süßwein zum Dessert. Klassisch, x-fach erprobt und ja kein Risiko eingehen. Der typische Deutsche eben. Zur Weinrallye Nummer 57 – “Foodpairing” (Deutsch: Essenspaarung) stürze ich mich in das geschmacklich Unbekannte. Mein Ansatz: Ein Wein – ein Kühlschrank – alles wird kombiniert. Das verspricht Gaumen-Kirmes.

Der Herausforderer.

Da die Idee auch eher zufällig entstanden ist, wurde als Wein das genommen, was neben den heimlichen Paarungs-Partnern gerade im Kühlschrank stand: 2011 Pfeffingen Ungsteiner Scheurebe trocken. Eine Scheurebe sollte es also sein. Solo schmeckte mir der Wein ausgesprochen gut. Eine leicht herbe Limette, Waldmeister und Wiesenkräuter Aromatik, gebündelt mit feiner Säure und erfrischender Mineralität machte richtig Spaß und bereitete großen Trinkfluss. Der typische “leichte Vorspeisen und Salat” Wein. Um die 87-88 Punkte in meinem Buch. Doch wie wird er sich gegen die geballte Vielfallt des Kühlschrank-Inhalts schlagen? Auf geht’s.

Augen zu und durch.

2011 Pfeffingen Ungsteiner Scheurebe trocken vs.

-> Bacon-Bratwurst
: Hier hat der relativ leichte Wein keine Change. Die Wurst dominiert, die Säure vom Wein wird noch intensiviert. Passt nicht. 1/5 Pairing-Punkte.

-> Mini-Salami
: Unentschieden. Die Salami schmeckt wie die Salami, der Wein bleibt Wein. Null auf null. Tut nicht weh. Brauch man aber auch nicht. 2/5 Pairing Punkte.

-> grüne Griechische Olive
: Interessante Kombi. Die salzige/olivige Aromatik harmoniert irgendwie mit der leicht Herb/Fruchtigen des Wein. Kann man machen. 3/5 Pairing Punkte.

-> Esron (würzig/aromatischer Dänischer Käse)
: Der Käse macht den Wein platt. Als hatte man Limetten Wasser im Glas. Ne. 0,5/5 Pairing Punkte.

-> Mini-Rispentomaten
: Oha. Die Säure geht durchs Dach. Das passt aromatisch gar nicht. 0/5 Pairing Punkte.

Weinrallye# 57

-> “Au Miel” Dijon Senf
: Auch nicht so Dolle. Der Wein wird wässrig, der süße Honig-Senf überpowert die Aromatik der Scheurebe. 1/5 Pairing Punkte.

-> Dill-Gurke Frischkäse
: Ähnlich wie bei der Mini-Salami laufen die Aromatiken nebeneinander her und ergeben keine Einheit. Stört nicht, brauch man aber auch nicht. 2/5 Pairing Punkte.

- >”Awesome Australian” Steak Sauce
: Spannende und interessante Kombi. Die leicht pfeffrige/würzige Note der Soße verbindet sich mit der Frische des Wein. Nicht groß, aber auch nicht schlecht. 3/5 Pairing Punkte.

-> Parmesan (24 Monate gereift)
: Endlich. Großartige Kombination! Hier pusht der Käse den Wein und die Frucht wird wunderbar hervorgehoben. Die Säure wird gepuffert und ein harmonisches Bild entsteht. 4,5/5 Pairing Punkte.

-> Brinkers Dunkle Schoko Creme No.2
: Wein? Hallo? Bei dem Schoko-Wall gibt es nichts zu holen. 0/5 Pairing Punkte.

-> Trausners Himbeer-Zauber (Marmelade)
: Das passt! Und wie! Die (schon ohne Wein großartige) Marmelade bekommt durch die Säure und Frische des Wein weitere Geschmacks-Ebenen. Wow. Die Entdeckung! 5/5 Pairing Punkte.

-> Trausners Grapefruit (Marmelade)
: Auch hier funktioniert es. Zwar nicht ganz zu 100% wie bei der Himbeer-Marmelade, da die leichte bittere Note der Grapefruit den Wein etwas dominiert. Doch auch hier passt “süß + trocken” sehr gut! 4/5 Pairing Punkte.

Und die Moral von der Geschichte? Es muss nicht immer nur nach dem bekannten Schema kombiniert werden. Öfters mal was Neues ausprobieren. Die Sache mit der Marmelade und der leicht herben Scheurebe war für die Entdeckung dieses doch recht ungewöhnlichen Experiments.

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9 Gedanken zu “Weinrallye #57 : Scheurebe vs. Kühlschrank

  1. Pingback: Weinrallye #57 – Foodpairing – Schokolade und Wein

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  3. “Der typische Deutsche eben.”

    Schön, dass hier nicht sinnlose Pauschalurteile verbreitet werden.

    Um sich sogleich gewissermaßen als atypischer Deutscher zu profilieren, wird als Thema “Foodpairing (Deutsch: Essenspaarung)” genannt. Allein das Wort ist grauenvoll, wird sogleich aber grotesk überzeichnet. Eine Essenspaarung? Wenn die Karotte mit der Pflaume… oder wie?

    In der Fortführung ist dann die Aussage “was neben den heimlichen Paarungs-Partnern gerade im Kühlschrank stand” natürlich hervorragend geeignet, die Mundwinkel nach oben zu ziehen, sofern man auf platteren Humor anspricht. Jedenfalls evoziert die Formulierung der heimlichen “Paarungs-Partner” schon die Vorstellung eines bezeihungsfremden Tête-à-têtes; vorliegend eine eher seltsam unterkühlte Kopulation.

    In meinem bescheidenen Kühlschrank befindet sich nicht so viel schlagende ‘Fallt’, also “Vielfallt”.

    Was die Kombinationen anbelangt, so scheint die jeweilige Wirkung wenig überraschend. Außergewöhnlich ist davon wirklich nichts. Entsprechend könnte man allgemein ein paar Sätze zur Wirkung der Säure verlieren oder alternativ wirklich außergewöhnliche Zusammenstellungen ausprobieren, wobei ich bezweifle, dass dabei das Rad neu erfunden würde…

    Vinophile Grüße

    Gattaca

    • Wenn Ihnen die Qualität dieser Beiträge nicht zusagt, haben Sie jeder Zeit die Möglichkeit sie zu ignorieren. Ich suche sowieso schon die ganze Zeit nach Ihrer Intention für solche Kommentare. Vielleicht können Sie darüber kurz referieren…

      • Sehr geehrter Herr Medenbach,

        dass ich die Beiträge ignorieren kann, ist mir bekannt. Danke jedoch für den Hinweis.
        Meine Intention will ich Ihnen gerne kurz erläutern.
        Ich verfolge mit meinen Äußerungen – dies sei vorausgeschickt – nicht das Ziel, jemanden zu diskreditieren oder Kritik um der Kritik willen zu üben.
        Grundsätzlich ist es so, dass ich ein sehr großer Weinfreund bin, es gibt Leute die dies um eine gewisse Kennerschaft und Expertise erweitern würden. Entsprechend verfolge ich sehr umfassend Beiträge jedweder Form, auch online, zum Thema.
        Leider muss ich dabei mehrfach Entwicklungen zur Kenntnis nehmen, die störend sind; dies artikuliere ich sodann hin und wieder, um einen Anstoß, eine Anregung zur Verbesserung zu geben.
        Fehler sind insbesondere bei der Sprache hinsichtlich der Rechtschreibung und Zeichensetzung zu beobachten, darauf aber nicht beschränkt. So liest man nicht selten unsinnige und überflüssige Anglizismen und Ausdrücke ohne Aussagewert. Über die Sprache hinaus, aber sicherlich Teil der darin oftmals sich widerspiegelnden Haltung, werden Kultur und Stil vernachlässigt. Insgesamt ist dies Teil einer bedenklichen Entwicklung, in deren Zug leider auch der Wein entmystifiziert und entweiht wird. In der Folge wird Wein nicht mehr als Errungenschaft der Zivilisation schlechthin betrachtet, der zum geselligen, guten Gespräch mit Freunden und zum intellektuellen Reflektieren, wie gleichermaßen zum Sich-Erfreuen am Genuss einlädt, sondern er wird zu etwas Banalem und Profanem degradiert.
        Grundsätzlich sollte doch jedem der Ehrgeiz innewohnen, sich ein wenig zu verbessern und nicht auf der Stelle zu treten. Diverse Fehler verzeiht man einem kleinen Kind, doch macht man es darauf aufmerksam, da man will, dass es vermeidbare gleichartige in Zukunft nicht mehr begehen wird.
        Jeder, der ein Thema mit einer gewissen Passion verfolgt, wird auch den Wunsch verspüren, dies mit anderen im Gemeinwesen zu teilen. Die Kommunikation ist dem Wein ja gewissermaßen bereits einbeschrieben.
        So teilen auch Sie sich mit, unter anderem über das Internet. Sie fungieren als Anbieter einer Meinung, die von anderen nachgefragt wird, so wie ich das tue, um etwa auf seltene, besondere Weine und Reben, Winzer und Stilrichtungen aufmerksam zu werden, da selbst der größte Experte nur einer ist, der sich Expertise durch Interaktion erwirbt.
        Die Art und Weise der Mitteilung ist aber leider an diversen Stellen zu bemängeln. Neben obigen Erwägungen deuten Fehler in der Sprache auf Nachlässigkeit und Inkompetenz hin. Diese negativen Eigenschaften schlagen dann durch auf die eigentliche Aussage, nämlich Ihre Weinkritik.
        Stellen Sie sich vor, Sie würden verurteilt. Das Urteil wird Ihnen zugestellt und es ist voller Rechtschreibfehler, beinhaltet überdies logisch fragwürdige Aussagen und der dargestellt Sachverhalt ist nicht kongruent mit ihren Schilderungen.
        Vermutlich würden Sie den Richter inkompetent schelten. Weiter würden Sie dessen Legitimation bezweifeln, über Sie richten zu dürfen. Auch hier schlägt die Sprache durch und lässt uns Aussagen über Eigenschaften, den Charakter und die entsprechende Fachkompetenz treffen. Diese müssen nicht notwendigerweise in der Realität so vorhanden sein, wie sie subjektiv widergespiegelt bei Ihnen getroffen wurden.
        Da Sie nun mit Aussagen über Wein an die Öffentlichkeit treten, sollte es erstens schon in Ihrem ureigensten Interesse sein, ein positives Bild von sich abzugeben. Zweitens sollten Sie – in Entsprechung einer gewissen Etikette – darum bemüht sein, die potentiellen und faktischen Nachfrager Ihrer Meinungen zufriedenzustellen und nicht etwa zu verärgern, da das unsichtbare Band der gemeinsamen Passion eine Verbindung notwendig hergestellt hat.
        In nuce wäre es das.

        Mit vinophilen Grüßen

        Gattaca

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