Das Besondere und Außergewöhnliche – alles eine Frage der Sichtweise

Charakterkopf Sven Enderle - Enderle & Moll

Gastbeitrag von Julia Klüber

Schon mal bei Château Margaux, Lafite & Co. gewesen und einen Blick in den Keller werfen dürfen? Wohl eher nicht. Wenn dich die Produktionsstätten von Parkers Lieblingen interessieren, hast du jetzt die Möglichkeit sie dir ins Schlafzimmer zu hängen.

Nach der Auftaktveranstaltung am 24. Mai in München, feierte letzten Montag die dritte Berliner Galerie LUMAS ihre Eröffnung mit einem vinophilen Auftakt und lud weinaffines Publikum ein. Mitten im luxuriösen Berliner Einkaufsviertel, an der „Luxusmeile“ Friedrichstraße, präsentiert sich die neue Dependance ab sofort unterhalb der berühmten Galeries Lafayette.

Ausgewählte Arbeiten des Fotografen Rafael Neff bildeten den Schwerpunkt der Eröffnung. Nach photographischen Serien von Bibliotheken, Opernbühnen und Uhrwerken hat sich der Künstler auf die „großen Weine der Welt“ gestürzt. Gezeigt wurden bei der Ausstellung vorwiegend majestätisch anmutende Kellergewölbe und imposante Architekturen von wohl einigen der bekanntesten und hoch bewerteten Weingüter dieser Welt; Darunter die fünf Bordelaiser Premier Crus wie u.a. Mouton-Rothschild, Lafite-Rothschild und Margaux, aber auch weitere bekannte Schlösser aus Frankreich, aber auch aus Italien, Spanien und der Neuen Welt. Rafael Neff ist der Meinung, „dass man kein Weinkenner sein muss, um die Sorgfalt und Güte, die die Keller der Weingüter wie Lafite, Mouton & Co. vermitteln, zu erkennen.“

Vom Weinkeller der berühmtesten Weingüter dieser Erde ins Schlafzimmer. LUMAS hat den Kunstmarkt revolutioniert. Unter diesem Label bekommt man künstlerische Editionen in musealer Qualität zu erschwinglichen Preisen. Die Werke sind als handsignierte Originale in limitierten Auflagen von meist 75 bis 150 Exemplaren erhältlich. Diese Auflagen gibt es für Preise zwischen 120 und 800 Euro und ermöglichen den Zugang zu einem neuen Kundenkreis von Kunstinteressierten.

Die Kunstwerke von Rafael Neff bieten „dem Betrachter nun die Möglichkeit einen Blick in die imposantesten Weinkeller der Welt zu werfen und sich von der stimmungsvollen Atmosphäre inspirieren zu lassen.“
Je weiter der Blick in die Bildtiefe dringt, wie hier beim Chateau Sassicaia im Bolgheri, desto überwältigender erscheint das Kellergewölbe.

Nicht nur ein kurzer verstohlener Blick, sondern ein langer, intensiver Austausch.
Ein paar Eindrücke…

Anfangs muten die „heiligen Hallen“ dem Betrachter sehr imposant und beeindruckend an und vermitteln anschließend das Gefühl von Ruhe, aber auch von Macht und Überlegenheit.

Doch was wären die Keller ohne Wein?

Um den Durst der vielen interessierten Betrachter zu stillen war der von mir hoch geschätzte Münchner Weinhändler Noble Wine mit von der Partie. Dr. Michael Eder und Nicola Neumann haben großartige – eigenständige und teilweise auch sehr eigenwillige – Weine mitgenommen und sogar noch einige Winzer mit im Schlepptau gehabt.

Vater und Sohn Eymann zeigten tolle Burgundersekte (Chardonnay, Pinot Noir und einen Pinot Noir Rosé) aus der Pfalz, die ihresgleichen suchen. Ich habe ja schon einige Sekte aud Deutschland getrunken – aber diese unter der Bezeichnung Crémant laufenden Sekte haben es mir echt angetan!

Der fränkische Silvaner Kapellenberg 2011 von Melanie Stumpf, Weingut Bickel-Stumpf, hatte schon nach wenigen Minuten eine kleine Horde an Fans.

Der sympathische Gernot Kollmann umgarnte mit seiner „Mineral-Rakete“ CAI Riesling des Jahrgangs 2011 die Frauenherzen. Der hochbegabte quereingestiegene Weinbauer Sven Enderle präsentierte – zu Recht – stolz seine beiden Pinot Noirs (davon ein sehr konzentrierter, durchaus interessanter Rosé).

Neben oben genannten Weinen zeigte Michael Eder noch weitere tolle Weine aus seinem Portfolio.

Insgesamt eine sehr gelungene Veranstaltung, von der es mehr geben sollte!

Der Künstler Rafael Neff selbst sieht seine Serie der „Kult-Châteaux“ als „Hommage an das Besondere und Außergewöhnliche.“
Die Weine, die Dr. Michael Eder zeigte, waren ebenfalls eine „Hommage an das Besondere und Außergewöhnliche“ – mit dem Unterschied, dass seine Winzer für die Qualität ihrer Weine ihr letztes Hemd geben.

So ist das, wie alles im Leben, eine Frage der Sichtweise.

Rafael Neff bei LUMAS
Alle Kellerbilder © Rafael Neff, http://www.lumas.de

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6 thoughts on “Das Besondere und Außergewöhnliche – alles eine Frage der Sichtweise

  1. Auch ich habe eine Einladung bekommen und mich auf einen Abend gefreut, an dem der Künstler evtl. seine Bilder vorstellt, parrallel dazu ein paar Tropfen Zweit-oder Drittwein (ja ich bin bescheiden) ausgeschenkt werden, um ins Gespräch zu kommen. Ganz ehrlich: Ich habe selten eine so schlechte Veranstaltung besucht. 95% der Gäste waren typisches Vernissagenpublikum, hatten weder von Kunst noch von Wein irgendeinen Schimmer. Bester Satz des Abends am Weinstand von Noble Wein: ” 2 Glas Rotwein bitte!” Waren dieselben Gäste, welche sich vorher über einfache Schnittkäsewürfel gestürzt hatten, als hätten sie 2 Wochen zuvor gehungert. Das Ganze in einer Tropenhausatmosphäre, in der einem jeglicher Kunst- und Weingenuss abhanden gekommen war.
    Sehr schade, denn aus der Kombination von Weinkunst und Wein könnte man wirklich mehr machen!

  2. Augenscheinlich eine ziemliche Diskrepanz zwischen der Blogschilderung und derjenigen der ebenfalls Anwesenden Betrachter. Nun, den Ausführungen Tim Taylors ist wohl nichts hinzuzufügen. Warum nur schafft es niemand, Wein und Kunst symbiotisch sein zu lassen, anstatt sie gestelzt und artifiziell mit Möchtegernmanier darzustellen?

    Gattaca

  3. Ich bin auch der Meinung, dass Wein & Kunst sowie Wein & Musik eine ganz wunderbare Kombination sein können.
    Ich persönlich fand die Veranstaltung interessant, weil das Format neu ist und viel Potential in sich birgt. Das diese immer noch “ungewöhnlichen Kombinationen” sehr gut funktionieren können, beweist das Beispiel “Wein und Musik” am Beispiel WineVibes (dieses Weinparty-Format habe ich mit meinem Freund Paul Truszkowski ins Leben gerufen).
    Ich bin davon überzeugt, dass auch Wein & Kunst sehr gut funktionieren können.

    Ein paar Worte zu der Idee “Famous Wine Cellars” und Weinverkostung: der Künstler Rafael Neff hat die Top-Châteaux und -Weingüter dieser Welt fotografiert. Über die Art der Bilder brauchen wir hier nicht diskutieren. Sicherlich gibt es “spannendere Kunstwerke”, aber mit Sicherheit auch wesentlich schlechtere Fotos. Ob gut oder schlecht ist schlicht eine Frage der Sichtweise! Meiner Beobachtung zufolge fanden ein Großteil der Besucher die Bilder (und auch die Weine) mehr als interessant.
    Dass man zu den Motiven “Weinkeller” auch Weine präsentiert, liegt irgendwie nahe. Dass man nicht Châteaux Margaux, Lafite und Sassicaia präsentiert, liegt hinsichtlich der Preise auch irgendwie nahe. Oder?

    Daher die erst gemeinte Frage an Tim Tayler: würden Sie für eine Kunst-Wein-Veranstaltung, um erste Gewächse serviert zu bekommen einen Eintritt von 40-50 EUR zahlen? Sie vielleicht, aber wie viele andere Kunstinteressierte? Und die Weine, die es zu verkosten gab, waren doch wirklich toll (Anmerkung: sie waren gratis! (normalerweise kuckt man einem geschenkten Gaul nicht ins Maul!) und die Macher waren teilweise auch persönlich da!). Was haben Sie erwartet?
    Wenn man Kunden zu einer solchen Kunst-Wein-Veranstaltung einlädt, ist es unwahrscheinlich, dass man diese Kunden kennt wie seine besten Freunde. Daher sind auch ihre Essgewohnheiten nicht absehbar und ich glaube es ist egal, wieviel “Käsewürfel” sie essen. Dass kann auch auf einer Benefiz-Gala mit der Schischiundheititei-Klientel beobachtet werden.

    Ich bleibe dabei: das Event Lumas meets Noble Wine war eine gelungene Veranstaltung. Vor allem vor dem Hintergrund, dass sie ein neues Parkett betreten hat. Diejenigen, die hier groß tönen, dass die Kombination nicht gelungen ist, sollten sich Gedanken machen zu folgenden beiden Punkten:
    1. man muss manchmal einfach anfangen, etwas Neues zu machen
    2. ist es immer leicht zu meckern (ich kann mir vorstellen, dass es nicht so einfach ist, wenn 2 Partner, einer aus dem Wein, der andere aus der Kunst, ein gemeinsames Projekt starten) – somit sollte man sich die Frage stellen, hätte ich dieses Projekt besser realisieren können?

    Ich würde Sie beide, Tim Tayler und Monsieur/Madame Gattaca?, gerne zu einem “Gedankensturm Wein & Kunst” einladen – vielleicht lässt sich ja etwas Tolles gemeinsam entwickeln und organisieren!

    Ich würde mich sehr auf ihr Feedback freuen!

    Herzlichst, Julia Klüber

  4. Hallo Julia,
    Schöner und vor allem zur Diskussion anregender Beitrag! Ich selbst bin übrigens nicht so erfahren was den Umgang mit Social Media angeht (bin wohl fast zu alt dafür;-) aber ich finde es zumindest interessant auch einmal neue Formate auszuprobieren und diese dann auch über das Web 2.0 zu verbreiten.

    Danke auch an Tim Taylor für die Schilderung der Eindrücke aus Sicht eines Besuchers. Als einer der Veranstalter (Noble Wine) nehme ich die Kritik durchaus ernst, wenn sie sich auch offensichtlich vorwiegend am Publikum, den Bildern und der Location festmacht…Nun, was soll man als Betroffener darauf antworten – ich denke mal am anwesenden Publikum kann man nur schwer was ändern…es waren neben den Lumas Kunden aber durchaus einige Weininteressierte + ausgewiesene Kenner vor Ort. Das heißt natürlich nicht dass es die angesprochene Kategorie auch gab…:-)
    Was die Location angeht, bitte ich einfach um Verständnis – die Klimaanlage stößt bei so vielen Besuchern einfach an ihre Grenzen. Natürlich war es viel zu warm für eine angenehme Verkostungsatmosphäre – aber diese zu erreichen ist im Sommer wohl selten möglich und da befinden wir uns in (leider) guter Gesellschaft mit anderen Veranstaltungen. Auch ich trinke übrigens den Wein lieber bei 20°C als bei 27°C.

    Die Auswahl der Bilder finde ich persönlich ein wenig zu Bordeaux-lastig…geprägt von imposanten, aber mitunter etwas seelenlosen, dafür aber teuren Prachtkellern (ganz offensichtlich erbaut mit Hilfe der enormen Gewinne die in Bordeaux mit den letzten Jahrgängen erwirtschaftet wurden). Der Künstler hat meines Wissens auch artisanale Weinkeller kleinerer Weingüter aus anderen Regionen (DRC, Coche-Dury, usw.) fotografiert – ich persönlich finde es schade, dass diese nicht zu sehen waren bzw. vom Künstler nicht für die Serie ausgewählt wurden. Aber das liegt natürlich völlig in der Hand der Galerie und des Künstlers…

    Apropos Wein, dass wir keine Zweit- oder Drittweine berühmter Bordeaux-Chateaux präsentiert haben liegt an mehreren Gründen – zunächst ist das einfach nicht unser Schwerpunkt, und vor allem haben die Bordelaiser mit ihrer ausufernden Preispolitik dafür gesorgt dass man sie eigentlich ignorieren MUSS – die Qualität rechtfertigt die geforderten Preise einfach nicht (in Asien wird das vielleicht anders gesehen, aber auch dort kommt man scheinbar langsam zu dieser Einsicht…). Wir wollten bei dieser Veranstaltung hingegen versuchen die Faszination Wein anhand handwerklich erzeugter, faszinierend eigenständiger Weine (ja, “Rotwein” war auch dabei!)- und mindestens ebenso wichtig – und auch die Menschen hinter dem Wein präsentieren und zum Dialog mit den Winzern und dem Künstler aufrufen. Ich denke wer wollte, hatte genügend Gelegenheit (zumindest zu etwas vorgerückter Stunde), im Gespräch mit den anwesenden Winzern ein paar interessante und vielleicht auch neue Einblicke zu gewinnen…aber allen Recht machen kann man es natürlich nie.

    Wie Julia schon sagt, sind auch wir natürlich absolut offen für und interessiert an konkreten Vorschlägen, wie man eine Veranstaltung organisieren kann, die auch kritischen Zeitgenossen wie Tim Taylor gefallen…:-) Also nur her mit den Vorschlägen – wir sind gespannt!

    Michael

  5. Pingback: Noble Wine in the News! « newwineaddicts

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