Vertikale einer Napa Valley Legende: Dunn Howell Mountain Cabernet Sauvignon

Vertikale: Dunn Howell Mountain Cabernet

(NM) Es war eine dieser “once in a lifetime” Proben. Solche eine Weinauswahl werde ich wohl nie wieder im Glas haben. Ein Grund mehr darüber zu bloggen. Das große Dankeschön zu Beginn geht an Dr. Jost Schmitt von Califonia Wines, welcher die Probe im Rahmen des Rheinhauer Gourmet Festivals ermöglicht und organisiert hat. Es war eine mehr als denkwürdige Veranstaltung.

Schöner Anblick!Vertikal-Proben sind immer eine äußerst spannende Angelegenheit. Vor allem aber dann, wenn große Weine aus vielen Jahren angestellt sind. So geschehen auf dieser Probe. Unter der Schirmherrschaft von Randy Dunn persönlich wurden die Jahrgänge 2007, 2005, 2003, 2001, 1999, 1998, 1993, 1990, 1989 und 1984 seines Dunn Vineyards Howell Mountain Cabernet Sauvignons verkostet. In dieser Konstellation inklusive Winzer in Deutschland und Europa bis jetzt ein einmaliges und einzigartiges Event. Dazu bot der Veranstaltungsraum des VDP Weingutes “Georg Müller Stiftung” ein schönes Ambiente in mitten des vinophil romantischen Hattenheim.

Randy Dunn in PersonaRandy Dunn ist einer dieser streitbaren und Reibungspunkt suchenden Charaktere des Kalifornischen Weinbaus. Kurz vor der Probe hatte ich die Gelegenheit Randy einige Fragen rund um das Thema Wein zu stellen. Dadurch konnte ich etwas hinter die Fassade des Mannes mit dem charakteristischen Schnauzer schauen. Auf die Frage was in der Weinwelt völlig überbewertet ist, antwortete er kurz und knapp: 15%+ Alkohol Cabernet Sauvignon. Randy ist ein absoluter Verfechter von “low alcohol Cabs”, sprich Rotweine unter 14% Alkohol. Er geht sogar noch einen Schritt weiter: Um seiner Meinung nach Weinbewertungen korrekt durchführen zu können, sollten alle Rotweine in zwei Kategorien unterteil werden: Unter und über 14% Alkohol. Der Tester würde nicht von den Alkoholwerten getäuscht, um die hochprozentigen Weine später besser zu bewerten. Selbstredend haben alle seiner eigenen Weine auch in heißen Jahren immer unter 14% Alkohol. Zum Vergleich: Im Super-Jahrgang 2007 lag der der Schnitt der Alkoholgrade aller Napa Valley Cabernet Sauvignon bei 15,8%. Dunns 2007er Howell Mountain lag bei 13,9%.

Seine Karriere im Weingeschäft startete Randy Dunn in den 70er Jahren als Winemaker bei Caymus. 1978 kauften er und seine Frau Lori 5,5 Hektar Land am Howell Mountain in Napa Valley und gründeten Dunn Vineyards. Mittlerweile bewirtschaften Randy, seine Frau und ihr Sohn Mike 15 Hektar, welche zu 100% mit Cabernet Sauvignon bepflanzt sind. Die jährliche Produktionsmenge liegt bei etwa 54.000 Flaschen, aufgeteilt auf nur zwei Weine: den Napa Valley Cabernet Sauvignon (etwa 16.000 Flaschen / mit 15% Trauben aus dem Napa Valley Tal) und dem Howell Mountain Cabernet Sauvignon (etwa 28.000 Flaschen / 100% Howell Mountain). Alle Trauben werden mit der Hand gelesen. Eine Besonderheit des Howell Mountain sind die über 650 Meter hoch gelegene Weinberge. Sie liegen oberhalb der Nebel-Grenze und unterliegen somit ganz anderen Klimatischen Bedingungen wie der Rest des Napa Valley.

2005 + 2007 Dunn Howell Mountain Cabernet SauvignonGerade wegen des niedrigen Alkoholgehalts können Randy Dunns Weine grandios altern. Dies wurde in diese Vertikale eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Sein Howell Mountain Cabernet verbringt 30 Monate in bis zu 75% neuen Barriques bevor er abgefüllt und verkauft wird. Die Probe startete mit dem 2007 Dunn Vineyards Howell Mountain Cabernet Sauvignon. Der Wein zeigte sich trotz seines jugendlichen Starsinns in seiner Primärfruchtphase relativ klar und fokussiert. Neben reinster Blau- und Schwarzfrucht gab es zarte an Minze erinnernde Noten unterlegt von einer feinen Holzwürze. Ein schöner und ausgesprochen wohl duftender Auftakt. Am Gaumen gab es relativ schnell die Realitätskeule. Viel Gripp dank festem Tannin und robuster Säure lassen vielleicht 30-40% des Weinwahnsinns hier durchscheinen. Viel zu jung, aber großes Potential! Ich gab vorsichtige 91-92+? Punkte. Vielleicht 20% weiter in der Entwicklung war der 2005 Dunn Vineyards Howell Mountain Cabernet Sauvignon. Die Frucht war deutlicher zu identifizieren (schwarze Johannisbeere – und was für eine!) und der Duft mit herrlicher frischen Kräuterwürze insgesamt etwas entwickelter wie der 2007er. Auch am Gaumen spürte man die 2 Jahre längere Flaschenreife. Die Frucht war besser integriert, doch das Tannin und die Säure zeigen sich weiter markant und leicht dominant. Ein Wein der Kategorie “kann man jetzt schon trinken – wenn es denn unbedingt sein muss”. Ich würde ihn aber noch 5-25 Jahre liegen lassen. Doch die Kurve zeigt nach oben: 92-93+ Punkte.

2001 + 2003 Dunn Howell Mountain Cabernet SauvignonDoch der nächste Hammer folgte auf dem Fuße. Der 2003 Dunn Vineyards Howell Mountain Cabernet Sauvignon zeigte was ein junger (!) Dunn Howell Mountain so drauf haben kann. Die Nase war einfach nur göttlich. Perfekte dicht wirkende Frucht/Kräuterbalance, dazu unglaublich frisch und belebend. Auch im Mund strahlte der Wein aus allen Winkeln. Die Säurestruktur ließ den Speichel fließen, die Frucht war brillant und rein und das Tannin sorgte für Druck und Kraft ohne aufdringlich zu sein. Harmonie wie man sie in der “neuen Welt” nur selten findet. Große Länge, großer Wein! 94-95 Punkte! Die nächsten beiden Weine aus den Jahren 2001 und 1999 waren leider relativ stark von Brettanomyces geprägt. Beide Jahrgänge des Dunn Vineyards Howell Mountain Cabernet Sauvignon zeigten zuerst deutliche Aromatiken die Waldboden, Laub, Pferdestall, Tinte und Teer erinnerten. Im 2001er sogar so intensiv, dass kaum eine Frucht durch das animalisch, herb und rustikal wirkenden Geschmacksbild durchscheinen konnte. Erst nach ca. 60 Minuten legte sich das etwas. Sehr schwierig zu bewerten. Der 1999er Dun HM Cabernet hingegen steckte die ungern gesehene Hefe Art durch seinen fülligen Körper inklusive 1a Tannin und Säure Struktur locker weg. Mit längerem Luftkontakt entwickelte sich ein furioser Wein im Glas, der zwischen wilden Brettanomyces Noten, reifer Frucht und großartigem Mundgefühl hin und her wechselte. Beeindruckend wie nur 13,3% Alkohol so ein Maul voll Wein erzeugen können. Großer Wein! 94 Punkte!

1998 + 1999 Dunn Howell Mountain Cabernet SauvignonDer 1998 Dunn Vineyards Howell Mountain Cabernet Sauvignon hingegen präsentierte sich enorm frisch und ätherisch in der Nase. Auch hier ist die Frucht sehr klar und rein. Bis jetzt der Wein, der einem guten Bordeaux in der Stilistik am nächsten kommt. Am Gaumen schlägt zwar wieder die Tannin-Peitsche zu, doch sie regiert mit einer nicht von der Hand zuweisenden Eleganz. Vielleicht nicht so vielschichtig wie der 1999er, aber dennoch ein klasse Wein! 92 Punkte. Mit dem 1993 Dunn Vineyards Howell Mountain Cabernet Sauvignon kam mein Liebling der Probe in das Glas. Ich möchte mich sogar noch ein Schritt weiter aus dem Fenster lehnen und sagen, dass dieser Wein vielleicht der beste war, den ich je aus Kalifornien im Glas hatte. Das ist mal ein Statement. Auslöser dieser Jubelorgien war ganz klar die Struktur dieses Getränkes. Der Vergleich mi einem reifen Barolo trifft es vielleicht am besten. Es war die Kombination aus mürben, aber dennoch nicht müden Tanninen, der wunderschönen Tertiär-Aromatiken nach Waldboden, feinen Hölzern und purer Cassisfrucht und dieser einzigartigen eleganten und feinen Art die mich hier gefesselt hat. Der Wein steht in Mitten seinen besten Jahren und hat mit Sicherheit noch Potential richtig alt zu werden. Großes Kino mit 13% Alkohol. Das geht kaum noch besser, nur anders. 96 Punkte!

1989 + 1984 Dunn Howell Mountain Cabernet SauvignonDrei Jahre mehr auf dem Buckel hatte der 1990 Dunn Vineyards Howell Mountain Cabernet Sauvignon. Der Wein war deutlicher auf der getrockneten Kräuter Seite. Die Frucht (Cassis + Kirsche) hatte sich etwas zurückgezogen und ließ den Kräuter und zarten Holz Noten den Vortritt. Das Tannin war zwar mürbe, aber immer noch präsent. Ein reifer Cabernet Sauvignon für Freunde großer und klassischer europäischer Weine. 92 Punkte. Mit dem 1989er Dunn Vineyards Howell Mountain Cabernet Sauvignon konnte ich mich als einzigen Wein in dieser Probe nicht so anfreunden. Er zeigte sich relativ verschlossen in einer schwierigen Phase. Irgendwie angespannt und etwas metallisch mit wenig Frucht war er für mich der schwächste Wein des Abends. 87 Punkte im Moment. Vielleicht hatte er einfach keinen guten Tag. Zum Abschluss zeigte aber ein 1984er Dunn Vineyards Howell Mountain Cabernet Sauvignon zu welchen Alterungsorgien diese Weine im Stande sind. Die Nase zeigte sich wunderbar reif und entwickelt, mit viel Waldboden, Laub, Trüffeln, dunkler Frucht und etwas Leder. Am Gaumen dann eine kleine Überraschung. Getragen von einer belebenden Säure wirkte der Wein alles andere als 28 Jahr alt. Die Fruchtkomponente zeigte sich harmonisch reif und das Tannin auf den Punkt bereit für den Verzehr. Was soll ich sagen: So großartig können sich nur wenige Napa Valley Cabernets entwickelt. Eine Weinerfahrung mit Seltenheitswert. Wow! 95 Punkte!

Fazit!

Faszinierend wie sich der rote Faden durch die gesamte Probe zog. Randy Dunns “Howell Mountain Cabernet Sauvignon” zeigt auf beeindruckende Art und Weise wie Weine mit wenig Alkohol, fester Tannin Struktur und purer Frucht locker 30 Jahre alt werden können. Doch auch in “Problemjahren” wie 1998 erzeugt er konstant gute Weine die sich nicht verstecken müssen. Ich empfehle jedem passinierten Weintrinker mit passendem Geldbeutel sich die reifen Dunn Howell Mountain Cabernet Sauvignon bei Californiawines.de einmal etwas genauer anzuschauen. Es lohnt sich!

Video: Above the fog – Howell Mountain

Weitere Dunn Howell Mountain Vertikalen bzw. Informationen zu Randy Dunn (auf Englisch):

Winemaker Randy Dunn: “Higher alcohol wines should stop”

Dunn’s greatness confirmed – drinking the 1980′s and 1990′s Howell Mountain Cabernets


Dunn – the last honest Howell Mountain cab?

A Howell Mountain original: Dunn Vineyards

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6 Gedanken zu “Vertikale einer Napa Valley Legende: Dunn Howell Mountain Cabernet Sauvignon

  1. Pingback: Tasting Report: 2009 HALL Napa Valley Cabernet Sauvignon « Gossip on the Web

  2. Pingback: Parker laufen die Leute weg – Antonio Galloni verlässt den Wine Advocate « Drunkenmonday Wein Blog

  3. Ich habe mit jetzt selber mal eine Flache von dem Wein bestellt. Der Preis ist nicht zu verachten, aber wenn sich der Genuß lohnt, warum nicht…

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